Aber was sagt uns das über chinas Turbo jetzt für Deutschland?
Falsche Staatsform bei uns?
Aber was sagt uns das über chinas Turbo jetzt für Deutschland?
Falsche Staatsform bei uns?
Nö. Unzureichende politische Flankierung für klimafreundliche Investitionsentscheidungen.
Wie gesagt, die richtigen Anreize und Weichenstellungen fehlen.
Am Aufholen der Schwellenländer erkennt man, wie die Bundesrepublik zurückfällt.
Schauen wir uns mal nur die Daten zur PV an:
Klar, China und die USA haben bessere Voraussetzungen, weil sie mehr Fläche haben. Aber wenn ich sehe, wie viele Dächer mit Südausrichtung in Deutschland keine Solaranlagen haben und wie viele Dächer viel zu kleine Solaranlagen haben (also nur einen Bruchteil der idealen Fläche nutzen) wird deutlich, dass in Deutschland gerade im Bereich PV noch so viel zu machen ist.
Problem ist: Das wird gebremst, weil unsere Netz-Infrastruktur zu schwach ist für mehr Solar. Und gerade dort, wo sich Solarenergie besonders lohnen würde, weil sie direkt vor Ort ohne Netzeinspeisung verbraucht werden würde, wird gar keine Solarenergie gewonnen: Auf Mehrfamilienhäusern.
Jeder Hauseigentümer mit einem günstig liegenden Dach wäre dumm, wenn er keine Solaranlage installieren würde. Genau deshalb ist die Quote an Solaranlagen relativ hoch bei Einfamilienhäusern, weil es sich extrem lohnt, den Strom zum Eigenverbrauch zu gewinnen. Aber die Anlagen werden so geplant, dass vor allem der Eigenbedarf gedeckt wird, denn Produktion nur zwecks Einspeisung lohnt sich nach den aktuellen rechtlichen Bedingungen kaum (wenn wir den Strom „nur“ einspeisen, sind wir schnell bei Amortisierungen im Bereich von mehreren Jahrzehnten…).
Und das ist das Problem mit Mehrfamilienhäusern. Die Mieter (die Eigenverbrauch hätten) dürfen keine PV-Anlagen auf dem Dach installieren, die Vermieter haben keinen Eigenverbrauch und folglich lohnt es sich für sie nicht, PV-Anlagen auf den Dächern zu installieren. Und so tut sich auf Mehrfamilienhäusern rein gar nichts.
In einem idealen Szenario würde auf jedem Mehrfamilienhaus eine PV-Anlage befinden, die schwerpunktmäßig die dortigen Mieter versorgt. Die technische Umsetzung dürfte einfach sein, die rechtliche ist es nicht, weil der Vermieter dadurch quasi zum Stromanbieter würde, ganz andere rechtliche Regelungen gelten würden, die Vermieter dafür spezialisiertes Personal einstellen müssten usw. usf… Hier könnte über eine einfache rechtliche Regelung viel erreicht werden: Vermieter, die PV-Anlagen auf ihren Häusern bauen und den Strom zu Marktkonditionen an ihre Mieter weiter geben, sollten dies steuer- und abgabenfrei tun dürfen, so lange den Mietern dadurch kein Nachteil entsteht. Dann amortisieren sich die PV-Anlagen in wenigen Jahren und jeder Vermieter, der keine PV-Anlage installiert, würde auf massive Mehreinnahmen verzichten. Alternativ sollten Vermieter verpflichtet werden, ihren Mietern auch die Nutzung des Dachs für PV-Anlagen zu erlauben. Wir wohnen hier z.B. seit 19 Jahren und werden so schnell auch nicht ausziehen, wir würden hier auch eine 10 kWp-Anlage auf dem Dach installieren, weil die sich bei unserem Eigenverbrauch von 6k kWh sehr schnell amortisieren würde und wir voraussichtlich noch lange genug hier wohnen werden. Aber nein, in Deutschland muss man schon um ein Balkonkraftwerk kämpfen, einer Dach-PV-Anlage stimmt kein Vermieter jemals zu…
Es gab schon einige Verbesserungen, aber bis zur Optimierung ist es noch ein weiter Weg.
PV-Anlagen müssen auch stärker mit Batteriespeichern zusammengedacht werden.
Der Verbraucherzentralen-Bundesverband hat die gültigen Regelungen hier ganz gut dargestellt:
Die Batteriepreise sind übrigens stark gesunken.
Bei den Neuinstallationen hierzulande gab es 2023 einen Boost.
Die Battery-Charts-Seite der RWTH Aachen ist wirklich sehr empfehlenswert. Dort sieht man z. B. auch, wie der Storage regional in der Republik verteilt ist, u. v. m.
Lesenswert sind noch die Experten-Reaktionen zum Klimaschutz-Gutachten des IGH:
Ergänzt seien zwei aktuelle Meldungen:
Zu den Kosten:
Eine neue Untersuchung eines australischen Forschungsteams ergab nun: Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Person wird selbst dann um rund 16 Prozent niedriger liegen als ohne Klimawandel, wenn die Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzt wird. Derzeit steuert die Welt allerdings auf etwa drei Grad Plus zu.
Erst im letzten Jahr hatte eine ähnliche Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ergeben, dass selbst bei erfolgreicher Klimapolitik und einem Einhalten des Zwei-Grad-Limits die wirtschaftlichen Kosten etwa durch geringere Agrarerträge, sinkende Arbeitsproduktivität oder Schäden an der Infrastruktur bis 2050 auf weltweit mindestens rund 38 Billionen US-Dollar jährlich ansteigen werden. Das entspräche einem Einkommensverlust von 19 Prozent für die Weltwirtschaft.
Bemerkenswert ist auch noch ein Offener Brief von Finanzdienstleistern und Unternehmen.
Für einen Wandel hin zu einer nachhaltigen und langfristig wettbewerbsfähigen Wirtschaft benötigen wir einheitliche Standards und einen stabilen regulatorischen Rahmen, der Investitionen ermöglicht und Innovationskraft stärkt. Weitreichende und undifferenzierte Deregulierung hingegen lehnen wir ab: Sie beeinträchtigt unsere Planung und schadet unserer Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Allein die Flutschäden im Juli 2021 haben Deutschland einem Bericht des schweizerischen Analyse-Instituts Prognos zufolge rund 40,5 Milliarden Euro gekostet – nur bis zu 8,5 Milliarden Euro seien aber von Versicherungen übernommen worden, weitere Gelder stammen aus dem EU-Solidaritätsfond sowie aus privater Tasche.
30 Milliarden Euro haben der Bund und die Länder für die Kostendeckung der Flutschäden beigesteuert. Es sind Summen, an die sich die Bevölkerung in Zeiten des Klimawandels gewöhnen muss. „Teilen Sie mal 30 Milliarden durch 83 Millionen und schauen Sie, was das für den Bundesbürger bedeutet“ – das Ergebnis: 361 Euro pro Kopf. „Diese Summe stottern wir jetzt 30 Jahre ab“, sagte Bär.
Dabei wirken sich die Schäden eigentlich positiv auf das BIP aus, da sie ja repariert werden müssen und jemand dafür eine Rechnung schreibt und jemand diese bezahlen muss.
Die Passage passt nicht ganz zu dem Abschnitt der danach kam. Denn dort führst du eine Reihe von Nachteilen für Vermieter auf, die durch die neue Rolle als Versorger entstehen. Es ist also nicht nur so, dass es sich für Vermieter nicht lohnt PV aufs Dach zu setzen. Stattdessen machen sie sich das Leben damit sogar schwerer.
Einen wichtigen Punkt hast du im Übrigen noch gar nicht genannt. Der Vermieter muss mit den Mietern einen Liefervertrag schließen. Was ist aber wenn diese den Vertrag nicht wollen, da sie keine Lust auf einen zusätzlichen Liefervertrag haben. Die Kostenersparnis für Mieter durch Vermieter-PV dürfte schließlich eher gering sein, letztlich sind die bürokratischen Hürden hoch und teuer (zusätzliche Zähler, Wartung, Abrechnung). Aktuell darf der Vermieter 90% des Grundversorgertarifs verlangen. In meiner Region finde ich dagegen freie Lieferanten zu 10-20% weniger als das.
Zusammengefasst, und hier stimmen wir wieder überein, stimmen die Rahmenbedingungen in Deutschland noch nicht.
Wenig überraschend bei einer Regierung, die „Drill baby drill“ als Motto ausgibt und aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt. Die gleichen Bestrebungen (wenn auch politisch schlauer verpackt) gibt es ja auch bei uns.
“What they are really pushing for is the destruction of our civilization. It’s quite outrageous and mind blowing, really,” Schei tells Deadline as we sit at a café in Copenhagen. “And I don’t think a lot of Americans realize that the sort of hidden end time Armageddon lobby… that they have real political power. They make up the backbone of the Republican party.”
Exakt das ist doch mein Punkt.
Mieter dürfen nicht, für Vermieter lohnt es sich nicht. Damit liegt das Potenzial brach.
Die einfachste Lösung wäre es, den Mietern auch ein Recht auf die anteilige Dachfläche zu geben. Wir würden hier sofort eine 10 kWP-Anlage installieren, wenn wir das dürften. Oder 5 kWP, wenn uns nur so viel Dachfläche zustehen würde…
Ich sehe auch nicht, warum die Mieter kein Recht auf anteilige Nutzung der Dachfläche haben sollten. Die gesamten Gebäudekosten werden über die Nebenkosten ohnehin auf die Mieter umgelegt, daher die Mieter zahlen auch jetzt schon z.B. Gebäudeversicherung und co. für das Dach mit. Auch bei der Kalkulation der Vermietung bleibt das Dach unberücksichtigt, daher der gesamte Gebäudepreis wird für die Kalkulation der Mieten im Hinblick auf die Amortisierung verwendet, die Mieter zahlen daher auch „das Dach mit ab“. Warum zur Hölle also sollten die Mieter keinen Anspruch auf eine anteilige Dach-Nutzung haben?
Welche Verbote meinst du?
Vlt. wäre ein Ansatz auch, die EE/Wärmewendetechnologien etc. nicht ständig schlecht zu reden und mit „Du musst nichts ändern Phantasielösungen“ rein zu lobbieren.
Und eine Anmerkung zu China. Klar mögen sie pro Kopf mittlerweile mehr emittieren als wir in der EU. Aber für wen wird da produziert? Sowas könnte man mit sowas wie Lieferkettengesetzen in den Griff bekommen. Aber daran wird ja auch gesägt. Daher sollte man sich erstmal an die eigene (Deutschland) Nase fassen, bevor man mit Vorwürfen um sich wirft und so tut als sei Deutschland das Musterbeispiel.
Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung hat genau das abgeschafft, was beim Mieterstrommodell noch an Rahmenbedingungen kompliziert war. Es mangelt denke ich am Bewusstsein der Vermieterinnen. Hab letztens mal meine Hausverwaltung angeschrieben, die das an den Eigentümer weitergegeben hat. Keine Reaktion. Man beschäftigt sich halt einfach nicht damit, weils keine Pflicht gibt und nicht zum business as usual gehört.
Du redest vom Mieterstrommodell. Da gibt es eine Vollversorgung des Mieters. Daher wird der Preis hier gesetzlich nach oben gedeckelt auf max 90%. Bei der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung gibt es freie Preisgestaltung. Wieso soll ein Mieter hier nicht mitmachen, wenn der Strompreis bei 20-25 Cent/kWh liegt. Wieso soll ein Vermieter da nicht mit machen, wenn er stattdessen nur 6-8 Cent bekäme und wieso soll sich das nicht rechnen? Für die Abrechnung gibts Anbieter.
Aufs BIP vlt. Auf die Produktivität nicht. Man ersetzt bestehendes. Damit schafft man keinen Mehrwert. Das Geld wäre an anderer Stelle, sei es in EE, in produktivere Maschinen etc. deutlich besser investiert. Man erhält damit den Status Quo, stößt dabei wieder Mengen an CO2 aus und hat am Ende nix besseres.
Interessante Idee. Denke aber eine Art Verpflichtung wäre vertraglich einfacher. Wie gesagt, mangelt es vermutlich an Information. Zumindest in Niedersachsen gibt es eine PV Pflicht bei Dachsanierung.
Ich glaube du verstehst mich falsch. Wenn du sagst, es lohnt sich für Vermieter nicht, dann kann das auch heißen, dass der ROI vorhanden, aber zu niedrig ist. Das Framing wäre dann, der Vermieter sei gierig.
Ich wollte darauf hinaus, dass dem Vermieter unter den aktuellen Regularien sogar Verluste blühen können.
Damit der interessierte, aber fachlich unkundige Mieter da oben selbst eine Anlage installiert? Den Streit sehe ich schon vor meinem geistigen Auge.
Szenarien:
Es ging eher um die Kommunikation. Also nicht immer mit WorstCase-Szenarien drohen und was alles teurer wird oder eingeschränkt werden muss, sondern eher. welchen Mehrwert habe ich dadurch, wo spare ich langfristig damit und warum sind die Argumente von Lobby-Vertretern nicht immer die besten.
Eher so in diese Richtung.
Wir diskutieren das ganze Thema zu negativ, dann will ja kaum jemand drüber reden.
Das habe ich nicht gesagt. Ob es eine Pflicht geben sollte, Fachbetriebe zu beschäftigen, darüber kann man in diesem Fall streiten.
Die Aufteilung zu organisieren wäre Sache des Vermieters.
Standard-Fälle des zivilrechtlichen Schadenersatzes.
Auch ein Standard-Fall. Auf diese Unterlagen sollte es ebenso einen Rechtsanspruch geben wie es ihn für sämtliche Unterlagen die Nebenkosten betreffend bereits gibt.
Die Verkabelung / Abnahme einer Anlage mit Einspeisung über 800 Watt - und nur über solche reden wir hier - muss auch nach geltender Rechtslage schon ein Fachelektriker machen. Der haftet wie immer über seine Berufshaftpflichtversicherung für etwaige Schäden.
Das wäre ein Claim, für den es keinerlei Grundlage gäbe, dass Menschen sich absurde Forderungen aus dem Hintern ziehen kann nun wirklich kein Argument sein.
Das sind alles keine Gründe, die dagegen sprechen. Die meisten Mieter würden ohnehin keine PV-Anlage betreiben wollen, alleine wegen der Ungewissheit, wie lange das Mietverhältnis noch anhält. Daher dürften die Fälle, in denen sich Mieter um den Platz für Anlagen streiten, eher selten sein. Und dann muss eben - wie immer in solchen Fällen - eine faire Lösung gefunden werden.
Ein berechtigter Einwand wäre eher gewesen: Was ist, wenn der Vermieter später doch eine eigene PV-Anlage installieren will? Den Fall fände ich interessant, gerade weil das Dach vollständig von den Mietern finanziert und unterhalten wird. Warum darf der Vermieter mit solch einem Dach überhaupt seine Gewinninteressen verfolgen? Aber selbst wenn man bei der „Vermieter First“-Denkweise bleiben würde, ließen sich da vertragliche Regelungen finden, nach denen der Vermieter dem Mieter eine etwaig bestehende Anlage abkaufen könnte.
Alle vorgebrachten Argumente liegen eigentlich in der Bequemlichkeit begründet, bloß keine Veränderung zuzulassen. Und genau diese Bequemlichkeit verhindert die Energiewende.