Jetzt wird halt mehr Verteilungskampf stattfinden, das Narrativ dazu startet immer ein wenig vorher.
Dann ist das mit den Azubi wohl auch regional sehr unterschiedlich. Für das Handwerk werden die bei uns teilweise schon aus Asien eingeflogen. Selbst in der Industrie ist es schwierig, vor allem was das Niveau angeht.
Gelöscht.
Mein Vater ist Industrie-Isolieren seit fast 49 Jahren. Seine Firma hat jetzt viele Azubis aus Indonesien geholt, weil sie keine deutschen Azubis finden (Stichwort Überakademisierung) oder die Qualifikation in Kombination mit Forderungen nicht mehr tragbar sind ( haben wir in einer SaaS Firma auch erlebt.
Google einfach nach Azubis aus Indonesien und du findest zahllose Artikel.
Aus meiner Sicht müsste in Deutschland erst einmal eine ganz entscheidende Frage diskutiert werden. Welche Branchen werden hierzulande in welchem Umfang noch zukunftssicher sein?
Es dürfte wohl den meisten klar sein, dass die Automobilbranche incl den Zuliefern in Zukunft schrumpfen wird. Wie sehr wird davon abhängen, ob die jetzige Regierung auch weiterhin glaubt, der Verbrenner sei zumindest mittelfristig die Zukunft, oder ob man die Zeichen der Zeit erkennt und voll in den Wettbewerb der Elektromobilität einsteigt.
Und wie in dieser Branche gibt es einige andere Bereiche, die wahrscheinlich in Zukunft eher noch schrumpfen werden. Eine Bilanz und anschließend eine Überlegung, was zukünftig wachsen könnte, wäre eine Grundvoraussetzung für eine verantwortliche Industriepolitik.
Hat man dies getan, kann man gezielt Menschen ohne Job so qualifizieren, dass sie in die zukunftsträchtigen Jobs passen.
Maßnahmen wie den Vermittlungsvorrang für Arbeitslose vor einer Qualifizierung sind gerade für junge Menschen Quatsch. Leute, die 40 und mehr Arbeitsjahre noch vor sich haben, sollten definitiv erst einmal ausgebildet werden. Da kann man die Facharbeiter gewinnen, die so gesucht werden. Und man signalisiert jungen Menschen auch einmal, dass sie unserer Gesellschaft etwas wert sind. Wenn wir schon beim Thema Bildung sonst total versagen, kann man hier etwas richtig machen.
Jeder Arbeitslose, den man qualifiziert, ist wertvoll für unsere Arbeitswelt. Selbst 50jährige, die noch mindestens 15 und mehr Arbeitsjahre vor sich haben.
Natürlich kann man auch weiterhin im Ausland nach Arbeitskräften suchen. Es wäre dann nur klug, wenn man diese nicht permanent abschrecken würde.
Fazit: Es fehlt an Ehrlichkeit in der Diskussion um Arbeit in Deutschland. Und es fehlen verantwortungsvolle Politiker, die die richtigen Weichen stellen.
Was auch eine interessante Frage ist: was machen wir, wenn wir in Deutschland ein Überangebot an Arbeitskräften dauerhaft haben?
Also mehr arbeitsfähige Menschen als wir Bedarf an Arbeitskräften haben?
Massenarbeitslosigkeit zu Lasten der Sozialkasse kann ja nicht die altbewährte Lösung sein.
Die Frage wäre dann, warum wir ein Überangebot an Arbeitskräften hätten? Also haben wir nicht mehr genug Produktivität in Deutschland, dann sollte das Hauptziel sein, diese Produktivität wieder herzustellen. Auf der anderen Seite, wenn wir genug Produktivität hätten, aber einfach die Arbeitskräfte nicht mehr brauchen, wäre mMn der sinnvollste Ansatz eine Arbeitszeitreduzierung.
Wie @Moreau schon richtig sagt (und mir da als jemand, der in der beruflichen Reha/Quali arbeitet, aus der Seele spricht), wäre primär eine zielgerichtete altersunabhängige Qualifizierung von Arbeitskräften elementar.
Was natürlich auch zu höheren Löhnen führt, aber zugleich die Produktivität in Deutschland erhöhen sollte.
Natürlich gehören auch Fachkräfte aus dem Ausland dazu, allein um unseren Horizont zu erweitern, aber nicht um „billigere“ Arbeitskräfte zu bekommen.
@riodoro spricht diese Produktivität ja auch an, um den Bedarf an Arbeitskräften zu erhöhen.
Sollte es sich aber ggf technisch so weiterentwickeln, das wir in weiten Bereichen menschliche Arbeitskräfte durch technische Lösungen ersetzen (KI, Automatisierung) oder rein aus Effizienzgründen ersatzlos streichen, könnten wir ja viele Arbeitskräfte haben für die wir faktisch keine Verwendung haben.
Arbeitszeitreduzierung wäre ein Thema, aber bleibt allen genug um durch eigene Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können?
Eine typisch politische Lösung wäre ja auf die demographische Entwicklung samt sinkender Geburtenrate zu hoffen, aber ob das tragfähig ist? ![]()
Aber ich stimme euch zu, es fehlt uns der strategische Plan, wo wir industriell hinwollen, dazu die Konsequenz, (Aus-) Bildung auch als Schlüssel konsequent darauf auszurichten. Über alle Bildungsebenen bis hin zum lebenslangen Lernen.
Im Moment ist eher der Plan, wirtschaftsliberale Ansätze des letzten Jahrhunderts zu bewahren …
Ja, das wäre ja die Definition von genügend Produktivität. Man müsste halt nur aufpassen, dass die ganzen Gewinne der Automatisierung in der Gesellschaft verteilt werden und nicht bei einigen wenigen landen.
Ist das in unserem jetzigen System realistisch?
Problematik ist, dass Produktivitätssteigerung nicht überall gleichermaßen stattfindet.
Ein Werker in der Produktion kann durch Automatisierung in weniger Zeit gleich viel produzieren, aber ein Erzieher kann nicht in weniger Zeit gleich viel Kinder betreuen, ein Handwerker hat auch wenig Potenzial das verstopfte Klo in weniger Zeit wieder frei zu bekommen und auch in der Pflege ist man da schon ziemlich am Limit.
Und zudem gibt es ja auch ausländische Konkurrenz. Höhere Produktivität ist oftmals ja auch nötig um höhere Lohnkosten zu kompensieren.
Stellen wir die „böse“ Frage: ist neben den genannten Punkten Arbeit zu teuer bei uns in Deutschland? Gemessen an der gelieferten Leistung im internationalen Vergleich?
Das wäre ein Problem, wenn wir annehmen, dass die Anzahl an Arbeiter in jedem Sektor eine Konstante ist. Es gibt halt dann weniger Nachfrage nach Werksarbeitern, aber mehr Nachfrage nach Erziehern. Klar wenn man das kurzfristig mikroökonomisch betrachtet kann es zu einigen härten kommen, da nicht jeder einfach den Job wechseln kann. Makroökonomisch, auf längere Sicht betrachtet sollte das aber in einem funktionierenden Markt kein Problem sein, weil sich dann mehr Leute sich zum Erzieher und weniger sich zum Werksarbeiter ausbilden lassen würden.
Das größte Problem ist hier, dass Europa nicht mal ansatzweise Autark ist. So wird man wenigen die gewinne der Automatisierung erlauben, um international wettbewerbsfähig zu bleiben
Problem ist einerseits, das man aus einem Produktionsarbeiter nicht mal eben einen Erzieher macht.
Langfristig gedacht, wenn ein hoher Bedarf an Erziehern absehbar ist, wie bringe ich Menschen dazu diese Ausbildung zu ergreifen? Vor allem wenn jemand mit Menschen gar nichts zu tun haben will?
Wie ich erwähnt habe könnte das ein kurzfristiges Problem sein. Hängt davon ab, wie schnell die Automatisierung von statten geht.
Angebot und Nachfrage. Wenn man weiß, dass man als Werksarbeiter keinen Job bekommen wird (oder noch nicht mal einen Ausbildungsplatz bekommt) wird man sich ja einen anderen Job suchen. Wir haben ja heutzutage auch nicht das Problem, dass zig Leute Ausbildungen zu ausgestorbenen Berufen machen. Auch ist es so, dass vor 100 Jahren die Jobs noch viel körperlicher waren, als heute. Da hätte man ja auch fragen können, was wenn die Leute gar nicht den ganzen Tag im Büro sitzen wollen? Aber die Gesellschaft hat sich dem Arbeitsmarkt angepasst. Der Hauptgrund warum Erzieher fehlen, ist glaub ich eher die Bezahlung und das Leute sich dann eher Jobs suchen, wo sie hoffen besser bezahlt zu werden. Da sind wir dann wieder beim Thema des gerechten Aufteilen der Gewinne der Automatisierung.
Mal anekdotisch: wir hatten mal eine Studentin der Sozialarbeit im Annerkennungspraktikum. Ihr Fazit am Ende: Interessant, aber mit Menschen könne sie nicht so.
Frage wäre, wollen wir das?
Leute die primär Dienst nach Vorschrift machen oder gar widerwillig einen Job?
Fördert das die Produktivität und Innivationskraft?
Nur ein Randaspekt, aber nicht irrelevant
Das ist der Punkt. Du tust so, als würden die Werksarbeiter dann eben Erzieher werden. Es ist aber auch die Frage des wirtschaftlichen Nutzens. Und da stellt sich dann schon die Frage warum wir Erzieher brauchen, wenn die anderen Jobs wegfallen?
Oder aber der Job des Erziehers oder Altenpflegers wird noch unattraktiver weil die Arbeitszeit im Gegensatz zu anderen Berufen nicht reduziert wird. Diesen Effekt hat man ja heute schon. Die Gehälter sind gar nicht so niedrig, aber die Arbeitsbedingungen inkl. Arbeitszeit machen diese Jobs eher unattraktiv.
Nein, da hast du mich missverstanden, genau das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass zukünftige Generationen die Ausbildungen machen werden, die zu Jobs passen, die zur Verfügung stehen. Genauso wie heute niemand mehr eine Ausbildung zum Laternenanzünder oder Kutscher macht oder um ein aktuelles Beispiel zu wählen: um in einem Atomkraftwerk zu arbeiten.
Wir werden wohl in nächster Zeit nicht zu dem Punkt kommen, an dem wirklich 100% der Arbeit automatisiert wird, also werden wir wohl immer Erzieher brauchen. Es kann aber durchaus sein, dass wenn die Eltern nur noch 4 Tage arbeiten, man auch nur noch Erzieher für 4 Tage braucht, und somit weniger Erzieher.
Wir brauchen auch nicht, dass alle in diesem Land als Erzieher arbeiten, es wird noch andere Jobs geben.
Zunächst einmal ist die Anzahl der anderen Jobs ja begrenzt. Das heißt, werden die anderen Jobs auch noch so besser im Vergleich zu erziehern, irgendwann wird man keinen Job dort finden, weil es nicht genug Arbeitsplätze gibt. Gleichzeitig würden die Gehälter in den anderen Berufen geringer werden, weil es ja ein Überangebot an arbeitern gibt, sodass Erzieher, auf einmal wieder attraktiver zu sein scheint.
Außerdem ist das auch mit der angesprochenen Umverteilung der Gewinne der Automatisierung gemeint. Die Idee wäre, dass auch Erzieher nur noch 4 Tage die Woche arbeiten.
Ging mir jetzt nicht konkret um Erzieher.
Eher darum, ob man eine Ausbildung bzw. einen Job aus Überzeugung macht oder primär weil es grad nichts anderes gibt bzw. Weil es halt Geld bringt.
Und welche Auswirkungen das auf die Produktivität hat.