Meine These war eine andere, nämlich die, dass Fake-News-Gläubige nicht unbedingt geistig flexibler wären, wenn es keine Fake News gäbe.
So, ist die Berichterstattung über Messerattentäter Fake News? Sie mag in der Art und Weise, wie sie gemacht ist, verantwortungslos sein, aber Fake News im Sinne des Verbreitens von Falschnachrichten ist sie doch in den seltensten Fällen.
Und dennoch emotionalisiert sie einen Teil der Bevölkerung.
Da es zur Medienwirkung der Berichterstattung über die jüngsten Ereignisse mutmaßlich noch keine Forschung gibt, will ich es mal bei folgendem Gedankenexperiment belassen:
Wenn es so ist, dass die Medienberichterstattung ohne Fake News schon einen Teil der Menschen emotionalisiert, dann kann man einmal fragen, was diese Emotionalisierten verbindet. Meine Vermutung wäre, dass es sich vornehmlich um solche Menschen handelt, die auch vorher schon rassistische Vorurteile gegenüber bestimmten Migrantengruppen hatten. Da auch das Phänomen der emotionalen Ansteckung in der Forschung beschrieben ist, könnten darüber hinaus auch Menschen davon erfasst werden, die wenig Vorurteile gegenüber den bezichtigten Fremdgruppen hatten.
Wohlgemerkt, alles ohne Fake News!
Mutmaßlich fallen jedoch nur jene Leute auf Fake News wie etwa die Verschwörungstheorie vom ‚großen Austausch‘ herein, die ohnehin schon schwerwiegende rassistische Vorurteile hatten. Dass jene sich von diesen lösen, ist unwahrscheinlich, da die Vorurteile ohnehin massiv die Weltsicht beeinflussen.
Es gibt in der Persönlichkeitspsychologie einen Faktor, der sowohl die politische Einstellung als auch die die gedankliche Flexibilität stark beeinflusst, es ist die Offenheit (für neue Erfahrungen). Wer wenig davon hat, tendiert zum Rechtsautoritarismus, dem ja Rigidität ‚eingeschrieben‘ ist. Wer viel davon hat, ist neugierig und geistig flexibel. Das Persönlichkeitsmerkmal openness ist recht stabil im Lebensverlauf. Und da ist es letztlich auch unerheblich, wie man die Erblichkeit einschätzt, auch wenn Studien ihm eine hohe Heritabilität attestieren. Nehmen wir einfach mal an, das Merkmal wäre in früher Kindheit erworben. Dann ist es immer noch so, dass sich aufgrund seiner nachfolgenden Stabilität daran nur wenig ändert. Rigide Erwachsene mit geringer Offenheit lassen sich nicht zu Menschen mit hoher Offenheit machen. Daher bleibt deren geistige Flexibilität ebenfalls geringer.
Nachgewiesen wurde auch, dass sich selbst als conservative einschätzende Personen, für deutsche Verhältnisse wären das Rechte, eine größere Amygdala haben, was man vereinfacht gesagt als „Angst-Zentrum“, wie es mal irgendwo hieß, definieren könnte. Zur geringeren Offenheit kommt also dann noch eine höhere Angstanfälligkeit hinzu.
Wenn dann also unter Umständen Angstmachendes in den Medien auftaucht, dann werden tendenziell diese Menschen sehr viel stärker getriggert.
Alles ganz ohne Fake News!
Lange Rede, kurzer Sinn: Es bedarf also gar keiner Fake News, um entsprechende Reaktionen bei diesen Leuten hervorzurufen. Da sie schon aus anderen Gründen (s. o.) geistig inflexibler sind, werden sie von ihrer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit auch ohne Fake News nicht abrücken.