Polizeihunde auf Demos

Ich war gestern am 4.7. in Erfurt auf der Demo gegen die AfD und die Polizei hatte sich demonstrativ mit einer Hundestaffel aufgestellt parallel zur Straße wo der Demonstrationszug lang ging.

Ich kann für mich absolut keinen rechtsstaatlichen Grund finden warum das passiert. Einschüchterung kann ja nicht der offizielle Grund sein, auch wenn es wahrscheinlich der reelle Grund ist. Ansonsten benötigt die Verwendung von Hunden aber ja eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit und die setzt voraus, dass die Polizei irgendeine Ahnung hat was die Hunde da sollen.

Die implizite Drohung die Hunde könnten auf Demonstrierende gehetzt werden dürfte wohl in jeglicher Realisierung unverhältnismäßig sein, aber Sprengstoff suchen, oder Drogen war bei der Positionierung unsinnig und zum Streicheln für Kinder waren die Herrchen zu unentspannt.

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Wenn du das an dem VHMK Grundsatz prüfen willst, muss die Polizei mit dieser Maßnahme, hier die Hunde, einen legitimen Zweck verfolgen. Das wäre hier die Gewährleistung einer friedlichen Demonstration.

Zudem muss die Maßnahme geeignet sein. Das heißt, die Hunde müssten für den Zweck einer friedlichen Demonstration mindestens förderlich sein. Wenn sich nach polizeilicher Erfahrung weniger Ausschreitungen ergeben, weil Hunde dabei sind, dann kann das als dem Zweck förderlich angesehen werden.

Auch muss die Maßnahme erforderlich sein, das heißt, es darf keine anderen geeigneten milderen Mittel mit gleicher Wirkung geben. Da kann man sicherlich experimentieren. Vielleicht sind es Pferde, vielleicht sind es gar keine Tiere. Vllt Autos mit Androhung von Wasserwerfern. Das müsste dann vielleicht wirklich ein Jurist beantworten oder ein Polizist. Aber ich würde pauschal Hunde da nicht außen vor lassen.

Zu guter letzt muss die Maßnahme angemessen sein. Das heißt die Einschränkung der Demonstranten durch die Hunde auf der Demo, darf das Interesse der Allgemeinheit, hier die Wahrnehmung der Versammlungsfreiheit, nicht in unangemessener und eben unverhältnismäßiger Weise einschränken.

Wenn die Demo so statt finden konnte und kein anwesender Hund etwas daran geändert hat, dann sieht die Maßnahme für mich sehr verhältnismäßig aus.

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Polizeihunde dienen (ähnlich wie Pferde) der Raumkontrolle. Offensichtlich sind sie sehr wirksam.

Die Hundestaffel bei einer Demo sind sicherlich Schutzhunde, keine Spürhunde. Das ist ein anderer Ausbildungsweg bzw. manchmal auch eine Spezialisierung.

Diese Einsatzform gibt es in Deutschland überhaupt nicht. An den Einsatz eines Diensthundes werden hohe Anforderungen gestellt. Den Hund nur bereitzuhalten ist dabei noch kein Einsatz, für den es dann auch mehrere Eskalationsstufen gibt (z.B. mit oder ohne Maulkorb).

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Dann verstehe ich nicht was der Hund tun soll, wenn er zum Einsatz kommt.

Wenn sein Einsatz nur ist, dass er böse aussieht, dann finde ich reichen die Wasserwerfer eigentlich auch schon. Viel wichtiger ist aber ja, das Einschüchterungspotenzial beruht ja auf der Möglichkeit anzugreifen

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Wenn die Polizei da mit Sturmgewehr und Panzer steht, dann ist das genauso geeignet Ausschreitungen zu reduzieren, aus dem identischen Grund wie bei den Hunden.

Genauso wie bei den Hunden erfüllt sich die Eignung durch das Potenzial zur Nutzung und genau wie bei den Hunden sind sie das mildeste Mittel solange und NUR solange man sie nicht nutzt.

Die Androhung von Gewalt verhindert auch meist nur zukünftige Teilnahmen an Demos, was die Frage der Angemessenheit mindestens mal komplexer macht. In jedem Fall schadet es aber der Wahrnehmung der Polizei bei Bürger*innen und das ist keine Grundrechtsfrage, aber eine Frage davon welchen Auftrag die Polizei für sich sieht.

Ich stimme dir zu, Hunde sind erstmal nicht offensichtlich illegal, aber so zu tun als wäre es vergleichbar mit zum Beispiel Pferden fände ich auch zu kurz gedacht

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Bitte sieh es mir nach, wenn ich hier spontan keine vollständige VHMK Prüfung runterbete :smiley:

Selbstverständlich findet sowas für gewöhnlich sehr viel differenzierter statt, da hast du natürlich recht.

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Ich finde die Frage, die hier aufgeworfen wird, durchaus relevant.

Vielleicht sollten wir erstmal klären, wo die Linie der Einigkeit zwischen den Diskutanten verläuft:

Sind wir uns alle einig, dass ein „Loslassen“ der Hunde im Rahmen einer Demonstration eindeutig unzulässig wäre (u.a. wegen der zu großen Gefahr eines Einsatzes einer derart „indifferenten“ Waffe gegen eine Menschenmenge und der mangelnden Kontrollierbarkeit einer Gruppe Hunde, nachdem sie losgelassen würde).

Weiter würde ich argumentieren, dass Hunde auch nicht zur Verteidigung der Polizeibeamten im Rahmen einer Großdemonstration geeignet sind, auch wieder, weil die Gefahr des „Fehlgehens“ noch mal deutlich höher liegt als beim Einsatz der Dienstwaffe (und wie oft wurden in den letzten 80 Jahren tödliche Schusswaffen auf Demonstrationen eingesetzt?). Hunde wären daher bei der Verteidigung der Beamten kein milderes oder geeigneteres Mittel als die sonst zur Verfügung stehenden.

Wenn wir uns da einig sind (was ich doch sehr hoffe!) fragt sich, welche legitime Funktion Hunde auf so einer Demonstration erfüllen können. Das „Absperren von Wegen zur Verhinderung des Durchbruchs von Demonstranten“ erscheint mir fragwürdig. Das wäre in etwa so, als würden wir Messerklingen an der Außenseite der Polizeischilde anbringen und argumentieren: „Die Demonstranten sind ja selbst Schuld, wenn sie da rein laufen…“.

Der Grundsatz sollte doch wohl sein, dass ein Staat nur mit dem „drohen“ darf und auch sollte, was er letztlich auch einzusetzen bereit ist. Wenn wir uns die anderen Einsatzmittel der Polizei auf Demonstrationen anschauen, gibt es stets nachvollziehbare Gründe, warum diese genutzt werden:

  • Pfefferspray ist tatsächlich wirksam gegen Menschenmengen und die Kollateralschäden halten sich i.d.R. in Grenzen. Es wird auch tatsächlich bei Bedarf eingesetzt.
  • Pferde dienen vor allem dazu, eine bessere Übersicht zu erhalten und die Mobilität der Beamten zu steigern. Diese Vorteile werden auch genutzt.
  • Wasserwerfer sind wirksam gegen Menschenmengen, sie werden auch so eingesetzt.
  • Die persönliche Schutzausstattung (Rüstung, Knüppel) wird auch bei Bedarf genuzt.

Für Polizeihunde hingegen sehe ich keinen legitimen Einsatzzweck. Der einzige Zweck, der hier denkbar ist, ist die reine Einschüchterung der Demonstranten. Zudem gilt es auch zu bedenken, dass viele Menschen Angst vor großen Hunden haben, diese Menschen werden beim Einsatz von Hunden auf Demonstrationen grundsätzlich (und vermeidbar!) von ihrem Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit ausgeschlossen. Die Vermeidbarkeit ist hier zentral - andere Ängst, wie die Angst vor Menschenmassen - sind nicht vermeidbar. Diese ist es jedoch.

Alleine schon, um den Ausschluss jener Demonstranten mit „Angst vor Hunden“ zu rechtfertigen, müsste es einen im Rahmen der Verhältnismäßigkeit angemessenen Grund geben, warum Hunde eingesetzt werden. Und hier gilt für mich tatsächlich, wie auch @Molimo argumentiert, dass Mittel, die nicht konkret eingesetzt werden dürften, auch nicht demonstrativ vorgezeigt werden dürfen, da dieses Verhalten eine reine Einschüchterung der Demonstranten zum Ziel hätte, was dem Grundsatz des Demonstrationsrechts diametral entgegen steht.

→ Ich stimme zu, dass der „zeigende“ Einsatz von Hundestaffeln auf Demonstrationen genau so fragwürdig ist wie der „zeigende“ Einsatz von Sturmgewehren oder Panzern es wäre. Eine Verhältnismäßigkeit kann erst dadurch zu Stande kommen, dass sich ein Szenario entwickelt, in dem man diese Waffen tatsächlich einzusetzen bereit und berechtigt wäre, z.B. wenn ein schwer bewaffneter Mob mordend und brandschatzend auf den Bundestag zumarschiert (kurzum: Im Bürgerkrieg…).

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Worauf stützt du diese Aussage? Pferde dienen ebenfalls der Raumkontrolle. Die gute Übersicht von oben ist natürlich ebenfalls ein Grund für den Einsatz, aber nicht der einzige Zweck.

Natürlich darf die Polizei Hunde zu einer Demo mitbringen und natürlich dürfen sie auch mit Hunden Bereiche sichern. Wichtig ist die vorherige Einschätzung bzgl. Eskalationspotential, das bei der Lage in Erfurt definitiv zu erwarten war. Sichtbare Präsenz zur Lagekontrolle ist erlaubt. Was sie nicht dürfen, ist Einsatzregeln missachten und Hunde unbegründet gegen Menschen einsetzen. Wer Angst vor Hunden hat, kann sich ihnen einfach nicht nähern und fertig.

Wurde denn ein Demonstrant durch einen Polizeihund verletzt? Wurden Demonstranten aktiv mit Hunden bedroht?

Für mich klingt das hier reichlich konstruiert, da es nicht mal einen Schaden gibt.

Natürlich dürfen die Hunde auch konkret eingesetzt werden und sie sind (im Gegensatz zu Sturmgewehren) auch ein effizientes Mittel gegen Ausschreitungen. Jeder, der mal bei einem Risikospiel der Bundesliga als Fan zugegen war, weiß, dass Hunde und Pferde aufgrund bloßer Präsenz besser wirken als jede behelmte Polizeikette.

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Alles gut.

Das Ganze stört nur einfach sehr das positive Bild, das ich der Realität zum Trotz von der Polizei haben möchte

Es ist einfach Tierquälerei Tiere bei Demonstrationen einzusetzen. Daher erübrigen sich meiner Meinung nach sämtliche anderen Diskussionen.

Der Schutz der Polizisten rechtfertigt keine Tierquälerei. Dann muss ein anderer Weg gefunden werden, auch wenn der teurer ist.

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Es gibt doch schon diese stubenreinen und pflegeleichten Robotorhunde. Ich meine sogar die Bundeswehr hat welche.

Scheinen aber auch bedrohlich wirken zu können.

Diese Einschätzung gibt es seit langem. Trift der Vorwurf „Tierquälerei“ auch auf die Ausbildung durch und den Einsatz bei der deutschen Polizei zu? Natürlich sehe ich die Psychische Belastung: Der Einsatz in chaotischen, lauten und aggressiven Umgebungen mit Tränengas, Wasserwerfern und Menschenmengen kann für die Tiere extrem stressig sein und zu Trauma oder Angststörungen führen.

Nur gut, dass die Polizisten und eigentlich alle anderen Teilnehmer davon unberührt sind /s

Oder geht es um die Freiwilligkeit der Teilnahme? Die Hunde haben keine Wahl.

Die Polizisten auch kaum bis nicht.

Ich bin wirklich sehr für Tierschutz und egal auf wie vielen Pfoten. Und daher finde ich diesen Aspekt wert zu diskutieren und er sollte Polizisten nicht außen vor lassen. Weder als die, die Hunde mitbringen, noch als die, für die solche Einsätze auch eine Quälerei ist.

Es geht ja um die angeblich geeignete, erforderliche und angemessene Wahl des Mttels.

Und ich denke, dass du schon zustimmen würdest, dass Pfefferspray tatsächlich ein milderes Mittel und genauso geeignet ist? Den Einsatz davon kannst du selber steuern und der Schaden ist nur vorübergehend beim Demonstranten.

Den Biss eines Hundes kannst du in der Intensität eben nicht steuern und es wird eine Narbe bleiben, also ist der Schaden nicht nur vorübergehend.

Ich verstehe also das Argument, statt Hunden Pfefferspray zu nehmen, schon sehr gut.

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Was hat das mit der konkreten Situation zu tun? Es wurde niemand von Hunden gebissen, die Hunde standen mit ihren Führern irgendwo im Weg. Oder hast du Informationen dazu, dass Hunde ohne Maulkorb gegen Menschen eingesetzt wurden?

Hunde wirken präventiv, sodass oft echte Gewalt (wie Schlagstock oder Pfefferspray) nicht notwendig ist. Wenn potenzielle Randalierer Hunde sehen, halten sie sich tendenziell stärker zurück, weil sie wissen, dass der Hund im Zweifel durchzieht.

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Außerdem ist der psychologische Effekt durch Hunde ein anderer als durch Pfefferspay.

Pfefferspay ist berechenbar. Reichweite, Wirkung, (rasches) Abklingen der unangenehmen Symptome. Das löst, wenn in Reichweite, evtl. kurze Panik aus.

Das knurren und die Körperhaltung von Schäferhunden triggern tiefe, evolutionär bedingte Ängste. Der Hund stellt eine anhaltende, oft quälende Bedrohung dar und hat starke Symbolkraft.

Um diese Effekte wissen sowohl Einsatzleitung als auch die Einsatzkräfte ganz genau und nehmen bewusst Hunde mit.

Das Argument war ja, dass der Staat nur diejenigen Mittel bereithalten sollte, die er auch bereit ist tatsächlich einzusetzen. Wenn die Hunde lediglich als Abschreckung da sind, stellt sich die nächste Frage, inwieweit das friedliche Demonstranten von der Wahrnehmung der Versammlungsfreiheitrechte hindern könnte, weil sie nicht auf einer Demo sein wollen, auf der sie potentiell von Hunden angefallen werden können.

Und da könnte man statt Hunden eben Pfefferspray nehmen, da es als genauso geeignet und weniger schädlich ist, als der potentielle Angriff eines Hundes.

Das kann ich aus polizeilicher Sicht schon nachvollziehen. Ist vermutlich die Frage, was man höher gewichtet, also wie weit die Prävention gehen darf, ohne dass die Versammlungsfreiheit eingeschränkt wird. Die Polizei wird sich die Frage vermutlich genauso gestellt haben. Hoffe ich mal :slight_smile:

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Sorry aber ich finde es nicht in Ordnung Tierquälerei mit der Belastung von Polizisten zu relativieren. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir reden hier von einem menschgemachten Problem, das gefälligst von Menschen gelöst werden soll.

Mit dem riesigen Unterschied, dass die Tiere Sklaven sind, während die Polizisten jederzeit ihren Job kündigen können.

Wenn du über die Belastung von Polizisten diskutieren möchtest, kannst du gerne eine n Thread dazu aufmachen. Aber vollkommen unabhängig davon sollten wir sofort den Einsatz von Tieren bei Demonstrationen verbieten.

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Nur der Vollständigkeit halber:

Was ist mit Hunden in derartigen Einsätzen generell?

Drogenhunde, Rettungshunde der Bergwacht, beim Militär, Spezialeinheiten,…?

Also was darf man diesen Tieren zumuten?

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Keine Stresssituationen. Also Drogenspürhunde und Hunde die dazu dienen, Verschüttete wiederzufinden, gehen evtl. noch in Ordnung.

ich fände das auch nicht in Ordnung wenn es ernst gemeint wäre. Ist es aber nicht. Erkenntlich am /s /s und :s: Bedeutung der Zeichen im Chat und Forum

Job kündigen ist vielleicht schwieriger, als für die Hunde einfach wegzulaufen.

Das wäre wohl sicher einen Thread wert. Aber hier geht es um Polizeihunde auf Demonstrationen und wir alle sind froh, dass die da nicht allein auftauchen, sondern in Begleitung der Polizisten. Die mit dem Auftauchen dieser Hunde eng in Zusammenhang stehen.

Außerdem darf man sich hier frei äußern, auch wenn es dem einen oder anderen nicht eng genug am Thema ist. Ich hoffe, Du möchtest das nicht ändern!?

edit:typos

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