LdN426 Wording: Netz- und systemdienlich

Vielen Dank für den informativen Podcast!

Mir ist aufgefallen, dass häufig der Begriff „netzdienlich“ verwendet wird – auch in Kontexten, in denen eigentlich ein kombiniertes netz- und systemdienliches Verhalten gemeint ist. Es lohnt sich, hier sprachlich genauer zu sein, denn die Unterscheidung ist nicht nur semantisch, sondern auch praktisch relevant.

Beispiel Stromspeicher:

  • Ein Speicher, der bei niedrigen Börsenstrompreisen lädt und bei hohen Preisen entlädt, ist systemdienlich, weil er das Stromsystem stabilisiert und Emissionen senkt.
  • Wenn dieser Speicher aber in einem regional bereits stark ausgelasteten Netz betrieben wird, kann er zusätzliche Netzbelastung verursachen – also nicht netzdienlich sein.
  • Umgekehrt kann ein Speicher, der gezielt Netzengpässe entlastet, zwar netzdienlich, aber unter Umständen nicht wirtschaftlich bzw. systemdienlich sein.

Um beide Zielgrößen zusammenzubringen, braucht es regionale Strompreis- und Netzentgeltanreize. Solche lokalen Signale fördern Verhalten, das sowohl system- als auch netzdienlich ist.

Doch der neue Koalitionsvertrag spricht sich erneut klar für den Erhalt einer einheitlichen deutschen Stromgebotszone aus (was angesichts der CSU-Beteiligung nicht überrascht). Das verhindert regionale Preisunterschiede – und damit auch gezielte Anreize für koordinierte Flexibilität.

Konkretes Beispiel:
Im Norden Deutschlands muss Windstrom abgeregelt werden, weil Netze überlastet sind. Regionale Preissignale könnten lokale Speicher und flexible Verbraucher aktivieren. Ohne Preisunterschied bleibt diese Flexibilität ungenutzt – und es braucht teuren Redispatch.

Fazit:
Wenn wir über Speicher, flexible Verbraucher oder steuerbare Erzeuger sprechen, sollten wir bewusst zwischen „netzdienlich“ und „systemdienlich“ unterscheiden – oder klar sagen, dass beides gemeint ist. Nur so wird die Diskussion der Komplexität gerecht.

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Hallo zusammen,

ich möchte den (soweit ich das sehen kann völlig richtigen) Hinweis von khelfen nochmal hervorheben. Netzdienlichkeit kann bei unseren regionalen Netzen nicht vom deutschlandweiten Börsenstrompreis abgeleitet werden. Es ist nicht automatisch (regional) netzdienlich, wenn mein E-Auto bei niedrigem Börsenstrompreis läd. Hat dazu jemand Daten, die das für deutsche Regionen ausweisen, wie oft in einer Region Überschussproduktion bei rel. hohen Börsenstrompreisen, bzw. Energieknappheit im Netz bei gleichzeitig rel. niedrigen Börsenpreisen vorkommen? Eine Quelle dazu würde mich sehr interessieren, um diese logische Annahme mit Fakten untermauen zu können.

Leider betont Ihr in der LdN immer wieder, dass es netzdienlich wäre, flexible Verbraucher oder Einspeisung an den Börsenstrompreis zu koppeln, und ich denke das ist ein Trugschluss, solange Börsenstrompreis und Netzkapazitäten nicht die selben Regionen gleichmäßig abdecken.

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