Medienschelte: "Energiepreise"

Es wird in den Medien berichtet, dass durch das Schließen der Straße von Hormus die Energiepreise angestiegen seien.

Meiner Meinung nach ist es aber die komplett verkehrte Wortwahl, die falsche Assoziationen hervorruft: Nicht der Preis auf Energie allgemein, sondern nur derjenige Teil, der noch nicht dekarbonisiert ist. Der Rest ist davon völlig unbeeindruckt.

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Ist dem so? Müsste aufgrund des Merit-Order-Prinzips nicht auch Strom durch steigende Gas-/Ölpreise teurer werden?

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Ja, zumindest in den Momenten, in denen wir fossile Brennstoffe in z.B. Gaskraftwerken zur Deckung des Energiebedarfs benötigen.
Das wirkt sich für die meisten Kunden aber nur verzögert aus, da momentan nur die Preise bei Neuabschluss von Stromverträgen steigen. Diese sind laut Verivox seit Beginn der Krise um 16% teurer geworden.

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Zu Beginn des Iran-Krieges (28.02.2026) betrug der Strompreis für Neukunden 24,9 Cent im bundesdeutschen Durchschnitt. Bisher gab es einen deutlichen Anstieg bei den Neukundentarifen, die heute (10.04.2026) bei 27,6 Cent pro Kilowattstunde liegen.

Der Gaspreis an der europäischen Energiebörse ist seit Beginn des Konflikts zeitweise auf rund 74 €/MWh gestiegen – etwa 104 % über dem Durchschnitt von Januar und Februar 2026 (36 €/MWh). Auch Strom verteuerte sich deutlich: Der Großhandelspreis kletterte auf 140 €/MWh, was rund 36 % mehr sind als das Mittel der ersten beiden Monate des Jahres (103 €/MWh EEX, Spot Day Ahead).

Strompreisentwicklung: So teuer wird Strom 2026

Da wir aufgrund von mehr EE Kapazität (und zum Glück der Angriff in eine Zeit von mehr Sonne und ausreichend Wind gefallen ist) mehr EE-Strom haben, der Gas verdrängt, sind die Auswirkungen auf den Strompreis nicht so gravierend.

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Ja, dem ist so.

Denn wir reden über zwei verschiedene Dinge.

Ich spreche von den Gestehungskosten, die PV und Windenergie haben. Die haben sich natürlich nicht geändert.

Sie sprechen jedoch von dem Endpreis einer kWh Energie. Also nicht von Physik, sondern von Ökonomie. Und hier kommt eben blöderweise der teure Gaspreis ins Spiel, durch Merit Order.

Er würde übrigens seltener teuer benötigt werden, wenn mehr billiger Strom aus PV und Wind vorhanden wäre.

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Die Gestehungskosten von Öl- und Gas sind auch nicht angestiegen. Durch die Schließung der Straße von Hormus wurde das Angebot nur so verknappt, dass die Grenzkosten angestiegen sind. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Merritorder. Der teuerste bestimmt den Preis, egal ob Öl, Strom oder Äpfel.

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Ich glaube, in Deutschland ist es noch nicht wirklich knapp. Das Öl, das gerade weiterverkauft wird, wurde vor dem Krieg geliefert, oder? Die Preise gehen in Erwartung der Knappheit hoch, um die höheren Gewinne abzuschöpfen.

Gas wird seltener benötigt wenn wir unsere Strom-Nachfrage generell der Grünstromproduktion anpassen. Grossverbraucher wie E-Autos bringen sehr viel, aber auch die Startzeit von Spülmaschine, Waschmaschine entspr. zu Timen hilft.

Auch ohne flexiblen Strompreis.

Ökologisch, volkswirtschaftlich und strategisch wichtig

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Die tatsächlich vom Endkunden zu zahlenden Kosten sind jedoch für Strom aus PV und Wind nicht angestiegen, im Gegensatz zu denen von Gaskraftwerken. Wieso sollten sie auch?

Du hast doch von Gestehungskosten geredet, nun bist du bei Konsumenten und nimmst eine Differenzierung vor, die es praktisch nicht gibt: es gibt für Endkunden am Markt keinen Pv- und Gasstrom. Wenn du keine Direktlieferverträge hast, ist Strom eine Commodity und der teuerste bestimmt den Preis. Das ist bei Öl genauso. Das Öl aus Norwegen ist für den Kunden teurer geworden, weil das Öl am Weltmarkt teurer ist.

Wie man es dreht und wendet: Solange es um vergleichbare Güter (Strom, Öl, Äpfel) geht, bestimmt immer der teuerste, der noch zur Deckung der Nachfrage herangezogen wird, den Preis, fertig.

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Eben: “Zur Deckung der Nachfrage”.

Wenn viele Erneuerbare, Wärmepumpen und Elektroautos vorhanden vorhanden sind, kann man entspannt und amüsiert den Preisen fossiler Energien beim Steigen zusehen.

Aber das wäre nur der Fall, wenn das Angebot gerade so den Bedarf decken würde. Schreibst du ja selbst. Da es die 10% aber eigentlich gar nicht braucht, kommt die Verteuerung rein vom psychologischen Effekt der Börse. Sei es aus „Sorge“ oder aus Preiskalkül.

Merrit Order kommt von einer staatlichen Regulierung, das hat damit gar nix zu tun

Nachfrage singt also sollte der Preis fallen oder zumindest stabil bleiben. Ich habe mal ausgerechnet und bei mir wäre ein Verkauf meines Autos mit Wechsel auf ein vergleichbares Elektroauto grob bei 80-90.000km und das bei gleichzeitigem Komfortverlust wie Tanken in 2 Minuten. Da kann ich noch einige Jahre fahren bis es sich finanziell lohnt :person_shrugging: Also aktuell sehe ich das ganze auch noch recht entspannt, da ich eh keine Alternative habe und zumindest aktuell sind die Spritpreise auch stabil insofern :slightly_smiling_face:

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Die Merit Order ist die ökonomische Grundlogik des Strommarkts.

Nachfrage wird grundsätzlich über die kostengünstigsten verfügbaren Angebote gedeckt. Praktisch gilt sie jedoch nur innerhalb physikalischer Netzgrenzen, deshalb werden Marktresultate durch Redispatch, Regelenergie und weitere Systemdienstleistungen laufend ergänzt oder korrigiert. Eine echte Alternative zur kostenbasierten Einsatzentscheidung gibt es kaum, wohl aber unterschiedliche Marktdesigns für den Umgang mit Netzengpässen und Versorgungssicherheit.
Wo reine Markterlöse bestimmte Systemanforderungen. Insbesondere gesicherte Leistung, Blindleistung, Regelenergie und Flexibilität, nicht ausreichend abdecken, wird stärker reguliert bzw. ergänzt. Instrumente wie Contracts for Difference (z. B. in Großbritannien) stabilisieren Erlöse, verändern aber die Merit-Order-Logik des Dispatchs nicht.
Auch Nodal Pricing folgt derselben Grundlogik, bildet sie jedoch als netzgekoppelte Optimierung ab. Neben Kosten werden Ort, Netzrestriktionen und Verluste simultan berücksichtigt, sodass Engpässe direkt im Preis sichtbar werden statt nachgelagert korrigiert zu werden

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Zum Untermauern meiner These:

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Das mag für die Strombörse gelten. Welcher Anteil wird denn über die Börse gehandelt?

​Die Handelsvolumina bewegen sich oft im Bereich von 20 bis 40 %, wobei die Preisbildung am Spotmarkt, getrieben durch das Merrit Order, auch für PPAs sowie EE- und KWK-Anlagen die zentrale Referenz bleibt.

Entscheidend ist, ob der Strom physikalisch integriert werden kann, welche Erzeugung im jeweiligen Zeitpunkt verdrängt wird und ob er der Nachfrage entspricht. Da dies stark von Zeit, Netzsituation und Marktbedingungen abhängt, sind pauschale Aussagen dazu nicht seriös.

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Bei einem ganz konkreten Einzelfall ist es in der Tat kompliziert.

Aber hier geht es um die Mittelung über das gesamte Bundesgebiet, also insgesamt Millionen von Fällen: große und kleine Verbraucher, Eigenheime, Miethäuser etc. Und gemittelt ergeben sich halt ein paar Milliarden Euro Ersparnis.

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Ein PPA das sind sich am Spotmarkt anlehnt? Da kannst du sicher sagen wozu man das braucht. Ich kenne PPA vor allem für den Zweck die Stromkosten vom Spotmarkt zu entkoppeln. Mit Bezugsverträgen über 20 Jahre und eher festen Preisen.

Kannst Du bitte kurz erklären, was hier PPA sind? Vermutlich nicht “Partizip Präsens Aktiv”…