Nochmal - Wehrpflicht alternativlos?

Ich denke die Art und Weise wie das zukünftig (also im Falle eines neuen Wehrdienstes) gehandhabt wird, hängt sehr davon ab, wie die Politik die Bundeswehr insgesamt aufstellen möchte. Da es in praktisch allen Szenarien ja nicht mehr um Landesverteidigung im engsten Sinne, sondern um Bündnisverteidigung geht, würde es meiner Ansicht nach sehr viel Sinn machen, dass auch Wehrdienstpflichtige grundsätzlich Zeit im Ausland verbringen und mit den Bündnispartnern zusammen lernen.

Wenn das die Politik auch so sieht, dann wird man auch die nötige Rechtsgrundlage schaffen, oder schon vorhandene Spielräume ausnutzen. Eine fundamentale rechtliche Hürde (etwa ein Verbot mit Verfassungsrang, dass Wehrdienstpflichte außer im Kriegsfall auf gar keinen Fall im Ausland eingesetzt werden dürfen) gibt es ja scheinbar nicht.

Punkt 1 auch in Kasernen gibt es Stuben (Unterkünfte), die z.B. für kommandierte Soldatinnen genutzt werden. Demnach wahrscheinlich auch möglich für Wehrpflichtige.

Punkt 2 derzeit gibt es keine Wehrpflichtige, demnach auch keine in der Auswahl für Litauen.

Punkt 3

Litauen ist Grundbetrieb, genauso wie Holloman, Decimomannu oder Dienststellen auf Kreta.

Und das ist nicht richtig. Wer als Wehrpflichtige ggf. sich auch Litauen vorstellen kann, wird diese Möglichkeit haben. Falls es wieder Wehrpflichtige gibt - ich hoffe es nicht.

Vorausgesetzt der Wehrdienst gäbe dies her und ist nicht nur eine Grundausbildung mit Wehrübungen.

Die restliche Hürde ist, dass sie nicht gezwungen werden dürfen. Im Verteidigungsfall ja, in Friedenszeiten nicht. Das ist die fundamentale Hürde. Es gab auch während des Afghanistan Einsatzes keine Grundwehrdienstleistende in Afghanistan. Man hofft natürlich, dass auch die Leute nach den 6 Monaten langfristig als Zeitsoldaten verpflichten. Dann werden die natürlich auch für verwendungen im Ausland fit gemacht.

Es ist richtig in dem Sinne, dass es keinen Sinn macht, jemanden der seine drei Monate Grundwehrdienst ableistet, in Friedenszeiten, nach Litauen zu schicken. Dort brauch man langfristig ausgebildete Soldaten.

Es hängt glaube in dieser Diskussion davon ab, wie man „Wehrpflicht“ definiert.

Da reichen mögliche Definitionen offenbar von „in Friedenszeiten grundlegende militärische Grundfertigkeiten zu erlernen um im Verteidigungsfall einen größeren Pool an möglichen verfügbaren Soldaten zu haben“ bis hin zu „wir schicken rudimentär ausgebildete junge Männer als Kanonenfutter an alle Krisenherde dieser Welt“.

Das macht es natürlich schwierig inhaltlich über Sinn und Notwendigkeit einer Wehrpflicht zu sprechen.

Da brauchen wir offenbar ein einheitliches Verständnis vom Begriff Wehrpflicht bzw. wie diese künftig ausgestaltet sein soll. Was politisch wohl auch noch nicht ganz klar ist.

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Es gab schon zu meiner Zeit Klassenkameraden, die damit prahlen, dass ihre Eltern den Hausarzt dazu brachten, Gefälligkeitsgutachten auszustellen, damit sie nicht zum Bund müssten. Wenn nun in den ersten sechs Monaten der Ausbildung, länger dauert der Grundwehrdienst nicht, jemand Angst haben müsste, an die Front geschickt zu werden und gemäß dieser Ausbildung nicht zurück zu kommen, würde der Druck auf die Ärzte wesentlich steigen. Dann geht es nicht mehr darum, sein Studium ein Semester später beginnen zu können, sondern um Leben und Tod. Das wäre gesellschaftlich nicht durchsetzbar, da würde sich ernsthafter Widerstand formieren.
Wenn du die Leute fragst, bekommst du eher Antworten wie „das hat uns auch nicht geschadet“, „die Jugendlichen können doch oft nicht mal ihr Bett selbst beziehen“, „weniger Work-Life-Balance mehr Disziplin“

Sicher auch ein wichtiger Punkt.

Offen ist eben was versteht sich genau unter Wehrpflicht?

Und meine Lieblingsfrage: wollen wir unsere Gesellschaft überhaupt vereidigen? Wenn die Antwort nein ist, wäre eine Wehrpflicht eh obsolet.

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