LdN459: Bluesky fehlt in der Mastodon-Diskussion

Gleich vorweg: Bluesky ist keineswegs die perfekte Lösung, um von den USA unabhängig zu werden – es ist ein US-Unternehmen und unterliegt US-Recht. Allerdings finde ich, gehört zu jeder Diskussion um mögliche Twitter-Nachfolger auch Bluesky dazu, das in viel kürzerer Zeit, als Mastodon existiert, viel mehr Nutzer und Fans für sich gewinnen konnte.

Gestartet als Projekt von damals noch Twitter-CEO Jack Dorsey, um ein dezentrales Social-Media-Protokoll zu entwerfen (also ganz ähnlich zu Mastodon), handelt es sich dennoch aktuell noch um ein zumeist zentrales Projekt. Der große Unterschied: Es ist frei von den algorithmischen Steuermechanismen von X oder Instagram. Die Nutzer können sich entweder wie in Mastodon die Timeline zeitlich sortiert anzeigen lassen, oder andere von der Community bereitgestellte „Algorithmen” wählen.

Gerade weil es aber zentraler verwaltet wird, hat es die Nachteile der vielen unterschiedlich funktionierenden Clients nicht, die meines Erachtens das Hauptproblem von Mastodon sind. Und die offizielle App ist wirklich von der UX sehr schlecht, man kann nicht mal wirklich den Unterschied erkennen zwischen einem öffentlichen Post und einem privaten Chat (das wird überall anders mit eigenem Tab getrennt und visuell anders dargestellt, nur bei Mastodon benutzt man dieselbe UI).

Auch das dezentrale Element selber steht dem Wachstum im Weg, wie ihr schon selbst angemerkt habt. Dafür hat Bluesky mit “Starter Packs” eine hervorragende Lösung gefunden: Sammlungen von Accounts zu einem bestimmten Thema, die jeder erstellen und teilen kann. Ich habe etwa nach einigen Jahren Cross-Posting auf Mastodon für meine Entwickler-Community nur 650 Follower auf Mastodon bekommen (auf Twitter waren es 3.000) – als ich aber auf Bluesky umgestiegen bin, waren es binnen Wochen so viele wie auf Mastodon und ich bin jetzt schon deutlich über tausend. Alles dank der Starter Packs.

Bluesky sieht sich als Gegenentwurf zu X und setzt das “gute alte Twitter” um, nur eben mit einem modernen und teils dezentralen Touch (auch da kann man eigene Server anlegen, auch wenn das noch nicht so gängig ist).

Der Account-Handle ist dort übrigens auch brillant gelöst. Neben derselben Methode wie Mastodon kann man auch seine eigene Domain als Handle verwenden. Für die Lage wäre der Handle also @lagedernation.org – sehr einfach und eingängig zu erwähnen.

Und tatsächlich hat die Lage ja schon einen Account dort mit 16.000 Followern (mehr als auf Mastodon), deshalb verstehe ich erst recht nicht, warum Bluesky nicht erwähnt wurde.

Klar, rechtlich gesehen ist Bluesky genauso ein US-Unternehmen wie Meta oder X. Aber der entscheidende Unterschied liegt woanders: Musk und Zuckerberg sind für mich beide klar auf der bösen Seite (Musk ist rechts, Zuckerberg rücksichtslos & profitgierig) – Bluesky geht da aktuell einen ganz anderen Weg. Keine rechte Unterwanderung, keine Manipulation durch Algorithmen, die du nicht kontrollieren kannst. Und für Nutzer ist es eindeutig die zumutbarere Plattform dank deutlich besserer Nutzererfahrung.

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Das Dezentrale ist meines Erachtens die große Stärke von mastodon. Ein Account auf social.bund.de oder auf social.karlsruhe.de wäre sofort automatisch klar dem Bund bzw. der Stadt Karlsruhe zuzuordnen und das über DNS abgesichert. Keine blauen Haken oder sonstiger Kram. Jeder Betreiber eines Servers ist nur für dessen Inhalte verantwortlich, statt dies der Willkür einer amerikanischenW Firma zu überlassen. Der offizielle Mastodon-Web-Client zeigt sehr deutlich, dass eine Nachricht privat ist (Überschrift “Private Erwähnung” und andere Hintergrundfarbe).

Bei Dingen, die „Datensicherheit“ betreffen, gucke ich immer, was Edward Snowden empfiehlt. Schaut bitte mal bei YouTube nach „Edward Snowden and Jack Dorsey on Nostr“, das Gespräch ist wirklich informativ.

Das ist eben überhaupt nicht deutlich. Diesen Text muss man erst mal entdecken, und die Bedeutung der Farbe lernen. Und selbst was eine “private Erwähnung” ist, ist eben überhaupt nicht intuitiv.

Warum verwenden sie nicht das, was jede Person auf der Welt klar versteht: a) einen anderen Reiter der etwa “Privater Chat” heißt und b) eine Chat-Ansicht anstatt die Standard-Post-Ansicht mit Stern etc.?

Und das ist nur ein Beispiel, es gibt etliche andere UX-Probleme, die das Produkt leider unnötig schwer zu verwenden machen. Dabei ist das überhaupt kein Problem des Protokolls, sondern der Client-Apps. Der “IceBox” Client auf iOS löst beispielsweise das Problem und stellt private Nachrichten in eigenem Reiter als Chat dar, vorbildlich. Nur ist das eben nur ein Client und der hat wiederum an anderer Stelle Probleme…

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Wie funktioniert das denn genau? Wer hindert mich die Domain Social.muenchen.com zu registrieren und darauf meinen eigenen Mastodonserver zu betreiben?

Die Tatsache, dass du die Domain muenchen.com nicht besitzt. social.muenchen.com ist lediglich eine subdomain davon: https://de.wikipedia.org/wiki/Domain\_(Internet)#Subdomain

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Nunja, Karlsruhe.de und Bund.de sind eben die offiziellen und niemand kann einfach so sub-Domains darunter reservieren. Klar, Karlsruhe.fr oder karlsruhe.org etc. kann jeder registrieren. Fast alle Städte haben aber inzwischen eine offizielle, jedem bekannten Website.

Toller Gedanke. Ich habe, nachdem ich die Sendung gehört habe, meinen Mastodon Account reaktiviert. Aber fällt mir recht schwer dort gute Inhalte zu finden. Da ich noch sehr wenigen „folge“, bekomme ich hauptsächlich Reposts von den „lauten“ Leuten, denen ich folge. Das ist irgendwie unbefriedigend. Bluesky hatte ich auch schon mal ausprobiert. Das werde ich jetzt auch nochmal tun. Danke.

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Da würde ich gern ein Fragezeichen dran machen. Klar, eine Webseite haben sie, aber ist jedem bekannt, welche Seite korrekt ist?

Am Beispiel, berlin.de gehört der Stadt Berlin. berlin.com gehört aktuell niemandem, bietet sich als Basis für kriminelle Aktivitäten aber geradezu an. Und die kommunalen Unternehmen nutzen teilweise das gänzlich unbekannte Domain-Schema: [CompanyName].berlin, also ohne .de.

Also so richtig eingängig fühlt sich das für mich nicht an.

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Ja, mir wäre sowas wie bund.gov.de, BaWue.gov.de und karlsruhe.stadt.de auch lieber. Trotzdem: zumindest Karlsruhe.de steht allüberall auf Plakaten und Anschreiben der Stadt, am Rathaus etc. Das ist aus meiner Sicht besser als karlsruhe@x.de, das kann/konnte sich jede besorgen.

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So richtig schlüssig ist deine Kritik nicht, denn wenn der Handle die Domain ist, ist das auf jeden Fall besser als wenn der Handle Freitext ist (und damit auch eine Domain sein kann, die man nicht besitzt).

Berlin.com gehört jemanden. (Sonst hätte ich es jetzt gekauft!) Wenn das ein Fediverse Account ist, ist ziemlich einfach herauszufinden, dass das nicht offiziell ist.

Deine Kritik ist im Endeffekt, dass sich jemand berlin.ac kaufen könnte und dann als @berlin.acberlin.ac Falschinformationen verbreitet, die legitim aussehen. Während im derzeitigen System jeder @BerlinOfficial erstellen kann (oder eine beliebige Abwandlung), das echte Impressum ins Profil packen kann und dann Falschinformation verbreitet?

Die Diskussion um handles ist absurd. Einfach eine offizielle Verfizierung einführen und fertig. Oder geht das bei Mastodon/Fediverse nicht?

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Viel offizieller (und dezentraler) als “Account des Domainowners bund.gov.de” geht es doch wohl kaum.

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Es ist social.bund.de, nicht bund.gov.de.


Im Endeffekt gibt es auf Mastodon keinen blauen Haken, weil es keine zentrale Autorität gibt, die so eine Verifikation instanzübergreifend durchführen könnte @Mitte. Das ist ja das Prinzip von Mastodon.

Die Authentizität eines Accounts basiert daher auf einer Mischung zweier Ebenen:

  • die Instanz läuft über eine Domain, die man kennt und der man vertraut (zB ist der Account Zoll auf social.bund.de bestimmt der offizielle Account des Zolls, weil das eine offizielle Instanz ist)
  • Angaben im Profil lassen eine Verifikation zu (zB @fragdenstaat@chaos.social verlinkt im Profil auf fragdenstaat.de, die wiederum auf den Mastodon-Account verlinken)

Es hindert aber zum Beispiel niemanden etwas daran, auf irgendeiner anderen Instanz einen fragdenstaat account zu erstellen und dort die Website zu verlinken um einen seriösen Anschein zu erwecken, oder zB fragdenstaat.social als Instanz zu erstellen und so zu tun als hätte fragdenstaat eine eigene Instanz.

Das Problem mit Fake Accounts gibt es aber natürlich auch in anderen sozialen Netzwerken, trotz blauer Haken.

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Dein Einwand ist berechtigt. Nicht die Handles sind das Problem, sondern die leichte missbräuchliche Erstellung.

Aus meiner Sicht braucht es daher eine offizielle Verifizierungsstelle. Und einen Mindset-Wandel, bei dem Internetuser endlich kapieren, dass man keinem Content im Netz ohne Verifizierung vertrauen sollte.

Nur leider kann ich mir eine Verifizierung in einer dezentralen Architektur weniger vorstellen als auf einer zentralen Plattform.

Und was ist wenn jemand einen Server erstellt einzig um zu trollen? Schau mal in die Kommentare bei russlandkritischen Beiträgen unter @tagesschau@ard.social.
Da ich niemanden bloßstellen möchte nenne ich keine Namen aber eine Person fällt mir da unangenehm auf, diese würde ich gerne melden würde ihn aber bei sich selbst melden da er einen eigenen Server betreibt.

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Betreiber des Servers mit dem Troll anschreiben oder den Betreiber des Servers, bei dem du dein Konto hast, bitten, den Troll-Server zu blockieren. Bei Straftaten diese anzeigen.

ard.social kann da nichts machen, du beziehst nur deren Nachrichten von diesem.

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Könnte ard.social nicht auch den „Troll-Server“ blockieren und so verhindern, dass dieser die Tagesschau zuspammt?

Wenn ard.social den blockiert, kann der Troll im unangemeldeten Zustand die URL kopieren und damit „zitieren“, sonst vermutlich ja. Ob es gut ist, wenn die ÖRR-„Systempresse“ ihr unliebsame Meinungen blockiert, die nicht strafbar sind, sei dahin gestellt. Ich befürchte, das spielt nur allen Schwurblern in die Hände. Besser wäre, das mit Fakten zu widerlegen.