Gleich vorweg: Bluesky ist keineswegs die perfekte Lösung, um von den USA unabhängig zu werden – es ist ein US-Unternehmen und unterliegt US-Recht. Allerdings finde ich, gehört zu jeder Diskussion um mögliche Twitter-Nachfolger auch Bluesky dazu, das in viel kürzerer Zeit, als Mastodon existiert, viel mehr Nutzer und Fans für sich gewinnen konnte.
Gestartet als Projekt von damals noch Twitter-CEO Jack Dorsey, um ein dezentrales Social-Media-Protokoll zu entwerfen (also ganz ähnlich zu Mastodon), handelt es sich dennoch aktuell noch um ein zumeist zentrales Projekt. Der große Unterschied: Es ist frei von den algorithmischen Steuermechanismen von X oder Instagram. Die Nutzer können sich entweder wie in Mastodon die Timeline zeitlich sortiert anzeigen lassen, oder andere von der Community bereitgestellte „Algorithmen” wählen.
Gerade weil es aber zentraler verwaltet wird, hat es die Nachteile der vielen unterschiedlich funktionierenden Clients nicht, die meines Erachtens das Hauptproblem von Mastodon sind. Und die offizielle App ist wirklich von der UX sehr schlecht, man kann nicht mal wirklich den Unterschied erkennen zwischen einem öffentlichen Post und einem privaten Chat (das wird überall anders mit eigenem Tab getrennt und visuell anders dargestellt, nur bei Mastodon benutzt man dieselbe UI).
Auch das dezentrale Element selber steht dem Wachstum im Weg, wie ihr schon selbst angemerkt habt. Dafür hat Bluesky mit “Starter Packs” eine hervorragende Lösung gefunden: Sammlungen von Accounts zu einem bestimmten Thema, die jeder erstellen und teilen kann. Ich habe etwa nach einigen Jahren Cross-Posting auf Mastodon für meine Entwickler-Community nur 650 Follower auf Mastodon bekommen (auf Twitter waren es 3.000) – als ich aber auf Bluesky umgestiegen bin, waren es binnen Wochen so viele wie auf Mastodon und ich bin jetzt schon deutlich über tausend. Alles dank der Starter Packs.
Bluesky sieht sich als Gegenentwurf zu X und setzt das “gute alte Twitter” um, nur eben mit einem modernen und teils dezentralen Touch (auch da kann man eigene Server anlegen, auch wenn das noch nicht so gängig ist).
Der Account-Handle ist dort übrigens auch brillant gelöst. Neben derselben Methode wie Mastodon kann man auch seine eigene Domain als Handle verwenden. Für die Lage wäre der Handle also @lagedernation.org – sehr einfach und eingängig zu erwähnen.
Und tatsächlich hat die Lage ja schon einen Account dort mit 16.000 Followern (mehr als auf Mastodon), deshalb verstehe ich erst recht nicht, warum Bluesky nicht erwähnt wurde.
Klar, rechtlich gesehen ist Bluesky genauso ein US-Unternehmen wie Meta oder X. Aber der entscheidende Unterschied liegt woanders: Musk und Zuckerberg sind für mich beide klar auf der bösen Seite (Musk ist rechts, Zuckerberg rücksichtslos & profitgierig) – Bluesky geht da aktuell einen ganz anderen Weg. Keine rechte Unterwanderung, keine Manipulation durch Algorithmen, die du nicht kontrollieren kannst. Und für Nutzer ist es eindeutig die zumutbarere Plattform dank deutlich besserer Nutzererfahrung.