Vielleicht muss man das Thema noch mal von der Rezipientenseite aufzäumen.
Damit rechte Kampagnen verfangen können, muss ja eine Empfänglichkeit für Verhetzungsnarrative in hinreichender Größenordnung bestehen.
Zu fragen wäre also: Wie groß ist dieses Potenzial auf den verschiedenen Themengebieten, die für rechte Kampagnen genutzt werden?
Dazu gehören m. E. alle reaktionären Einstellungen vom Sozialdarwinismus über (latente) Homophobie bis zu völkisch-rassistischen und christlich fundamentalistischen Vorstellungen.
Deren Verbreitung scheint mir das dahinterliegende Problem zu sein.
Vielleicht redet sich diese Gesellschaft oder zumindest jener Teil davon, der nicht solchen Vorstellungen anhängt, sich den Grad an Aufgeklärtheit und Fortschrittlichkeit oder auch nur Menschenfreundlichkeit dieser Gesellschaft schön.
Schließlich bildet man sich häufig eine Einschätzung aufgrund der alltäglichen Kontakte, die jedoch relativ milieuspezifisch sind.
So, könnte ich mir vorstellen, kommt es tendenziell zu einer Überschätzung des Positiven.
Bemerkenswert finde ich in dem Zusammenhang noch, dass man Gesellschaften, deren Teil man nicht ist, sogar übertrieben negativ beurteilt, z. B. mit Blick auf die USA, dass es dort ganz überwiegend Trumpisten gäbe, was empirisch einfach nicht hinhaut.
So gesehen hätte man es mit einer zweifachen Wahrnehmungsverzerrung zu tun, einem negativen Bias gegenüber der Fremdgruppe (z. B. US-Bürger) und einer ins Positive verzerrten Generalisierung von Einstellungen bzgl. der Eigengruppe (Bundesbürger) aufgrund überwiegend milieuspezifischer Sozialkontakte.
Letztlich kann nur wissenschaftliche Forschung solche Biases zurechtrücken.