LdN455 Zahlen zum Rentenzuschuss

Der wichtigste Nachteil der Umlagerente: Die Reichen können daran nicht mit-verdienen. Das muss natürlich abgestellt werden… :wink:

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Das ist nur die halbe Wahrheit, wenn man es so Formuliert. Es wäre eine Subvention an Unternehmen und Arbeitnehmer. Höhere Löhne sind nicht zwangsläufig damit Verknüpft.

Unser System ist nach Punkten aufgebaut, die über das Arbeitsleben angesammelt werden. Der zeitliche Faktor ist nur indirekt eingebaut. Wenn ich 30 Jahre lang den maximalen Rentenbeitrag einzahle, benötige ich viel weniger Zeit als jemand der nur das Minimum einzahlt.

Man müsste die Rentenpunkte anders vergeben, was von Frau Dr. Grimm vorgeschlagen wurde, jedoch Verfassungsrechtlich wohl nicht so einfach umzusetzen ist.

Ich glaube, wir müssen asap, dass komplette Rentensystem vom Faktor Arbeit entkoppeln. Dieser wird auf mittelfristige Sicht dieses System nicht tragen können und die Erwerbsbiografien werden es auch noch komplexer machen. (Siehe KI Beiträge)

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Das ist richtig (wenn auch der Zeithorizont noch nicht so wahnsinnig groß ist, für den Aktienmarkt als Anlageform für langfristige verlässliche Themen wie eben Rente, also auch erst so 60-80 Jahre), aber nochmal: Ich kann mir nicht aussuchen wann ich mein angeleggtes Geld brauche für meine Rente. Wenn da gerade Crash ist, dann sieht’s halt ggfs schlecht aus. Dann ist ggfs auch nicht nur meine Rendite weg. Am Ende retten dann die Staaten wieder die Anleger (so geschehen 2008).

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Darum geht es ja bei den langen Anlagezeiträumen. Hättest du 1950 Geld angelegt hättest du auch 2008 noch eine guten schnitt gemacht. Wie @Tywin_Lannister bereits beschrieben hat, hatten weder die Weltkriege noch alle Crashs einen all zu großen Einfluss auf die Aktienmärkte wenn man den Zeitraum nur groß genug betrachtet

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Rendite entsteht ja nicht aus dem nichts. Dafür muss jemand auf der Welt arbeiten.

Und schön, dass ihr nicht darauf eingeht woher das Geld für die Rendite der Unternehmen kommt.

Wenn ihr schon glaubt, dass das Umlagesystem Mathematisch nicht aufgeht ja dann viel Spass mit Aktien.

Das geht für einzelne Länder aber nicht für die Welt.

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Das Geld, das du in der nach Abzug der Sozialabgaben und Einkommenssteuer netto in der Tasche hast, wird besteuert, wenn du es zum Supermarkt trägst (Mehrwertsteuer), es wird versteuert, wenn der Supermarkt damit seine Angestellten bezahlt (Einkommenssteuer, Grunderwerbssteuer, …), die Lieferanten des Supermarkts analog, und wenn die Angestellten dieser ganzen Unternehmen ihre Lebensmittel kaufen, beginnt das Spiel wieder von vorne.

Wir besteuern Menschen, kein Geld!
Die “Doppelbesteuerung” ist häufig irreführend. Das meinte @ThomasAnderson vermutlich.

Die Doppelbesteuerung der Rente, nämlich dass die Rentenbeiträge aus vertsteuertem Einkommen gezahlt wurden und dann die später gezahlten Renten wieder der Einkommenssteuer unterliegen, haben wir nach einer Übergangsphase nun abgeschafft. (Das hat die LdN mal in der Sonderfolge zu Renten erklärt.)

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Wenn dein Depot nicht so dick ist, dass du von den Erträgen leben kannst, sondern es schrittweise verzehren musst, in der Hoffnung, dass es bis zu dem (unbekannten) Zeitpunkt deines Todes reicht. Und wenn du dann bei Ende deines Arbeitslebens just dann ins „Rentenleben“ startest bei einem veritablen crash oder niedrigen Ständen. Und da deine Fixkosten, was du zum Leben brauchst, sich ja nicht beliebig senken lassen, dann dezimierst du schon ganz zu Anfang dein Depot, weil du monatlich diesen Festbetrag entnehmen musst.
Da hilft dann auch die durchschnittliche Rendite der Vergangenheit nicht.

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Ich vermute, es ging Dir um den Sarkasmus.

Aber der wichtigste Nachteil des Umlageverfahren ist tatsächlich, dass es praktisch nicht mehr ohne ständig steigenden, steuerfinanzierten Bundeszuschuss (d.h. eigentlich gar nicht) finanzierbar ist, wenn langfristig mehr Menschen in Rente gehen als Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.

Und genau dies ist seit Jahren und absehbar für die nächsten Jahrzehnte der Fall (v.a., wenn wir uns weiterhin mit Händen und Füßen gegen Migration wehren). Diesen Zusammenhang habe ich schon in der Schule gelernt - das war vor 45 Jahren! Die Politik hat diesbezüglich 45 Jahre lang die Hände in den Schoß gelegt!!!

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Ich verstehe nicht, warum das immer wieder als Argument auftaucht: Ein vernünftiges System einer aktenbasierten Alterssicherung wird immer vorsehen, dass man spätestens (je nach Risikoneigung) x Jahre vor Renteneintritt einen Puffer für seinen Liquiditätsbedarf über x Jahre in z.B. sichere Staatsanleihen umshiftet und diesen Puffer, abhängig von der aktuellen Performance des Aktienmarktes, immer wieder aufstockt. Damit muss man nicht, wenn der Aktienmarkt mal unterperformt, Aktien mit Verlust auflösen.

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Ich bin etwas überrascht wie einseitig im Podcast die Diskussion über die Fortsetzung der Haltelinie über das Jahr 2031 berichtet wurde. Die zusätzlichen Kosten (ca. 120 Milliarden) sollte doch zumindest einmal im Verhältnis gesehen werden. Denn die Kosten fallen über 10 Jahre an und wenn man die Erweiterung der Mütterrente (die ich für falsch halte) fallen lassen würde, dann sprechen wir über ein betrag von vielleicht noch 6 Milliarden. Wenn man bedenkt welche zusätzlichen Schulden (Infrastruktur und Rüstung) aufgenommen werden, dann sollte so eine vergleichsweise geringe Summe doch am Ende nicht die Koalition gefährden, oder?

Ja es stimmt schon, dass eine Rentenversicherung sich im Prinzip selbst tragen sollte und dass dies derzeit nicht der Fall ist (Stichwort Rentenzuschuss aus Steuermitteln). Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass aus dem Top der Renteneinahmen versicherungsfremde Leistungen bezahlt werden (Mütterrente, Witwenrente). Wenn man die Zahlungen, sofern man die Zahlungen noch möchte, über die Steuer abrechnet, dann würde es zwar kein Geld einsparen aber die Diskussion auf eine fairere Grundlage stellen.

Unterm Strich muss man doch noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass die Renten kein Almosen sind, sondern durch Beitragszahlungen erworben wurden. Wer 45 Jahre gearbeitet hat bekommt in der Regel ohnehin eine negative Rendite. Ich hätte jedenfalls lieber meine Beiträge in ein ETF eingezahlt aber als Angestellter hat man diese Wahl ja leider nicht und sollte dann aber auch nicht im Nachgang bestrafft werden.

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Was mir in dieser Diskussion und auch in der Betrachtung in der aktuellen Lagefolge zum Thema fehlt, ist eine Einordnung des Bundeszuschusses. Eigentlich war der Bundeszuschuss zur Finanzierung versicherungsfremder - also nicht durch Beiträge gedeckte - Leistungen gedacht, welche vom Gesetzgeber der RV aufgebürdet wurden und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe klar aus Steuergeldern zu finanzieren sind.

„Die Rentenversicherung selbst arbeitet mit zwei verschiedenen Maßstäben. Nach der engeren Berechnungsweise beliefen sich die „nicht beitragsgedeckten Leistungen“ 2023 auf rund 68 Milliarden Euro. Nach der weiter gefassten Definition waren es über 124 Milliarden. Geld, dass die Rentenversicherung per Gesetz ausgeben muss, obwohl dafür nie Rentenbeiträge gezahlt wurden. Den Ausgaben gegenüber standen Bundeszuschüsse von rund 84 Milliarden Euro. Im ungünstigsten Fall lagen die Zuschüsse also um 40 Milliarden niedriger als die tatsächlichen Ausgaben.“

Quelle: Warum die Rentenkasse eigentlich viel voller ist

Von daher ist es eine unsaubere Diskussion, immer von einem Rentenzuschuss zu sprechen, so als würde dieser verteilt, weil einfach dass Geld der Beitragszahler nicht reicht. Leider gibt es keine einheitliche Berechnung, wieviel Geld der RV aus dem Bundeshaushalt zusteht, und wieviel Geld tatsächlich ein Zuschuss sind. Dies kritisiert auch der Bundesrechnungshof seit Jahren.

„Das BMAS sollte regelmäßig veröffentlichen, was zu den versicherungsfremden Leistungen

gehört und wie hoch sie sind. Derzeit können weder Parlament noch Öffentlichkeit einschätzen,

ob die dafür aufgewendeten Bundeszuschüsse angemessen sind.“

Quelle: https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2023/hauptband-2023/09-volltext.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Das es eine solche Berechnung nicht gibt zeigt für mich, dass sie politisch nicht gewollt ist, denn sonst würde vielleicht auch die Junge Union erstmal über versicherungsfremde Leistungen (wie die Mütterrente) sprechen müssen, anstatt über die Senkung von beitragserworbenen Ansprüchen. Oder die SPD über politisch gewollte unterschiedliche Renteneintrittsalter.

Diese Bemerkung ist völlig unabhängig davon, dass ich die grundsätzlichen Überlegungen der JU teile, dass man langfristig mit Politik nicht Mathematik überlisten kann.

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Bildung oder Rente kein entweder oder? Am Ende geben wir durch die schwarze Null nur aus, was wir einnehmen.

In der Diskussion habe ich das Gefühl, alle deutschen arbeiten körperlich schwer.. dabei sind nur 13% der Beschäftigten im Handwerk, und auch da gibt es nicht nur schwere Arbeit. Kluge Chefs verlagern ältere Arbeiter eher in organisatorische Arbeiten, Büro, Steuerung, vor Ort Analysen etc. Hier in meiner Umgebung sagen einem Handwerker, dass es mindestens 3 Wochen dauert, bis man ein Angebot bekommt, es fehlen schlicht Mitarbeiter…

Ich finde es ja auch nicht schön.. aber einen harten Change wird es hier nicht geben, dazu fehlt der Mut. Und ein weiter so ruiniert uns, oder hat es schon.. die schlechte Bildung, fehlende Investitionen, abwandelnde Wirtschaft etc. Sind ja schon mitten im gange.

Wie letzt jemand in einem anderen Podcast sagte: unsere hohen lohnkosten sind egal, entscheidend ist der Output pro 1€. Und da wir an technologischem Vorsprung verloren haben, können wir unsere hohen Kosten nicht mehr kompensieren.

Am Ende sind wir wohl runiniert weil die Einsicht fehlt. Politisch ist es selbstmord, so drastische Reformen zu machen… siehe Schröder…

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  1. Deshalb werden in Schweden ja auch nur 2,5 des 18,5 % Rentenbeitragssatzes in den kapitalgedeckten Teil gesteckt, die restlichen 16% gehen - wie in Deutschland - in den umlagefinanzierten. Der eine sorgt für die Rendite, der andere für die Stabilität.
  2. Die Aktienquote des anlagefinanzierten Teils wird von 100 % bis zum Alter von 55 Jahren auf ca. 30% mit 75 Jahren gesenkt indem Aktien sukzessive gegen Staatsanleihen ausgetauscht werden.

Dieses beides, und das von den Vor-Postern angeführte Phänomen, dass zum Datum des Renteneintritts nicht adhoc 100 % des lebenslang eingezahlten Kapitals benötigt werden reduzieren das Risko soweit, dasss ein Crash am Aktienmarkt für die regelmässige Rentenauszahlung nicht sehr relevant ist.

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Außerdem sind ein Teil des Zuschusses (welcher weiß ich nicht) gerechtfertigt, das dieser versicherungsfremde Leistungen übernimmt. Würde mich freuen, wenn in einer Diskussion diese Summen nicht immer in einen Topf geworfen werden würden.

Weil ich das oben beschriebene so bei meinen US Kollegen erlebt habe.
Weil verm oft genug nicht umgeschichtet wird.
Und weil ich den Eindruck habe, dass es mit der früher üblichen Risikoverteilung auch nicht mehr weit her ist.
Viele Geschäfte sind global vernetzt, so dass Risikostreuung weniger möglich ist. Und die Langzeit-Niedrigzinsen über 10 bis 20 Jahre haben auch Anleihen etc. gedrückt.
Dass es immer grad irgendwas gibt, was sicher performt, ist nicht mehr so. Wenn, dann aus der Rückschau, das hilft nicht.

Erstens haben wir keine “schwarze Null” Politik aktuell, zweitens ist auch die Schuldenbremse nur etwas, was wir uns politisch so verordnet haben.

Stimmt, aber auch andere Berufsgruppen werden aussortiert ab einem gewissen Alter. Ich arbeite in der IT, bin eher einer der älteren Mitarbeiter, und merke an mir selbst schon ab und zu dass das Tempo, wie hier die nächste Technologie eingeführt und wieder abgewickelt wird mir allein vom Lernen her schwieriger fällt und länger dauert als noch vor 15 Jahren.

Oder nehmen wir Chirurgen. Oder Pflegekräfte, die auch oft harte köperliche Arbeit durchführen. Oder Lehrer, die auf der einen Seite den emotionalen Stress nicht mehr aushalten und/oder denen das Verständnis für die Schüler immer mehr fremd wird. Oder generell Menschen, die im Schichtdienst arbeiten. Wir reden von weit mehr als nur den Handwerkern.

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Das Umlageverfahren hat noch einen weiteren Vorteil, und zwar die Realitätsnähe:
Wenn man nämlich mal nicht nur auf Geld schaut, sondern auf die Arbeit (vor allem Pflege ) die Ältere damit bezahlen, dann leisten junge Menschen diese Arbeit.
Diesen Zusammenhang nicht auch in der Finanzierung zu berücksichtigen halte ich für einen Fehler, der fatale Folgen haben kann.

Das ist mir bewusst, weswegen ich auch den Unterschied zwischen der US Altersvorsorge und dem nordischen System angemerkt hatte. Und hier war meine Kritik ja auch eher in der Richtung: Wo kommt die Rendite her? Irgendjemand muss die ja erwirtschaften. Und da ist es eben in Norwegen meist doch Erdgas und in Schweden Immobilien u.a. in Deutschland, die die Renditen garantieren. Zumindest den “sicheren” Anteil. Der Rest fliesst dann auch wieder in KI Firmen, von denen keiner weiss wann oder ob sie Rendite abwerfen. Mutig, finde ich.

Und was ist die Konsequenz? Wir leben länger, verursachen im Alter höhere Kosten, können aber nicht länger arbeiten. Also aufs Leben gerechnet weniger Arbeitsleistung pro Lebensjahr. Dann müssen wir uns wohl zwangsläufig mit einem niedrigeren Wohlstandsniveau arrangieren müssen.