Tut mir leid, ich kann diese Deutung nicht nachvollziehen. In meiner gesamten Replik auf Ihren Beitrag ging es ja nicht um Impfungen von Kindern im Allgemeinen, sondern um die Behauptung, die Impfung von Kindern sei, wie Sie es formulieren, „die einzige Option, die jetzt noch kurzfristig aus dieser schwierigen Lage helfen kann.“ Das deckt sich ja in etwa mit dem Beschluss des Ärztetages, auf den in der von Ihnen zitierten Pressemitteilung Bezug genommen wird. In der entsprechenden Pressemitteilung der Bundesärztekammer heißt es wörtlich:
Das Recht auf Bildung könne im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Corona-Impfung gesichert werden.
Das heißt für mich sinngemäß: Ohne schnelle und massenhafte Impfungen gibt es für Kinder kein Recht auf Bildung. Die Kommentare unter der von Ihnen verlinkten Pressemitteilung lassen erkennen, dass ich mit dieser Interpretation nicht alleine bin. Und in etwas knapperer Formulierung schrieb ich daher von der „Forderung nach schnellen Massenimpfungen“. Es ist also eine doppelte Einschränkung („schnell“ und „Massen-“). Ich verstehe nicht, wie Sie daraus lesen, ich hätte behauptet, die genannten Fachgesellschaften (nicht „Jugendverbände“, wie Sie schreiben) seien grundsätzlich gegen Impfungen von Kindern.
Schauen wir uns nun einmal an, was die drei genannten Fachgesellschaften zum Beschluss des Ärztetages sagen (ich habe hierzu bisher nur Tweets gefunden).
Johannes Hübner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) twittert dazu:
Werde ich so nicht unterstützen !! Beim Durchsehen der Liste der Antragsteller sehe ich da auch keinen Kinderarzt als Verteter der relevanten kinderärztlichen Fachgesellschafte DGPI, DGKJ oder bvkj aufgeführt ProfDTSchneider Kellerpass tofi42699 DGKJ_eV ??? [Quelle]
und
Und bitte nicht falsch interpretieren: bin sehr froh über die Impfmöglichkeit bei Kindern, aber das muss (wie auch bei den Erwachsenen) absolut freiwillig sein. Keine Impflicht für Kinder durch die Hintertür ! [Quelle]
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) twittert:
Diesen Antrag können wir in dieser Form und in seinen Aussagen nicht unterstützen!
Entscheidend ist das Inhaltliche:
die Biontech Zulassungsstudie für Jugendliche 12-15 Jahren ist noch nicht publiziert, nur in Form von Pressemeldungen… [Quelle]
und
… aber auch diese Studie muss sich zunächst einer wissenschaftlichen Bewertung stellen.
Die Daten müssen zudem von EMA, PEI, STIKO geprüft, bewertet, in Zulassung und Empfehlung gebracht werden.
Der Ärztetag hat hier also ohne wissenschaftliche Grundlage entschieden. [Quelle]
Vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj) heißt es:
Wir wollen sobald wie möglich gegen #Corona impfen. Nach der Zulassung durch die #EMA und mit #STIKO Empfehlung. Auf freiwilliger Basis. #Impfen ist unser täglich Brot. Wir kennen unsere Patienten, ihre Vorgeschichte und Familie. Und wir haben Räumlichkeiten und Logistik. Go! [Quelle]
Alle drei Verbände unterstreichen also die Wichtigkeit einer ordentlichen Zulassung durch EMA und STIKO, sowie die Freiwilligkeit der Impfung. Zudem kritisieren zwei der Verbände den Beschluss des Ärztetages als verfrüht. Die Einwände betreffen also genau die Punkte, die ich mit meiner Formulierung versucht habe zu beschreiben.
Fairerweise muss ich dazusagen, dass ich mich nur bei einem meiner vier Argumente auf die Positionen der drei Verbände bezogen habe, bei den anderen Punkten sind diese teilweise anderer Meinung. Dass heißt allerdings auch, dass ich mich gar nicht dazu geäußert habe, wie diese Verbände generell zu Impfungen von Kindern stehen.
TL/DR: Thema meines vorherigen Posts waren nicht Impfungen von Kindern im Allgemeinen, sondern die Behauptung, bestimmte Rechte für Kinder seien nur durch eine De-Facto-Impfflicht für Kinder zu gewährleisten.