Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (die Grünen) schlägt vor, die Vielzahl von Wahlterminen in Deutschland auf zwei gemeinsame Wahltermine zu konzentrieren.
Sein Ausgangspunkt: Der fast permanente Wahlkampf förderd kurzfristige Symbolpolitik, erschwere unpopuläre, aber notwendige Reformen und lasse politische Entscheidungen zu häufig dem nächsten Wahltag unterordnen
Sein Vorschlag
- Bundestags- und Kommunalwahlen sollen an einem gemeinsamen Termin stattfinden.
- Alle Landtagswahlen sollen an einem zweiten Termin gebündelt werden – z.B. in der Mitte der Bundestagswahlperiode.
- Voraussetzung: Bundestag und Bremen verlängern ihre bislang vierjährigen Legislaturperioden auf fünf Jahre.
Warum Nouripour in diesen Vorschlag noch die Begrenzung der Amtszeit des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin auf zwei Wahlperioden reinquetscht, habe ich nicht verstanden. Auch wenn es ebenfalls ein bedenkenswerter Vorschlag ist.
Die erhoffte Wirkung:
Zwischen Wahlkämpfen entstünden längere Phasen, in denen Regierungen und Parteien eher zu tragfähigen Kompromissen und langfristigen Lösungen bereit wären. Der politische Betrieb würde weniger von taktischen Rücksichten auf unmittelbar bevorstehende Wahlen geprägt.
Offene Fragen:
Eine Umsetzung wäre rechtlich und politisch anspruchsvoll, weil Änderungen des Grundgesetzes sowie vieler Landesverfassungen erforderlich wären. Bei vorgezogenen Neuwahlen könnte die darauf folgende Wahlperiode bis zum nächsten regulären gemeinsamen Termin verkürzt werden.
Früher Diskussionstand hier:
Wir haben über diesen Vorschlag hier im Forum schon einmal im Oktober 2023 diskutiert:
Auch damals ging es zum einen um die Frage, ob sich Wahltermine stärker bündeln ließen, um den Eindruck eines permanenten Wahlkampfs zu verringern. Vorteil: Regierungen und Parlamente hätten mehr zusammenhängende Zeit für Gesetzgebung und Umsetzung; zugleich könnten gemeinsame Termine die Beteiligung bei Landtags- oder Kommunalwahlen erhöhen.
Dagegen stand vor allem der föderale Einwand: Würden alle Ebenen gleichzeitig wählen, drohten Landes- und Kommunalthemen im Bundestagswahlkampf unterzugehen. Außerdem ließen sich Wahlkalender durch vorgezogene Neuwahlen oder Misstrauensvoten kaum dauerhaft vollständig synchron halten. Als Kompromiss wurde genau das vorgeschlagen was Nouripour jetzt vorschlägt: Bundestags- und Kommunalwahlen bündeln und Landtagswahlen etwa zur Halbzeit der Bundeslegislatur. Das würde große Wahlkampfphasen auf einen Rhythmus von ungefähr zwei Jahren begrenzen und zugleich eine regelmäßige politische Rückmeldung ermöglichen.
Zum anderen wurde ebenfalls eine Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf oder sechs Jahre diskutiert.
Pro: Langfristige Vorhaben geraten weniger schnell unter Wahlkampfdruck.
Contra: Längere Perioden vergrößern den Abstand zwischen den Möglichkeiten, Regierungen politisch zu korrigieren oder abzuwählen — gerade in einer zunehmend schnelllebigen Gesellschaft. Deshalb Verlängerung nur zusammen mit belastbaren Ausgleichsmechanismen, z.B. Bürgerräte.