Nein, das hat eine völlig andere Qualität:
Ziel der Algorithmen ist die maximale Nutzerbindung, um diese Bindung dann zu ökonomisieren, in dem Werbeeinnahmen generiert werden. Diese Algorithmen werden ständig explizit darauf optimiert, die Aufmerksamkeit der Nutzer möglichst lange zu binden.
Ich habe das jetzt doch mal recherchiert (die Quellen aber eher nur überflogen). Das meiste ist allerdings ohnehin schon ‚common knowledge‘.
Studien belegen, dass algorithmisch kuratierte Feeds dazu führen, dass Nutzer signifikant mehr Zeit auf der Plattform verbringen und häufiger mit Inhalten interagieren als bei einer rein chronologischen Anzeige.
Diese Algorithmen bevorzugen Inhalte, die starke emotionale Reaktionen hervorrufen – insbesondere Wut, Empörung oder Angst. Dies führt zu einer selbstverstärkenden Dynamik, in der polarisierende und negative Inhalte überproportional sichtbar werden.
Diese Algorithmen wurden mit dem expliziten Ziel entwickelt, die Nutzerbindung und das Engagement zu maximieren. Inhalte werden nicht etwa danach kuratiert, ob sie für den Nutzer „relevant“ sind, sondern wie hoch die Interaktionswahrscheinlichkeit ist, d.h. ob sie - insbesondere negative - Emotionen auslösen.
Dabei werden nachweislich eine Reihe psychologische Mechanismen von Social-Media-Plattformen instrumentalisiert, um Nutzer länger zu binden, u.a.
- Endloses Scrollen (Endless Scroll)
- Dopamin-Belohnungssystem: Likes, Shares und Kommentare bewirken, wie kleine Belohnungen, einen Dopaminausstoß.
- Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Algorithmen zeigen bevorzugt Inhalte, die die eigene Meinung bestätigen, was zu Filterblasen führt.
- Emotionale Aktivierung: Inhalte, die starke, (insbesondere negative) Emotionen auslösen, werden bevorzugt angezeigt.
- Soziale Vergleichsmechanismen: Nutzer vergleichen sich mit anderen ⇒ ständigen Streben nach Bestätigung
Die psychologischen Mechanismen sind offenbar bereits gut erforscht und werden gezielt instrumentalisiert, um die ökonomischen Ziele der Plattformen zu erreichen.
[Details=Quellen]
Mood-Algorithmen in den Sozialen Medien - Media Bubble Mood-Algorithmen in den Sozialen Medien - Media Bubble
Die Psychotricks von Social Media - SWR Wissen Die Psychotricks von Social Media
Medienkompetent mit Social Media umgehen | erwachsenenbildung.at
und viele mehr
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Mögliche Ansätze für eine zusätzliche Regulierung:
- Verbot von Endlosem Scrolling (wie z.B. bei Google News. Dort gibt es ein Ende vom Feed. Man kann zwar den Feed aktualisieren. Aber man muss selbst aktualisieren. Das ist wie eine Erinnerung daran, dass es noch ein Leben außerhalb des Feeds gibt.
- Verbot von Algorithmen, die Inhalte danach bevorzugen, ob sie starke, (insbesondere negative) Emotionen auslösen
- Pflicht, dass Algorithmen der Bildung von Filterblasen entgegenwirken müssen