Noch mehr Kürzungsvorschläge: Diesmal Kinder- und Jugendhilfe & Inklusion

Der Paritätische hat ein internes Arbeitspapier von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden geleakt, das drastische Kürzungen von Leistungen für Kinder, Jugendliche, Familien und Menschen mit Behinderungen vorsieht. Gekürzt werden sollen Leistungen, auf die es bisher einen gesetzlichen Anspruch gibt - etwa aufgrund von UN-Konventionen, die Deutschland ratifiziert hat. So soll zum Beispiel die individuelle Schulbegleitung als Regel abgeschafft und durch ein „Pooling“ ersetzt werden. Wer an einer Schule arbeitet oder ein Kind hat, das auf Schulbegleitung angewiesen ist, weiß, was das bedeutet. Im begleitenden Kommentar des Sozialverbandes heißt es u. a.

Die Logik der Vorschläge ist durchgängig dieselbe. Teure individuelle Hilfen sollen durch billigere kollektive Angebote ersetzt werden, egal ob diese Angebote überhaupt existieren oder den Bedarf decken können. Das Einsparpotenzial wird beziffert. Die Folgekosten nicht. Dass gestrichene Schulbegleitung langfristig Mehrkosten produziert, dass junge Erwachsene ohne Nachbetreuung auf der Straße landen, dass befristete Hilfen mehr Bürokratie erzeugen als sie einsparen: kein Thema. Armut, Gewalt und psychische Erkrankungen als eigentliche Treiber steigender Fallzahlen: ebenfalls kein Thema.

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Ich bin persönlich ein Verfechter des “Poolings” – aber nicht als Kostensparmaßnahme, sondern zur Verbesserung der Betreuungs- und Förderqualität durch die dadurch ermöglichte Professionalisierung und Einbindung in multidisziplinäre Teamstrukturen. In der in dem Arbeitspapier diskutierten Form ist das (wie viele andere diskutierten Punkte) eine Katastrophe.

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Ich muss sagen, dass ich mich wenig mit Schulbegleitung auskenne und mir die Frage schon häufiger gestellt habe ob Schulbegleitung tatsächlich immer so aussehen muss wie sie aussieht, nicht nur aus Kostengründen, sondern vor allem auch aus Kompetenzgründen und der Frage ob es Kinder nicht auch hemmt hier 1:1 betreut zu werden.

Z.B. kannte ich ein Kind, welches Schulbegleitung wegen Diabetes bekam. Genau dieses Kind war im Sportverein aber unauffällig, Eltern waren zwar immer in der Nähe, aber im Verein gab es nie Probleme.

Da frage ich mich dann z.B. schon, ob hier eine 1:1 Betreuung durch eine lediglich angelernte Kraft wirklich die sinnvollste Lösung ist. Wäre hier nicht genauso ausreichend geschultes Personal in der Schule zu haben.

Oder nehmen wir ADHS. Ich frage mich wirklich ob hier angelernte Kräfte dauerhaft zielführend sind oder ob nicht der Ausbau von Stellen für Sozialpädagogen und kleinere Klassen sobald hier ein oder mehrere Fälle Teil der Klasse sowie eine Schulung der Lehrer nicht wirkungsvoller sein können.

Ich sehe hier auch weniger ein Einsparpotential sondern Frage mich eher ob nicht mit dem gleichen Geld mehr erreicht werden kann. Natürlich glaube ich nicht dran, dass das bei den aktuellen Plänen in der Praxis so wäre, aber ich frage mich eben doch, ob die aktuelle Praxis der 1:1 Begleitung wirklich Best Practice ist oder nicht auch schon eher eine einfach umzusetzende Lösung die auf dem Papier besser aussieht als in der Praxis.

Ich möchte zudem nicht in Frage stellen, dass es sehr wohl auch Fälle gibt wo eine 1:1 Begleitung sinnvoll und nötig ist.

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Vorweg: Ich kenne mich nicht sonderlich gut aus, finde aber unmittelbar einsichtig, dass durch gezieltere und kompetentere Unterstützung Ressourcen sehr viel effizienter eingesetzt werden könnten - nicht nur bei der Schulbegleitung. Wer aber mal einen Blick in das geleakte Papier wirft, merkt, dass es darum nicht einmal im Ansatz geht. Hier geht es alleine darum, aufgrund von (teilweise vermuteten) Kennzahlen Geld zu „sparen“ - auf Kosten der Rechte von Menschen und teilweise, wie mir scheint, ohne eine Ahnung davon, wie das eigentlich konkret umgesetzt werden soll und was eine Umsetzung fachlich und für die Betroffenen bedeutet. Solche Vorschläge haben vor allem den Effekt, den Kostendruck bei Trägern, Dienstleistenden und Hilfeempfängerinnen noch weiter zu verstärken, was die Arbeit nicht leicher oder besser machen dürfte.

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Eine Schulbegleitung wegen Diabetes wird sich in aller Regel auf die medizinische Betreuung des Kindes fokussieren und keine pädagogischen Maßnahmen umsetzen. Da wäre es natürlich grundsätzlich möglich, mehrere Kinder gleichzeitig zu betreuen – dafür müsste es aber mehrere Kinder mit medizinischem Betreuungsbedarf in der Klasse geben. In so einem Fall wäre es glaube ich sinnvoller, das pädagogische Personal der Schule ganz allgemein im Umgang mit Diabetes zu schulen, sodass alle Erwachsenen im Umfeld des Kindes wissen was zu tun ist. Das ist im aktuellen System aber nicht vorgesehen und die meisten Lehrer wehren sich auch mit Händen und Füßen gegen die Übernahme dieser Art von Verantwortung.

Da liegst du absolut richtig. Statistisch kommt in Deutschland aus 25 Schüler:innen etwa 1 Kind mit Fördergutachten (wobei die Förderbedarfe da vom Sozial-Emotionalen über Geistige Behinderung bis körperliche und medizinische Beschwerden reichen, außerdem noch komplexe Kombinationsfälle).

Es gibt nach meiner Erfahrung unter diesen Kindern mit Fördergutachten praktisch kein Kind, dass auf eine gesonderte Förderschule angewiesen ist.

Allerdings ist unser traditionelles Schulsystem (feste Klassenverbände, nach Geburtsjahrgängen sortiert, 1 Lehrer:in auf 20-25 Schüler:innen, “Spezialpersonal” immer nur nach aufwendigem Antragsverfahren und als individuelle Leistung) denkbar ungeeignet, um Kinder mit besonderen Bedarfen zu fördern und einzubinden.

Die meisten Bedarfe könnten in einem Jahrgangsübergreifenden und nach modernen pädagogischen Erkenntnissen gestalteten System über einen multidisziplinären Personalpool problemlos und qualitativ besser als mit (meist ungelernten) I-Kräften erfüllt werden. Das kostet dann vielleicht am Ende sogar weniger Geld bzw. produziert bei gleichem Ressourceneinsatz bessere Ergebnisse, aber setzt eine strukturelle Veränderung des Systems voraus. Und da sparen die politisch Verantwortlichen entsprechend lieber an der Substanz, als sich dem tatsächlichen Problem zu stellen.

Quelle: Bin Vater eines geistig und körperlich schwerbehinderten Sohns in der 4. Klasse einer inklusiven (staatlichen) Grundschule. Da bin ich auch Elternsprecher und in die Entwicklung des pädagogischen Konzepts stark eingebunden. Und ich ärgere mich seit gut 4 Jahren über die aktuelle Umsetzung der I-Kräfte. Die offenbar diskutierten Maßnahmen würden das ganze nach meiner Ansicht noch schlimmer machen.

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Ich schreibe aus der Perspektive einer Lehrkraft mit Erfahrung an einer Brennpunktschule. Ich bin Quereinsteigerin, wie inzwischen ein Großteil an Brennpunktschulen und habe mein Staatsexamen nachgeholt.

Aus meiner eigenen Praxis kann ich nur sagen, dass ich die Unterstützung durch I-Helfer wahnsinnig schätze. Für mich persönlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob sie anwesend sind oder nicht. Ihr Wegfall ist eine Katastrophe.

Ich kann das ehrlich gesagt weniger auf das einzelne Kind herunterbrechen, sondern vor allem auf den gesamten Unterricht schauen. Wenn ein Kind mit einer emotional sozialen Entwicklungsstörung oder auch mit ADHS an einem schwierigen Tag stark auffällig ist, kann schon ein einzelnes Kind den kompletten Unterricht sprengen.

Dazu gehören Schreien, Beleidigungen, das Beschädigen von Gegenständen, Werfen von Stühlen oder Situationen, die für andere Kinder auch gefährlich werden können.

Als Lehrkraft kann ich das nicht ignorieren. Ich bin dann gezwungen einen Großteil meiner Aufmerksamkeit auf dieses eine oder häufig sind es auch mehrere Kinder mit Förderbedarf in einer Klasse zu richten. In solchen Phasen bin ich praktisch durchgehend am Platz des Kindes/der Kinder.

Das bedeutet gleichzeitig, dass der Rest der Klasse deutlich weniger oder keine Aufmerksamkeit bekommt. Das ist kein theoretisches Problem, sondern mein Alltag.

Genau hier sind I-Helfer für mich extrem wichtig. Wenn jemand vor Ort ist, der deeskalierend eingreifen kann und das Kind begleitet, entsteht überhaupt erst wieder die Möglichkeit, dass Unterricht für alle anderen stattfinden kann. Viele Kinder mit Förderbedarf arbeiten dann auch wieder im Unterricht und melden sich.

Ohne diese Unterstützung gerät man sehr schnell an die eigenen Grenzen. Es gibt Stunden, nach denen ich nervlich völlig erschöpft bin. Das ist auf Dauer keine tragfähige Situation.

Meine Sorge richtet sich deshalb nicht nur auf Kinder mit Förderbedarf, sondern auch auf alle anderen Kinder in der Klasse. Wenn diese Unterstützung wegfällt oder reduziert wird, verlieren sie dauerhaft Lernzeit.

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Die aktuelle Situation bedeutet aber ja auch, dass in Klassen in denen ein Kind mit ADHS und Störpotential sitzt welchem eine solche Schulbegleitung zugestanden wird für Ruhe gesorgt wird, in der Nachbarklasse dagegen sitzen ggf. 3 Kinder die zwar einzeln weniger häufig eskalieren und deshalb keine Schulbegleitung bekommen, in der Summe aber den Unterricht noch viel häufiger stören und dort ist die Lehrkraft dann auf sich allein gestellt. Zudem entwickeln solche Gruppen ja oft nochmal ganz andere Dynamiken.

Eine angelernte Schulbegleitung kann zudem ja vor allem nur Situativ unterstützen, aber hat kaum die Kompetenz hier langfristige Wirkung zu entfalten.

In meiner Vorstellung wie ich Gruppen aus der Jugendarbeit im Sportverein kenne und wie ich Schule durch eigene Erfahrung und die Erfahrung meiner Tochter kenne würde ich in mehr Schulsozialarbeit durch geschulte Sozialpädagogen, kleinere Klassen, mehr Differenzierungsmöglichkeiten, etc. da doch erheblich mehr Potential sehen als in einer 1:1 Begleitung durch eine angelernte Kraft.

Zumal ja auch solche Fachkräfte dann 1:1 eingreifen könnten wenn akuter Bedarf ist.

Das ist natürlich auch nicht das was die Regierung aktuell plant, deshalb ist da Kritik auf alle Fälle angebracht und wie bei allen Themen im Bereich Bildung müsste man eigentlich mehr und nicht weniger investieren, aber wenn man schon über das Thema diskutiert, dann finde ich dürfte das Verbesserungspotential da nicht unter den Tisch fallen.

Ich verstehe da auch die Lehrer, aber es könnte ja anderweitig Personal darin geschult werden im Notfall helfen zu können.

Es wäre vielleicht hier von Vorteil diese Teams möglichst erstmal an Schwerpunktschulen (jede zweite bis dritte Schule) aufzubauen. Also nicht wie bei Förderschulen nur wenige Schulen pro Ort, aber eben auch nicht jede Schule und jede Zweigstelle einer Schule.

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Ginge es um eine Verbesserung der Betreuung, dann ginge das sicherlich.

Hier geht es aber eindeutig primär um die Beschneidung von Unterstützung, aus Kostengründen und Personalmangel.

Ich würde - das ist aber reine Spekulation - angesichts der Debatten um vermeintlich zu leichtfertige ADHS- und Autismusdiagnosen auch noch ideologische Gründe unterstellen.

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Nachdem man bei Ausländern und Armen alles abgegrast hat, ist der Angriff auf Behinderte und Kinder mit Förderbedarf eigentlich der nächste logische Schritt einer Politik, die sich stets politisch und finanziell schwache Minderheiten als Sündenböcke sucht, auf denen man nur fest genug herumtrampeln müsse, damit das Land nach oben komme. Die schlimmsten Folgen kommen ja erst nach Ende der Legislatur. Und dann haben sich Lehrkräfte, Eltern, Kinder eben nicht genug angestrengt, wenn es nicht läuft. Diese Politik wollen und wählen halt sehr große Gruppen der Wählerschaft.

Na zum Glück haben wir ja eine Kinderschwemme, da macht es nichts, wenn einige hinten runter fallen…

Ohne Zynismus ist diese Politik für mich kaum aushaltbar.

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In Fortführung dieses Zynismus würde ich mir auch wünschen, dass die verantwortlichen Akteure offiziell die Kündigung bzw. den Ausstieg Deutschlands aus UN-Flüchtlingskonvention, UN-Kinderrechtskonvention und UN-Behindertenkonvention fordern - denn das sind ja offensichtlich alles nur Quellen für unzumutbare Belastungen für den Staat bzw. den deutschen Steuerzahler. Wenn schon Rechtsextremen den Weg ebnen, dann bitte auch konsequent.

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Zur Frage, wie man Kinder mit Förderbedarf in der Schule am besten begleitet: perfekt wäre ein System, das einfach davon ausgeht, dass nicht jedes Kind, aus jeder Situation heraus, jeden Tag irgendwie in nicht-artgerechter Haltung, wie sie in Schulen halt Standard ist, einfach trotzdem funktioniert und dann so große personelle, finanzielle, räumliche, geeignete Reserven hat, dass man bis auf wirklich extremen Fälle immer adäquate Hilfe vorhält.

Deutliches Downgrade aber immer noch um Welten besser, als der Ist-Zustand: Ein Bildungssystem, in dem wenigstens nicht versucht wird, den Rechtsanspruch auf Inklusion nicht nach Kassenlage zu vergeben, sondern nach fairer, sachbezogener Beurteilung.

In dem zumindest eine oberflächliche, externe Beobachtung für einige Stunden schon in der Grundschule Standard ist, damit nicht möglichst wenige, sondern möglichst alle Kinder mit Förderbedarf frühzeitig auch Förderung bekommen.

Was konkret die aktuellen I-Helfer angeht, ist nach meiner Erfahrung die Bandbreite sehr groß: es gibt die ganz tollen, die teils einfach Talent haben, teils tätigkeitsverwandte Vorbildung haben, aber es gibt auch die, denen ich im Unterricht die Handynutzung untersagen muss, als wären die Schüler und die dann noch diskutieren wollen, warum sie da nicht irgendetwas zocken dürfen. Und alles zwischen diesen Extremen. Da wäre eine Professionalisierung wichtig, die würde aber auch direkt die Kosten erhöhen, also das Gegenteil von dem, was die amtierende Regierung anstrebt.

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Leider ist es ja nicht nur die amtierende Bundesregierung, es sind auch Landesregierungen und Kommunen - nur dass die halt selbst wenig an ihren notorisch knappen Kassen ändern können. Nur mal anekdotisch: In einer niedersächsischen Großstadt wurden Mitarbeiter der Stadtverwaltung angewiesen, den Förderbedarf für sogenannte I-Kinder selbst bei Vorliegen aller notwendigen fachlichen Unterlagen nur möglichst zeitverzögert zu attestieren, um Geld zu „sparen“ - was dann bedeutete, dass die Kids teilweise länger als ein Schuljahr ohne die für sie notwendige und ihnen rechtlich zustehende Unterstützung klarkommen mussten, es sei denn die Eltern waren gut betucht genug, das selbst zu finanzieren. Genau diesem Geist folgt das geleakte Papier.

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Hallo,

ich hoffe, ich lande hier in der richtigen Kategorie, ich bediene diese Plattform zum ersten Mal.

Ich würde gerne das Thema Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe einbringen.
Zu meiner Person: Ich bin soloselbstständig als Sozialarbeiter und arbeite insbesondere mit örtlichen Jugendämtern zusammen, meist als SPFH (sozialpädagogische Familienhilfe). Wenn’s in Familien brennt und Eltern sich hilfesuchend ans Amt wenden, werden Leute wie ich kontaktiert, um zu schauen, wie man helfen kann. Meine Rechnungen schicke ich dann ans Amt.
Ich habe mich im Laufe der letzten Jahre mit vielen Weiterbildungen auf die Bereiche ADHS und FAS bei Kindern spezialisiert.

In meiner Arbeit habe ich ständig mit diversen Schulen, Schulsozialarbeit, Schulbegleitungen (und damit natürlich auch mit der Eingliederungshilfe) zu tun. Und ich bekomme durch diese Netzwerkarbeit dann mit, was für einen Impact die Tätigkeiten in der Schule auf den Familienfrieden, auf die Entwicklung der Kinder, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und Mitschüler:innen haben.

Ich mache mir mit den stetigen Ankündigungen zu Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe große Sorgen. Klar, einerseits verdiene ich meinen Lebensunterhalt in diesem Bereich. Aber ich bekomme regelmäßig mit, was es für Auswirkungen hat, wenn Familien diese Unterstützungen bekommen.
Da denke ich an ein 11jähriges Pflegekind, schwere Traumata, eine irreparable alkoholbedingte Hirnschädigung. Den Schulbesuch kann es insbesondere dank der Schulbegleitung meistern. Aber das Kind braucht regelmäßig die Unterstützung bei der Regulation. Die Netzwerkarbeit zwischen Schule, Schulbegleitung, Therapieeinrichtung, Jugendamt, Familie und mir als Knotenpunkt ermöglicht es, diese Auswirkungen ganz konkret mitzubekommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Punkte in der Lage Platz finden. Also was bedeutet es einerseits für die Menschen (die Familien, die Kinder, die Eltern), wenn Hilfen gekürzt werden. Andererseits aber ist auch der gesellschaftliche Impact nicht aus den Augen zu lassen. Was bedeutet es langfristig, wenn Kindern die Hilfe verwehrt wird (auf sozialer und auch wirtschaftlicher Ebene - kurzfristige Hilfen sind oft kostengünstig, wenn diese helfen, eine kostspielige Herausnahme und Fremdunterbringung zu verhindern, ist viel Geld gespart - um mal so ganz unwichtige Punkte die das Wohl der Kinder und ihrer Familien außen vor zu lassen).

Alles Gute - und vielen Dank für den hervorragenden Podcast, den ich seit Jahren ständig im Auto auf den Weg zu den Familien höre ;).

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Da ich auch gerade eine Selbständigkeit in dem Bereich anstrebe, besorgen mich die Änderungen auch. Zumal einer der Bereiche betroffen ist, den ich anvisiert habe: Die Nachbetreuung junger Erwachsener beim Übergang aus der Jugendhilfe. Gerade dort zu sparen ist eine Katastrophe - es ist bereits jetzt problematisch, dass manche junge Erwachsene irgendwann einfach „fallen gelassen“ werden, daher die Kostenübernahme gestrichen wird und sie damit aus der Hilfe fallen. Dann hast du junge Menschen, die ihre ganze Kindheit und Jugend in der Jugendhilfe, z.B. in Einrichtungen oder im betreuten Wohnen, waren (aus guten Gründen!) und nun glauben einige Papiertiger in Berlin, man könne ja sobald die Leute 18 werden einfach sagen: „Tja, Pech gehabt, beantrage Grundsicherung und verelende doch, Hilfe bekommst du keine mehr!“.

Wenn wir wollen, dass Kinder und Jugendliche aus schweren Verhältnissen es schaffen, tatsächlich irgendwann mit beiden Beinen im Leben anzukommen, idealerweise eine Ausbildung abzuschließen und einen Job zu finden, dann können wir das nicht an strikten Altersgrenzen festmachen. Nur, weil jemand 18 geworden ist, heißt das nicht, dass plötzlich kein Hilfebedarf mehr besteht, der eine Weiterführung der Maßnahmen rechtfertigen würde.

Die Kosten, die durch mangelnde Nachsorge im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe entstehen werden, werden die Kosten dieser Nachsorge um ein Vielfaches übersteigen. Aber hey, das ist ja ein Problem der nächsten oder übernächsten Regierung. Hauptsache, wir schreiben schwarze Zahlen. Kurzfristiger „Profit“ mit extremen langfristigen Kosten - genau wie beim Thema Klimaschutz oder Psychotherapie. Immer nur schön auf die nächsten vier Jahre schauen, bloß nicht auf die nächsten 20 oder 50.

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Traurigerweise überraschen mich diese Neuigkeiten schon gar nicht mehr. Jede Form von Menschlichkeit und gerechter Teilhabe oder begründeter Behandlung wird unter dem Deckmantel einer Pseudo-Ineffizienz gestrichen. Egal ob bei Kindern, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit psychischer Störung.

Für mich wirkt es immer mehr, als hätte die Regierung rund um Merz den Bezug zur normalen Lebensrealität des Großteils der Bevölkerung völlig verloren. Die AfD freut sich über noch mehr Politverdrossene…

Das einzige was mich da überrascht, ist das Tempo dieser Entwicklung. Wo kommt das auf einmal her? Und wie soll bei dem Tempo wirksam protestiert oder gegen-argumentiert werden?

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Wobei das ein Ergebnis der völlig inflexiblen Gestaltung der Schulen und des Unterrichts und der personellen Ausstattung ist. Bei einer entsprechend gestalteten Schule gäbe es sowohl das Personal, als auch die Räumlichkeiten, um Kinder in Extremsituationen eine Ausweichmöglichkeit zu geben. Aktuell schiebt man die “Systemsprenger” dann in Schwerpunkt-, Brennpunkt- und Förderschulen ab, trennt sie also dauerhaft und räumlich von allen anderen Kindern. Billiger ist das nicht, aber es ist eine schnelle “Lösung”, die keine Anpassung der sonstigen Strukturen und Arbeitsweisen einfordert.

Ein systemischer Ansatz ist in jedem Fall der erfolgsversprechendere. Aber wenn man das ernst nimmt, dann kostet das jedenfalls nicht weniger Geld, als eine ungelernte I-Kraft neben ein Kind zu setzen. Dafür wären dann die Ergebnisse für alle besser.

Mein Verständnis für Lehrer, die “Pädagogik” als reines Vermitteln von Lehrstoff interpretieren, ist begrenzt. Natürlich mutet das aktuelle System gerade jenen Lehrer:innen, die ihre Aufgabe ernst nehmen, viel zu viel zu. Aber wir werden gerade für diese Lehrer:innen keine tragfähige Lösung finden, wenn wir das traditionelle Rollenverständnis des Berufs nicht insgesamt zukunftsfähig und realitätsnah gestalten (dann aber mit entsprechender Ausbildung und Ausstattung mit Ressourcen). Natürlich muss nicht jeder alles machen und können. Aber Multidisziplinarität bedeutet eben auch, dass man Aufgaben jenseits seiner Kernkomptenz an- und wahrnimmt.

Leider exakt meine Analyse.

Hier gibt es aber auch wahnsinnige Chancen. Das mein älterer Sohn mit schwerer Behinderung von einer konsequent inklusiv, teamorientierten und jahrgangsübergreifenden Schule profitiert liegt nahe. Tatsächlich ist das aber auch für meinen jüngeren Sohn eine extrem schöne Erfahrung. Der hat dort alle Möglichkeiten der Entfaltung, eine frühe und konsequente Heranführung an selbstorganisiertes und -verantwortliches Lernen und kann z.B. in der 2. Klasse schon den Mathestoff aus dem 3. Schuljahr machen – weil im Schulalltag dort keine künstlichen Grenzen gezogen werden.

Eine gemeinsame Beschulung aller Kinder mit gleichzeitiger konsequenter Förderung aufgrund individueller Bedürfnisse ist eine real existierende Option. Sie muss nur von Lehrern und Eltern auch eingefordert werden, anstatt das man sich an der vermeintlichen Sicherheit des Status Quo festklammert.

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Absolut! Ich wollte damit auch nicht aussagen, dass ich das System, so wie es aktuell ist, für am besten halte, sogar nicht. I-Helfer zu streichen und ansonsten nichts zu ändern, ist meiner Meinung nach nur ein sehr großer Fehler und wird unser Bildungssystem weiter verschlechtern. Aber wie hier schon vermutet wurde, sucht die Regierung mutmaßlich weiter nach Gruppen, die sich schröpfen kann. Ich widerspreche Herrn Klingbeil, dass ich bereit bin einschnitte zu machen oder andere, vor allem arme Menschen, solange nicht endlich was passiert in Richtung, Steuerschlupflöcher, Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer oder Bürgerversicherung. Es tut mir leid, ich bin nur noch wütend, wenn ich die Nachrichten lese.

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So meinte ich es auch nicht. Aber wenn eine Lehrkraft alleine in der Klasse ist, dann bedeutet eine enge medizinische Betreuung eines einzelnen Schülers im worst case auch, dass die Aufsichtspflicht über den Rest nur unzureichend gewährleistet ist.

Und sollte sowas häufiger vorkommen, dann fehlt die Zeit auch für die Betreuung der anderen Kinder.

Würde dagegen in so einem Fall eine Kraft aus der Verwaltung oder Küche betreuen, dann wäre der normale Unterricht weiter möglich.

Ausgerechnet den Lehrer in solchen Fällen aus dem Unterricht zu reißen dürfte solange Schule annähernd so funktioniert wie heute wenig zielführend sein.

Anders wäre es natürlich wenn hier 3-4 Lehrer eine lerngruppe betreuen und der Ausfall eines der Lehrer vom Rest temporär kompensiert werden könnte.

Das habe ich ja selbst schon so geschrieben. Ich befürworte aber wenn das Thema ohnehin diskutiert wird gleich auch in die Diskussion zu integrieren, dass es eigentlich ja sogar bessere Förderung bedarf und nicht schlechtere. Und dass diese vielleicht auch mehr Schüler erreicht indem es eben nicht strikt 1:1 ist, sondern ggf. Vielfältige Angebote geschaffen werden die auch die Fälle erreichen, die heute knapp keine Förderung bekommen.

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Es wäre schön wenn dieses Thema Platz in der Lage bekommt. Leider ist ist mediale Aufmerksamkeit dieses Themas sehr gering und mir fehlt der Überblick was eigentlich genau gekürzt werden soll und welche Auswirkungen es hat. Die schwächsten der Gesellschaft können sich kaum wehren.

Ich bin Mutter eines schwerbehinderten Kindes mit Pflegegrad 5 und ohne individuelle Teilhabeassistenz könnte er überhaupt nicht mehr zur Schule. Um was sollen sich die Lehrer sonst noch alles kümmern?

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Exakt so ist das an unserer Grundschule (wobei neben Lehrern auch pädagogische Fachkräfte eingesetzt werden): Mehrere Erwachsene kümmern sich um eine große Gruppe Kinder (die je nach Situation und Lernziel dann wieder flexibel in kleinere Gruppen aufgeteilt wird). Da die Schule aber auch nur den “normalen” Betreuungsschlüssel zugestanden bekommt, sind die Gruppen natürlich tendenziell zu groß (wie ja auch die traditionellen Klassen). Aber wenn z.B. die I-Kraft-Stunden an die Schulen übertragen werden würden und die dafür Fach- und Betreuungskräfte fest einstellen könnten, dann wäre einiges gewonnen.

Noch besser (und absolut notwendig) wäre natürlich generell eine bessere Personalisierung und auch eine bessere Trennung zwischen Administration und Pädagogik würde viel bringen. Jede Schule nicht nur eine Sekretärin, sondern auch eine Verwaltungsfachkraft haben, die die Schulleitung und das Kollegium unterstützt und ihnen Sachen abnimmt, die nichts mit dem Unterricht zu tun haben.

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