Mal so ins blaue geraten, vielleicht sehen die 51 % nur ihren vermeintlichen Vorteil und es handelt sich um egoistische und empathielose Individuen, die auf die UN Charta und Menschenrechte pfeifen.
Disclaimer, das ist nur eine Vermutung, nicht meine Meinung.
Aktuell hat man den Eindruck, das Russland im Vorteil ist und die Ukraine ins Hintertreffen gerät mangels Unterstützung aus dem Westen.
Bei den westlichen Regierungen hat man öffentlich den Eindruck, das der letzte Wille zur Unterstützung der Ukraine fehlt und es auch keinen gemeinsamen Plan gibt, was man genau erreichen will.
Mit diesem Bild im Kopf und auch der sicher egoistischen Denkweise, das das eigene Hemd näher ist als die fremde Hose, man dazu eher wenig Interesse an fernen Folgen zeigt, sondern an kurzfristigen Veränderungen wie billige Energie u.ä., wundert mich dieser Umfragewert nicht.
Maybe, aber welchen individuellen Nutzen hätte jemand davon? Gas wird nicht günstiger wenn die Ukraine verliert und die Aufrüstungskosten haben wir sowieso.
Im Übrigen finde ich das ziemlich arrogant
Es ist bekannt, dass menschliche Charaktere unterschiedlich sind. Und ja, nicht jeder wertet Tugenden wie Empathie oder Altruismus gleich hoch. Es gibt auch Menschen, gern umschrieben mit Zahlen-Fakten-Daten-Typen, die bekommst du nicht über Empathie, denn die sind einfach weniger emotional empfänglich und dafür analytischer. Die bekommst du aber über ganz sachliche Hinweise wie den vom IfW.
Und wieder andere haben vielleicht wirklich zu kämpfen wie sie über die Runden kommen sollen. Die brauchen vermutlich am ehesten Unterstützung und das Gefühl gegenüber unserer Ukraine-Hilfe nicht vergessen zu werden.
Das sind nicht automatisch schlechtere Menschen nur weil sie bei Titanic nicht weinen müssen oder ihre eigenen Sorgen über die von Menschen in 1000 km Entfernung stellen.
Mit diesem Wissen, meinst du wirklich dass man pauschal Menschen abwertend beschimpfen sollte, die man nicht kennt?
Ich behaupte ja nicht dass es zu niedrigeren Energiekosten beim Gas und Erdöl kommt, sondern insbesondere Frau Wagenknecht und ihr Gefolge suggerieren das.
Auszug
„…Deutschland als exportstarkes und rohstoffarmes Land braucht eine Außenwirtschaftspolitik, die auf stabile Handelsbeziehungen mit möglichst vielen Partnern statt auf neue Blockbildung und ausufernde Sanktionen setzt und die unsere Versorgung mit Rohstoffen und preiswerter
Energie sicherstellt.“
Das muss man natürlich im Kontext sehen mit den Ansprüchen, die die Wähler an das BSW stellen…
Zitat
" Mit seiner Haltung zu Russland und dessen Krieg gegen die Ukraine hat das Bündnis Sahra Wagenknecht gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal, von dem es auch profitiert. In Sachsen sagen 55 Prozent der Wahlberechtigten, sie finden es gut, dass sich das BSW gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine einsetzt. In Thüringen sind es sogar 60 Prozent.
Wahlentscheidend bei den Landtagswahlen war dieses Thema - bei dem die Landespolitik praktisch nichts zu entscheiden hat - allerdings tatsächlich fast nur für BSW-Anhänger."
…und Aussagen im Wahlkampf zu diesem Thema.
Ähnliche Aussagen lassen sich auch von der AfD und Herrn Kretschmer finden.
Konterkarierst du nicht deine erste Behauptung und gibst mir damit recht, wenn du folgendes behauptest:
Um dann wieder auf „das Gefühl“ zu kommen.
Nach unten treten, damit es mir besser geht, halte ich nicht gerade für ein nachhaltiges Konzept.
Menschen die bei Titanic nicht weinen sind für mich tatsächlich keine schlechteren Menschen (wahrscheinlich sogar eher sympathischer, ist in diesem Zusammenhang aber völlig belanglos).
Dir ist aber der Unterschied zwischen Sorgen in Deutschland und Sorgen in der Ukraine schon klar?
Habe ich das? Das ist doch wohl eher (d)eine (moralische) Bewertung meiner Vermutung.
Offenbar ist man erfolgreich mit der Erkenntnis, das die Ukraine eh nicht zu retten sei:
Orban:
„Europa muss nach Ansicht des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban bei einem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl seine Unterstützung für die Ukraine überdenken. Er gehe davon aus, dass Trump als Präsident den US-Kurs in Richtung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine umschalten werde, sagte Orban. Europa könne dann nicht kriegsbefürwortend bleiben und die Lasten des Krieges alleine tragen, sondern müsse sich dann anpassen. „
Die Linke in Deutschland:
„Nach einer Reise in die von Russland angegriffene Ukraine hat sich der neue Linken-Co-Vorsitzende Jan van Aken zur von der Ukraine gewünschten Einladung in die NATO und zu Waffenlieferungen geäußert. „Ich finde zu sagen, die einzige Sicherheit bekommen wir darüber, dass wir in der NATO sind, das halte ich für einen Irrtum“, sagte der Co-Parteichef der Nachrichtenagentur dpa in Kiew.
Zudem sprach er sich gegen Waffenlieferungen an das Land aus. „Ich finde, man sollte erst all die anderen Optionen zwischen einfach nur Waffenlieferungen und dem Nichtstun ausprobieren“, betonte van Aken. Als eine Option nannte er schärfere Sanktionen und hob dabei die von Russland für Erdölexporte eingesetzten Öltanker einer „Schattenflotte“ hervor.
Der Druck auf Russland könne auch durch China erhöht werden, das sich in dem Krieg selbst als neutral bezeichnet. „China hat im März noch einmal ein Angebot an den Westen gemacht - gemeinsam mit Brasilien“, sagte der Linkenpolitiker. Deutschland und Europa sollten darauf eingehen und damit den Beginn von Friedensverhandlungen ermöglichen.“
Medwedew in Russland (anlässlich US-Wahl):
„ Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich abfällig über die beiden Präsidentschaftskandidaten der USA und die unmittelbar bevorstehenden Wahlen geäußert. „Wir haben keinen Grund für überzogene Erwartungen“, schrieb er auf Telegram zu der Abstimmung. Aus seiner Sicht werde die Wahl nichts ändern, „denn die Positionen der Kandidaten spiegeln den überparteilichen Konsens wider, dass unser Land besiegt werden muss“.
Die amtierende Vizepräsidentin und Kandidatin Kamala Harris sei „dumm, unerfahren und manipulierbar“, behauptete der einstige Kremlchef und heutige Vize-Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates Russlands. Ein „abgestumpfter“ Donald Trump, der Plattitüden verbreite, könne den Krieg in der Ukraine nicht stoppen. „Nicht an einem Tag, nicht in drei Tagen, nicht in drei Monaten“, schrieb Medwedew mit Blick auf Trumps Behauptung, er könne den Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden beenden.
„Und wenn er es wirklich versucht, könnte er der neue JFK werden“, schrieb Medwedew und deutete damit für Trump ein ähnliches Schicksal wie das von US-Präsident John F. Kennedy an, der 1963 ermordet worden war.“
IMHO ist das einfach: Russland muss sich bei seinem Angriffskrieg eine derartig blutige Nase holen, dass das Unternehmen schlussendlich aufgegeben wird.
Wenn jeder Angriffsverband, der seitens entsendet wird, als Selbstmordkommando betrachtet wird, könnte es auch schwieriger werden, die Soldaten dafür zu rekrutieren (ob in Russland oder Nordkorea).
Wenn Putin dann seine militärische Spezialoperation beendet, kann er ja behaupten, die Nazis in der Ukraine wären alle gefallen.
Das sichert natürlich keinen dauerhaften Frieden, mlgws. würde Russland dann weiter aufrüsten und dann einen neuen Vorstoß starten. Leider sehe ich nicht, wie man mehr erreichen könnte.
Russland hat den Westen offenbar überrascht mit seinem Angriff auf die Ukraine.
Trotz Abhängigkeit von russischem Öl und Gas und schon vorab stetiger Beeinflussung des politischen Systems (u.a.AfD) ging Putins ursprünglicher Plan vom schnellem Sieg über die Ukraine bei völliger Passivität des Westens nicht auf.
Der „Westen/die NATO“ hatte nun keinen Plan, wie sie damit umgehen sollte, da man selbst nach jahrzehntelanger Friedensdividende selbst recht dünn dastand. Der erste Plan war unser ganzes altes Zeug (Marder, PzHbtz 2000, Gepard, Leo 1,…) ins Rennen zu werfen und mit paar „moderneren“ Waffen wir Leo2, Patriot, Iris-T aufzuwerten. Leider so zögerlich (sowas aus dem Depot einsatzfähig zu machen dauert) und langwierig, das die Ukraine nicht den erhofften Erfolg erzielen konnte.
Nun sind die eigenen Lager recht leer, man produziert nach, was man aber mit Masse selbst braucht, hat aber eigentlich kein Geld dafür (auch aufgrund des Krieges) , und weiß nun das man der Ukraine zwar helfen sollte, es aber nicht kann im nötigen Umfang.
Zudem wirkt die Friedensrethorik von BSW und Russlands Freunden auch bei uns, wo die Bürger schon merken, das diese halbherzige Unterstützung der Ukraine nicht zum gewünschten Ergebnis führen kann.
An dem Punkt sind wir jetzt, und es kommen einige Wahlen in den nächsten Monaten.
Ziemlich verfahrene Situation. Vor allem bei dem Wissen, das Russland kein Interesse an Frieden hat…
Ich denke, diese Diskussion hier hat sich nun recht weit von der Kommentierung der Lage-Folge entfernt und dreht sich wieder um oft wiederholte Punkte.
Lasst uns den Thread abschließen. Einwände?
Diese Darstellung grenzt in ihrer groben Vereinfachung schon an Geschichtsklitterung. Janukowitsch war u. a. gewählt worde, weil er neben guten Beziehungen zu Russland eben auch ein EU-Assoziierungsabkommen wollte. Erst der Druck - man könnte auch sagen die Erpressung - aus dem Kreml machte daraus ein Entweder-Oder: Entweder gute Verbindungen nach Moskau oder nach Brüssel. Die Proteste gegen Janukowitsch setzten ein, als dieser sich weigerte, das schon fertige Abkommen mit der EU zu unterzeichnen. Sie richteten sich gegen den Bruch eines zentralen Wahlversprechens, aber auch gegen die Korruption, die unter Janukowitsch das in der Ukraine übliche hohe Ausmaß nochmal deutlich überstieg, aber auch gegen die brutale Polizeigewalt, mit der die Regierung auf die ersten Proteste reagiert hatte. Das Ergebnis waren monatelange Massenproteste, bei denen es um weit mehr als das Assoziierungsabkommen ging, nämlich um Demokratisierung und Korruptionsbekämpfung. In der Ukraine ist der Begriff dafür „Revolution der Würde“. Und weil es eben Massenproteste waren, waren daran auch sehr unterschiedliche Menschen beteiligt. Kurzum: Dass es sich beim Maidan lediglich um eine „Koalition aus EU-freundlichen bis rechtsnationalen Gruppen“ handelte, ist eine grobe Verkürzung. Komplett falsch ist es aber, von einem Putsch zu reden, das ist ein astreines Kreml-Narrativ.
Nachdem ihm klar wurde, dass eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste nicht erfolgreich sein würde, ist Janukowitsch aus dem Land geflohen. Die von ihm geführte „Partei der Regionen“ ist quasi implodiert und das gewählte Parlament erklärte ihn für abgesetzt. Nur wenige Monate später gab es Neuwahlen.
Es ist völlig unklar, was mit dieser Formulierung gemeint sein soll: Was ist „russisch-freundlicher“? Menschen die russisch sprechen? Menschen, die eine stärkere Annäherung der Ukraine an Russland wollen? Menschen, die eigenltlich lieber in Russland als in der Ukraine leben wollen? Und 50 % von was? Wie kommt diese Zahl zustande?
Der Satz suggeriert, dass die Menschen im Osten und Süden der Ukraine geschlossen eine bestimmte politische Haltung hatten, die den Forderungen der Demokratiebewegung diametral gegenüberstand, aber von dieser ignoriert wurde. Und das ist nichts weiter als Geschichtsklitterung.
Bei diesen Wahlen gewann der neue Präsident Poroschenko fast alle Wahlkreise in der Ukraine - auch im Osten und Süden der Ukraine, die damals noch 100% russischsprachig waren. Selbst auf dem Maidan in Kyjiw wurde hauptsächlich russisch gesprochen.
Es gab allerdings Gebiete, in denen die Wahl nicht stattfinden konnte, und zwar auf der Krim, die zu diesem Zeitpunkt schon offiziell von Russland annektiert war und in Teilen der Oblaste Donetsk und Luhansk, in denen russische Militärs & Geheimdienstler zusammen mit Separatisten einen Bürgerkrieg angezettelt hatten und zum Teil auch die Wahl gewaltsam verhinderten. Nochmal zur Klarstellung: Es gab im Süden und Osten der Ukraine neben Maidan-protesten auch pro-russische Proteste, etwa in Charkiw oder Odessa. Aber es gab eben beides - es war mitnichten so, dass die pro-russische Position dominierte. Und es war erst recht nicht so, dass eine Mehrheit der Menschen dort einen Bürgerkrieg wollte. Gewaltsames Vorgehen gegen staatliche Institutionen der Ukraine (gewählte Repräsentanten, Verwaltungen, Polizei und Militär) gab es ausschließlich in Gebieten wo dies durch Unterstützung aus Russland ermöglicht und unterstützt wurde - der russische Geheimdienstoffizier Igor Girkin hat zum Beispiel öffentlich damit geprahlt, dass es ohne ihn und seinesgleichen nie einen Krieg im Donbas gegeben hätte.
Ja, das Regime im Kreml hatte und hat Angst vor einer demokratischen Massenbewegung und es weiß auch warum. Aber der Satz zeigt auch, wie wenig zielführend der Verweis auf solche „Ängste“ ist, wenn sie nicht dem gegenüber gestellt werden, was meiner Meinung nach ungleich wichtiger ist: Nämlich das Recht, in diesem Fall das Recht von Menschen, mit darüber zu entscheiden, wie sie leben und regiert werden wollen und das Recht von Staaten, nicht einfach von einem Nachbarstaat überfallen zu werden, weil sich dies gerade an irgendetwas stört.