Im Prinzip stehen dem Arbeitsmarkt verschiedene Menschen zur Verfügung:
Qualifizierte Fachkräfte in Arbeit, welche den Arbeitgeber wechseln wollen. Diese haben wenig Hilfebedarf und sind in der Regel nachgefragt.
Arbeitslose, die kürzlich aus wirtschaftlichen Gründen entlassen wurden. Oft älter mit eher spezifischen Berufskenntnissen. Bei angespannten Arbeitsmarkt schon schwerer zu vermitteln ohne Hilfen oder Anpassungsqualifizierung.
Langzeitarbeitslose mit multiplen Problemlagen. Die stellt so keiner ein, gering qualifiziert, gesundheitliche Probleme. Sozialpädagogische Begleitung und Qualifizierung nötig, reicht oft aber nur für Teilzeit.
Arbeitnehmer mit erworbenen psychischen oder körperlichen Einschränkungen. Laut QS-Bericht der DRV für 2024 rund 60% mit Muskel-Skelett-Erkrankungen, 30% mit psychischen oder Verhaltensstörungen. Neuqualifizierung über LTA nötig und möglich, aber teils zähes Antragsverfahren. Erfolgsquote laut DRV bei rund 80%. Etwa 10% Abbrüche durch Rehabilitanden, oft aus gesundheitlichen Gründen.
Menschen mit angeborener oder erworbener Behinderung (Autismus, FASD, Epilepsie, uvm); dauerhaft eingeschränkt, oft kognitiv nicht leistungsfähig, selten Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Ältere und Rentner, meist gesundheitlich bedingt leistungsfähig, selten Vollzeit.
Aktuell legen wir eine Norm für Schule und Arbeitsmarkt fest, an die sich auch eingeschränkte Personen anzugleichen haben. Für nötige Unterstützungsleistungen ist viel Geld nötig, welches wir aber nicht zahlen wollen, weil es kurzfristig keinen Ertrag bringt.
Also finanzieren wir die, welche durchs Leistungsraster fallen, mit Sozialleistungen.
Dann stellen wir fest, das die Sozialkassen überlastet sind, mit der Diagnose das ja diese Menschen es sich nur in der sozialen Hängematte bequem machen.
Also drängen wir diese Menschen mit Druck, Sanktionen und Leistungskürzungen in den wenig nachfragenden Arbeitsmarkt. Davon fällt die Masse wieder durchs Leistungsraster, das Spiel beginnt von vorn.
Wir haben funktionierende Instrumente über die Sozialgesetzbücher, die sich nachweislich auch rechnen, aber erst nach 3-6 Jahren. Ist in der Politik oft zu langer Zeitraum.
Bissl doofes Spiel.
Grad in den Nachrichten: der wirtschaftsnahe Teil der CDU fordert die Abschaffung von Teilzeit-Arbeit.
Es soll nur noch Ausnahmen geben bei „Sonderfällen“ wie Kinderbetreuung.
Also Vollzeit-Beschäftigungsverhältnisse als gesetzlicher Standard?
Sollten wir das mit den Kindern dann besser nicht ganz abschaffen? Kostet nur Geld (Bildung, Betreuung) und hält vom Arbeiten ab….
Ich halte das Gesetzesvorhaben auch für falsch, aber muss dennoch anmerken, dass deine Zusammenfassung nicht korrekt ist. Teilzeitarbeit wird dadurch nicht abgeschafft, es gäbe nur keinen gesetzlichen Anspruch darauf, den man gegenüber Arbeitgebern durchsetzen kann. Natürlich könnte man weiterhin - zusammen mit dem Arbeitgeber festgelegt - Teilzeitarbeit machen.
Je nach Branche und persönlicher Verhandlungsstärke würden sich die Ergebnisse somit unterscheiden.
Zeugt wieder von der nicht vorhandenen Wirtschaftskompetenz der Union. Ich hoffe die Union kriegt die Quittung dieser Menschenfeindlichen Politik an der Urne. Passiert natürlich wenn Menschen Kanzler werden, die keine Erfahrung oder Qualifikation mitbringen. Frau Connemanm ist auch so eine Frechheit.
Ich kann als normal verdienender Vater von 2 Kinder nur noch verzweifeln. Durch steigende Preise für Versicherungen, Abgaben und Lebensmittel habe ich immer kehr ängste. Aber hey, geile Idee Familien das Leben noch ätzender zu machen.
Ich denke mal Bundespolitiker leisten sich da locker Haushaltshilfen und private Kinderbetreuung. Ich ertrag das nicht mehr.
Um unsere Wirtschaft anzukurbeln und unseren Wohlstand zu sichern, sollen alle Arbeitnehmer mehr arbeiten.
Mehr arbeiten heißt also das möglichst alle Vollzeit arbeiten sollen.
Ausnahmen gäbe es zum Beispiel dann bei fehlender Kinderbetreuung, zu pflegenden Angehörigen.
Das dieses „Ausnahmen“ von der Regel der Vollzeit-Arbeit sind, bedeutet das doch, Kinder möglichst frühzeitig aus der elterlichen Obhut in staatliche (Vollzeit-) Betreuung zu geben.
Hieße, das Kind nach der Arbeit abholen, gemeinsam essen, ggf Hausaufgaben oder etwas spielen, ins Bett, morgens wieder quasi getrennte Wege.
Ggf am Wochenende Familienzeit zwischen Einkaufen, Haushalt, Heimwerken.
Alternativprogramm für die Kinder ggf. Social Media?
Sarkasmus beiseite, die CDU offenbart hier ein Menschen- und Gesellschaftsbild, was ich eher als kinderfeindlich empfinde.
Für welchen Wohlstand arbeiten wir dann genau?
Ausschließlich eigener Konsum?
Sollten wir ggf. nicht mal unsere Arbeitsmodelle hinterfragen?
Bevor wir emotional „seltsame“ Generationen heranziehen?
Oder traut man den Eltern die Kindererziehung nicht mehr zu? Kann der Staat das besser?
Das ist eine sehr gute Frage, sollte man mal den Wirtschaftsverbänden und den Parteien stellen.
Ich möchte zu den Fragen noch ergänzen: Wo sollen die Arbeitsplätze herkommen, die längere Wochen- und Lebensarbeitszeiten ermöglichen? Denn gerade sind wir ja eher auf dem Weg in die Stagnation und ggfs mehr Arbeitslosigkeit. Hieße das dann, dass weniger Leute mehr und länger arbeiten? Wer finanziert dann die größer werdende Gruppe an Arbeitslosen? Da ist doch ein kompletter Widerspruch drinn, dass einerseits Empfänger von Sozialleistungen in Arbeit vermittelt werden sollen und gleichzeitig die, die jetzt Arbeit haben, länger arbeiten sollen, bei stagnierender bzw sinkender Auftragslage.
Der Ganztag ist grundsätzlich sinnvoll und kann gesellschaftlich wie volkswirtschaftlich positive Effekte haben.
Unter den aktuellen Rahmenbedingungen erfüllt er diese Funktion jedoch nicht.
Die politische Erwartung, über den Ausbau des Ganztags die Erwerbsarbeitszeit zu erhöhen und damit Binnennachfrage zu stärken, scheitert derzeit an mehreren strukturellen Punkten.
Erstens fehlt es auf der Angebotsseite an realen Kapazitäten. Personalengpässe, räumliche Defizite und begrenzte kommunale Umsetzungsmöglichkeiten führen dazu, dass ein gesetzlicher Rechtsanspruch faktisch nicht flächendeckend erfüllt werden kann. Der Anspruch ist rechtlich formuliert, aber ökonomisch und organisatorisch nicht hinterlegt.
Zweitens liegt ein systemischer Widerspruch im Arbeitsmarkt selbst. Die Berufsgruppen, die den Ganztag tragen sollen Lehrkräfte, Erzieherinnen und Betreuungspersonal weisen überdurchschnittlich hohe Teilzeitquoten auf. Ohne eine substanzielle Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Belastungsstruktur ist eine Ausweitung der Betreuungsleistung aus dem bestehenden System heraus nicht realistisch. Es ist unausweichlich das grade die Menschen in der Betreuungstruktur Vollzeit arbeiten.
Drittens wirken die bestehenden Abgaben- und Gebührenstrukturen gegen das politische Ziel. Hohe effektive Grenzbelastungen durch Steuern, Sozialabgaben sowie zusätzliche Kosten für Kinderbetreuung und Ganztagsangebote führen dazu, dass sich Mehrarbeit für viele Familien netto kaum lohnt. Gleichzeitig geht sie mit weniger gemeinsamer Familienzeit einher. Das Verhalten der Haushalte ist unter diesen Bedingungen ökonomisch rational.
In der Folge bleibt auch der erhoffte Binnennachfrageeffekt deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Mehr Erwerbsarbeit entsteht nicht in relevantem Umfang, sondern wird häufig lediglich umverteilt oder ganz vermieden.
Wenn diese strukturellen Punkte nicht adressiert werden…. insbesondere Kapazitäten, Arbeitsbedingungen und Anreizstrukturen , verfehlt der Ganztag seine ökonomische Zielsetzung.
In diesem Fall wäre es konsequenter, auf eine weitere Ausweitung zu verzichten, statt einen Rechtsanspruch zu formulieren, der weder praktisch erfüllbar noch volkswirtschaftlich wirksam ist. Aber ich würde hier erstmal eine Föderalismusschwäche sehen.
Was machen Eltern (im Allgemeinen Mütter), die von der Teilzeit in die Vollzeit gedrängt werden? Sie bleiben zu Hause. Wenn wir zu wenig Arbeitsplätze haben ist also alles gut.
Auch kein Problem. Bleiben ja freiwillig zu Hause, sind also nicht arbeitslos.
Aber das ist wohl nicht der Gedanke dahinter, sondern rentnernde Boomer und fehlenden Nachwuchs auszugleichen. Wird sicher nicht funktionieren und hätte der Union jeder Experte auf Nachfrage gerne erklärt.
Vielleicht sollte man damit anfangen, diese These mal zu überprüfen.
Was passiert denn, wenn wir mehr arbeiten? Wir produzieren mehr. Es müsste also dann jemanden geben, der die Waren kauft.
Warum schwächelt die Wirtschaft zur Zeit? Es kaufen nicht genug Menschen ihre Produkte. Sowohl im Inland als auch im Ausland gibt es Zurückhaltung ist einfach stärkere Konkurrenz. Das Produkt ist ggf. zu teuer.
Zurück zur These:
Mehr Arbeit hilft erstmal nicht, die Produkte müssten attraktiver werden - besser und/oder billiger. Besser liegt beim Hersteller, billiger zum Teil beim Staat. Energiekosten, Lohnnebenkosten, Bürokratie.
Verändert mehr Arbeit etwas an diesen Parametern. Geringfügig, wenn ich mein Personal von Teilzeit auf Vollzeit bekommen und dadurch Kosten sparen kann. Ansonsten bleiben die Produkte weiterhin nicht konkurrenzfähig.
Aus meiner Sicht ist die These grundfalsch. Als Staat habe ich erstmal keinen Einfluss auf das Arbeitsvolumen (Planwirtschaft lässt grüßen, wenn das die Grünen hören😄), aber auf Rahmenbedingungen wie Energie, Lohnnebenkosten, Bürokratie. Anstatt ständig über den Arbeitnehmer zu nörgeln, selbst was leisten, liebe Union.
Wenn Friedrich Merz über Teilzeit und angebliche Faulheit schwadroniert, sollte er einfach still sein. Wer für unter zwei Tage im BlackRock-Aufsichtsrat sechsstellig kassiert hat, ohne zu wissen, womit dieses Unternehmen überhaupt Geld verdient, ist moralisch und fachlich die falsche Person für Arbeitsmarktdebatten.
Wir haben keinen allgemeinen Arbeitskräftemangel, sondern punktuell einen Fachkräftemangel, verursacht durch schlechte Bezahlung, miserable Bedingungen und jahrzehntelange politische Untätigkeit. Die Union reagiert darauf wie immer und tritt reflexhaft nach unten.
Merz’ Forderungen sind nicht nur dumm, sie sind auch offensichtlich sinnentleert Populismus. Wann merken Unionswähler endlich, dass ihr drittklassiger Kanzler kein Konzept hat, sondern nur Klassenkampf von oben mit schlechtem Managementsprech?
Laut Merz Wahrnehmung (ist ja immer subjektiv) liegen viele „Problemfelder“ ja offenbar bei den Arbeitnehmern, was Teile der CDU stützen.
Zu hohe Krankheitstage? Dann darf man es den Arbeitnehmern nicht so einfach machen, krank zu feiern, schaffen die telefonische Krankschreibung ab, kratzen an der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (Karenztage?), und unterstellen pauschal eine Blaumacher-Mentalität.
Ob es tatsächlich Krankheitsgründe gibt, zum Beispiel durch zu hohe Arbeitsverdichtung/-belastung, zunehmende Infektionskrankheiten? Kein Gedanke daran.
Hoher Teilzeitanteil? Dann stellt ein Teil der CDU den Antrag (oder will es), die „Lifestyle-Teilzeit“ einzuschränken für wenige Ausnahmen. Weil die Menschen offenbar keine Lust mehr haben zu arbeiten und sich lieber in der „sozialen Hängematte“ ausruhen.
Das es oft an fehlender Kinderbetreuung, zu pflegenden Angehörigen, der Arbeitsbelastung oder fehlendem finanziellem Anreiz zur Mehrarbeit (Steuern!) liegt? Kaum ein Gedanke daran.
Das man den Kündigungsschutz zu arbeitnehmerfreundlich findet, esczuviel Urlaub und Feiertage gibt, die Arbeitnehmer eh zu viel Geld bekommen, und Sozialleistungen ja offenbar vom Arbeiten abhalten, sei noch gar nicht ausdiskutiert bei Merz.
Meine Frage ist eher: woher kommt dieses negative Menschenbild?
Selbst die CDU hat ja in der Vergangenheit nie die Leibeigenschaft propagiert.
Fehlen da einfach Informationen oder verschließt man bewusst die Augen vor der Realität, weil man sonst die ganz großen Fässer aufmachen müsste?
Das Menschenbild der Union ist nun mal der Leistungsträger der Gesellschaft, der arbeitet, Kinder in für Welt setzt und in die Kirche geht. Weil er arbeitet und gut gebildet ist, gründet er eine Firma und sorgt für Arbeitsplätze und Wohlstand, den der zurecht genießt und auch behalten soll.
Und dann gibt es noch andere: Migranten, Arbeitslose, Sozialschmarotzer, Kriminelle oder alles zusammen in einer Person - die dem oben beschriebenen Ideal etwas weg nehmen wollen.
Mit diesem Bild kann man es gut erklären:
Abschiebungen, höhere Strafe für Jugendliche, Lifestyle - Teilzeit weg, Grundsicherung, Arbeitspflicht, keine neuen Migranten.
Ach ja, Frauen hab ich vergessen. Heiraten (einen Mann), Kinder kriegen, Vollzeit arbeiten (um männlichen Fachkräftemangel auszugleichen), Carearbeit, reicht.
Was nicht ins Weltbild passt:
Ein sich ehrenamtlich engagierter alleinerziehende Bürgergeld-Empfänger, ein in der Kirche aktiver fussballspielender Senegale da wird es komplex.
Sorry, bisschen polemisch aber so kann ich mir die Union ganz gut erklären und aushalten. Kann ja nicht jedes Mal meine Tochter fragen.
Die Debatte über Teilzeit ist kein Menschenbild oder Moralthema, sondern eine makroökonomische Frage der Finanzierungsfähigkeit. In einer demografisch alternden Gesellschaft sind die Ausgaben der Sozial-, Gesundheits- und Betreuungssysteme weitgehend personen- und leistungsrechtlich determiniert und starr.
Diese Ausgaben sind überwiegend konsumtiv und sollten einer harten Budgetrestriktion (tun Sie nicht). Sie können dauerhaft nur aus laufender inländischer Wertschöpfung finanziert werden.
Steigende Teilzeitquoten und sinkende Vollzeitäquivalente verengen bei konstantem oder wachsendem Leistungsversprechen die Bemessungsgrundlage der Sozialkassen. Die Folge sind steigende Abgabenquoten, höhere implizite Umverteilungslasten und ein wachsender Finanzierungsdruck auf die verbleibende Vollzeitarbeit. Produktivitätsgewinne im Sinne von „Output pro Stunde“ kompensieren diesen Effekt nur begrenzt, da sie häufig auf Leistungsverschiebung, Outsourcing oder Kapitalintensität beruhen und nicht automatisch die sozialabgabenrelevante Lohnsumme erhöhen und der Produktivitätsfortschritt seit 2018 nicht mehr da ist.
Teilzeit ist dabei nicht die Ursache, sondern ein Symptom institutioneller Anreize und politischer Entscheidungen. Wird sie isoliert moralisch verteidigt oder kritisiert, ohne die budgetären Rückwirkungen zu benennen, verfehlt die Debatte den Kern. Ohne eine Kopplung konsumtiver Leistungsausweitungen an reale inländische Arbeitsleistung oder eine tragfähige Gegenfinanzierung gerät das System strukturell in Disbalance, unabhängig von parteipolitischen Mehrheiten.