Linnemann wird Gesundheitsminister

Gerade bei einem „Fach“ wie Kranken-/Gesundheits- und Pflegesystem und Public Health gibt es vermutlich nicht einen Menschen, der alle notwendigen Fachkompetenzen auf sich vereint.

Wenn jemand Berufserfahrung „im System“ hat, dann hat er im Zweifel eine ziemlich einseitige Sicht auf sein Aufgabe. Z.B. als Krankenhaus- oder GKV-Chef, Verbandschef von Krankenhäusern, Ärzten, Krankenkassen, Pflegeheimen. Als hoher Pharma- oder Krankenversicherungsmanager. Und: Die haben keinerlei politische Vernetzung.

Diesen „Man, der bringt aber die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen mit“ gibt es hier (wie auch für den CEO eines großen Konzerns) nicht! Lauterbach kam dem noch am nächsten.

In solchen Aufgaben braucht man vor allem Menschen mit

  • Interesse und Neugierde,
  • schnelle, auch analytische Auffassungsgabe,
  • Menschenkenntnis und sehr gute Führungskompetenz,
  • Durchsetzungskraft und Konfliktfähigkeit.

Das kann dann durchaus ein Kinderbuchautor oder Philosoph sein, wenn er diese Kompetenzen hat.

Weitere Beispiele von völlig fachfremden, aber dennoch erfolgreichen Ministern, sind Ursula von der Leyen oder Boris Pistorius als VerteidigungsministerIn.

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Ich bin mir sehr sicher, dass die Führung eines Altenheims nicht vergleichbar mit der Führung des Gesundheitsministeriums ist.

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Zur Einschätzung der fachlichen Eignung von Linnemann haben andere hier schon ausreichend viel geschrieben

Deshalb mal auf eine andere Ebene. Durch den Rücktritt von Spahn hat Merz die Chance sein Kabinett etwas umzubauen und damit sein politisches Standing in der Bevölkerung als auch den Betrieb der Bundesregierung für anstehende Aufgaben zu stärken/neu auszurichten.
Und dann setzt er Carsten Linnemann ins Gesundheitsministerium??
Man konnte ja schon lange den Verdacht haben, dass Merz absolut keinen politischen Instinkt hat, aber huiuiui.
Und dieser, bisher eher durch Populismus/ Nach-Unten-treten aufgefallene Merz-Anhänger, soll einer ohnehin schon auf den Barrikaden befindlichen Bevölkerung jetzt immer noch weitere Einschnitte ihrer Gesundheitsversorgung schmackhaft machen. Das wird bestimmt prächtig funktionieren

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Das ist wohl richtig, aber mit dem Argument fallen praktisch alle Menschen aus, da bis auf einige ganz wenige noch niemand ein Gesundheitsministerium geleitet hat. Gerade das macht es ja so schwierig, da es eine Mischung aus VWL, BWL und Medizinkompetenz ist, möglichst vielleicht auch noch mit Ahnung im Pflegebereich.

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Die Leitung des Altenheims dürfte aber vom Arbeitsinhalt eher einige Hierarchiestufen unterhalb des Ministers im Gesundheitsministerium angesiedelt sein. Über der Leitung des Altenheims hat man dann ja noch Positionen beim Träger die noch immer im fachlichen Bereich angesiedelt sind und dann auch eine Geschäftsleitung beim Träger und selbst die ist noch näher an der Praxis als der Gesundheitsminister.

Minister koordinieren ja vorwiegend zwischen dem politischen Betrieb im Bundestag und dem Betrieb im Ministerium.

Ich denke also vor allem müssen Leute ran die Experten im Politikmachen sind, Führungsqualitäten haben und sich gut in Themen einarbeiten können für die sie kein Experte sind. Wenn eine solche Person dann auch noch Vorkenntnisse auf dem Fachgebiet hat ist es natürlich umso besser, aber die allgemeinen Fähigkeiten sind in meinen Augen wichtiger als Fachkenntnisse.

Immerhin werden in einem Ministerium so breite Dinge entschieden, von Dingen die am Ende am ehesten den Alltag vom Arzthelfern betreffen bis hin zu solchen die ausschließlich Krankenkassen oder Pharmaunternehmen betreffen, dass Erfahrung als z.B. Zahnarzt, Unfallchirurg, Leiter einer Krankenkasse, etc. am Ende immer nur Erfahrung aus einem kleinen Ausschnitt der Themen bedeutet.

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Ich kann mich erinnern, dass bei der Besetzung der Ampel Minister auch in der Lage davon gesprochen wurde, dass man keine tiefere Fachexpertise braucht um Minister zu sein.

Das macht Linnemann nicht zu einer guten Wahl, vorbeschäftigung mit dem Thema wäre sicher nicht schlecht.

Aber mal ehrlich: erwarten wir in dieser Legislaturperiode noch irgendwas aus dem Gesundheitsministerium? Vielleicht die völlig rückabwicklung der Canabis Legalisierung. Aber mehr wohl nicht…

Es geht nicht nur um Vorkenntnisse auf einem bestimmten Fachgebiet.

Es geht auch um Charakter.

Das Gesundheitssystem ist auch und insb. ein SOZIALsystem.

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Wer wäre aus dem aktuellen Kabinett bzw. Fundus der Koalition der/die bestmögliche Gesundheitsminister/in?

Wer drängt sich da fachlich und charakterlich auf?

Immer nur darauf rumhacken warum etwas doof ist kenne ich eher aus anderen Ecken :wink:

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Bundesminister:innen müssen ja nicht Bundestagsabgeordnete sein.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) stände sowohl im Stoff und wäre auch charakterlich weitaus besser geeignet, um nur ein Beispiel zu nennen.

Von Dezember 2013 bis Juni 2017 war Karl-Josef Laumann Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege im Amt eines Staatssekretärs im Bundesministerium für Gesundheit.

Karl-Josef Laumann ist seit dem 30. Juni 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen (zunächst im Kabinett Laschet, anschließend in den Kabinetten Wüst I und II). Dieses Amt hatte er schon von 2005 bis 2010 im Kabinett Rüttgers inne.

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Letztendlich gibt es aber wenige Ministerien, die derart Lobbyeinfluss ausgesetzt sind, wie das Gesundheitsministerium. Wie gesagt: in meinen Augen ist Rösler daran gescheitert, dass er da genug Fachexpertise mitgebracht hat, um den Gruppen Contra geben zu können.

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Person Fachlicher Gesundheitsbezug
Hendrik Streeck Arzt, Virologe, Universitätsprofessor
Hans Theiss Kardiologe, Intensivmediziner, Professor
Stephan Pilsinger Hausarzt, Facharzt für Allgemeinmedizin
Emmi Zeulner Examinierte Krankenpflegerin
Simone Borchardt Über 30 Jahre Krankenkassen-, Pflege- und Gesundheitsmanagement
Carsten Linnemann Kein medizinischer oder pflegerischer Berufshintergrund

Es hätte also Alternativen gegeben.

Linnemann ist also als Politker zu bewerten und auf Basis seiner „Soft Skills“.

Er gilt als Durchsetzungsstark, oder negativ ausgedrückt als unwillig Kompromisse einzugehen.
Er gilt als Reformer, oder eher als Sozialstaatskürzer.
Er gilt als Stark in der CDU verknüpft und als treuer Anänger von Merz. Oder als jemand, der nur die CDU Linie durchsetzen will und die Meinung anderer Parteien wegregieren will.

Die Frage ist doch … Ist irgendjemand wirklich noch überrascht?

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Ich finde Corona hat recht eindrücklich gezeigt, dass medizinische Expertise isoliert recht schnell außerhalb des eigenen Fachbereichs eher wenig Nutzen hat.

Wie gesagt wenn ich zwei Kandidaten zur Auswahl habe die alle Fähigkeiten zur Leitung eines Ministeriums mitbringen und einer davon hat dann auch noch medizinische Expertise, dann würde das für mich den Ausschlag hin zu dem einen geben.

Hier wäre z.B. die Frage was für Fähigkeiten zur Leitung eines Ministeriums der mitbringt. Ist ja zudem noch neu im politischen Betrieb.

Einige Unternehmer sind ja z.B. auch schnell in der Politik gescheitert, weil alles Fachwissen und Praxiserfahrung am Ende einfach wenig nutzt wenn dann ein Ministerium oder eine Kommune nunmal anders funktioniert als ein Unternehmen. Und auf Bundesebene geht es ja dann auch noch darum Mehheiten für Gesetze zu schaffen.

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Nein.
Aber die Alternative ist Resignation.
Da wollen wir hier im Fourm mit gesteigertem politischen Interesse aber vermutlich nicht hin.

Und Hendrik Streek bringt den gleichen Skandal mit sich, wie Jens Spahn, nämlich eine Leihmutterschaft.

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Ich empfinde Diskussionen über die konkrete Ausgestaltung der gesamten personellen Umbildung in den Reihen der CDU in diesem frühen Stadium als etwas furchtlos. Linnemann wird genauso wie der Rest auf neuen Posten die Gelegenheit haben zu beweisen, dass es immer noch schlimmer geht.

Was ich daran aber spannend finde ist die Tatsache, dass diese Umbildung überhaupt in diesem Maße stattfindet. Irgendetwas muss sich Friedrich Merz ja dabei denken. Und im Sommerinterview hat er ja deutlich gemacht, dass er nicht glaubt, dass seine (von ihm natürlich in trump’scher Manier bestrittene) Unbeliebtheit an ihm oder gar seiner (alternativlosen) Politik liegt.

Er muss diese Rochade also wohl als Möglichkeit begreifen, die Umfragewerte der CDU vor den kommenden Wahlen zu verändern. Und zeigt damit aus meiner Sicht so deutlich wie selten, wie krass entfernt er von der Lebensrealität der Menschen in diesem Lande ist. Als ob sich auch nur ein Mensch davon abhalten lässt die AfD oder die Linken zu wählen, nachdem die CDU-geführte Regierung ihren Großangriff auf den Lebensstandard von Kindern, Eltern, Armen, Alten, Kranken, Behinderten und auch sonst allen, die nicht zum oberen 1% gehören, durchgeführt hat. Wenn Merz nicht in der Realität, sondern nur in einer Simulation zu Werke wäre, müsste man von außen betrachtet in schallendes Gelächter ob soviel kompletter Abgehobenheit ausbrechen. Faszinierend.

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„Charakter“ ist kein objektives Eignungskriterium, sondern deine politische Bewertung. Kritik sollte sich daher an konkreten politischen Zielen und Entscheidungen festmachen, nicht an pauschalen Urteilen über die Persönlichkeit.

Was für einen „Charakter“ hat er denn und wie hast du diesen festgestellt?

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Aber wenn wir zu dem Schluss kommen, dass fachliche Expertise irrelevant ist und letztlich der Minister nur das nach außen präsentieren soll, was das Haus mit seiner Expertise für ihn erarbeitet hat: welchen Einfluss haben Wahlen dann noch auf Politik? Die Expertise ändert sich nach der Wahl ja nicht. Die Ergebnisse, die dass Haus liefert, sind die gleichen, nur der Repräsentant ändert sich.

Es geht doch nicht um Repräsentieren sondern um Leiten. Die Ingenieure bei Volkswagen werden auch je nach Vorgaben aus der Führungsebene andere Autos Entwickeln obwohl das Team gleich bleibt. Die Mannschaft der Bundesligisten wird auch einen anderen Fußball spielen wenn der Trainer wechselt.

Der Minister Entwickelt ja nicht eigenständig ein Gesetz und setzt das dann um, sondern es gibt aus den Wahlprogrammen Dinge die die Politik umgesetzt haben will und es gibt Sachzwänge aus dem Ministerium. Am Ende muss der Minister genau das unter einen Hut bringen und bei den von der Politik angestoßenen Veränderungen dafür sorgen, dass diese dann auch im Ministerium umgesetzt werden.

Dafür ist es völlig unerheblich ob der Minister Ahnung von z.B. Zahnmedizin hat oder nicht.

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Linnemann forderte ein Register für psychisch Kranke.
Ach du meine Güte. Es wird immer schlimmer.

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