Das ist eben gerade nicht klare Kante, sondern wischi-waschi.
Ich bin ein Freund der klaren Aussagen von Annalena Baerbock. Das gab es selten, aber zeugt von Selbstbewusstsein. Und auch wenn das nicht immer auf positive Resonanz stößt, wird das auf internationale Bühne mit Sicherheit auch entsprechend respektiert.
Wenn ich mit Trump Kuschelkurs fahren will, muss ich das durchziehen oder lassen.
Das gleiche ja mit dem Volk. Die Vorwürfe gegen die eigene Bevölkerung bringen keinen weiter. Ist ja nett, dass der Bundeskanzler feststellt, dass die Leute mehr arbeiten sollen oder die Rente nicht sicher ist.
Und jetzt? Wer ist hier derjenige, der die Anreize und Voraussetzungen schafft? Wer steht am Steuer und lenkt mit Steuern und Subventionen den Karren?
Friedrich Merz sitzt nicht mit uns am Stammtisch und kann da gemütlich politisieren. Er muss der sein, über dessen Ideen und Entscheidungen wir politisieren.
Ganz stimmt deine Korrektur der Metapher aber nicht. Alle Bundestrainer einigen sich auf die Stadionbesucher (Parlament), die stellen mehrheitlich (Koalition) den Trainer auf (Bundeskanzler) und der nach Wünschen der Stadionbesucher (Parlament) zum größten Teil die Mannschaft (Regierung).
Außen vor bleiben alle anderen Bundestrainer. Aber, zurück zur Ausgangslage, die sind zufrieden, wenn sie Mannschaft gut spielt.
Wir haben eine in die Jahre gekommene Mannschaft ohne Neuverpflichtungen, die meint, mit ihrem inflexiblen tiefen 4 2 3 1 immer noch gewonnen zu können.
Das gelingt gegen kleinere Mannschaften, aber nicht gegen größere.
Unser LA und RA sind komplett egoistisch, und arbeiten nach hinten gar nicht mit, den LV zieht es ständig ins Zentrum, und der RV rennt oftmals planlos auf dem rechten Flügel nach vorne.
Unser Stürmer hat seine Prime hinter sich, und ist träge und langsam.
Die Vereinsführung hat Felix Magath als Trainer verpflichtet.
Für unsere Fans gelten viele Spieler schon jetzt als Vereinslegenden, pfeifen die Truppe aber nach jeder Niederlage aus.
Vereinzelte „Magath raus“ rufe gab es auch schon, einige fordern sogar den Austausch der kompletten Clubführung.
Ich würde eher sagen, zwischen 30 und 50 Prozent der Zuschauer - im Stadion und am Fernseher - fordern plötzlich, nicht mehr Fußball, sondern Rugby zu spielen und einige Spieler versuchen dem gerecht zu werden, indem sie es mehr auf body checks anlegen als darauf, den Ball zu kontrollieren
Das sind die Leute, die 50 + 1 weg haben wollen, und am liebsten einen dubiosen Investor an Land ziehen wollen, und den ganze Verein von einem CEO ohne Mitspracherecht der Vereinsmitglieder geleitet haben wollen.
Natürlich geht das. Schulden aufnehmen und sinnvoll investieren. In Bildung und Infrastruktur lohnt sich immer. Das investierte Geld kommt doppelt und dreifach zurück. Dass wir aktuell überhaupt ein minimales Wirtschaftswachstum haben, ist dem Sondervermögen Infrastruktur geschuldet.
Den Staatshaushalt mit dem Privathaushalt gleichzustellen ist ökonomisch Quatsch. Der Staat finanziert sich über Schulden, indem er Geld in Umlauf bringt, worauf überhaupt erst Steuern anfallen, die der Staat dann wiederum einnimmt. Aktuell sparen quasi alle. Das Ausland will sich nicht mehr bei uns verschulden, die Binnenmarktnachfrage läuft wegen geringer Kaufkraft nicht und der Staat hängt am Tropf der Schuldenbremse.
Der Staat muss massiv in die Kommunen bzw. Länder investieren, damit den Menschen vor Ort signalisiert wird, dass der Staat funktioniert und deren Leben nicht kaputtgespart wird.
Wir sind ein extrem reiches Land, nur ist der Reichtum extrem ungleich verteilt. Während seit Jahrzehnten jede Millionen in sämtlichen öffentlichen Haushalten zusammengekratzt wird, wird eine kleine Gruppe Menschen immer reicher. Wir brauchen einen Lastenausgleich, wie wir ihn schon einmal hatten. Das ist entscheidend für eine Demokratie, denn sonst sehen die Menschen nur, dass ihr Leben immer schlechter wird und wenden sich ab.
Also was jetzt: Kritisieren wir den Kanzler dafür, dass er die USA brüskiert hat oder dafür, dass er es lautstärker auf amerikanischem Boden hätte tun sollen?
Man darf nicht vergessen, dass es in der EU ganz klar eine Aufgabenteilung gab. Macron soll klare Kante gegenüber Trump zeigen, Meloni und Merz versöhnen, um die USA bei der Stange zu halten, solange wir abhängig sind. Da ist Merz jetzt sinnloserweise ausgeschert, weil er bei den Schülern zu offen gesprochen hat. Andererseits erwarten wir doch von Politikern regelmäßig, dass sie offener reden.
Auch wenn ich verstehe, dass du die Worte von Frau Baerbock gut fandest, letztlich war es ein Schlingerkurs. Zu Xi war sie sehr deutlich, auch auf die Gefahr hin außenpolitischer Folgen. Zum Kriegsverbrecher Netanjahu und seiner Gang war jedoch kaum was in der gebotenen Deutlichkeit zu hören, obwohl die dort eine Verwüstung verursachen, wie sie weder China noch Russland je anrichteten.
Die Wahrheit ist, auch Baerbock hat sich überlegt wem gegenüber sie laut ist und zu wem sie aus Gründen besser schweigt.
In Analogie zu Godwin’s Law würde ich formulieren: „Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich unabhängig vom thematischen Kontext die Wahrscheinlichkeit für eine kritische Erwähnung Israels dem Wert Eins an.“
Nur ging es hier nicht um Israelkritik, sondern um doppelte Standards des Posters. Wenn man Frau Baerbock für klare Kante lobt, muss erlaubt sein zu fragen, wo diese Kante in einem der damals humanitär bedenklichst geführten Konflikte war.
Tatsächlich hat Baerbock ihre Kritik davon abhängig gemacht, wo sie bei ihrer Peer Punkten konnte. Und da geht China- oder USA-Kritik einfach besser.
finde das Thema sehr spannend und hoffe ihr verzeiht mir einen kleinen Abstecher. In der letzten Lanz und Precht Folge, wurde die These diskutiert, dass die representative Demokratie einfach aus der Mode gekommen ist. Finde ich eine spannende Hypothese:
das Konzept „representative Demokratie“ entspringt einer Zeit, in der ein großer Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu Informationen, höherer Bildung hatte und auch der Anteil der Analphabeten größer war.
Heute müssten wir viel eher über eine direktere Beteiligung der Leute an der Zukunft unseres Landes sprechen. Nur wenn wir alle mit verantwortlich für die Ausrichtung unseres Landes sind, wird der regelmäßige Shitstorm etwas regulierbar werden. Damit würde auch bewirkt werden, dass einzelne Interessenvebände, weniger Kraft gegen die 80+ Millionen Einwohner haben.
Die letzte Wahlrechtsreform hat leider genau das Gegenteil bewirkt. Direkt gewählte Abgeordnete sind nicht so wichtig, wie Politiker, die sich bei Verbänden gut stellen und die Parteilinie vertreten und entsprechend höher auf der Liste stehen.
Wenn man dann noch konsequent denkt, müsste man das Wahlrecht ab 70 ggf ebenfalls abschaffen. Wir lassen Mitbürger unter 18 nicht wählen, da sie noch nicht die Maturität haben, um an der Zukunft der Republik mitzuwirken. Dann würde ich Bürgern in den letzten Lebensjahren auch unterstellen, dass sie weniger Interesse daran haben, die Zukunft der Republik für die nächste Generation zu ebnen.
Um jetzt an dem Vergleich zum Sport festzuhalten: eine Strategie, die von Spielern und Trainern gleichermaßen vertreten wird und ggf. Gemeinsam entwickelt wurde, ist vielleicht besser als Taktiken aus dem 20 Jahre alten Taktik-Theorie-Buch des Kanzlers auszupacken
Dass eine Spitzenpolitikerin mit ihren politischen Äußerungen eine bestimmte Wirkung - vor allem auf potenzielle Wähler - und nicht etwa die kompromisslose Vertretung und Umsetzung von Menschenrechten im Sinn hat, halte ich wirklich für eine gewagte These, die auf bedrückendste Art mangelndes Vertrauen in die Institutionen der repräsentatven Demokratie befürchten lässt.
[Edit: Ich fürchte es ist notwendig zu ergänzen, dass dieser Beitrag ironisch gemeint war]
Warum soll ein 70-Jähriger etwa von einer Erhöhung des Renteneintrittsalters oder von einer in 10 Jahren einsetzenden Absenkung des Rentenniveaus „deutlich mehr betroffen“ sein als jemand, der überhaupt nicht weiß, ob es in 50 Jahren überhaupt noch so etwas wie ein staatliches Rentensystem geben wird?
Auch da gibt es neben den zu Pflegenden ja auch die Pflegenden.
Und was den Punkt angeht, hab ich diesem Thread ja wie gesagt von Anfang nicht verstanden, worum es konkret gehen soll. Und im weiteren Verlauf drängt sich mir der Eindruck auf, dass alle einfach über den Aspekt schreiben, der ihnen irgendwie wichtig erscheint. Da sag ich nur: Wenn’s Spaß macht… Woran ich mich nur störe, sind m. E. nicht begründete Generalisierungen - so auch in diesem Fall.