Olympia 2036

Hab es eher am Rande gehört, dass es eine Bewerbung für Olympia 2036 geben soll. Nach einem ungläubigen, lauten Lachen dann doch mal gegoogelt und offenbar stimmt es. Es gibt wohl ernsthaft die Initiative, genau 100 Jahre nach den Nazis wieder die Spiele in Deutschland auszurichten. Geht es nur mir so, das als äußerst ignorant gegen über unserer Geschichte zu sehen?

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Kommt doch auf die Ausgestaltung drauf an? Ist sicher auch eine Chance das ganze parallel aufzuarbeiten.

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Wann hat sowas zuletzt im Zusammenhang mit Olympia (oder anderen sportlichen Großereignissen) funktioniert? Wäre das überhaupt gewollt oder würde es in Wirklichkeit bei der Ankündigung bleiben, aber man will am Ende ja niemandem mit der hässlichen Geschichte den Spaß an Olympia nehmen? Da müsste es schon ein sehr überzeugendes, handefestes Konzept geben.

Aber selbst wenn: Mit einer so flächendeckend korrupten Pseudo-Sport Organisation wie dem IOC sollte man lieber möglichst wenig zusammen machen.

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Auf der anderen Seite benötigt aber auch der Sport Aufmerksamkeit die insbesondere den Randsportarten (quasi allen außer Fußball) sehr wenig geschenkt wird. Olympia könnte hier schon auch einen positiven Effekt haben. Ob es jetzt unbedingt 36 sein muss kann man natürlich in Frage stellen, aber grundsätzlich finde ich sollte man schon offen sein. Am besten aber halt mit Konzepten die man relativ nachhaltig umsetzen kann, also dort wo bereits entsprechende geeignete Sportstätten sind statt alles neu zu bauen. Für Leichtathletik dürften daher in erster Linie die beiden bestehenden Olympiastadien in Frage kommen.

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Die IOC-Chefin sieht jedenfalls kein Problem. Damit wird das kritisch auseinandersetzen auch ausscheiden.

„Offen gesagt habe ich, und da schaue ich zu meinem Team, nicht auf dem Schirm, dass Deutschland etwas zu den Spielen 2036 gesagt hat. Also habe ich auch keine Meinung zu diesem Thema“, gestand sie vor den versammelten Journalisten.
Der Bundespräsident hatte jüngst kritisch auf eine deutsche Bewerbung aufmerksam gemacht. Eine deutsche Bewerbung für 2036 halte er für „historisch problematisch“.
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Finde,lassen wir uns überraschen was kommt.

Ich würde sagen, dass die deutsche Erinnerungskultur tendenziell gut geeignet ist auch auf sowas angewendet zu werden - also wir sind es doch gewöhnt bei Events diese Zweischneidigkeit auszuhalten und zumindest für die Menschen vor Ort auch sichtbar zu machen (Ausstellungen zur Historie an/in den Stadien, benennen neuer Bauwerke bspw. nach jüdischen Sportler*innen etc.) wie sich das digital transportiert wäre eine spannende Aufgabe, aber ich würde sagen dass kann auch das Potenzial haben der Erinnerungskultur eine Bühne zu schaffen die sie sonst nicht hat - aber dafür bräuchte es sicherlich den Willen und ein Konzept was die Kooperation mit Trägern der historischen Bildungsarbeit beinhaltet

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Meines Erachtens nach konstruierst da etwas rein, was gar nicht da ist! Welche Jahreszahl dach den Nazis wäre denn genehm?

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Die Frau heißt genau so, wie die englische Stadt, die von der dt. Luftwaffe am meisten zerstört wurde und versteht nicht, worüber sich alle aufregen.

Wissen ist Macht. Nix wissen macht nix.

Bis 2036 ist es auch hier wieder so weit, dass wir das 100-jährige Olympiajubiläum mit Reichskanzler Höcke begehen dürfen.

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Problematischer als die Jahreszahl finde ich, dass uns von Seiten der Regierung konsequent eingebläut wird, für alles mögliche sei kein Geld da, man müsse sparen, alle müssten mal härter anpacken etc. Wenn nun aber für ein Prestigeprojekt wie Olympia plötzlich doch Geld da sein soll, fände ich das dann doch ziemlich widersprüchlich.

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Als ich letzte Woche zum ersten Mal davon hörte, war mein erster Impuls, innerlich die Hände vors Gesicht zu schlagen. Doch nachdem ich zwei Minuten darüber nachgedacht hatte, erschien mir die Idee längst nicht mehr so abwegig.

Ich fände es ein starkes Signal, wenn Deutschland zeigen würde, dass die Verbrechen der nationalsozialistischen Deutschen nicht nur historisch aufgearbeitet wurden, sondern dass das Land heute bewusst demonstriert, wie sehr es sich zum Besseren gewandelt hat.

Ein Risiko ist allerdings offensichtlich: 2036 dürfte die AfD auf keinen Fall an der Macht oder Oppositionsführer sein. Denn sobald eine offen rechtsextreme Partei dieses Signal umdeuten oder vereinnahmen könnte, wäre die Botschaft entwertet und der Eindruck dahin.

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Nachdem hier die rechrsextremen Geschichtsrevisionisten grade kurz davor stehen, wieder mal an die Macht zu kommen, sehe ich im Hinweis auf die hiesige Erinnerungskultur, die womöglich noch vor den letzten Überlebenden ihr endgültiges Ende finden könnte, eher eine Bestätigung meiner eher skeptischen Einschätzung.

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Die Idee gab es ja schon mal. Bei der Olympiade 1972 präsentierte sich (West-)Deutschland als modernes und weltoffenes Land. Das wurde dann überschattet vom Attentat palästinensischer Terroristen (unterstützt von deutschen Neonazis), in dessen Folge ein Großteil des israelischen Olympiateams getötet wurde.
Und wie ein Land zeigen soll, dass es sich „zum Besseren gewandelt hat“, in dem ein paar Generationen nach dem Nationalsozialismus eine rechtsextreme Partei stärkste oder zweitstärkste Kraft ist, verstehe ich auch nicht ganz.
Generell stehe ich aber auch der Idee, mit solchen Mega-Events zeigen zu wollen, wie toll Land XY ist, sehr kritisch gegenüber. Die Menschen die in XY leben, haben davon im Zweifelsfall immer herzlich wenig gehabt, auf jeden Fall weniger, als wenn das dafür aufgewendete Geld einfach direkt ihnen zugute gekommen wäre.
Edit: Aber dass die Jahreszahl an sich jetzt ein Argument sein soll, halte ich schon eher für Aberglauben.

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Wenn das das einzige Problem ist, wäre ich für Olympia 2036.

100 Jahre können ja auch als Wiedergutmachung gefeiert werden.

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Ist die Bilanz von Olympia denn wirklich zwangsläufig negativ?

Die olympischen Spiele führen ja auch zu extrem viel Tourismus, dazu ist Deutschland weltweit überall im Fernsehen zu sehen, was auch nachhaltig den Tourismus fördert. Etwaige Strukturen (z.B. ein paar neue Stadien), die dafür gebaut werden müssten, könnten danach anderweitig gebraucht werden. Das „olympische Dorf“ z.B. könnte man von Anfang an als großes Wohnraumprojekt planen, daher: Wenn die Spiele vorbei sind haben wir eine große neue Siedlung.

Also die olympischen Spiele auszurichten muss definitiv kein Verlustgeschäft sein.

Sehe ich ähnlich, aber das erfordert eine klare Zustimmung des IOC im Hinblick auf ihren „No Politics“-Standpunkt. Olympische Spiele 2036 in Deutschland - meinetwegen. Aber definitiv nicht als „vermeintlich unpolitische Veranstaltung“, das würde ein völlig falsches Zeichen setzen.

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Das kommt halt immer drauf an, wen man fragt :wink:
Für die Bau- und Tourismusbranche sind solche Megaevents sicherlich lukrativ, aber die Kosten sind für soclhe Prestigeprojekte explodieren ja gerne mal und sind ohnehin so hoch, dass dann häufig an an anderer Stelle gekürzt wird. Und nicht nur die Anlagen, sondern selbst der Bau von Wohnungen hat im Nachgang von Olympischen Spielen oft genug die Gentrifizierung von Quartieren vorangetrieben. Für die, die sich die schicken Viertel leisten können, sicherlich gut, für diejenigen, die von dort vertrieben wurden, halt nicht so.

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Ich würde sagen ja. Denn alles, was man wirklich positiv, nachhaltig investieren könnte, kann man auch ohne das IOC machen und mit IOC hat man halt zwangsläufig die ganzen zwielichtigen Typen mit den sehr geld-klebrigen Fingern in allen Abläufen.

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Die No‑Politics-Position wird ohnehin bereits aufgeweicht. Israelis durften an die Opfer des Terroranschlags von 1972 erinnern. Im Fall Heraskewytsch hat die IOC‑Präsidentin persönlich vermittelt und einen gangbaren Weg aufgezeigt: Politische Statements während des Wettkampfs – meiner Ansicht nach einschließlich der Siegerehrung – gehen gar nicht. Davor, danach oder unabhängig von den Spielen wären sie dagegen in Ordnung. Wobei ich bei Heraskewytsch den Fokus in Erinnerung und nicht als politisches Statement gewertet hätte, aber das ist Ansichtssache.

Als guter Gastgeber sollte man allerdings eine gewisse Zurückhaltung wahren. Zu den Olympischen Spielen einzuladen und dann aktiv gegen Gäste wie Russland, Iran oder Israel zu demonstrieren, selbst wenn es nur zivilgesellschaftliche Proteste am Rande der Spiele sind, wäre äußerst schlechter Stil. Die Frage ist: Sind wir als Gesellschaft tolerant genug, zeitweise auch Gäste zu akzeptieren, die wir sehr kritisch sehen?

Also “Gäste” die bspw. Werbefiguren oder (als Sportsoldaten) sogar aktive Beteiligte für einen laufenden genozidalen Überfall auf einen europäischen Nachbarn wären? Da finde ich Toleranz deutlich stilloser, als harte Ausgrenzung.

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Aber dann eben ohne den Tourismus-Boost und die Milliarden, die diese Touristen bringen. Denke an Übernachtungen, Gastronomie, aber auch Andenken.

Die Liste hier liest sich schon so, als sei selbst ohne den Tourismus eine ganze Menge Profit möglich, wenn man nicht wie Brasilien auf die Idee kommt, ein Event zu hosten, für das nahezu die gesamte Infrastruktur neu gebaut werden muss…

Gentrifizierung ist immer eine Konsequenz von wirtschaftlichem / kulturellen Erfolg. Wo es gut läuft ziehen halt diejenigen hin, die viel Geld haben, und verdrängen durch ihre Zahlungsfähigkeit weniger wohlhabende Menschen. Aber neue Wohnungen sind neue Wohnungen - wenn für die Unterbringung der Sportler tausende Wohnungen gebaut werden müssen werden - selbst wenn nur Wohlhabende sich diese Wohnungen hinterher leisten können - dennoch tausende bisherige Wohnungen dieser Wohlhabenden frei. So gesehen ist Gentrifizierung kein gutes Gegenargument, bzw. es ist ein Gegenargument gegen jeden lokalen Erfolg, jedes lokale Großevent, das mit großen Investitionen und kulturellem Prestige einhergeht.

Russland direkt anzugreifen wäre sicherlich problematisch, aber die eigene Vergangenheit offensiv zu betonen und sich für die unrechtmäßigen Angriffskriege des Dritten Reiches zu entschuldigen ist ein sehr schöner Weg, Russland indirekt zu kritisieren, gerade wenn man es auch etwas allgemeiner hält (und das internationale Recht hoch hält, u.a. das Gewaltverbot). Die Russen können dann ja entscheiden, ob sie dabei mitmachen oder aus Protest fernbleiben :wink:

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