Spahn & die Masken 2.0

Ob es strafrechtlich relevant ist, ist ne offene Frage. Für einen Anfangsverdacht reicht es mMn. Warum ich trotzdem verstehe, dass es keine strafrechtliche Verfolgung gibt, habe ich auch schon gesagt.

Du musst mal Strafrecht von politischer Verantwortung trennen. Dass Spahn politisch verantwortlich ist, bestreitet er wahrscheinlich nicht einmal selbst. Und wenn jemand irgendwas zwischen 100 Millionen und mehreren Milliarden wegen „Selbstüberschätzung“ verschwendet, dann sollte er mMn politisch tot sein. Gute Fehlerkultur hin oder her. Wo ziehst du die Grenze?

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Und Untersuchungsausschuss

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Ich finde diesen Hinweis oft etwas wohlfeil, ähnlich wie auch bei der Forderung der Trennung von strafrechtlichen Konsequenzen und „nur“ beruflichen oder sozialen Konsequenzen im Komplex Meinungsfreiheit.

Letztlich trägt Spahn sicherlich politische Verantwortung für den Maskenskandal. Aber um Konsequenzen zu fordern muss er in einer Lage gehandelt haben, in der sein Handeln offensichtlich falsch war. Würdigt man die besondere Lage 2020, dann ist das eben nicht mehr so klar. Ich verweise dazu nochmal auf @Daniel_Ks Post.

Seine Entscheidung damals war retrospektiv betrachtet sicher falsch, aber war sie es schon damals? Klar, einige seiner Mitarbeiter haben davon abgeraten und empfohlen die Organisation von Masken an das Beschaffungsamt zu geben. Aber wäre das Beschaffungsamt in der Lage gewesen die Beschaffung effizienter und effektiver zu bewerkstelligen, in einer Phase in der es sich auch um Tausende andere Dinge kümmern musste? Daran gibt es berechtigte Zweifel, denke ich.

Man könnte die Warnung von Spahns Mitarbeitern auch als Melden macht frei interpretieren. Sie haben prophylaktisch Zweifel angemeldet, damit nicht später sie für Fehlschläge herangezogen werden. In der Verwaltung hat es Methode Verantwortung nach Möglichkeit abzugeben, um nicht später der Dumme zu sein. Gerade das ist oft eins unserer Probleme.

Und so sehe ich in diesem Fall eben die Notwendigkeit, strafrechtliche Vorwürfe nachzuweisen bevor Spahn ohne demokratische oder individuelle Entscheidung „gezwungen“ sein sollte sich aus der Politik zurück zu ziehen. Zumal er aktuell als Fraktionsvorsitzender auch kein klassisches verantwortliches Amt bekleidet, sondern nur einen fraktionsinternen Posten. Der ist zwar auch unheimlich mächtig, hat aber einen anderen „moralischen“ Stellenwert als wenn man einem Ministerium vorsteht und ein Haus führt.

Ansonsten müsste man auch Rücktritte von Menschen verlangen, die Northvolt Gelder gegeben haben, die in Magdeburg bereits Millionen in die Geländeerschließung zwecks Intel-Fiasko investiert haben, die die Politik der schwarze Null unterstützten und dadurch die Infrastruktur verrotten lassen haben usw..

Wir sollten im Zweifel fairer miteinander umgehen. Vor allem mit Entscheidungen, die im Unklaren getroffen wurden. Ja das Maskendebakel war teuer. Nicht ausreichend und rechtzeitig Masken zu haben wäre sicher aber weit teurer und skandalträchtiger gewesen.

Die wesentlichen Kritikpunkte lauten:

  • Spahn hat entgegen der damaligen fachlichen Einschätzung der dafür zuständigen Experten gehandelt
  • Spahn hat ein Zigfaches des damals - ebenfalls von Fachleuten - ermittelten Bedarfs an Masken bestellt
  • Das hatte die damals schon absehbare Folge von Milliarden zusätzlicher Kosten (die letztlich der Steuerzahler tragen muss)
  • Dass Spahn Aufträge lieber an seine Buddys verteilt anstatt Unternehmen auszusuchen, die besondern kompetent sind, war ebenfalls damals schon klar
    Vielleicht habe ich noch wichtige Punkte vergessen, aber was genau an Spahns fataler Selbstinszenierung soll denn damals angeblich noch niemand in seinen Ausmaßen hat erblicken können?

Auch hier die Bitte um Konkretisierung dieses nun zum x. Mal erhobenen Vorwurfs gegen „die Verwaltung“. Es geht ja gerade nicht darum, dass die fachlich kompetenten Stellen nur gesagt hätten „so könnte es aber schiefgehen, also lassen wir es lieber“, sondern dass sie gesagt haben: „die und die Kriterien müssen erfüllt sein und da und da ist das der Fall und da und da nicht“.

TL/DR: Du führst zum gefühlt 27. Mal die beiden gleichen Argumente an: 1. Das hat man ja damals alles noch nicht wissen können aka das war einfach eine Notlage und 2. Die Verwaltung bremst sowieso immer, nach dem Motto wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Nur: Von beidem bleibt nach näherer Betrachtung des Falls kaum etwas übrig außer knackigen Vorwürfen. Zudem schaffst du es wirklich auf keines der in diesem schon recht langen Thread vorgebrachten Gegenargumente inhaltlich einzugehen - ich weiß nicht ob ich das erstaunlich, belustigend oder frustrierend finden soll.

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Untersuchungsausschuss.
Was genau spricht gegen einen Untersuchungsausschuss?

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Untersuchungsausschuss geht nur mit Stimmen der SPD oder CDU (oder AFD), die haben kein Interesse da sie die Regierung stellen

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Dann gibt es offenbar keinerlei Kontrolle mehr.

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Es wurden gezielt Stellen geschwärzt, die Spahns Fehlverhalten dokumentieren. Nicht nur Spahn, auch Warken müsste nach der Geschichte eigentlich gehen.

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Da bin ich jetzt dann schon auf @Symsi Einschätzung gespannt.

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Es ist wirklich sehr bedauerlich, zu welchen Mitteln die Herren da heutzutage greifen müssen, um sich in der oberen Mittelschicht zu halten. Meine Gedanken gehen an all die Macher und Schaffer da draußen, bleibt stark und denkt dran: Probleme sind nur dornige Chancen!

Ich wollte mich eigentlich in dem Thread nicht mehr äußern, nachdem ein User mir hier zum wiederholten Male durch Polemik und destruktive Rhetorik aufgefallen ist. Aber wenn du mich so direkt ansprichst will ich reagieren.

Die Schwärzungen finde ich schwierig bis unverständlich. Man sollte hier transparenter sein. Und ganz klar, die Schäden hätten nicht sein sollen, besser nicht sein dürfen.

Bei der Frage nach Konsequenzen ist für mich aber eine klare, aktive Beteiligung an den Fehlern Voraussetzung. Hier ergeben sich für mich aus dem Tagesschau-Bericht weiter Fragen. Der Bericht legt eigentlich „nur“ offen, dass Spahn durch Aktenvermerke und Gespräche über die Beschaffung informiert war. Explizit nicht im Tagesschau-Bericht benannt werden aktive Tätigkeiten, wie Weisungen, die Führung von oder mindestens Teilnahme an Verhandlungen usw..

Nun ist die Frage, ob das ausreichend ist um Spahn Dinge wie bspw. Vetternwirtschaft vorzuwerfen. Oder ob das nur dokumentiert wie überfordert er in der Corona-Krise agierte.

Ich möchte es gern an einem anderen Skandal-Beispiel konkret machen. Ein gewisser Olaf Scholz steht seitvielen Jahren im sehr begründeten Verdacht, als Oberster Bürgermeister der Stadt Hamburg sich im Rahmen des CumEx Skandals mit dem Chef einer hamburger Bank getroffen zu haben. Anschließend soll er per Weisung an seine Finanzverwaltung eine Rückforderung verhindert haben.

Dieser Olaf Scholz trat seinerzeit, trotz seiner scheinbar offensichtlichen aktiven Einmischung nicht zurück. Mehr noch, er wurde wenige Jahre später Kanzlerkandidat der SPD und später Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Das ganze Land wusste da bereits lange von seinen mutmaßlichen Verstrickung.

Oder erinnert sich jemand an das Maut-Desaster? Alexander Dobrind hat völlig ohne Not und Druck aktiv Verträge geschlossen, die die Juristen des Bundestages, ebenso wie das damalige EU-Kommissariat als rechtswidrig einschätzten. Und das nur ein halbes Jahr, bevor die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zu dieser „Ausländer-Maut“ anstand.

Natürlich will ich niemandem unterstellen Dobrinds oder Scholz’ Fehltritte wohlwollend zu betrachten. Aber tatsächlich wäre das für mich der Maßstab an dem ich zwingend Konsequenzen erwarten würde. Eine aktive Beteiligung an Skandalen oder eine selbst verschuldete unterlassene Steuerung würden solche Forderungen eindeutig rechtfertigen. Und gleichzeitig sehen wir an den genannten Beispielen, dass selbst dieser Maßstab weder bei SPD noch Union in der Vergangenheit zu Konsequenzen führte.

Warum erwarten wir bei Spahn, der mutmaßlich nur passiv eingebunden war — sieht man mal von der Entscheidung das Beschaffungsamt außen vor zu lassen ab — nun anderes von der Union?

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In dem von mir erwähnten Teil steht, dass Spahn über seine MdB-Adresse Mails geschrieben hat, damit war er als offizieller Vertreter des Staates aufgetreten. Diese Mails müssen auch archiviert worden sein. Es stellt sich also die Frage, warum der Teil geschwärzt wurde, statt diese Mails den Abgeordneten zur Verfügung zu stellen.

Gute Taktik wenn sich die Vorwürfe zuspitzen.

Zum Thema Maut: du verwechselst Dobrindt und Scheuer. Und Scheuers Politikerkarriere ist zu Ende. Sein Wahlkreis hat ihn noch mal aufgestellt, nach bundesweiter Kritik ihn dann aber schnell abserviert.

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Bei deinen Beispielen gab es entweder einen Untersuchungsausschuss oder es sind Beispiele für weitere durch Unfähigkeit verursachte und von der Union tollierte Milliardenschäden. Dobrint sollte natürlich ebenfalls die politische Verantwortung übernehmen und nie wieder ein relwvantes öffentliches Amt bekleiden.

Also abgesehen von seiner unbestrittenen politischen Verantwortung und seinem aktiven Eingreifen war er nur Opfer der Umstände. Es sei denn, es hätte geklappt. Dann wär er ein Held. Fehlerkultur made by CDU.

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Der ungeschwärzte Bericht wurde mittlerweile veröffentlicht.
Jetzt müssten sich noch 9 MdB aus SPD oder/und Union finden, die einem Untersuchungsausschuss zustimmen.

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Interessant ist auch, dass versucht wurde, Frau Sudhoff zu diskreditieren. Und nun zeigt sich laut Tagesschau, dass es ihr zu verdanken ist, dass die Schadensersatzforderung einer Firma (und damit auch weiterer) erheblich reduziert werden konnte (von 12 Mio auf 250000) wegen eines alten Gesetzes gegen Wucherpreise in Notsituationen, das genau diese Feau Sudhoff ausgebuddelt und platziert hat.

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Wenn das Taktik wäre hätte ich wohl kaum auf dich geantwortet. Das ist doch Kindergartenniveau.

Du hast recht. Da habe ich die Namen verwechselt. Eigentlich dämlich, da ich ihn selbst gern Basti nenne, weil man dann seinen Namen als B(e) Scheuer(t) schreiben kann.

Stimmt Scheuer ist heute selbst nicht mehr im Amt. Er wurde aber nicht durch wütende Proteste aus seinem Amt gedrängt. Er trat auch nicht zurück. Sondern er wurde vom Bürger aus der Verantwortung gewählt. Dieses Modell wünsche ich mir, wie ich bereits mehrfach erwähnt habe, auch für Spahn, solange ihm nicht ganz klar boshaftes und schuldhaftes Fehlverhalten nachgewiesen wird. Dann gern auch eher. Um das zu prüfen habe ich mich oben auch für eine vorurteilsfreie strafrechtliche Untersuchung ausgesprochen.

Mir scheint, mein Plädieren für Fehlerkultur, bessere Umgangsformen, weniger Übertreibungen und eine Berücksichtigung der damaligen Lage wird hier als Verteidigungsrede für Spahn aufgefasst. Nichts liegt mir ferner. Spahn sollte weg, aber über den richtigen Weg, nämlich Wahlen, statt dass politisch eher links stehende Blasen (zu denen ich mich ebenfalls zähle) lautstark Rücktritt fordern. Dabei waren die ohnehin nie Spahn-Fans.

Siehst du 9 moralische Abgeordnete in diesen Parteien? Abgeordnete die nicht zuerst an sich denken.

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Huch, ich auch. Aber wir wussten wer gemeint war…

Nö. Er wurde von der CDU erstmal erneut (als direkt gewählter Abgeordneter) in dem Bundestag geschickt.

Es ist halt eine Verteidigungsrede gegen persönliche Verantwortung und für unfähige Minister.

Wahlen sind auch nicht der Einzige Weg, wie sich Dinge ändern. Parteien haben einen direkten Einfluss darauf, wen sie in Amt und Würden heben.

Ich finde dein Verständnis von Fehlerkultur einfach absurd und schädlich, denn es belohnt die, die keine Verantwortung übernehmen wollen und spricht alle anderen, die ihrerseits etwas tun könnten, von jeder Verantwortung frei.

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Hinzuzufügen ist, wie jeder kleine Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst verantwortlich gemacht wird (Ich selbst hatte als Rechtspflegerin eine Regressversicherung für Schäden, die ich durch meine Arbeit verursacht hätte und habe noch nicht mal einen Kugelschreiber angenommen und auch nicht annehmen dürfen.)
Wie jede Bürgerin, die staatliche Leistungen beantragt, dies 100% fehlerfrei tun muss, um nicht in Regress oder Schlimmeres zu geraten.
Wie jeder Bürgergeldempfänger, der extrem kontrolliert und leider oft unzulässig drangsaliert wird.
Und wie fatal sind Fehler für Schutzsuchende? Bei ihnen lässt vor allem auch genau dieser Herr Spahn keine Nachsicht (wegen Notlage und so) walten.

Niemand verlangt Regress gegen Spahn, aber wo kommen wir hin, wenn man sich so dumm, fahrlässig, selbstüberschätzend und aus meiner Sicht auch korrupt verhalten kann, ohne zutücktreten zu müssen, ohne dass es einen Untersuchungsausschuss gibt? Wenn wir sehr viel Pech haben, wird Spahn einmal Bundeskanzler. Das kann doch einfach nicht wahr sein. Amerikanische Verhältnisse.

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Und auch Frau Warken sollte zurücktreten.
Es sind schon Ministerinnen wegen weitaus geringerer Verfehlungen zurückgetreten.

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