Da ich den Thementhread hier nicht gänzlich löschen konnte, habe ich ihn zu Dokumentationszwecken wiederhergestellt, verweise jedoch darauf, dass die Diskussion im parallel, aber etwas früher erstellten Thread hier stattfindet:
Richtiger Ansatz gegen die AfD
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Ursprünglicher Thread:
Ein Gastbeitrag des Soziologen Martin Schröder legt es noch mal dar:
Die AfD ist nun laut aktuellen Meinungsumfragen die stärkste Partei Deutschlands. Wie konnte eine Kraft derart populär werden, ohne auf reale Probleme wie wirtschaftliche Stagnation oder überbordende Bürokratie überzeugende Antworten zu haben? Viele linke Politiker und auch Wissenschaftler beantworten diese Frage mit der Geschichte von den Modernisierungsverlierern.
So meinte die SPD auf ihrem Parteitag 2025, »von sozialer Verunsicherung betroffene Gruppen« hätten sich von ihr abgewandt. Aufgrund dieser Diagnose möchte ihr Fraktionsvorsitzender Matthias Miersch »AfD‑Sympathisierende mit guter, alltagsnaher Politik« zurückgewinnen, beispielsweise durch eine »Verlängerung der Mietpreisbremse«. Die damalige Sprecherin der Grünen Jugend, Katharina Stolla, erklärte die Verluste ihrer Partei nach der letzten Europawahl ähnlich, mit dem Argument: »Der soziale Ausgleich ist viel zu oft hinten runtergefallen.« Und Heidi Reichinnek, die Linken-Fraktionsvorsitzende, stimmte unlängst ein, gegen die AfD helfe »eine gute Sozialpolitik«. Die Argumentation ist immer die gleiche: Die Wähler der AfD kann man zurückgewinnen, wenn man nur etwas fürsorglicher mit ihnen umgeht, sodass sie sich endlich wieder fair behandelt fühlen.
Allerdings zeigt unsere aktuelle Analyse von über 100.000 Beobachtungen aus dem Sozio-oekonomischen Panel: Diese Vermutung ist grundfalsch. Unter den vielen Gründen für AfD-Unterstützung, die sich mit den detaillierten Befragungsdaten erfassen lassen, sticht nämlich einer hervor: Die Ablehnung von Zuwanderung erklärt die Wahl der AfD fast zehnmal stärker als ökonomische Not oder auch nur die Angst davor. Wer also wegen der Zuwanderung nach Deutschland besorgt ist, hat eine etwa zehnfach erhöhte Chance, die AfD gut zu finden, unabhängig davon, wie zufrieden, reich, gebildet oder zuversichtlich diese Person ist. Beobachtet man dieselbe Person über einen längeren Zeitraum, zeigt sich ebenso: Wachsen die Sorgen einer Person wegen der Zuwanderung, nimmt auch deren Sympathie für die AfD stark zu. Wird dieselbe Person hingegen ärmer oder befürchtet solch einen Abstieg zunehmend, ändert sich kaum etwas an ihrer Sympathie für die AfD.
Diese Daten aus der größten Befragung der deutschen Bevölkerung zeigen somit, dass ökonomische Nöte oder Zukunftsängste – anders als viele Politiker und Kommentatoren in den Medien vermuten – allenfalls ein schwacher Grund für den Erfolg der AfD sind. Da wir die Daten für jedes Jahr getrennt auswerten können, wissen wir auch, dass in jedem Jahr seit Bestehen der AfD Sorge vor Zuwanderung die Zustimmung zur AfD stärker voraussagt als wirtschaftliche Not oder Sorge vor wirtschaftlichem Abstieg.
Warum hält sich die Erzählung von den abgehängten Modernisierungsverlierern dann trotzdem so beharrlich – nicht nur bei Politikern, sondern auch unter Wissenschaftlern und Journalisten? Eine Erklärung liefert die Moral-Foundations-Theorie.
Die moralischen Urteile Linker speisen sich vor allem aus Fürsorge- und Fairnessgefühlen.
Rechte haben diese Empfindungen zwar auch, doch Meta-Analysen über Länder und Kulturen hinweg haben gezeigt, dass sich ihre Moral neben Fürsorge- und Fairnessgefühlen zusätzlich stark aus drei weiteren Empfindungen speist: Loyalitäts- und Autoritätsgefühlen sowie solchen zu »Sanctity«, was sich als Reinheit oder Heiligkeit übersetzen ließe. […] Empfindungen von Loyalität, Autorität und Reinheit bestimmen das Fühlen und damit schlussendlich das Denken Rechter, was zu einer anderen Bewertung der Welt führt.
Menschen wählen die AfD eben nicht vor allem aus wirtschaftlicher Not oder Abstiegsangst, sondern weil sie Zuwanderung als Bedrohung ihrer Gruppe, ihrer sozialen Ordnung und einer Kultur begreifen, die ihnen heilig ist.
Da die Benachteiligungsunterstellung ja hier sinngemäß immer wieder eingebracht wird, finde ich es wichtig, diese Fehleinschätzung endlich zu verabschieden.
Vielleicht kann man diesen Thread mit dem kurz zuvor entstandenen zusamenführen.