Ganz klar in der Kommunikation, Rhetorik, Überzeugung.
Will man z. B. Impfgegner überzeugen, sich impfen zu lassen, dann sollte man erkennen, dass wir zwar den Wert Care (ich bin solidarisch mit anderen, vor allem älteren Menschen) stark betonen, sie aber den Wert Sanctity anwenden (so ein Scheiß soll nicht in meinen Körper rein) und - hier kommt de Moralpsychologie wirklich zum Tragen - wir das akzeptieren müssen und sie nicht mit logischen Argumenten überwältigen können.
Nur eine emotionale Herangehensweise, die auf Geschichten basiert, packt das Gehirn und lässt es eher offen werden für andere Sichtweisen.
Und du hast auch recht, wenn du sagst, wir sind uns ähnlicher als wir denken - denn die Forschung von Haidt und Co. zeigt auch, dass liberals i. d. R. durchaus auch Wert auf Sanctity („ich ess nur bio“) usw. legen, aber sie sind sich dessen meist unbewusst und stehen eben nicht dazu.
So haben auch liberale Menschen z. B. gesagt, man sollte seinen verstorbenen Hund nicht essen, obwohl es dafür nur auf Basis von Care und Fairness nicht wirklich Argumente gibt. Sie erfinden dann Dinge wie „man könnte davon krank werden“, anstatt einfach zu sagen „das ist falsch, weil es eine Verschandelung der liebevollen Beziehung ist“ (Sanctity). Nicht weil sie lügen, sondern weil sie es sich einfach nicht bewusst waren.
Eine andere Studie, die mich sehr beeindruckt hat: Bittet man Menschen, auf politische Fragen zu reagieren, und dann wie die Gegenseite zu reagieren, dann zeigen sich klare Unterschiede: Liberals haben keine Ahnung, wie Konservative antworten würden. Sie liegen total daneben. Konservative hingegen können sich gut in liberals hineinversetzen. Passt dazu, dass Konservative eben mit allen Werten was anfangen können.
TL;DR: Anwendung = Sich die eigene „Geschmacksrichtung“ bewusst machen, die der anderen besser verstehen, und dadurch besser kommunizieren und andere Menschen von seinen Positionen überzeugen können.
Sorry für den langen Post 