Photovoltaik im urbanen Raum

Guten Tag liebe LdN Team,
Ich hab mit großer Freude eure beiden beiträge zur Windenergie (auch alle anderen natürlich) gelauscht.
Gerade das Thema Energiewende bewegt mich schon sehr lange (meine Mutter war Gründungsmitglied der Grünen und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm) und ich möchte auch selber aktiver Teil der Wende werden. Da Windkraft im innerstädtischen Bereich kein Thema ist sondern PV Anlagen. Robert Habeck hat ja das erklärte Ziel formuliert auch diesen Bereich zu fördern. Bisher scheint das Thema in einer Art Starre zu verharren, da alle auf die Inhalte der Maßnahmen warten. Gleichzeitig bewegt das Thema neben Privathaushalten sicherlich auch kleine und mittelständische Untermehmen, die auf unserem gewerbepark auch Mieter sind, Da diese ihre Flotte auf Elektro umstellen wollen, sowie wir unsere Dachflächen gerne bestücken möchten, um die ersten Schritte Richtung 0C02 zu gehen .
Daher meine Anregung das Thema Photovoltaik in einer Sondersendung ähnlich wie die Windanlagen vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Entwicklungen bzw. Technologischen Entwicklungen zu beleuchten.

Vielen Dank für eure Beiträge,
Mit freundlichen Grüßen
Jens Wingerath

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Ja gut, wo ist das Problem, Dachflächen mit PV-Anlage bestücken und ab geht’s.

Als Beispiel: Mein Vater hat eine KFZ-Werkstatt mit einer PV-Anlage drauf welche noch ordentlich Förderung bekam(9 Jahre alt ca) die ist jetzt dieses Jahr fertig finanziert. 25kW Installierte Leistung

Dieses Jahr kommt auf die 2te Halle(extra Schrägdach mit versetztem Giebel) eine weitere Anlage mit 50kW dazu.

Der Aufwand war relativ gering.

Kann natürlich nicht jeder einfach so machen aber bei ihnen scheint es ja nicht an Dachfläche zu mangeln.

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Wo soll ich da anfangen?
Solange der Strom im wesentlichen eigen genutzt wird entsteht da wohl kein Problem, sobald Mieterstrommodell, Einspeisung in das Netz und eine Stromtankstelle im nichtöffentlichen Raum aber Zugang für alle in die Diskussion einfließt werden die Fragen schon größer.
Insbesondere die Frage was wird wie gefördert, was soll in Zukunft gefördert werden? > Koalitionsvertrag // Habecks Maßnahmenkatalog.

Ich denke es reicht nicht, die Diskussion lokal auf die Frage des einzelnen Bedarfs runterzubrechen. Eine grundsätzliche Betrachtung wie die Ausgestaltung des PV Anlagenausbaus für den urbanen Raum müsste in den Fokus gerückt werden.

Ich finde die Idee grundsätzlich auch gut. PV auf dem Dach ist fast immer wirtschaftlich und bietet viele Vorteile für die Energiewende. Mal angenommen jedes Stadtwerk wird verpflichtet einen Plan zu erstellen bis 2030 alle tauglichen Dächer mit PV auszustatten. Die müssten dann als erstes kompetente Planer einstellen oder ausbilden. Dann bräuchten die viele Monteure. Dafür könnten der Staat junge Menschen gezielt dafür ausbilden, z.B. solche die sonst keine Ausbildungsstelle erhalten. Das Material könnte auch in DE hergestellt werden. Es brauchten nur die stillgelegten PV Fabriken wieder in Betrieb genommen werden, für die es dann ja im Milliarden Bereich Aufträge gibt. Schließlich werden Straße für Straße die PV Anlagen montiert und in Betrieb genommen. Ich weiss, hört sich nach Planwirtschaft an.
Heute ist das aber halt eine Katastrophe. Man bekommt schon gar kein Angebot. Die Module kommen überwiegend aus China. Nur wenige Firmen kriegen die Montage auf die Kette. Wenn montiert, dauert es. Monate, bis Zähler und Speicher angeschlossen werden.

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Warum PV derzeit nicht so stark wächst, wie sie könnte, hat viele Gründe:

-Vor allem im urbanen Raum gibt es kaum Eigenheime, sondern die Menschen wohnen zur Miete. Das EEG schreibt aber vor, dass Erzeuger und Verbraucher identisch sein müssen - das geht bei PV auf Mietshäusern schlecht, es sei denn mit unverhältnismäßig hohem Aufwand für eigene Stromzähler und Abrechnungen. Das lohnt sich dann nicht mehr. Daher stockt der Ausbau seit Jahren.
-Ich darf meinen Solarstrom nicht z.B. an meinen Nachbarn verkaufen. Okay, ich dürfte es schon - aber dann hätte ich sehr viele administrative Pflichten und werde wie RWE behandelt. Das ist für eine Privatperson nicht zu handeln. Ich darf übrigens auch meinen Dienstwagen nicht mit meinem eigenen Solarstrom laden - es sei denn ich bin bereit wieder eine eigene Abrechnung zu erstellen usw.
-Steuern für PV: die Leute wollen doch nur eine Solaranlage und kotzen, wenn sie eine Steuererklärung machen müssen, die direkt von Franz Kafka entworfen wurde. Sie müssen Mehrwertsteuer und Einkommensteuer zahlen, und zwar sogar auf ihren Eigenverbrauch: der Solarstrom, den sie erzeugen und selbst verbrauchen, muss besteuert werden. Noch dazu ist die Formel, wie man den Wert des Eigenverbrauchs des Solarstroms berechnet, verschieden für Einkommen- und für Mehrwertsteuer. Da blickt kein Mensch mehr durch.
-„Heiliges Römisches Reich Deutscher Netzbetreiber“: Es gibt in Deutschland 900 Netzbetreiber, die die Solaranlage anschließen müssen. Aber jeder macht seine eigenen Regeln, meistens nur auf Papier oder als PDF, selten bis nie digitalisiert. Jeder mit anderen Formularen, und oft lässt man sich viel Zeit. Das nervt die Leute, die oft viele Wochen ihre fertige Solaranlage auf dem Dach haben, die aber nicht in Betrieb gehen darf. Sie sind der Willkür hilflos ausgeliefert.
-Völlig bizarr: Heute (März 2022) erhalten neue Solaranlagen eine Einspeisevergütung von 6,5 Cent/kWh. Der Marktwert liegt aber bei 7,5 Cent. Der Gesetzgeber zwingt Anlagenbetreiber also dazu, ihren Strom zu WENIGER ins Netz einzuspeisen, als er auf dem Markt wert ist. Alte Anlagen, die keine EEG-Förderung mehr erhalten (nach 20 Jahren Förderzeitraum), erhalten aber den Marktwert - also 7,5 Cent. Das ist völlig bizarr. In der momentanen EEG-Reform („Osterpaket“) soll jetzt ein Volleinspeise-Modell kommen, d.h.: Optional kann man 100% des Solarstroms einspeisen (statt wie derzeit möglichst viel des Solarstroms selbst zu verbrauchen, um sich so hohe Stromkosten zu sparen). Die erhalten dann eine saftige Erhöhung der Vergütung. Aber die Eigenverbraucher sollen weiter nur 6,5 Cent bekommen - und der groteske Status Quo wird nicht verändert.

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Gerade der bürokratische Alptraum hindert doch den „kleinen Häuslebesitzer“ sich in Zeiten der immer unrentabel werdenden Gasheizungsmodellen JETZT über eine sinnvolle alternative nachzudenken. Wenn a) der Besitzer sagen wir mal Interesse hat eine PV Anlage für sein Hypothetisches 4 Familienhaus zu installieren und Mieterstrom anzubieten, und im besten Fall noch darüber nachdenkt das mit einer Wärmepumpe zu koppeln, dann sieht dieser sich unterschiedlichster Hürden ausgesetzt. Auch die Frage der Förderung (abgesehen von der Wörmepumpe) steht derzeit im Raum. Habeeck hat ja nun auch angekündigt, dass es für den Ausbau klare Erleichterungen insbesondere im Bereich der Behördenstrukturen geben soll. Zwar bezog er sich dabei auf Windkraft, aber wie soll denn im dicht besiedelten Raum (NRW) dann der umbau auf erneuerbare Energien erfolgen, wenn a) die Finanzierung keine deutlichen Anreize enthält und b) hinterher die Frage des ROI an bürokratische Hürden gekoppelt ist? Meine Forderung: klare finanzielle Anreize für den Ausbau der PV Anlagen im urbanen Raum, eine Deutschland einheitliche klare Struktur über einfache Inbetriebnahme und Einspeisevergütung, eine unbürokratische Behandlung für das Mieterstrommodell. Andernfalls halte ich das Ziel 200GW bis 2030 für utopisch.