Ich kann jetzt nicht für alle sprechen, aber es ist ja schon so, dass sehr, sehr viele, die seit 30 Jahren auf die Notwendigkeiten hinweisen, das in allen Tonlagen und auch bis an die Grenze der Realitätsverleugnung differenziert versucht haben. Von “es gibt da ein klitzekleines Problem, wenn wir uns jetzt darum kümmern, können wir das mit überschaubarem Aufwand und hervorragender sozialer Abfederung in einem gewinnbringenden Prozess für alle lösen”, wie es vereinzelte Vertreter bis weit in die Union in den 90er und 0er Jahren versuchten, über die etwas naiv wirkenden Ansätze der Klimaunion an Vernunft und Verantwortungsgefühl ihrer Parteifreunde zu appellieren und lyrisch verkleideten Versuche, wenigstens das politisch Mögliche auszureizen der Grünen unter Habeck, bis zur Apokalyptik und Entertainment in Katastrophenfilmen wie “Day after tomorrow” oder “don’t look up” und den Straßenblockaden der letzten Generation. Dafür konnten die sich 30 Jahre lang anhören, sie wären Spinner, wollten das Land ruinieren, wollten allen das Fleisch grillen und das Autofahren verbieten, die ganzen völlig eindeutigen und klaren und belegten Befunde wären alle Quatsch, wenn sie jetzt nicht bald Ruhe geben, sind sie mindestens die Klima-RAF etc.pp.. Im fucking Ahrtal werden die Klimaschutzbremsen und Hochwasserschutzverweigerer von der Union weiter mit Mehrheiten gewählt. Wenn man es da nicht verstanden hat, weiß ich wirklich nicht weiter.
Ergänzung: Aktuell weisen Klimaforscher darauf hin, dass bei vielen Aussagen zu den Folgen der Erwärmung durch die Fokussierung auf Mittelwerte eine völlig unbegründete Sicherheit vermittelt wurde, die massive Risiken für bspw. Lebensmittelversorgung deutlich unterschätzt. Empfehlenswerter F.A.Z. Beitrag: Das bittere Kalkül der Katastrophenrechner
Dass nun, wenn sich immer deutlicher und häufiger die Kosten der weiter anhaltenden Idiotie der Mehrheit zeigen, bei dieser Minderheit der Vorrat an Geduld, Mit- und Feingefühl aufgebraucht ist und die Kommunikation irgendwo zwischen “können wir dann wenigstens jetzt endlich aufhören, dauernd dämlichen Scheiß zu machen oder vielleicht sogar anfangen, Dinge einfach so zu machen, wie sie schon vor 30 Jahren schlau gewesen wären und wie sie in Nachbarländern wunderbar funktionieren (Verkehrswende, Wärmepumpen, Energiewende, Klimageld, die Liste ist lang)” und “wir haben euch gesagt, dass das scheiße wird, ihr habt uns angefeindet und ausgelacht, jetzt lachen wir zurück, ihr Deppen” kann ich jedenfalls gut verstehen.
Und ich kann auch die verstehen, die tatsächlich nicht anders können. Beide Gruppen sind aber am Ende Opfer von der nicht kleinen Mehrheit, die an vielen (nicht: allen) Stellen anders entscheiden könnte. Von der individuellen Wahl des Nahrungs- und Verkehrsmittels bis zur systemrelevanten Wahl in der Wahlkabine. In der Summe würde das nicht nur die Probleme an den Tankstellen, sondern auch im Klimaschutz abmildern können und den sozialen Ausgleich wesentlich leichter und kostengünstiger machen.
Beide Gruppen wären deswegen gut beraten, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, sondern gemeinsam denen, die vom “immer weiter so” fett und mächtig werden und bleiben, dahin zu treten, wo es weh tut, damit da endlich mal Bewegung reinkommt (und zwar nicht zurück in die 80er, wie es die Merz-Union realitätsimprägniert versucht).