Nochmal - Wehrpflicht alternativlos?

Fortsetzung der Diskussion von Unionsfraktion stoppt Wehrdienstgesetz:

Ich gliedere das mal aus.
Was soll eine Wehrpflicht bringen?
Wehrpflichtige lassen sich nur im Inland einsetzen, das ist aber von befreundeten Staaten umgeben, die zuerst geschützt werden müssten, wenn es zu einem Angriff kommen würde.
Auch sind die Zeiten von Soldaten, die man mit einem Gewehr auf eine Brücke stellt, vorbei.
Wir brauchen Militärs, die an den entsprechenden Waffengattungen ausgebildet sind, das ist nur mit einem Berufsheer zu stemmen.
Schon zu meiner Zeit hatte man die Wehrpflicht nur am Leben gehalten, weil die Verweigerer billige Arbeitskräfte im sozialen Bereich waren.

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Gibt es Hoffnung, dass hier Argumente kommen, die nicht schon in einem halben Dutzend anderer Threads schon ausgetauscht wurden? In meinen Augen wäre ein Link auf einen davon sinniger.

Darauf habe ich zuvor verwiesen. Wenn ich die jetzige zweite Antwort aber im anderen Thread abgesetzt hätte, hätte es eine Paralleldiskussion gegeben.

Warum? Wehrpflichtige durften früher schon im Ausland eingesetzt werden und auch aktuell freiwillig Wehrdienst Leistende dürfen an Auslandseinsätzen teilnehmen.

Naja, bei der russischen Art der Destabilisierung machen ein paar mehr Wehrpflichtige für den Objektschutz durchaus Sinn. Wachdienst ist extrem langweilig, aber die eine oder andere Kaserne könnte sicherlich besser im Auge behalten werden.

Die Erfahrungen in der Ukraine sagen etwas anderes. Da geht es durchaus um Masse, um eine lange Frontlinie gegen Infiltration halten zu können. Natürlich braucht es auch viele Spezialisten (Artillerie, Drohnen, Flugabwehr, Luftstreitkräfte, Marine, etc.), aber irgendwer muss im Kriegsfall alle 50 Meter im Schützengraben sitzen (über tausende Kilometer Front) und diese Leute müssen auch noch alle paar Stunden rotiert und alle paar Monate von der Front abgelöst werden.

Außerdem geht es den Verfechtern der Wehrpflicht nicht nur um eine in diesem Moment verfügbare Truppe, sondern auch eine möglichst tiefe Bank an Reservisten, die man im Kriegsfall relativ schnell (innerhalb von Wochen und Monaten) mobilisieren kann. Das bekommt man mit einem kleinen Berufsheer nicht hin. Und in so einem Konflikt braucht ein Soldat an der Front 10 Soldaten in der Etappe, die die Logistik machen.

Es kommt glaube ich sehr darauf an, auf welchen Konflikt man sich vorbereitet. Friedens- und Stabilisierungsmissionen in eher peripheren Regionen der Welt mit technologisch unterlegenen Kontrahenten? Dann ist ein extrem gut ausgebildetes aber relativ kleines Berufsheer sicher der richtige Weg. Aber wenn man von einem mehrjährigen Konflikt mit Russland ausgeht, dann werden die Osteuropäer nach 500.000 deutschen Soldaten mit Grundausbildung und der Bereitschaft für einen Stellungskrieg bitten (und zu Panzern, Haubitzen und Kampfflugzeugen auch nicht nein sagen).

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Nur auf eigenen Wunsch wird ein Wehrpflichtiger in einen Auslandseinsatz geschickt. Ich sehe da keinen Vorteil gegenüber dem jetzigen Modell. Denn wer freiwillig zum Bund will, kann das jetzt schon - und nach dem Fragebogen erst recht.

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Ein weiterer wichtiger Grund aus der Sicht der Wehrpolitiker scheint zu sein, dass man mit der Wehrpflicht mehr Bekanntheit des Soldatenberufs bei Wehrpflichtigen erzeugt. Man hofft dann, dass sich einige von ihnen anschließend der Berufsarmee anschließen.

Im Grunde kann man die Wehrpflicht als Pflichtpraktikum für die Bundeswehr ansehen.

Ich bin kein Fan der Wehrpflicht, aber ich finde hier haben die Politiker einen Punkt. Zumal man in der Grundausbildung sicher auch ein paar Dinge lernen kann, die im restlichen Leben hoffentlich nie nötig sind - ich denke an Überlebenstraining, Verhalten im Gefahrfall usw..

Daher bin ich mit der Wehrpflicht fine, solange

  • Wehrpflichtige nie gegen ihren Willen im Ausland eingesetzt werden können
  • keine Quatsch-Dienste verrichten müssen
  • räumliche Wünsche berücksichtigt werden (als Münchner sollte man nicht in Berlin dienen müssen)
  • im Konfliktfall nur für Katastrophenhilfe, Logistik, Verwaltung, Werkstatt und Objektschutz eingesetzt werden dürfen, aber niemals an der Front, ganz gleich ob in kämpfender oder unterstützender Funktion (selbst wenn die Front auf deutschem Boden verläuft)

Zum Zwecke eines Praktikums reicht das völlig aus und würde mehr Sicherheit vermitteln nie als Kanonenfutter zu enden.

Und wir müssen alles tun, um den Dienst sicherer zu machen. Das heißt, wir sollten stärker auf Drohnensysteme und Technologie setzen und können dafür gern auf Quatsch-Regeln wie CO-Melder im (Schützen)Panzer verzichten.

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Zum Thema Wehrpflicht stellen sich ja vorab Fragen:

sehen wir eine reale Bedrohung für Deutschland/NATO und sind wir grundsätzlich bereit unser Land/Gesellschaftssystem/Menschen in Deutschland mit Waffen zu verteidigen?

im Kalten Krieg haben wir beides offenbar bejaht.

Danach haben wir in Deutschland ab 2000 offenbar keine Bedrohung mehr gesehen, und folgerichtig die Wehrpflicht ausgesetzt.

Würden wir diese beiden Fragen heute wieder mit Ja beantworten, istves legitim wieder übercdascThema Wehrpflicht zu diskutieren. In welcher Form ist dann ein Ergebnis der Diskussion.

Nur drückt sich die Union um die Diskussion und blockiert stattdessen einfach das Gesetz, um die SPD so umzustimmen.
Was auf jeden Fall aufgearbeitet werden muss, sind Einführungsrituale, die ich auch aus meiner Internatszeit kenne. Mit dem Argument „da mussten wir auch durch“ lässt sich das nur schwer begründen. Auch sind natürlich Teile der Führung frauenfeindlich eingestellt oder wie es ein AFD-Politiker einmal einer Kollegin gegenüber ausdrückte: „Bei ihrem Aussehen sollten sie keine Reden halten, sondern an der Stange tanzen“.
Da braucht es Schutzmechanismen und Ansprechpartner, die solche Fälle vertrauensvoll bearbeiten - und nicht, wie ein Journalist in einem Fall berichtete, sich direkt an den Vorgesetzten der Betroffenen wendet, was denn da vorgefallen sei.

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Hat man bisher so gemacht. Aber natürlich dürfen Wehrpflichtige (oder im Bedarfsfall aktivierte Reservisten) auch einfach “auf Befehl” im Ausland eingesetzt werden, solange der Bundestag den Einsatz genehmigt hat.

Für die Abschreckung gegen Russland ist aber auch das Bundestagsmandat unnötig, da es sich um Bündnisverteidigung handelt (Litauen wird konsequenterweise auf der Seite der Auslandseinsätze der Bundeswehr gar nicht erwähnt, weil es sich streng genommen nicht um einen solchen handelt). Dei Bundeswehr könnte vermutlich selbst die Grundausbildung von Wehrpflichtigen einfach nach Polen verlegen, wenn das aus irgendeinem Grund sinnvoll sein sollte.

Das ist doch aber so oder so nötig, egal ob es sich um ein Berufs- oder Wehrpflichtigenheer handelt.

@der_Matti Du wirfst hier die Frage auf (“Wehrpflicht alternativlos?”, “Was soll die Wehrpflicht bringen?”). Nimm doch mal Stellung zu den Antworten, die hier genannt wurden.

Ich persönlich glaube, dass die Rückkehr zu einer “Wehrpflicht- und Reservistenarmee” eine durchaus sinnvolle Antwort auf die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen ist, wenn auch keine besonders kreative.

Eine Alternative, die ich sehe, wäre eine Rolle Deutschlands als “Ermöglicher” seiner Bündnispartner. Dafür bräuchte es einen gute Abstimmung und Konsens mit den Bündnispartnern, aber Deutschland könnte anstatt der “Körper” für die Bündnisverteidigung auch gezielt ein breites Spektrum an technologischen Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Bisher tun das in erster Linie die USA, z.B. im Bereich Signal Intelligence, Remote Sensing (Drohnen, Aufklärungsflugzeuge, Satelliten), Strategic Airlift, Luftbetankung, Lenkflugkörper, Strategische Bomber, Tarnkappenbomber, Luftabwehrunterdrückung, Spezialkräfte zum Einsatz hinter feindlichen Linien, etc. etc.

Wenn man die USA nicht mehr als verlässlichen Partner wahrnimmt muss Europa außerdem völlig andere Kapazitäten bei der Produktion und Vorratshaltung von “Verbrauchsgütern” (Raketen, Artilleriegranaten, Rohre für Rohrartillerie, Drohnen, Luftabwehr, gepanzerte Fahrzeuge, etc. etc.) aufbauen.

Das ließe sich den Bündnispartnern sicherlich als Alternative zum Aufbau einer militärischen Einsatzkapazität verkaufen und würde auch ein echtes sicherheitspolitisches Bedürfnis decken. Aber das wäre vermutlich um ein vielfaches teurer als die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Bundeswehr hat 2025 einschließlich der Gelder aus dem Sondervermögen ein Etat von 86 Milliarden Euro. Allein die “Space Force”, die in den USA militärischen Aktivitäten im Weltraum verantwortet, hat ein Budget von rund 34 Milliarden Euro.

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Tatsächlich fehlt mir dafür das Praxiswissen, da ich mit einer 5 gemustert wurde.
Allerdings sehe ich keinen anderen Weg, wenn jemand eine Nebendiskussion in einem anderen Thread startet und man diese Behauptung nicht einfach stehen lassen will, als sie in einen anderen Thread auszulagern.
Für alternative Vorschläge, sofern sie über ignorieren hinausgehen, bin ich offen, gerne auch per PN.

Das scheint tatsächlich so zu sein. Das wurde von der allgemeinen Berichterstattung nicht aufgegriffen und muss in der Diskussion, ob man unserer Zukunft das antun möchte, ja mit aufgegriffen werden.

Das glaube ich auch. Aber dem muss eine Diskussion voraus gehen, die Vor- und Nachteile abwägt. Das bisher geplante Modell würde dafür die Voraussetzungen schaffen. Mit dem Fragebogen zwingt man die Betroffenen sich mit dem Thema zu befassen. Der Rückfluss ermöglicht eine Evaluierung, wie viele Freiwillige es denn gäbe und man kann parallel die Ressourcen wie Musterungsstätten etc neu aufbauen. Wenn die Bundeswehr aber als Zwang geframed und empfunden wird, macht sie das erst mal unattraktiver, weil man erstens sich davor versucht zu drücken und zweitens schon mit negativen Gefühlen hingeht.

Hier fällt halt auf, dass das in den Medien erst wieder thematisiert wurde, als die Wehrpflicht wieder Thema wurde und dass sich demnach seit Abschaffung der Wehrpflicht nichts geändert habe. Das Interesse bei den Verantwortlichen scheint bisher gering zu sein, ist aber nun mal ein Baustein um den Arbeitgeber attraktiver zu machen, gerade für Frauen.

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Höchstens im Verteidigungsfall oder bei NATO Artikel 5 Fall und davon sind wir noch weit entfernt. Und sonst nur wenn sie sich freiwillig dazu bereit erklären (wie @der_Matti bereits schrieb) Siehe 6a / 6d Wehrdienstgesetz https://www.gesetze-im-internet.de/wehrpflg/WPflG.pdf die Freiwilligkeit ist hierbei ein riesiger Unterschied.

Die Litauen Brigade (die würde ja aktuell zur ersten Verteidigungslinie gehören) kann man nicht mit Wehrpflichtigen füllen.

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Das bringt dann nochmal eine etwas andere Diskussion auf. Die USA machen das sozusagen aus ihrem Überbestand heraus, Deutschland müsste diese Fähigkeiten teils erst neu aufbauen und das bringt uns in eine Entscheidungssituation, ob wir primär eine solche “Ermöglicherrolle” finanziell stemmen oder ob wir weiterhin die gesamte Bandbreite abdecken wollen.

Oder zugespitzt formuliert: Sehen wir uns als Teil eines Ganzen der sich entsprechend auf eine Komponente der Gesamtverteidigung konzentriert (Stichwort Europaarmee), oder legen wir Wert darauf uns auch in Zukunft notfalls alleine verteidigen zu können? Können und wollen wir Polen sagen “Schickt ihr mal die Leute, wir kümmern uns um die Raketen”?

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Guter Punkt.

Zudem: wie die USA zeigen, sind politische Verlässlichkeiten sehr volatil.

Lasst mal einen nationalistischen Ruck durch Europa gehen (Ländername + First), und schon funzt das System nicht.

Schwierig.

Es gibt Berichte darüber, aber meines Wissens betrifft das eigentlich immer irgendwelche Spezialeinheiten oder ähnliches, aber keine Wehrpflichtigen. Ich habe auch selbst keine Einführungsrituale, wie du sie hier vermutlich meinst, erlebt und von den Soldateb, die ich in meiner Wehrdienstzeit (die zugegeben schon eine Ewigkeit zurück liegt) kennen gelernt habe, habe ich davon auch nirgends was gehört. Wie verbreitet dad Problem unter Wehrpflichtigen sein mag, ist deswegen für mich schwer einzuschätzen, aber dass es solche Ausmaße hätte, dass darin ein relevantes Argument gegen Wehrpflicht bestünde, kann ich mir schwer vorstellen.

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Ich glaube du verwechselst da was… ja es gab bei der KSK gewisse Vorfälle, aber nicht bei den Wehrpflichtigen. Und im Falle russischer Wehrpflichtiger gibt es diverse Berichte von sogenannten “Aufnahmeritualen”.

Ich war selber vor 17 Jahren Wehrpflichtiger. Habe nichts dergleichen erlebt und kenne auch keinen der das erlebt hat. Im Gegenteil ist es seit der Bundeswehr 2000 Reform sogar so, dass das Thema Innere Führung nochmal reformiert wurde. Dazu gehört auch der Umgang mit untergebenen Dienstgraden.

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Habe jetzt nur den LTO Artikel gelesen: dort geht es um Vorkommnisse in den 90er und 70er Jahren. Und der erste Fall wurde ja auch sanktioniert.

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Der Fall bzgl Gorch Fock war 2008 und hat gezeigt, wie wenig Interesse innerhalb der Bundeswehr es gibt, aufzuklären, ob ein Vorwurf berechtigt ist.
Im Zeit-Podcast zitieren sie Soldaten, die Vorfälle damit begründen, dass sie da auch durchmussten. Es ist also ein verqueres Gerechtigkeitsbewusstsein, das die Rituale am Leben hält.
Wäre das alles Vergangenheit wäre aber alles gut.
Vielleicht übertreiben die Journalisten ja.
Wenn nicht, muss das aber thematisiert werden, denn eine moderne Bundeswehr kann sich so etwas nicht leisten.

Das stimmt nicht. Litauen ist eine Dienststelle im Grundbetrieb, also kein Einsatz sondern nur Mo-Fr Dienststelle im Ausland. Das ist keine Einsatzbrigade mit Einsatzauftrag.

Früher gab es eine Grundausbildungeinheit in Holland, also auch Ausland. Das war auch möglich.

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Die Litauen Brigade wird gerade komplett aus Freiwilligen gefüllt. Da werden gerade extra Wohnhäuser, Schulen und Kindergärten gebaut, dass die Leute da dauerhaft, mit Familie hinziehen. Da werden bestimmt keine Wehrpflichtigen gebraucht oder gesucht, die nach sechs Monaten wieder weg sind.

Möglich ja, aber nicht mit Zwang. Nichts anderes habe ich geschrieben.