Marx reloaded? Der Techfaschismus als logische Konsequenz?

In einem Zeit+-Artikel schreibt Mark Schieritz über ein noch recht aktuelles Forschungspaper:

Karl Marx hat sich nie sonderlich für den Staat interessiert. Im 1848 erschienen Kommunistischen Manifest beschreibt er ihn als »Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet«. Der Staatsapparat ist Marx gewissermaßen ein Werkzeug, mit dem die Ausbeutung der Arbeiter organisiert wird.

Ein neues Forschungspapier des Wirtschaftsnobelpreisträgers Daron Acemoğlu vom renommierten Massachusetts Institute of Technology in den Vereinigten Staaten wirft nun die Frage auf, ob sich die Thesen von Karl Marx im Zeitalter von Automatisierung und künstlicher Intelligenz nicht doch als zutreffender erweisen könnten, als es zunächst den Anschein hatte.

Mit seinen Ko-Autoren Arda Gitmez und Mehdi Shadmehr entwickelt Acemoğlu ein mathematisch-ökonomisches Modell, das die politischen Auswirkungen der Verdrängung von menschlicher durch maschinelle Arbeit abschätzen soll. Die Ausgangslage ist dabei die folgende: Die Gesellschaft ist unterteilt in Arbeitnehmer und Unternehmer. Die Unternehmer besitzen das Kapital (Fabriken, Roboter, Computerprogramme), die Arbeitnehmer bieten ihre Arbeit an und erhalten dafür einen Lohn.

Dabei gilt: Wenn die Ungleichheit zu groß wird – wenn also zum Beispiel das Kapitaleinkommen deutlich stärker wächst als das Lohneinkommen –, müssen die Unternehmer Revolution und Enteignung ihrer Besitztümer fürchten. Im Modell von Acemoğlu gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Risiko zu verringern: Umverteilung (Redistribution) oder Unterdrückung (Repression). Wenn die Massen zum Beispiel über Sozialleistungen oder ein bedingungsloses Grundeinkommen an den gesellschaftlichen Wohlstandsgewinnen beteiligt werden, verzichten sie eher auf den Umsturz der Eigentumsverhältnisse. Und wenn eine Staatspolizei alle potenziellen Revolutionäre ins Gefängnis steckt, bleibt die Revolution wahrscheinlich auch aus.

Acemoğlu und seine Mitstreiter können nun zeigen, dass die Automatisierung der Produktion den Modus der Unterdrückung begünstigt. Das liegt daran, dass mit steigendem Automatisierungsgrad immer mehr Geld für die Befriedung der Menschen aufgewendet werden muss, die ihre Arbeitsplätze verlieren oder mit niedrigeren Löhnen auskommen müssen. Damit steigt für die Kapitaleigentümer der Anreiz, Einfluss auf den Staatsapparat auszuüben, um durch die Unterdrückung der Unzufriedenen den Kosten der wie eine Steuer wirkenden Umverteilung zu entgehen.

Die Autoren gehen aber noch weiter: Sie argumentieren, dass aus Sicht der Unternehmer die Automatisierung rentabler wird, wenn mehr Kapital in einer Volkswirtschaft vorhanden ist (weil dieses zusätzliche Kapital mehr Aufgaben übernehmen kann). Damit erweitert sich die Kausalkette: Mehr Kapital erzeugt mehr Automatisierung und mehr Automatisierung erzeugt mehr Repression – die wiederum den Weg frei macht für noch mehr Automatisierung.

Dieser Mechanismus kann dazu führen, dass eine Demokratie sich im Zuge ihrer wirtschaftlichen Entwicklung aus einem inneren Antrieb heraus in eine Autokratie verwandelt. Für die Unternehmer wird die Umverteilung ab einer bestimmten Größe des Kapitalstock schlicht so teuer, dass die Unterdrückung die kostengünstigere Alternative ist. Oder wie es in dem Papier heißt: »Wir zeigen, dass die Akkumulation von Kapital und damit die zunehmende Automatisierung die Kapitalisten dazu ermutigen, einen Putsch gegen die Demokratie zu unterstützen und ein repressives System zu errichten.«

Auch andere Autor:innen haben vor einem Techfaschismus gewarnt, wenn auch aus primär ideologischen Gründen, in jüngerer Zeit etwa Rainer Mühlhoff:

Oder Asma Mhalla, in deren „Cyberpunk“-Manifest es u.a. heißt:

Yuval Noah Harari and Asma Mhalla on AI, Democracy, and the Future of Humanity

Starke KI bietet zudem neue Möglichkeiten, den Fiebertraum der Techfaschisten ins Werk zu setzen.

Was tun?

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Die Techjournalistin Paulina Borsook hat es früh vorhergesehen:

Es wird Zeit, sich mit Techfaschismus auseinanderzusetzen:

[S]chauen wir uns die politischen Haltungen von Musk, Thiel &Co. an (da gibt es einige, die weniger bekannt, aber mindestens so freaky sind). Sie glauben nicht (mehr) an die Demokratie, an gewählte Regierungen überhaupt, sondern sie sind der ausgesprochenen oder impliziten Ansicht, dass die Welt von genialen Unternehmern beherrscht werden sollte.

Naomi Klein und Astra Taylor fassen es zusammen: „Einfach gesprochen, bereiten sich die mächtigsten Leute der Welt auf das Ende der Welt vor, ein Ende, das sie selbst frenetisch beschleunigen“. Dieser „Endzeit-Faschismus“ will überall auf der Welt Festungen bauen, „extrem wohlhabende, demokratiebefreite sichere Häfen unter der alleinigen Kontrolle der Superreichen, beschützt von privaten Söldnern, bedient von KI-Robotern und finanziert durch Krypto-Währungen“.

[E]s genügt, dass der Tech-Faschismus praktisch bereits das Funktionieren der entwickelten Welt beherrscht. Ohne die Technologien dieser Leute läuft heute nichts mehr. Kein privater internationaler Zahlungsverkehr, keine Waffensysteme, keine Informationstechnologie. Es wird Zeit, sich damit näher zu befassen.

[E]s greift zu kurz auf Elon Musk oder Peter Thiel zu blicken. Tech-Faschismus durchsetzt unseren technischen wie auch politischen Stack von oben bis nach ganz unten.

Was genau charakterisiert den Tech-Faschismus, wie beeinflusst er unsere digitale Lebensrealität auch in der scheinbar sicheren Open Source Bubble? Und wie können, müssen wir uns ihm alle entgegenstellen?

Ein Weckruf.

In dieser Session soll „Tech-Faschismus“ etwas klarer umrissen werden: Wie unterscheidet er sich vom klassischen Faschismus, was genau definiert ihn? Und wie wirken diese Denkmuster auf unseren digitalen Systeme?

Der Talk teilt sich in zwei Teile:

  • erst wird das Konzept theoretisch gefasst
  • dann versucht es an konkreten Artefakten und Strukturen festzumachen
  • und schließlich Wege des Widerstands aufzuzeigen

Elon Musk beschreibt X als „kybernetische Superintelligenz“, Mark Zuckerberg betrachtet Unternehmen als „lernende Organismen“, und der Erfinder von Google Glass sagt: „Kybernetik ist überall, wie die Luft.“ Diese Aussagen sind kein Zufall. Wer den digitalen Wandel verstehen will, muss sich mit seinen kybernetischen Ursprüngen auseinandersetzen. In ihrem Vortrag gibt Anna-Verena Nosthoff Einblicke in ihr jüngstes Buch „Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ (Suhrkamp Verlag) und veranschaulicht dessen grundlegende Thesen anhand des aktuellen autoritären Wandels im Silicon Valley. Tatsächlich lässt sich der zeitgenössische Technofaschismus, wie er von Persönlichkeiten wie Musk propagiert wird, besonders gut aus der Perspektive kybernetischer Konstrukte verstehen. Dabei rücken nicht nur transhumanistische Cyborg-Fantasien und lösungsorientierte, postideologische Technologiekonzepte in den Fokus, sondern auch binäre und affektzentrierte Konzepte der Öffentlichkeit sowie technokratische, informationszentrierte Staatsverständnisse. Diese Topoi finden totalitäre Parallelen im sogenannten „Department of Government Efficiency“, in Musks entschieden rechtsgerichteter Führung seiner Plattform „X“ sowie im aktuellen AGI-Hype. Vor diesem Hintergrund erweist sich der zeitgenössische „Muskismus“ (Lepore) als eine zugleich disruptive und inkrementelle Form der digitalen Governance: Er ist in erster Linie als kybernetischer Autoritarismus erkennbar.

(Übers. m. DeepL)

Je mehr ich mich in das Thema, das ich mal grob "Milliardäre sind irre " nennen würde, eingelesen habe, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass unendliches Kapital und bei Verstand bleiben sich gegenseitig ausschließen. Und zu dem Schluss, dass unendliches Kapital auch gewaltige politische Macht mit sich bringt. Bei Milliardären versagt der mächtigste Korrekturmechanismus, den wir als Menschen kennen völlig. Und das ist nicht mal Widerspruch, es ist Konsequenzen zu erfahren. Marc Zuckerberg kann mal eben das BIP eines Bundesstaates in seinen Fiebertraum Metaverse versenken, ohne dass es für ihn spürbare Konsequenzen hat. Diese Menschen können ausnahmslos (und ich verweise hier auf Trump, der sagte er könne einen Menschen auf der 5th Av töten, ohne dass es Konsequenzen hätte) alles tun, was sie wollen, ohne dass es Konsequenzen für sie selbst hat.

Ich bin langsam davon überzeugt, dass eine Vermögenssteuer nicht nur notwendig ist, um die Welt vor dem Kollaps zu retten, sondern auch, um Milliardäre vor sich selbst und uns vor ihnen zu retten.

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Ist das denn zwangsläufig so?

Was ich zumindest bestreiten würde, ist, dass Überreichtum zu Demokratiefeindlichkeit und faschistischer Gesinnung führt.

Dass Machtmissbrauch erleichtert wird, bleibt davon unbenommen.

Was soll denn „Techfaschismus“ sein? Vielleicht erstmal definieren, worüber wir sprechen sollen, anstatt möglichst aufmerksamkeitsheischende Worte einzustreuen.

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Das eine bedingt vermutlich das andere. Bill Gates konnte gar nicht überreich werden, weil er von Anfang an der Gesellschaft etwas von seinem Reichtum zurückgegeben hat. Zur Belohnung wird er jetzt „Gutmensch“ genannt und ist Teil antisemitischer Verschwörungstheorien.
Hätte er einfach seinen Reichtum gehortet, hätte sich für ihn vermutlich keiner interessiert. Das hätte er aber vermutlich mit seinem Gewissen nicht vereinbaren können.

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Vielleicht habe ich ja ein anderes Verständnis von „überreich“, aber Gates war 34 Jahre lang in den Top Ten der „Forbes 400“ und galt über zwei Jahrzehnte als der reichste US-Amerikaner

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Das oben verlinkte CCC-Video von ‚tante‘, der „re:publica“-Vortrag von Mühlhoff und der Standard-Artikel erklären’s mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Weiteren Kontext liefert der Vortrag von Nosthoff.

Zumindest hat er die „Giving Pledge“-Initiative mitbegründet und die Gates-Stiftung, der er weite Teile seines Vermögens überschrieben hat, was durchaus beachtlich ist.

Und zu einer kritischeren Haltung zur KI hat er auch inzwischen gefunden:

Bill Gates war bislang ein Optimist in Sachen KI. Vor drei Jahren schrieb er, dass KI zwar Nachteile habe, die Risiken jedoch „beherrschbar“ seien. Diese Woche verfasste Gates ein neues Memo mit der Überschrift: „Die turbulente Ära der KI ist da. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, sind entscheidend.“

Er ist zu Gast in der Sendung, um vor den Gefahren zu warnen, die er in der künstlichen Intelligenz sieht – wirtschaftliche Umbrüche, soziale Unruhen, Cyberangriffe, Bioterrorismus – und vor allem davor, dass Experten und Regierungen diese Bedrohungen seiner Meinung nach nicht ernst genug nehmen.

„Der fehlende Dialog mit allen Teilen der Gesellschaft ist eine Art ohrenbetäubendes Schweigen“, sagt er zu Hanna Rosin. „Wer KI als Technologie mit anderen Technologien vergleicht, übersieht, dass es diesmal anders ist. Und zu sagen, dass etwas anders ist, ist eine sehr hohe Hürde, aber ich setze meinen gesamten Ruf dafür aufs Spiel, dass es diesmal anders ist.

(Übers. m. DeepL)

Hier kannst du auch noch nachlesen:

Gil Durán ist ein guter Kenner und Kritiker:

Der „Democracy Now!“-Talk mit Durán ging durch die Decke:

Ein neues Buch des langjährigen Journalisten Gil Durán aus der Bay Area untersucht den „Tech-Faschismus“ und dessen wachsenden Einfluss auf die US-Politik. „The Nerd Reich: Silicon Valley Fascism and the War on Democracy“ verfolgt den Aufstieg von Vizepräsident J. D. Vance, dem ehemaligen Risikokapitalgeber, dessen „Outsider“-Kampagne für den Senat vom milliardenschweren Mitbegründer von PayPal und Palantir, Peter Thiel, finanziert wurde. Durán verfolgt die ideologische Abstammungslinie der aktuellen Trump-Regierung von Vance zurück zu Thiel und dem rechtsextremen Monarchisten Curtis Yarvin, dessen „rechtslibertäre“ politische Theorie seit langem in der Elite des Silicon Valley die Runde macht. „Diese Leute waren nie Libertäre“, sagt Durán. „Jetzt, da sie an der Regierung sind, sehen wir ihr wahres Gesicht: Sie sind Faschisten und Autoritäre.“

(Übers. m. DeepL)

Da braut sich was zusammen.

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Findest du es nicht schon besorgniserregend, wie sich Tech-Milliardäre wie musk und thiel mit ihrem Geld Einfluss auf die Politik erkaufen?

Tut mir leid, mir fehlt die Zeit für verlinkte Videos und ähnliches. Kannst du nicht einfach hier für alle kurz zusammenfassen und definieren, was „Tech-Faschismus“ ist? Das würde der Qualität sicherlich helfen. Ansonsten macht eine Diskussion keinen Sinn, wenn alle frei interpretieren, worüber man überhaupt spricht.

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Was unterscheidet denn Tech-Milliardäre von anderen Milliardären?

Musks Willen zu technologischem Fortschritt hat die Welt jedenfalls weiter nach vorne gebracht als z.B. Bernard Arnauld (LVMH), der 2023 oder 2024 reichster Mensch der Welt war.

Elektromobilität, autonomes Fahren und Raumfahrt stünden heute nicht da, wo sie jetzt stehen.

Arnauld hingegen verhökert teure Handtaschen und anderen Plunder.

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Umberto Eco hat schon einen längeren Zeitungsartikel benötigt, um bloß den Urfaschismus zu umreißen, einfacher kann man es sich im Fall des Techfaschismus auch nicht machen. Da kann man nichts in zwei, drei Sätzen ‚definieren‘.

Wenn du es sehr reduktionistisch haben willst, kannst du auch die KI fragen.

Die spuckt dann z.B. Folgendes aus:

Der Kern des Technofaschismus lässt sich in drei Dimensionen unterteilen:

1. Herrschaft der Tech-Eliten (Technokratie)

Traditionelle demokratische Institutionen, Regierungen und Gerichte werden von Vertretern des Technofaschismus als „ineffizient“ oder „träge“ abgelehnt. An ihre Stelle soll eine hierarchische Ordnung treten, an deren Spitze Ingenieure, Tech-Milliardäre und Algorithmen stehen, die die Gesellschaft rein nach technischer Logik und Optimierung steuern.

2. Technologie als Kontroll- und Sortierwerkzeug

Im historischen Faschismus wurden Massenmedien und Verwaltungstechniken zur Gleichschaltung genutzt. Im modernen Technofaschismus dienen hochentwickelte Werkzeuge diesem Zweck:

  • Algorithmische Steuerung: Plattformen kontrollieren den Informationsfluss und manipulieren gesellschaftliche Debatten durch die gezielte Mobilisierung von Affekten (z. B. Wut und Spaltung).
  • KI als Sortierung: Kritiker wie der Philosoph Rainer Mühlhoff betonen, dass moderne KI-Modelle im Kern dazu dienen, Menschen massenhaft zu kategorisieren, vorherzusagen und ungleich zu behandeln.
  • Überwachungskapitalismus: Totale digitale Überwachung bricht den Widerstand von Individuen und ersetzt den transparenten Rechtsstaat durch undurchsichtige, private Datenmonopole.

3. Die ideologischen Wurzeln im Silicon Valley

Hinter der Bewegung steht kein einheitliches Parteiprogramm, sondern eine Reihe radikaler Tech-Ideologien, die vor allem in Teilen des Silicon Valley populär sind:

  • Akzelerationismus: Der Glaube, dass der technologische Fortschritt radikal und völlig rücksichtslos beschleunigt werden muss, selbst wenn dabei bestehende staatliche und soziale Systeme kollabieren.
  • Transhumanismus & Longtermismus: Philosophien, die das Wohl heutiger Menschen den Rechten zukünftiger, digitaler oder genetisch optimierter „Übermenschen“ bzw. Superintelligenzen unterordnen. Menschliche Schwäche oder Pluralismus werden als Makel gesehen, der ausgemerzt werden muss.

Die klassischen Abwertungen von Nicht-Weißen, Frauen usw. oder z.B. die Demokratiefeindlichkeit spielen natürlich in diesen Ideologien auch eine wesentliche Rolle.

Bestimmte religiös motivierte Vorstellungen wie z.B. Thiels „Antichrist“ oder das, was Naomi Klein und Astra Taylor mit dem Begriff „Endzeit-Faschismus“ (s.o.) zusammengefasst haben, sind ebenfalls wichtig.

Daran siehst du schon, dass Techfaschismus mit den drei Kerndimensionen nur unzureichend beschrieben ist.

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In einem aktuellen Talk über liberale Demokratie hat der Nobelist Acemoğlu sich auch noch mal u.a. zu Automatisierung und KI („what pro-worker AI actually means“) eingelassen:

Noch aktueller bei Reuters („Der Plan eines Ökonomen zur Rettung der liberalen Demokratie“):

Daron Acemoglu hat sich jahrelang mit den Ursprüngen des Wohlstands beschäftigt. Nun sagt er, dass die Institutionen, Gesetze und Freiheiten, die den Westen reich gemacht haben, bedroht sind. In dieser Folge von „The Big View“ erklärt der Nobelpreisträger Peter Thal Larsen, warum jede Lösung bei der Arbeiterklasse ansetzen muss.

(Übers. m. DeepL)

Der Ikea Gründer oder verstorbene kühne Chef versuchen sich meines Wissens nach nicht mit Libertären bis rechtsextremen Gedankengut in die Politik einzukaufen oder kaufen sich direkt durch Wahlkampffinanzierung einen Platz in der Regierung oder überziehen uns mit Überwachungssoftware oder Spenden/investieren in thinktanks, die massiv Desinformation betreiben, um das eigene Geschäftsmodell am Leben zu halten.

Ich habe nichts gegen die Technologien wie Tesla Paypal oder ähnliches. Klar ist das nützlicher als eine überteuerte Handtasche.

Mir geht’s um den Einfluss auf die Politik durch Geld.

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Es ist m.E. schon wichtig, die Dinge zusammenzudenken.

Wenn sexistische, ableistische, rassistische und sozialdarwinistische Elitisten und Apokalyptiker nicht nur die Hybris haben, Demokratie abzuschaffen, sondern auch Macht und Möglichkeiten, ausgehend von den USA, der größten Militärmacht der Welt, dem Ziel der Weltbeherrschung immer näher zu kommen, dann hat das schon eine völlig andere Qualität als die finanzielle Einflussnahme von Otto-Normal-Milliardären auf die Politik ihres Landes.

So ist Thiels Mann Vance immerhin Vizepräsident unter einem zunehmend dementen/siechen Staatsoberhaupt.

Karps Palantir und Musks/Altmans ChatGPT werden längst nicht nur in den USA benutzt, Privatstadtkonzepte nicht nur dort vorangetrieben.

Die hochentwickelte Welt ist längst in Abhängigkeiten hineingedriftet, die den Techfaschisten Macht und Kontrolle in einem zuvor nicht gegebenen Ausmaß geben.

Nicht nur sind deren Firmen Multikontraktoren der USA (insb. des Verteidigungsministeriums), sondern sie kontrollieren mindestens mittelbar Kommunikations-, Informations- und Finanzströme rund um den Globus, da die Datenverarbeitung in deren Rechenzentren und teilweise mit deren Finanzdienstleistern stattfindet.

Punktuell hat sich diese Macht schon gezeigt, z.B. als mal kurzzeitig im Raum stand, die ukrainische Armee nicht mehr mit Daten aus Musks Satellitennetz zu versorgen.

Auch geht es über handelsübliche Politikkorruption weit hinaus, wenn Musks DOGE sich nicht nur Bürger:innendaten bemächtigt, sondern auch an der Zerschlagung von USAID mitwirkt, was dann de facto zu Millionen Toten v.a. in Entwicklungsländern führt.

Die jüngste Kürzung der Mittel für USAID könnte laut einer Studie, die retrospektive Analysen und Prognosen kombiniert, zu mehr als 14 Millionen Todesfällen führen, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, darunter 4,5 Millionen Todesfälle bei Kindern.

(Übers. m. DeepL)

https://www.nature.com/articles/d41591-025-00054-4

Und nun stehen den Techfaschisten mit autonomen KI-Agenten noch mal ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung.

Dass die noch mal ein eminenter qualitativer Sprung sind, hat wohl auch Bill Gates zum Umdenken bewegt, weshalb er jetzt KI-Regulierung für dringend nötig hält (s.o.), was von den Techfaschisten vehement abgelehnt wird.

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Ergänzend:

Im Radiofeature geht es um Strömungen, die manche Entscheidungen von Trump und Co erklären könnten und die für die Zukunft Böses ahnen lassen. Es geht um Ideen, die jahrelang zu radikal waren, um in Washington durchzudringen, doch das hat sich geändert. Schwer reiche Tech-Investoren wie Peter Thiel, neoreaktionäre faschistische Vordenker wie Curtis Yarvin und fundamentale Christen sind der Macht so nah wie noch nie. Sie haben Verbindungen zu Vizepräsident JD Vance und bei allem, was sie unterscheidet, haben sie doch ein gemeinsames Ziel.

Die KI führt noch zusammenfassend aus:

Um die Dunkle Aufklärung (NRx) besser zu verstehen, muss man ihre ideologischen Kernkonzepte, das zugrundeliegende Menschenbild und das geplante Staatsmodell genauer betrachten. Sie versteht sich selbst als radikaler Gegenentwurf zur Aufklärung des 18. Jahrhunderts.

1. Das Kernkonzept: Bruch mit 1789

Die klassische Aufklärung setzte auf Gleichheit, Freiheit und Demokratie. Die Dunkle Aufklärung bricht radikal mit diesen Werten, da sie diese für Fehlentwicklungen hält, die unweigerlich zu sozialem Verfall führen.

  • Anti-Egalitarismus: Die Denker der Bewegung behaupten, dass Menschen von Natur aus ungleich sind (biologisch, intellektuell und kulturell). Gleichheit wird als Illusion und „Gleichmacherei“ abgelehnt, die die Gesellschaft schwäche.
  • Neofeudalismus: Statt demokratischer Partizipation fordern sie eine Rückkehr zu klaren, unumstößlichen Hierarchien. Die Gesellschaft soll in Leistungsträger, Herrschende und Beherrschte unterteilt werden.

2. Das Staatsmodell: Die „Gouverneurs-AG“ (Gov-Corp)

Die Bewegung will den modernen Nationalstaat durch ein Modell ersetzen, das Politik wie Software oder Unternehmensführung behandelt.

  • Der Staat als Aktiengesellschaft: Ein Land soll wie ein Technologieunternehmen organisiert sein. Der Herrscher ist der CEO (oder ein absolutistischer Monarch).
  • Bürger als Kunden oder Aktionäre: Die Einwohner haben keine politischen Rechte (kein Wahlrecht), sondern sind entweder Kunden, die für Schutz und Infrastruktur bezahlen, oder Aktionäre, wenn sie Besitz am Staat halten.
  • Wettbewerb der Staaten: Staaten sollen miteinander konkurrieren wie Unternehmen. Wer unzufrieden ist, wählt nicht, sondern wandert aus […].

3. Der Feindbegriff: „Die Kathedrale“ (The Cathedral)

Curtis Yarvin prägte den Begriff der Kathedrale, um das moderne liberale System zu beschreiben.

  • Damit meint er kein geheimes Komplott, sondern ein dezentrales, sich selbst verstärkendes Netzwerk aus Universitäten, Leitmedien und der Bürokratie.
  • Dieses Netzwerk erzeuge einen Konformitätsdruck (politische Korrektheit) und halte die Illusion aufrecht, dass die Demokratie funktioniere, während es in Wahrheit die eigentliche Macht ausübe.

4. Die Strömungen und Nick Lands Akzelerationismus

Innerhalb der NRx gibt es verschiedene Facetten, wobei die philosophische Untermauerung durch Nick Land eine radikale Wendung nahm:

  • Kollaps als Ziel: Land verbindet die neoreaktionäre Politik mit dem Akzelerationismus (Beschleunigungstheorie).
  • Er argumentiert, dass man die Kräfte des globalen Kapitalismus und der technologischen Entwicklung (insbesondere Künstliche Intelligenz und Automatisierung) so weit beschleunigen muss, bis das bestehende, demokratische System kollabiert. Erst aus diesem Chaos könne die neue, techno-feudale Ordnung entstehen.

Warum das heute relevant ist

Die Dunkle Aufklärung liefert das theoretische Fundament für einen Teil der Tech-Elite im Silicon Valley und im Krypto-Bereich. Bestrebungen, autonome Privatstädte zu gründen (z. B. auf Schiffen im Meer oder in Sonderwirtschaftszonen), die von Konzernen statt Regierungen verwaltet werden, entspringen oft direkt oder indirekt diesem Denken.

Vertiefend:

1:00 – Wer ist Nick Land? Eine Einführung in das Werk eines Randphilosophen
[…]
9:00 – Akzelerationismus: Sich selbst erhaltende Explosionen und kybernetische Evolution
10:45 – Zeitkompression und KI: Evolution im Schnellvorlauf
12:15 – Kapitalismus als außerirdische Intelligenz
13:50 – Märkte als verteilte KI-Systeme
15:00 – Spinaler Katastrophismus und posthumane Evolution
16:10 – Ghul-Ästhetik und kultureller Zusammenbruch
17:20 – Die Entartung der Lebensgrundlagen: Die Auflösung des menschlichen Subjekts
18:45 – Tod, Null und die Auflösung des Selbst
20:00 – Die „Dark Enlightenment“ und die Neoreaktion
21:30 – Die Kritik an der Demokratie und „The Cathedral“
23:00 – Freiheit für wenige vs. Gleichheit für alle
24:15 – Ausstieg statt Reform: Fragmentierung als Ziel
25:00 – Ethnolistik und umstrittene Identitätstheorien
26:10 – Der Zusammenbruch als historisches Schicksal
[…]

(Übers. m. DeepL)

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Zu den zentralen Akteuren schreibt die KI treffend:

Tech-Milliardäre wie Peter Thiel, Marc Andreessen und Elon Musk fungieren nicht als akademische Philosophen der Dunklen Aufklärung, sondern als deren Finanziers, Multiplikatoren und praktische Umsetzer. Sie haben die einstigen Nischen-Theorien aus obskuren Internet-Foren direkt in die Schaltzentren der wirtschaftlichen und politischen Macht transportiert.

Man kann ihre Rollen und die jeweiligen Nuancen wie folgt aufteilen:

1. Peter Thiel: Der finanzielle und politische Architekt

Peter Thiel gilt als der wichtigste Brückenbauer zwischen der neoreaktionären Theorie und der realen Welt. Er bezeichnete Curtis Yarvin (Mencius Moldbug) einst als „mächtigen Historiker“ und teilt dessen tiefe Skepsis gegenüber der Demokratie. Bereits 2009 schrieb Thiel in einem berühmten Essay: „Ich glaube nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind.“

  • Finanzierung der Vordenker: Thiel finanzierte mit seinem Founders Fund gezielt Yarvins Computer-Projekt Urbit. Er hielt so seine Hand über die Schlüsselfiguren der Bewegung.
  • Politische Hebelwirkung: Thiel brachte das Gedankengut über seine politischen Netzwerke in den Mainstream. Der US-Politiker JD Vance ist ein Protegé von Thiel (er arbeitete in Thiels Investmentfirma). Journalisten bezeichnen Thiel heute oft als die treibende Kraft hinter einem neuen „Techno-Faschismus“, der demokratische Institutionen durch autoritäre, firmenähnliche Strukturen ersetzen will.

2. Marc Andreessen: Der e/acc-Propagandist

Marc Andreessen, einer der einflussreichsten Wagniskapitalgeber des Silicon Valley, hat die dunklen Aspekte von Nick Lands Philosophie in eine optimistischere, aber extrem radikale Wirtschafts- und Tech-Ideologie übersetzt: den „Techno-Optimismus“ und den „Effective Accelerationism“ (e/acc).

  • Das Manifest: In seinem Techno-Optimist Manifesto (2023) nannte Andreessen Nick Land explizit als einen der „Schutzpatrone“ seines Denkens.
  • Regulierungen zerschlagen: Andreessen und die e/acc-Bewegung fordern, dass technologische Entwicklung – insbesondere Künstliche Intelligenz – durch absolut nichts aufgehalten werden darf. Staatliche Regulierung, Sicherheitsbedenken oder Ethikkommissionen werden als feindliche Bremsklötze (sogenannte „Decels“ für Decelerationists) verunglimpft. Das Ziel ist eine ungebremste Kapital- und Tech-Spirale, ungeachtet gesellschaftlicher Folgen.

3. Elon Musk: Der Megafon-Beschleuniger

Elon Musk formuliert selten geschlossene philosophische Abhandlungen, setzt die Ideen von Yarvin und Land jedoch auf der globalen Bühne um – oft unbewusst oder durch die Übernahme der gleichen Memes und Feindbilder.

  • Angriff auf die „Kathedrale“: Als Yarvin die „Kathedrale“ (das dezentrale System aus Leitmedien, Universitäten und Bürokratie) als Feind definierte, schuf er die Blaupause für Musks Feldzug. Musks Kauf von X (vormals Twitter) und sein Dauerkampf gegen den „Woke Mind Virus“, traditionelle Medien und staatliche Behörden (wie die SEC oder die Umweltämter) ist die exakte praktische Umsetzung des neoreaktionären Kulturkampfes.
  • Techno-Feudalismus in der Praxis: Musk führt seine Unternehmen (und zunehmend seinen politischen Einfluss) wie absolutistische Monarchien. Seine Visionen – wie die Besiedlung des Mars unter eigenen, konzernbasierten Gesetzen oder die totale Deregulierung des Staates durch Effizienz-Kommissionen – spiegeln das NRx-Ideal der Gov-Corp (Staat als Aktiengesellschaft) perfekt wider.

Gemeinsamkeiten: Wo sich die Kreise schließen

Obwohl sich die Akteure in Details unterscheiden (Musk inszeniert sich oft populistisch, Andreessen utilitaristisch-optimistisch, Thiel elitär-konservativ), eint sie der Kern der Dunklen Aufklärung:

  1. Wettbewerb statt Mitbestimmung (Exit statt Voice): Sie wollen keine demokratischen Reformen. Wenn ihnen ein Staat nicht passt, gründen sie eigene Sonderwirtschaftszonen, Privatstädte oder investieren in autonome Krypto-Infrastrukturen.
  2. Kollaps-Akzeptanz: Sie teilen Nick Lands Ansicht, dass das aktuelle politische System den technologischen Fortschritt behindert und ohnehin dem Untergang geweiht ist. Statt den Kollaps zu verhindern, wollen sie ihn beschleunigen, um als neue „Techno-Adlige“ die Welt danach zu steuern.

Und das muss man dann noch mit den Folgen der KI-Revolution (s.o.) zusammenbringen.

Die Gefahren sind keine Hirngespinste.

Ohne Musik hätte die Ukraine gar keine Kommunikationstechnik. Stattdessen unterstützt Musk gegen Russland, größtenteils sogar unentgeltlich. Es gab eine größere Episode, als es um die Finanzierung der Leistung ging. Satelliten bezahlen sich eben nicht von selbst und Musk ist Unternehmer, kein ukrainischen Militärunterstützer. Ist ja nun auch nicht so als würden deutsche Firmen die Ukraine kostenfrei aufrüsten.

Als ob die USA dafür zuständig wären, weltweite Gesundheits- und Nahrungsprogramme zu erledigen. Das fordern, aber dann rumjaulen, wenn sie Weltpolizei spielen, ist schon eher schizophren. Die Verantwortung für ihre Bevölkerung haben zunächst mal die jeweiligen Regierungen vor Ort, z.B. die Taliban in Afghanistan, für die sich die Bevölkerung dort offensichtlich entschieden hat. Die Mittel, sich gegen die Taliban zu wehren, hatten sie.

Sorry, aber das liest sich für mich wie ausgewachsene Schwurbelei, ironischerweise unterfüttert durch ellenlange KI-Texte aus den Tools und der technischen Infrastruktur genau dieser „Faschisten“.

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