Rente - Irreführung durch die Politik (und Medien usw.)

Die Rentenversicherung informiert auf

über die “drei Säulen” wird hier klar gesagt: “Künftig stehen immer mehr Rentenbezieher immer weniger Beitragszahlern gegenüber. Für sie darf der Beitragssatz nicht zu stark steigen. Deshalb wird die gesetzliche Rente in den kommenden Jahrzehnten langsamer wachsen als die Löhne. Außerdem wird der steuerpflichtige Teil der Rente schrittweise bis 2040 steigen. Es ist deshalb sehr wichtig, zusätzlich für das Alter vorzusorgen. Gehen Sie es mit den drei Säulen an.“

Das ist nicht neu - es ist seit Einführung der Riester-Rente 2002 eigentlich die offizielle Botschaft. Und auch vorher war private Altersvorsorge begünstigt, Mir wurde bei meinem Berufsstart als Akademiker 1996 von einem bekannten Versicherungsvermittler Lebens- und Rentenversicherungsprofukte verkauft mit der Prämisse, so Steuern zu sparen und Vermögen auch fürs Alter zu bilden. Altersvorsorge – Wikipedia vermerkt dazu “Bis heute wird kritisiert, dass das Anfang der 2000er Jahre eingeführte Drei-Säulen-Modell für die Versicherten teurer und in den Leistungen schlechter sei, als dies vormals die gesetzliche Rentenversicherung konnte.” - ja mei, es würde an Zauberei grenzen, wenn abgesichts der Demografie ein wesentlich auf Umlage basierendes System anderes möglich machen könnte.

Was mich irritiert, ist dass diese damals klar gesetzte (und auch logisch nachvollziehbare, unausweichliche) Botschaft seitdem von der Politik und den Medien zunehmend verdrängt wurde, und nun wieder so getan wird, als müsste die gesetzliche Rente allen einen gemütlichen Ruhestand ermöglichen. Zuletzt durch eine finanzmathematisch unsolide Anhebung des Rentenfaktors ausgedrückt. Da war man damals schon weiter, was Erkenntnis und Kommunikation betrifft - und die damals festgeschriebene zunehmende Besteuerung der Renten stellt mMn einen sozial gerechten Mechanismus dar, der gutverdienende Ruheständler zur Kasse bittet und damit dem Staat eigentlich eine zunehmende Unterstützung von Niedrigrentner*innen (hier dürften Frauen einen höheren Anteil ausmachen) ermöglichen könnte.

Denn das ist die Lücke, die die damalige “Säulenhalle” geschaffen hat: wer im Arbeitsleben nichts übrig hat, um neben den SV-Pflichtbeiträgen noch privat vorzusorgen, dem droht Altersarmut. Und denen sollte der Staat eine würdevolle Lebensführung ermöglichen!

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Danke für den Impuls. Sehe ich genauso, interessant dass das sogar die Deutsche Rentenversicherung selbst erkannt hat ( die ansonsten nicht immer für nüchterne Analysen zum Thema gesetzliche Rente bekannt ist).

Ich fand an der Stelle auch die Analyse in der aktuellen Lage etwas schwach, da nur Merz einseitig dafür kritisiert wurde, dass er die Wahrheit ausspricht (ich bin bei euch dass das Timing unglücklich war). Die SPD reagiert darauf mit einer populistischen Kampagne der Empörung, die wieder nur zeigt, dass die SPD es mit dem Thema Rentenreform einfach nicht ernst meint. Hier ist die Lage leider mal wieder sehr einseitig, so eine Reaktion hätte man bei CDU/FDP/AfD wohl als populistisch und unehrlich beschrieben …

Warten auf die Ergebnisse der Rentenkommission (wie in der aktuellen Lage unter anderem vorgeschlagen) wird wohl auch nichts bringen, da ja alle Probleme und Lösungsansätze seit Jahren bekannt sind (siehe Beitrag oben).

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Sehe ich auch so und bin, im Gegenteil, entsetzt, dass Merz auf seine „Binse“ hin so einen Shitstorm kassiert. Wie weit große Teile der Politik und Medien sich von der Realität entfernt haben und sich weigern, diese zur Kenntnis zu nehmen, erschreckt mich!

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Nun … In diesem Fall geht es auch um das Wie, Wo und Wann. Erstens schafft Merz es immer wieder, bei nicht nur für den Koalitionspartner strittigen und/oder heiklen Themen den falschen Ton zu treffen, zweitens hat er den Satz vor einem Publikum geäußert, das gerne an der privaten Säule ordentlich mitverdienen möchte, und drittens gibt es eigentlich eine Rentenkommission, die im Juni ihre Vorschläge vorlegen wird. Kurz: Er wäre gut beraten gewesen, die Vorschläge der Kommission abzuwarten und dann gemeinsam mit der SPD eine abgestimmte Strategie vorzulegen - und zwar zuallererst gegenüber der Bevölkerung.

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Genau das. Es wurde ja auch in der Lage gesagt, dass Merz hier inhaltlich ausnahmsweise sehr wahre Worte von sich gibt. Wir sollten die Aussage aber im Kontext betrachten: aktuell jagt eine schlechte Nachricht die nächste, ständig wird von neuen Einschränkungen, Abgaben, schlechten Zukunftsvisionen berichtet. In dieser Situation wäre ich als Führungsperson gut darin beraten, zwar die Wahrheit auszusprechen, aber die Bevölkerung eben auch aufzufangen: mit einer klaren Vision und einem Plan, wie es konkret weitergeht. Letzteres kann er aber nicht seriös, weil dafür ja die Rentenkomission zuständig ist. Ohne die Ableitung bleibt wieder ein Vakuum, in dem Empörung leicht gedeiht.

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Leider kämpft die SPD ums Überleben und fürchtet den Todesstoß, wenn sie Zumutungen aussprechen. Und so verschließt man die Augen vor den Problemen oder redet sie klein.

Ich war entsetzt, als Hubertus Heil bis zuletzt als Minister erklärte, die Rente sei sicher. Man müsse nur mehr Frauen in Vollzeit beschäftigen. Bei der SPD scheint mir eine absolute Realitätsverweigerung zu herrschen.

Gleichzeitig merkt das der Wähler und kehrt der SPD den Rücken, weil kaum noch jemand ihr zutraut, Zumutungen zu tragen.

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Was ist das denn für ein Begriff: “würdevolle Lebensführung”? Wer das verlangt, verlangt doch nur, dass das Existenzminimum nicht unterschritten wird. Denn erst dann wird es unwürdig i.S.d. Art. 1 GG. Altersarmut wird so nicht ausgeschlossen. Man könnte allenfalls noch kritisieren, dass das Existenzminimum zu knauserig berechnet wurde.

Und die Entwicklung der Altersrenten beruht im Endeffekt auf einer Lebenslüge dieser Republik seit dem “Pillenknick” vor fast 60 Jahren. Es gab da mal den einen lichten Moment mit Müntefering und der „Volksschule Sauerland“ (Erhöhung des Renteneintrittsalters). Das ist der Weg. Denn die Entwicklung der Geburtenzahlen seit 1967 beschert uns Generation um Generation 30% weniger Rentenzahler als in der Vorgeneration, z.Zt. nur teilweise ausgeglichen durch Zuwanderung. Also muss man das Verhältnis von Zahlern und Empfängern über das Renteneintrittsalter steuern.

So lustige Ideen wie “Einbeziehung der Beamten” sind dagegen Nebelkerzen, da dadurch der Staat bis zum Zusammenbruch ausgeblutet würde, weil er Jahrzehnte lang zugleich die Pensionen der Bestandsbeamten und die vollen Rentenbeiträge der neuen Beamten zahlen müsste. Volle Rentenbeiträge, weil er den halben Beitrag als Arbeitgeber zu zahlen hätte und die Besoldung neuer Beamter um einen halben Beitrag erhöhen müsste, oder glaubt einer, er würde noch Bewerber haben, wenn deren Nettolöhne mal eben um 10% ggü den Stand heute absinken?

Und Beamte würde die Rentenversicherung eh’ nicht wollen, weil die jedenfalls bisher vom Personalärztlichen Dienst so ausgewählt werden, dass sie möglichst bis zum Rentenalter gesund durchhalten, mit dem Nebeneffekt, dass die Gesündesten eines Jahrgangs die besten Chancen auf Verbeamtung haben. Und das sind dann, die nach Renteneintritt einfach fröhlich weiterleben und deshalb länger als andere monatlich Geld abheben wollen.

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Bei den Beamten kann man durchaus sparen, indem man die Pensionen einfach auf das Niveau der gesetzlichen Versicherung zusammenstreicht aber immer noch aus Steuermitteln bezahlt. Dann sind mehr Steuermittel frei um die Subventionen der Rentenkasssn zu stämmen.

(Gleiches gilt für die Krankenvorsorge, da sollte man Beamten auch auf die öffentlichen umstellen)

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Das wird oft behauptet, geht aber nur mit einer Änderung des Grundgesetzes.

Und dann muss man noch Bewerber finden. Schon heute stellen die Finanzministerien der Länder Headhunter ein, um genügend Abiturienten und Uniabsolventen zu schanghaien. Die Steuerberater würden jubeln.

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Das müsstest die erklären. Mir ist bekannt, dass das Beamtenverhältnis in der Verfassung besonders geschützt ist, und den Beamten eine standesgemäße Alimentation zugesprochen wird.

Aber warum sollte dies nicht durch gesetzliche Rentenversicherung gewährleistet sein? Der Beamte hat ja praktisch per Definition eine lange Erwerbsbiographie und demnach reichlich Ansprüche.

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Problem ist nicht, dass die Rente keine Sicherung im Alter bietet, sondern dass der Bürger mit Riester und Rürup betrogen wurde und es mit der Aktienrente nicht besser werden wird.
Wer drei Säulen will, muss auch faire Voraussetzungen dafür schaffen.

Je höher die Laufbahn, desto später der Start (einfacher Dienst nach Berufsausbildung startet viel früher als höherer Dienst mit Uniabschluss, vielleicht sogar Promotion) und desto höher das Endgehalt, aus dem sich die Pension ableitet, aber desto relativ gesehen weniger Rentenpunkte hätte der-/diejenige in der kürzeren Zeit. Man müsste sicherlich einen Mix aus gesetzlicher Rentenversicherung und Betriebsrente basteln, um eine vergleichbare Altersversorgung sicherzustellen. Auch um die Fälle abzudecken, wo der RV-Beitrag und damit auch die Rentenhöhe an der Bemessungsgrenze anstößt.

Insgesamt ist die Entscheidung für die Beamtenlaufbahn heute sicher beeinflusst von der Kombination aus Gehaltshöhe, Altersversorgung und Jobsicherheit. Um Nachwuchs, der ohnehin durch die Demografie schwächer wird, nicht zu vergraulen, wird das Gesamtpaket nicht wesentlich hinter dem Status Quo zurückfallen dürfen. Abstriche beim Ruhestandsgehalt können kompensiert werden durch höhere Nettobezüge in der aktiven Zeit, die entsprechende private Vorsorge erlauben, um die Differenz auszugleichen. Eher sicherheitsorientierte Menschen werden eine risikoarme Sparform bevorzugen, entsprechend mehr müssen sie beiseitelegen.

Für den Staat würde eine Umstellung wohl für einige Jahrzehnte deutlich teurer, danach moderat teurer.

ich hab im Lauf früherer Jahrzehnte (Uniabsolvent/Berufseinsteiger bis in meine frühen 40er Lebensjahre - ich war naiver als heute, so ist das halt mit Lebenserfahrung) diverse LV und RV von einem großen börsennotierten Versicherungsvermittler/Finanzberater mit drei Buchstaben. Davon sind die Riester (die ich nur einige Jahre bespart habe, weil ich danach nicht mehr angestellt tätig war, und mangels Förderung auf weitere Beiträge verzichtet habe) die mit der mit Abstand schlankesten Kostenstruktur, und damit gemessen an den Beiträgen am werthaltigsten. Die Rürup/Basisrenten dagegen wurden mit BU-Versicherung (und Beitragsweiterzahlversicherung für den BU-Fall) verkauft und sind aufgrund der resultierenden Aufteilung der Beiträge auf Kosten, Versicherung und Sparanteil für die Altersvorsorge miserabel. Wie wacklig “BU” ist wegen Konzepten wie abstrakte Verweisung, hab ich erst später gelesen.

Ich denke, ein auf Altersvorsorge konzentriertes Produkt mit gesetzlich gedeckelten Kosten kann wirklich gute Performance bieten. Und vergangene Erfahrung sieht für langfristige Anlagehorizonte, hier klar gegeben, Aktien als massiv überlegen gegenüber anderen Sparformen. Dass die privaten im Wettbewerb zu einem staatlich organisierten Produkt stehen werden, sehe ich da als sehr vorteilhaft. Ich bin eher betrübt, dass eine Positivliste nur bestimmte ETFs und andere Fonds mit entsprechenden laufenden Kosten zulassen soll. Wenn ein Portfolio sechsstellig wird, und das ist für eine Altersvorsorge normal, dann kann auch ein Bündel von Einzelaktien, bei passendem Monitoring und Management, durchaus vernünftig und fallweise überlegen sein. Da spielen wohl die Interessen der Finanzindustrie eine Rolle, die ihre Marge sichern will und unsachliche Aussagen von eher links verorteten Kommentatoren wie “Einzelaktien sind pure Zockerei” dankbar aufnimmt.

Insofern bin ich zuversichtlicher.
Und meine ursprüngliche Aussage, dass die GRV entgegen früherer (00er Jahre - also post-Blüm, “die Rente ist sicher” datiert auf 1986 -) fundierter Aussagen doch eine Vollabsicherung im Alter bieten würde, von Medien und Politik heute wieder irreführend und wider besseren Wissens erwartet wird, sehe ich nicht entkräftet.

Da kannst du dich glücklich schätzen. Für die meisten rentiert sich Riester nicht.

Je nach Anbieter und erworbenem Produkt müssten Riester-Rentner:innen im Extremfall 120 Jahre alt werden, um ihre Beiträge vollständig zurückzuerhalten.
Riester-Rente am Ende – Wie sollten sich Riester-Sparer verhalten? | Verbraucherzentrale Niedersachsen

Vor allem von den Steuervorteilen profitieren eben wieder auch nur die, die auch Steuern zahlen.
Im Alter fallen dann zwar Steuern an, aber treffen auf eine zum Gehalt verhältnismäßig niedrige Rente und entkoppelte Kapitalerträge.

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Der Schutz der Pensionen ist rechtlich vergleichsweise gut abgesichert, siehe BVerfG, Beschluss vom 20. März 2007 – 2 BvL 11/04 –, BVerfGE 117, 372-404 “Verfassungswidrigkeit der Verlängerung der Wartezeit auf drei Jahre bei der Festsetzung der Versorgungsbezüge des Beamten, der aus einem Beförderungsamt in den Ruhestand tritt: Unvereinbarkeit mit dem nach Art 33 Abs 5 zu beachtenden Grundsatz der Versorgung aus dem letzten Amt“ (Diese Entscheidung hat Gesetzeskraft.)

Der einfache Gesetzgeber ist natürlich nicht gehindert, es immer wieder zu versuchen, wenn ihm seine Reputation egal ist. Er kann an der Höhe der Pensionen etwas schrauben, aber kaum am System.

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Ja wenn deine Grundannahme ist, dass Beamten nicht schlechter bezahlt werden können als jetzt, dann kannst du bei Beamten nicht sparen :wink:

Aus meinem Freundeskreis haben einige versucht in den höheren Dienst zu kommen und erzählen mir, dass es extrem kompetitiv ist. Wenn ich mir so anschaue was man in meiner Familie so an Pensionsbezügen bekommt glaube ich das gerne.

Da wäre schon Raum, ein wenig zu sparen. Und das würde auch etwas guten Willen für politische Reformen erzeugen, wenn man dieses explizite Zweiklassensystem abschafft.

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Doch, man könnte sparen, wenn man die Gesetze durchforsten würde. Alleine bei den Steuergesetzen fiele mir da Einiges ein, das meiste davon arbeitsintensiv zu verwaltende Ausnahmen (sprich Subventionen). Der Gesetzgeber scheint zu glauben, dass die Gesetze ohne Verwaltung einfach so beachtet werden oder sich selbst umsetzen. Die Diskussionen um die Einführung neuer Straftatbestände und die Strafbarkeit des Schwarzfahrens sind da auch so schöne Beispiele. Kann man machen, muss man aber auch Staatsdiener für die Verfolgung bereitstellen. Denn mehr Straftatbestände erzeugen sicher auch mehr Straftaten.

Allerdings spricht viel für die Grundannahme, dass Staatsdiener nicht schlechter bezahlt und sozial gesichert werden können als derzeit, weil viele von denen so gut ausgebildet sind, dass auch andere Arbeitgeber sie gerne nähmen. Eine solche Konkurrenz beobachte ich seit Jahrzehnten zwischen Steuerverwaltung und Steuerberatern. Die Ressourcen an ausgebildeten Fachkräften sind da sehr begrenzt und umkämpft. Nur mal so als Beispiel.

Ein Systemwechsel ist möglich, aber dann zu extremen Kosten für den Staat zumindest in der Übergangsphase (z.B. parallel Pensionszahlungen und deutlich höhere Gehälter bei Neueinstellungen). Und die Lokführerstreiks zeigen eben auch, welchen weitern Nutzen Beamte haben können. In meiner Jugend kannte man das Wort Lokführerstreik nicht. Die Gesellschaft muss also abwägen. Und dann bloß nicht jammern, wenn Nebenwirkungen Probleme machen.

Ja. Muss entkriminalisiert werden.
Auch die auf die oft vorliegende Unfähigkeit, die Tagessätze der Strafe zu zahlen, folgende Haft kostet Unmengen von Steuergeld und zerstört nur die Leben der Betroffenen weiter.

Die Politiker:Innen und die Ministerialbürokratie entscheiden technokratisch, fern der Realität am grünen Tisch über das Schicksal und den Geldbeutel von Millionen von Bürger:Innen. Sie selbst haben nichts zu verlieren, denn sie sind bestens abgesichert.

Am Volk vorbei, über die Köpfe hinweg werden unsoziale, sogenannte „Reformen“ beschlossen. Diese Regierung ist eine Regierung von Millionären, sie macht Politik für Millionäre und nicht für Millionen. Medien assistieren diese Vorgehensweise willfährig. Diese neoliberale Kampagne erlegt den Schwächsten und Vulnerabelsten in unserer Gesellschaft auf, die finanziellen Folgen einer jahrzehntelang verfehlten Gesundheits- und Rentenpolitik aufzufangen: Kinder, Jugendliche, Behinderte, Kranke und alte Menschen sollen nun die Zeche zahlen, weil sie keine Lobby haben, im Gegensatz zu Ärzten und der mächtigen Pharma-Industrie.

Seit 30 Jahren ist das Verhältnis von 2 Beitragszahler:Innen zu 1 Rentenempfänger:in stabil.

Die Regierung Merkel hat den Beitragssatz zur Rentenversicherung von ehemals 20,3 % auf nur noch 18,6 % gesenkt, ein Geschenk an die Arbeitgeber.

Die deutsche Nacherwerbsquote mit derzeit 50,6 % vom letzten Arbeitseinkommen ist so gering wie in keinem anderen Land Europas, die Arbeitgeber werden dort in höherem Maße zur Rentenversicherung herangezogen..

Ca. 121 Mrd. € betrug 2025 der Bundeszuschuss zur DRV, das entspricht etwa 22,1 % der Einnahmen. Der prozentuale Anteil an den Steuereinnahmen des Bundes für diesen Zuschuss ist etwa konstant geblieben (Quelle: ISW Institut für sozial-wissenschaftliche Studien).

2025 zahlten 23,5 Millionen Renter:innen ca. 67,5 Mrd € an Einkommensteuer. Netto also leistet die Bundesrepublik also ganze 52,5 € Mrd. an Zuschuss = ca. 2.450,00 € pro Kopf und Jahr um die Renten abzusichern.

Allein die versicherungsfremden Leistungen, die aus der Rente gezahlt werden, übersteigen diesen Zuschuss. 2023 waren versicherungsfremde Leistungen in Höhe von 124,1 Mrd. € = ca. 1 Drittel der Auszahlungen der DRV enthalten.

Seit 1950 sind weit mehr als umgerechnet 500 Mrd. € an versicherungsfremden Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung entnommen worden, zum Schaden der Solidargemeinschaft aller Versicherten. Frauen erhielten 2025 in Deutschland im Durchschnitt lediglich 866,00 € Rente im Monat, Männer monatlich ca. 1.145,00 € an Rente (Quelle: statistischer Bericht DRV). In Österreich hingegen liegt die Durchschnittsrente ca. 40% höher als in Deutschland (bei ca. 1.645,00 € monatlich, Bezugsjahr 2024), allerdings bei höherem (asymmetrischen) Beitragssatz von 22,8%.

In der EU belegt Deutschland den letzten Platz bei der sog. Nacherwerbsquote, obwohl die durchschnittliche Lebensarbeitszeit bis zur Erreichung der Rentengrenze schon jetzt in Deutschland höher liegt als in anderen europäischen Ländern. Ungeachtet dessen fordert die CDU weiterhin, die Mindestquote von derzeit 48% („Haltelinie“) weiter abzusenken.

Die Ausweitung des Niedriglohn-Sektors in Deutschland unter Merkel führte zu folgendem Ergebnis: 7 Mio. „Mini-Jobber“ in Deutschland zahlen derzeit gar keine Beiträge zur deutschen Rentenversicherung, haben aber künftig Anspruch auf die sog. Grundsicherungs-Rente (derzeit 469.000 Empfänger:Innen, Quelle DRV Statistik). Die Arbeitskraft dieser Menschen wird jahrzehntelang Industrie und Gewerbe billig zur Verfügung gestellt, aber die daraus folgenden Konsequenzen werden ignoriert.

Vergeblich sucht man in der aktuellen Diskussion der sog. „Reformen“ nach Elementen welche die Einnahmenseite verbessern. Stattdessen seit Jahren systematisches „Rentner-Bashing“ und Reden von „Basis-Absicherung“ statt Aufrechterhaltung des Systems, das seit Bismarck gesetzlich geregelt ist und für Millionen im Alter die einzige Einkunftsquelle ist.

Niemand diskutiert hingegen die Subventionierung der Pensionen von Beamten, derzeit lediglich 2,1 Mio Empfänger:Innen (inkl. Hinterbliebene).. Diese Pensionäre erhalten inkl. der Leistungen für die Beihilfe jährlich ca. 87 Mrd. € aus Töpfen des Bundes, der Länder und Kommunen.

Die Durchschnittspension für beträgt 3.565,00 € monatlich (2025) und damit das 3,2-fache der Durchschnittsrente. Staatliche Subventionen für die Pensionen von Beamten betragen pro Kopf und Jahr kumuliert derzeit 40.952,00 € und damit das 16,7-fache der Zuschüsse zur Rente.

Entrüsteter Protest kommt auf bei der Forderung, auch Selbständige und Beamte – wie in A, NL und S seit langem selbstverständlich – in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.

Änderungen und Anpassungen müssen auf der Einnahmenseite erfolgen!

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Was ich mich ja die ganze Zeit Frage: Es ist immer die Rede davon, dass die Rente nur funktioniert, wenn sie auf den 3 Säulen (Betriebsrente, Privatvorsorge, GRV) aufgesetzt wird.

Das ist ja schön und gut. Was mir allerdings in der ganzen Diskussion komplett fehlt: Selbst wenn jeder Arbeitnehmer die Möglichkeit hätte ausreichend privat vorzusorgen und die GRV hier eine soldie Basis bieten würde: Was sind eigentlich die Pläne für die 3. Säule, die ja effektiv aktuell für die Hälfte der Bevölkerung nicht existent ist?

Stand heute haben 48% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten KEINE Betriebsrente, weil es deren Arbeitgeber nicht anbietet. Wenn die 3 Säulen aber für eine brauchbare Rente zwingend benötigt werden: Was ist der Plan diesen Missstand für die 48% zu beheben? Gibt es dazu auch nur irgendwelche Pläne oder Konzepte? Oder zumindest auch nur irgendeine Äußerung seitens CDU/SPD, die darauf eingeht? Bisher vermisse ich diesen absolut wichtigen Aspekt völlig in jeglicher Rentendiskussion. Und nein, dass die 48% jetzt alle den Arbeitgeber wechseln ist ganz bestimmt kein sinnvoller Vorschlag. Weder praktikabel, noch irgendwie sinnvoll.

Ich finde das sollte in der Lage auf jeden Fall mal thematisiert werden. Denn sonst fällt das ganze Konzept doch eh in sich zusammen, wenn man die Hälfte der Arbeitnehmer bei jeglichen Planungen komplett außen vor lässt und die Rentenkonzepte von einem Zustand ausgehen, der faktisch gar nicht existiert.