Aktuell wird ja gefordert das wir mehr arbeiten müssen, um die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
Also Bürgergeldempfänger durch mehr Druck in den Arbeitsmarkt drängen.
Rentner durch Aktivrente länger im Arbeitsleben halten.
Die Lebensarbeitszeit erhöhen.
Demnach besteht ja ein enormer Bedarf an Arbeitskräften und Arbeitszeit in deutschen Unternehmen.
Wie passt dann das:
Ist die Arbeitsagentur nur ineffizient bei der Vermittlung oder ist der Arbeitskräftebedarf im Moment gar nicht so hoch?
Macht es grad Sinn auch Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt zu drängen?
Eines der Probleme ist die Unsicherheit in einigen Branchen wie Chemie-Industrie, Automobil-Industrie die gerade vor der Entscheidung stehen wie es weitergeht und Investitionen verzögern oder in schon anfangen in andere Länder zu transferieren. Grund ist unter anderem die unklare Lage der Politik wo es hingehen soll und die wackelige wirtschaftliche Entwicklung. Wobei letzteres ein unguter Kreislauf wäre.
Dann stehen sich aber aktuell die politischen Forderungen („Alle müssen mehr arbeiten!“) und die wirtschaftlichen Bedarfe („Aufgrund der schlechten Lage können wir grad nicht soviel Arbeitskräfte gebrauchen“) doch ziemlich gegensätzlich gegenüber, oder?
Was sag ich also dem Arbeitssuchen Bürgergeldempfänger nach der 20. Absage? Er hat sich nicht genug angestrengt?
Auf jeden Fall - und dass er seine Erwartungen an den neuen Job bitte herunterschrauben soll.
Es geht immer um Angebot und Nachfrage.
Und aus Sicht der Wirtschaft ist mehr Angebot auf dem Arbeitsmarkt erst mal was gutes, da der Nachfrager (Bewerber) dann besser unter Druck gesetzt werden kann. Hat schon seinen Grund, warum der Gesetzgeber unbezahlten Praktika so viele Hürden in den Weg gelegt hat. Aber jetzt wo die Kommunen die 1€-Jobs neu für sich entdeckt haben, ergeben sich für deren klamme Kassen ganz neue Möglichkeiten. Je mehr Akademiker arbeitslos werden, auch eine mögliche Lösung gegen Kita- und Lehrer-Mangel.
Sollten wir dann nicht so Sachen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und Arbeitslosengeld im Sinne von mehr Druck auf Arbeitnehmer nicht ganz abschaffen? Spart auch Geld
Grund für Verlagerung ins Ausland ist vor allem der Versuch Kosten zu sparen und oftmals auch Subventionen mitzunehmen. Wer in Deutschland eine Fabrik schließt und dafür eine neue in Osteuropa eröffnet bekommt meist dafür auch noch eine relevante Menge an Subventionen, meist aus EU Geldern.
Und aktuell gibt es sogar Wirtschaftsminister auf Landesebene die diese Schritte noch verständnisvoll kommentieren statt sich für die lokale Wirtschaft stark zu machen.
Noch vor wenigen Jahren hätte es aus allen Richtungen massiv Kritik gegeben.
Wenn man also sagt, man erhöht den finanziellen Druck auf Arbeitnehmer, gibt Arbeitgebern mehr Druckmittel an die Hand, kürzt Arbeitslosengeld für Ältere, dann wird Arbeit wieder attraktiver?
Oder zwingt man so auch hochqualifizierte Arbeitnehmer, geringer bezahlte Arbeit anzunehmen? Ist das ein Ziel?
Dann liegen Leute wie Trump ja offenbar richtig.
Welche Motivation hätte ich dann als junger (und älterer) Arbeitnehmer noch mich weiterzubilden und motiviert zu arbeiten? Wenn die Botschaft ist, für ein möglichst geringes Einkommen bei steigenden Kosten möglichst viel zu arbeiten, damit wenige dann Wohlstand genießen?
Ist das der Weg den wir einschlagen müssen?
Bitte was? Es wird seit Jahrzehnten nach Osteuropa verlagert, ohne dass ich dazu jemals von irgendjemandem Kritik vernommen hätte. Die Fabriken in Kecskemét von Mercedes wurden vor fast 15 Jahren in Betrieb genommen.
Konkurrenten von uns haben uns vor über 10 Jahren unter der Hand erklärt, dass sie die Fertigung hier ab- und in Tschechien mit Subventionen der EU wieder aufgebaut haben. Alles bezahlt von unseren Steuergeldern, um uns dann Konkurrenz mit günstigeren Lohnkosten und gesponserten Maschinen zu machen.
Genau das wollte die EU schon immer, deswegen hat sie es immer ausgiebig gefördert.
Wenn größere Werke hier geschlossen wurden und dann in Osteuropa neu eröffnet, dann gab es sehr wohl immer Kritik.
Natürlich wurde aber nicht kritisiert wenn in Osteuropa zusätzliche Kapazitäten geschaffen wurden. (Auch wenn dann später hier reduziert wurde war die Kritik leiser als wenn das parallel stattfindet)
Jetzt bei MAN dagegen stellt sich Aiwanger hin und nutzt diese Maßnahme rein zur politischen Instrumentalisierung.
ihr haltet jetzt subjektive Wahrnehmungen “wie es mal war” gegeneinander - Quellen zu Beispielen auf die ihr euch bezieht wären hilfreich
Ansonsten driftet die ganze Diskussion gerade vom Thema ab, die gestellte Frage/das gewünschte Thema ist die Gleichzeitigkeit von Mangel an Arbeitsplätzen (für Menschen bei der Agentur für Arbeit usw.) und dem proklamierten Mangel an Arbeitskräften - interessant wäre ja beispielsweise wo Menschen fehlen, ob das unattraktive Berufe sind, ob da Qualifikationen fehlen usw.
Die Interpretationen was “Die Konservativen”, “Die Linken” usw. wollen finde ich wenig gewinnbringend, gerade wenn es nicht einer von ihnen selbst beschriebenen Strategie entspricht (nicht weil es perse falsch ist was interpretiert wird, aber weil alle Interpretationen des politischen Gegenübers häufig nur von Gleichgesinnten geteilt werden)
Wenn selbst Akademiker und qualifizierte Fachkräfte es grad schwer haben Arbeit zu finden, Auszubildende kaum Ausbildungsplätze (laut Frau Nahles) finden, warum also dieser Druck Unqualifizierte/ Geringqualifizierte Bürgergeldempfänger in den Arbeitsmarkt zu drängen und Rentner länger im Arbeitsleben halten?
Wenn viele Branchen grad massiv Personal abbauen?
Man muss sich doch nur ansehen wo tatsächlich Mangel herrscht und wo aktuell abgebaut wird.
Mangel herrscht ja vor allem in Bereichen wie Pflege, Handwerk, Erziehung und Gastronomie.
Abgebaut wird vor allem in Industrie und Verwaltung.
Dazu gibt es oft noch eine regionale Komponente. In Bayern werden überwiegend noch Erzieher händeringend gesucht, in Sachsen werden Einrichtungen geschlossen und die Erzieher finden in der Region keine Stelle.
Es macht aber wenig Sinn dann zu sagen es gäbe keinen Mangel oder keine fehlenden Arbeitsplätze weil es der Kita im Altmühltal nichts nützt wenn es in Leipzig suchende Kräfte gibt ebenso wie es diesen nichts nützt wenn es in Bayern freie Stellen gibt.
Bei der Gastro dürfte es vor allem an den Arbeitszeiten und der dafür gebotenen Entlohnung liegen, dass viele Betriebe Stellen nicht besetzen können, ebenso in der Pflege.
Aber auch innerhalb von Gruppen spielt die Qualifikation und Erfahrung eine Rolle. Ingenieur ist ja nicht gleich Ingenieur. Der Konstrukteur mit jahrelanger Erfahrung im Bereich der Motorenkonstruktion schließt erstmal keine Lücken bei Defizit an Ingenieuren für Automatisierungstechnik.
Vor ein paar Jahren war es auch noch üblich, dass Studenten im Ingenieurwesen ihre Schwerpunkte im Studium rein nach Interesse gewählt haben, Job fand man dann immer einen, auch in einem anderen Bereich. Heute ist es schwer unter zu kommen wenn man nicht in gefragten Bereichen Vorkenntnisse und optimalerweise schon Erfahrung als Werkstudent hat. Vor allem wenn man dann noch Einstiegsgehalt wie ein erfahrener Ingenieur wünscht. Da war man wohl auch ziemlich verwöhnt und muss heute umdenken.
Offenbar ist der Bedarf an Berufen, die primär mit Menschen zu tun haben, wo aber vergleichsweise bescheiden entlohnt wird, hoch.
In Berufen mit eher technischen oder betriebswirtschaftlichen Fachkenntnissen, wo im Vergleich eher überdurchschnittlich entlohnt wird, sinkt offenbar der Bedarf (aus wirtschaftlichen Gründen?).
Zudem die Frage, welche Berufe eher substituiert werden können durch technische Lösungen/KI: Berufe direkt am Menschen oder eher industrielle oder verwaltende Berufe? Wobei letztere meist besser entlohnt werden.
Wobei hier zum Teil auch Unwissen herrscht und Gehälter schlechter geschätzt werden als sie tatsächlich sind.
Im Bekanntenkreis gab es eine Diskussion wo jemand zu einer Erzieherin meinte sich gegen die Ausbildung entschieden zu haben weil das Gehalt als Erzieher zu niedrig sei und dann hat sich herausgestellt, dass die Erzieherin mehr verdient als die andere im Büro.
Natürlich gilt aber auch, dass die Gehälter da je nach Träger variieren.
Keine Frage, auch Pflegekräfte verdienen aktuell deutlich besser. Da wo der Mangel hoch genug ist, ziehen Gehälter auch nach.
Aber ich kenne nur extrem wenige Menschen im sozialen Bereich (Sozialarbeiter, Pädagogen, Erzieher,…) die sechsstellige Jahresgehälter erreichen (Geschäftsführerebene maximal).
Wohingegen das bei Ingenieuren, BWL‘ern und IT‘lern auch schon auf mittlerer Ebene eher üblich bzw. wahrscheinlicher zu sein scheint.
Vom intellektuellen Anspruch sehe ich da jetzt nicht unbedingt Quantensprünge (ohne jetzt jemanden zu nahe treten zu wollen)
Möglich ja, aber auch schon ziemlich selten. Die goldenen Zeiten sind auch bei der IT mittlerweile vorbei. Für 6stellig braucht es normal einen sehr großen Mittelständlerund Managementaufgaben oder absolutes Spezialwissen. Bis vorletztes Jahr reichte dafür ein begehrter Fachbereich und Erfahrung.
Bei Ingenieuren sieht es meiner Erfahrung nach noch etwas schwieriger aus. Ich kenne einen Betriebsleiter mit Verantwortung für 100 Mitarbeiter. Der liegt bei 65.000 € und verantwortet dafür die Produktion von Babynahrung. Ein weiterer hat vor 2 Jahren die Position als Produktionsleiter mit Freigabeberechtigung für Arzneimittel eines mittelgroßen Pharmaunternehnens aufgegeben. Viel Verantwortung bis hin zu juristischer Belangbarkeit und dafür gab es 80.000 €.
Die Mehrzahl meiner ehemaligen Kommilitonen und Forschungskollegen (alle Ings) liegen (soweit mir bekannt) bei 50.000 - 70.000 € und damit noch ein gutes Stück weg von den 5 Nullen. Einige mit besonders hoher Position wurden auch schon wegen ihres überdurchschnittlichen Gehalts gegangen.
Klar gibt es auch mal 6stellige Gehälter für mittleres Management bei Konzernen wie BASF, aber insgesamt hat sich das Gehaltsniveau infolge der wirtschaftlichen Lage nach Corona deutlich abgekühlt.
Worauf ich hinaus will, der Blick auf einzelne Ausreißer in eher speziellen Branchen sollte nicht der Maßstab sein. Die sozialen Berufe sollten nicht die Top 5% als Referenz nehmen, sondern eher den Median anderer Branchen. Und dann wird schnell klar, dass hier einige Bewegung zu mehr Gleichheit drin zu sein scheint.
Danke für den Hinweis.
Ehrlicherweise bin ich bei Industrie und Dienstleistung auf persönliche Aussagen angewiesen, das ist immer nur bedingt repräsentativ oder belastbar.
Wenn dem so ist, scheint es ja generell weniger Bereitschaft zu geben, weiter an der Gehaltsschraube zu drehen.
Also braucht es wohl andere Anreize für Arbeitnehmer.
Da ist Druck aus existenzieller Not heraus eine wirksame Stellschraube.
Wenn Arbeitsplätze ein knappes Gut werden, und Arbeitnehmer wieder auf einen Arbeitgeberdominierten Markt treffen (wo also der Arbeitgeber aus einer Masse von qualifizierten Arbeitnehmern wählen kann), kann man natürlich wieder weniger auf Arbeitnehmer zugehen, sondern wieder mehr verlangen und dabei weniger bieten.
Solche Zeiten gab es ja schon häufiger