In dem Artikel steht erstmal wenig Konkretes. Ich kann nicht genau erkennen, wo es von der Beschreibung des Zustands vor der Reform zur Beschreibung des Zustands nach Reform geht. Die Reform wurde auch erst im Dezember 2024 verabschiedet, warum ständig auf die Ankündigung 2022 verwiesen wird, bleibt unklar. Die Reform wirkt tatsächlich noch nicht groß, weil sie erst nach und nach in Kraft tritt. Die Leistungsgruppen, ein wichtiger Kernbestandteil, gelten erst ab 1. Januar 2028(!) als Grundlage der Krankenhausplanung. Was genau kritisiert der Artikel also im September 2025 nach einem knappen Dreivierteljahr? Der angesprochene finanzielle Druck gehört ja gerade zum Ziel der Effizienzsteigerung (muss man inhaltlich nicht gut finden, aber war das angestrebte Ziel mitnichten nur von Lauterbach).
Ich würde Lauterbach auf jeden Fall anrechnen, dass er eine Reform, die lange als notwendig angesehen wurde, gegen Widerstand durchgebracht hat. Es wird in jeder zweiten Lage-Folge und jedem zweiten Forumsthread bemängelt, dass Veränderungen nicht durchkommen wegen organisierter Besitzstandswahrer. Dafür ist der Gesundheitssektor ein Paradebeispiel. Lauterbach hat überhaupt mal etwas verändert, was, so schade es ist, mehr ist als jede:r andere Gesundheitsminister:in in der Zeit, in der ich Politik verfolge, getan hat. Das kann man als Erfolg im Sinne der Regierung verbuchen, ohne die Reform inhaltlich zu bewerten (ich sehe sie inhaltlich als milde positiv, aber du bleibst ja gern auf der formalen Ebene).
Wenn ich einen Fehlschlag Lauterbachs suchen wollte, würde ich vielleicht eher auf die Cannabislegalisierung schauen. Nicht weil die die große Welle an Drogenkriminalität gebracht hätte und der Schwarzmarkt blüht, was gern ohne Belege behauptet wird. Sondern weil sie - von Anfang an - nur eine halbgare Reform ohne wirkliches Mitdenken des Angebots war. Hat trotzdem kleine Verbesserungen gebracht und auch das ist leider mehr, als in meiner Lebenszeit in der Drogenpolitik (abgesehen von Prävention gegen Tabak, das ging aber mW auch viel auf die EU zurück) sonst so zustande gebracht wurde.
An mehr kann ich mich jetzt nicht erinnern, aber natürlich liefen auch noch Corona und das gesundheitspolitische Tagesgeschäft. Vielleicht hat Lauterbach etwas zu viel getwittert und war in den Medien.
Wie viele Minister:innen machen denn eine mittelgroße und eine größere, lange aufgeschobene Reform in ihrer Amtszeit (die ja auch nicht die vollen 4 Jahre lief)? Das ist doch nicht „praktisch nichts“.
PS: Lauterbach - und v.a. seine Partei - ist mir recht egal. Mir scheint nur, dass noch über keine Regierungszeit so viele negative Gefühle und Geschichten mit relativ wenig Substanz im Umlauf geblieben sind wie bei der Scholz-Regierung.