Das gilt leider für alle Steuern mit „Steuerungseffekt“, siehe z.B. die Diskussion über höhere Kraftstoffsteuern.
Leider ist zu hoher Zuckerkonsum aber auch gerade in den unteren Einkommensschichten stärker verbreitet (vermutlich wegen der Korrelation von Einkommen und Bildung) und gerade die unteren Einkommensschichten profitieren vermutlich besonders davon, etwas stärker durch eine Steuer „gesteuert“ zu werden. Klingt hart, aber es spricht leider einiges dafür.
Das Problem haben wir auch in angrenzenden Diskussionen, z.B. über Fast-Food-Steuern. Auch Fast Food ist statistisch bei Geringverdienern ein relevanterer Anteil der Ernährung als bei Gutverdienern, über eine Steuerwirkung von Steuern (dh. auch niedrige Steuern auf Grundnahrungsmittel) will man sie letztlich zum Kochen motivieren. Ob das gelingen kann ist die große Frage.
Wie gesagt, mir geht es da um Verhältnismäßigkeit. Diese kann man auch anders beurteilen als ich das tue.
In der Formulierung „es dann als absurd bezeichnest, für diese Vorlieben einzutreten“ finde ich mich nicht wieder, werde aber davon Abstand nehmen, meinen Beitrag zum X-ten Mal zu erläutern, wo ihn doch jeder beliebig oft lesen kann, wenn er das möchte.
Ich bin mir nicht sicher ob das so funktioniert. Jeder in Deutschland ist genug gebildet um zu wissen welchen Schaden Zucker anrichtet. Ich glaube nicht, dass eine Erhöhung der Preise viel Einfluss auf die hat, die sowieso einen problematischen Konsum haben. Gibt es vielleicht Studien zum Rauchverhalten in Bezug zu der Tabaksteuer? Ich denke es werden eher Neukunden abgeschreckt? Denn ehrlich gesagt halte ich die Aussage Bildung —> Essverhalten für nicht ausreichend. Einkommen —> Nahrungsmittelkonsumverhalten könnte eher hinkommen, aber was ich wirklich dahinter vermute ist lebenszufriedenheit bzw. Zukunftsperspektive —> Nahrungsmittelkonsumverhalten. Es liegt nahe die als identisch anzusehen, aber es liegt an unserem System, dass aus gewissen Jobs eine fehlende Zukunftsperspektive folgt. Wer mit dem Gefühl zur Arbeit und nach Hause geht eine sinnvolle Lebensaufgabe zu haben und (ganz wichtig) auch Anerkennung dafür erfährt, der wird auch den Wert seines Körpers und seines Geists höher einschätzen. Vielleicht kommt ja mal eine Zeit in der jeder Beruf mit Stolz getragen werden kann, dann können wir mal sehen ob ich richtig liege.
Du benennst korrekt Alternativen um Wasser geschmacklich interessanter zu machen. Und die will ich absolut nicht in Abrede stellen und sind bestimmt auch lecker - sie sind nur für mich in meinem Alltag keine realistischen Alternativen. Und bei mir geht es um zusätzlich zu Wasser und Tee und nicht stattdessen.
Neben dem üblichen Wasser und Tee wünsche ich mir eine Vielfalt kalorienarmer Süßgetränke, die spontan (ohne relevante Vorbereitung) getrunken werden können. Bei mir geht es um 1 Glas alle paar Tage.
Säfte und Früchte sind nicht kalorienarm, die leckere Süße von Limonaden lässt sich kaum ohne Zucker oder Süßstoff herstellen und Geschmacksrichtungen wie Cola habe ich bisher nicht in lecker und selbstgemacht kennengelernt (nehme gerne gute Rezepte an!).
Selbst wenn ich Dinge frisch zubereiten möchte, muss ich mich entweder für wenige Geschmacksrichtungen entscheiden, für die ich Zutaten erwerbe oder muss vieles verschiedenes einkaufen, von dem dann wieder einiges schlecht werden wird.
Unter dem Strich sind als für mich persönlich Limonaden mit Süßstoff eine gute Ergänzung, eine die praktisch ist.
Und es gibt viele weitere Nutzungsszenarien wie @Daniel_K beschreibt.
Am Ende ist es aber natürlich weiterhin richtig, dass man seine Kinder und sich selbst zu einem möglichst hohen Anteil an Wasser am Getränkekonsum anhalten sollte.
Deshalb wäre eine Zuckerbesteuerung auf Getränke etwas, das ich absolut unterstützen würde!
Dann ist die liberale Wahlfreiheit mit ökonomischen Anreizen also nur Feigenblatt und das eigentliche Ziel ist es, den Menschen stalinistisch-paternalistisch Vorzuschreiben was sie mangels Alternativen konsumieren können?
Eventuell denken manche so, aber bisher habe ich den Eindruck, dass hier in Thread kein Verbot angestrebt wird, sondern durch den steuerlichen Anreiz (Aufschlag) die Hersteller motiviert werden sollen einen relevanten Teil der Süßgetränke umstellen auf wenig oder keinen Zucker.
Gleichzeitig gehe ich aber davon aus, dass es weiterhin Getränke mit Zucker geben wird - entweder als kleine oder große Nische. Das würde sich dann über die Nachfrage entscheiden. Wenn man z.B auf eine Flasche Cola 50 Cent Zuckersteuer aufschlägt, würde das Produkt sicherlich weniger gekauft aber dennoch Käufer finden, die den Geschmack bevorzugen, Süßstoff nicht gut vertragen o.ä.
Es wäre einfach schon besser, wenn der Käufer der ohne große Gedanken Süßgetraenke kauft, einfach beim günstigeren Produkt mit weniger Zucker landet.
Geht’s noch übertriebener? Wie wär’s mit „übergriffig-totalitär“ oder „literally 1984“?
Ich verstehe dein Problem nicht. Die „liberale Wahlfreiheit“ auf Seiten der Nachfrage wird selbstverständlich wiederum Auswirkungen auf die Angebots-Seite haben. Wenn Zucker teurer wird, ist es nur logisch, dass das Produkt seltener gekauft wird und Produzenten versuchen, diese höheren Preise durch Süßstoffe zu unterbieten. Willst du die Unternehmen zwingen, weiterhin teurere Produkte anzubieten?
Auch im UK existieren weiterhin Softdrinks mit Zucker. Nur weil es nun weniger sind, heißt das nicht, dass sie völlig verschwinden.
Außerdem ist bereits jetzt so, dass die meisten Softdrinks gar nicht erst betroffen sind:
Under these structures, 89% of soft drinks sold in the UK do not pay SDIL, as they contain less than 5g sugar per 100ml.
Es wäre also sinnvoll, konkret zu argumentieren, was hier das wirkliche Problem sein soll. Ich halte die Argumentation der Gesetzgeber für ziemlich überzeugend:
Since its announcement in 2016, the SDIL has successfully led to extensive product reformulation, with a 46% average reduction in sugar in soft drinks in scope of the levy between 2015 and 2020.
With UK rates of obesity almost doubling over the last three decades, and average sugar consumption twice the recommended amount, the Government has made clear at Autumn Budget 2024 its intention that SDIL should remain effective and fit-for-purpose.
The SDIL’s primary aim was to incentivise soft drink reformulation to lower-sugar recipes. This was reflected in its design in that:
[…]
it was restricted to soft drinks, where zero-calorie sweeteners make like-for-like reformulation relatively simple (and healthier, despite some initial wariness).
Despite these criticisms the SDIL is widely regarded as a success. The total sugar sold in soft drinks by retailers and manufacturers decreased by 35.4% between 2015 and 2019, from 135,500 tonnes to 87,600 tonnes. Over the same period, the sales-weighted average sugar content of soft drinks declined by 43.7%, from 5.7g/100ml to 2.2g/100ml.[15] Recent research has found that this fed through into a lower overall daily sugar intake for both children and adults.
[…]
Sales of no-levy drinks increased by 54.2%, while sales of low- and high-levy drinks fell by 79.1% and 54.8% respectively.[21] The industry’s long-term profitability was not harmed by the SDIL.
Zugegeben, dass sagt erst mal nur, dass Softdrinks weniger Zucker enthalten. Es sagt nicht, ob dort auch weitere Süßstoffe beigemischt sind. Das war ja der Kritikpunkt, dass es nun ein Mischgetränk ist. Allerdings ist die Kernaussage weiterhin gültig, wenn man einfach mal bei Coca Cola nachschaut. Auf der GB Seite steht dort nur Zucker auf der Liste für die original Cola (Coca-Cola - The Original Taste | Coca-Cola GB). Das sollte es auch nicht nur online zu kaufen geben und selbst wenn, dann besteht die Option offensichtlich eben weiterhin Softdrinks nur mit Zucker zu kaufen.
Hier ist ja ordentlich was los Erwähnen wollte ich lediglich, dass warmes Leitungswasser eventuell nicht ganz so gesund ist. Kommt bestimmt auch darauf an wo man wohnt und wie die Rohre da aussehen. Das Umweltbundesamt rät jedenfalls ab (teils ist auch vorsichtiger von „nur bedingt empfehlenswert“ die Rede) Warmwasser | Umweltbundesamt; Trinkwasser – das beste Lebensmittel | Umweltbundesamt,
Wer ganz sicher gehen möchte, trinkt besser kaltes Leitungswasser, das man ja auf Wunsch auch im Wasserkocher erhitzen kann.
Anekdotisch: Vor gut 10 Jahren hat eine sehr breit angelegte Metastudie je Forschungsgebiet untersucht, ob Studienergebnisse statistisch signifikant sind (d.h. ob die veröffentlichten Ergebnisse einen anderen Schluss zulassen als „wir wissen nichts genaues“). Ein Ergebnis: Weniger als 1% der ernährungswissenschaftlichen Studien haben signifikante Ergebnisse veröffentlicht. Wohlgemerkt war die Metastudie agnostisch bzgl. anderer Verzerrungen wie p-Hacking, nichtveröffentlichen von nicht genehmen Ergebnissen, Datenfälschung etc. (Überspitztes) Fazit der Metastudie: In der Ernährungswissenschaft gibt es nahezu keine belastbaren Fakten. (Leider finde ich diese Metastudie nicht mehr. )
Kleine Spitzfindigkeit: Alle inerten Stoffe, die den Verdauungstrakt durchlaufen, haben durchaus eine Wirkung als Balaststoffe. Zu diskutieren wären (quasi-)inerte Atemluftbestandteile wie Stickstoff und Edelgase. Allerdings haben diese Stoffe die Wirkung, die Sauerstoffkonzentration in der Atemluft auf ein langfristig gesundes Niveau zu senken – also auch ein relevante physiologische Wirkung.
Von gefährlicher als Zucker steht im Ursprungsbeitrag erst einmal nichts, sondern dass sehr fraglich sei, ob „weniger schädlich“ als Zucker und dass es Anzeichen gebe, dass die Kombination Zucker und künstliche Süßstoffe schädlicher ist als jeweils einzeln. Ich finde den Einwand, dass der Ersatz durch Süßstoffe zu hinterfragen ist, absolut valide. Hier noch der Link zur WHO guideline von 2023 zu „non sugar sweeteners“: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/367660/9789240073616-eng.pdf?sequence=1
„…suggests that use of NSS does not confer any long-term benefit in reducing body fat in adults or children. Results of the review also suggest that there may be potential undesirable effects from long-term use of NSS, such as an increased risk of type 2 diabetes, cardiovascular diseases, and mortality in adults.“
Wie immer bei Ernährungsstudien sind die Ergebnisse mit einem hohen Verzerrungspotenzial behaftet, d.h. so genau wissen wir da mal wieder einiges nicht.
Das Ergebnis bedeutet auch nicht, dass Süßstoffe long-term gefährlicher oder besser als Zucker sind, denn das geben die Studien nicht her. Aber man kann jedenfalls nicht davon ausgehen, dass Süßstoffkonsum, auch in einer höchstwahrscheinlich nicht kanzerogenen Dosis, nicht sehr wohl unerwünschte gesundheitliche Nebenwirkungen haben kann.