Ich gebe dir grundsätzlich in allen Punkten Recht - aber das ist ja letztlich genau der Punkt.
Es obliegt der Union, zu entscheiden, ob Spahn so großen Mist gebaut hat, dass sie ihn nicht mehr in einem höheren Amt einsetzen kann. Und es ist am Wähler, zu entscheiden, ob die Entscheidung der Union richtig war.
Das ist eben Demokratie - Spahn hat das Recht, sich über seine Berater hinweg zu setzen und Dinge von den Fachabteilungen seines Ministeriums an sich zu reißen - juristisch muss er dafür auch keine Rechenschaft ablegen (insofern keine Bereicherungsabsicht oder ähnliches vorliegen). Aber wenn er sich über die Berater hinweg setzt und entgegen aller Empfehlungen und üblichen Handhabungen der Fachabteilungen handelt muss er sich dafür vor seiner Partei und dem Wähler rechtfertigen.
Ob die Rechtfertigung des Corona-Notstandes dafür genügt müssen letztlich seine Partei und die Wähler entscheiden. Zu Gute halten muss man ihm dabei tatsächlich, dass wenn er es nicht „zur Chefsache“ gemacht und die normalen, langsameren und vorsichtigeren (im Hinblick auf das Volumen) Wege beschritten und es nicht gereicht hätte, es ein riesiger Skandal gewesen wäre. Insofern halte ich mich mit Kritik hier auch etwas zurück. Aber ich weder CDU-Wähler und schon gar kein CDU-Mitglied, und auch nicht in einer Regierung, die mit ihm zusammenarbeiten muss. Von daher brauche ich mir zu diesem Thema genau genommen keine Meinung bilden, es ist einfach nicht mein Bier. Eine Aufarbeitung durch die Medien ist dennoch nötig, damit potenzielle CDU-Wähler sich ein Bild machen können, ob sie dieses Verhalten Spahns akzeptabel finden oder nicht.