Ich kann das gut nachvollziehen. Ich habe in den letzten Jahren viel Zeit auf dem Land in Ostbrandenburg, nahe der polnischen Grenze verbracht. Da redest du mit Leuten, die stolz darauf sind, auch 15 Jahre nach dem EU-Beitritt Polens noch nie „drüben“ gewesen zu sein - noch nicht mal zum klischeehaften Tanken 500 Meter hinter der Grenze. Derweil ist es üblich, dass Polen auf der deutschen Seite arbeiten, zur Schule gehen, studieren, Unternehmen gründen etc. Und das fassen diese Leute dann als Bedrohung auf. Warum? Darauf kriege ich meist keine Antwort.
Genauso ist es aus meiner Sicht mit der Kriminalität. Statistiken sind dabei völlig egal, es geht fast ausschließlich um die „gefühlte“ Bedrohung. Vermeintlich wissen die Menschen nicht nur ganz genau, dass alles immer schlimmer wird, sondern auch wer Schuld ist. In den 1990ern führte das zu dem absurden Ergebnis, dass z. B. in Brandenburg massenweise Menschen davon überzeugt waren, dass 0,5 „Ausländer“ für die 25% Arbeitslosigkeit verantwortlich sind, weil „die uns ja die Jobs wegnehmen“.
In einem anderen Thread (Umgang mit rechtem im Freundes-/ Bekanntenkreis) wird ja darüber diskutiert, wie man mit solchen Situationen umgehen kann. Aber ich kann jeden verstehen, der sagt „mir reicht’s ich will hier weg“. Ich habe leider auch keinen Plan, was man gegen die Unmenge an Dreck (sorry für die Wortwahl) tun kann, die AfD, Social Media & Co in den Diskurs gepustet haben, aber ich fürchte Aushalten und ab und zu wenn es geht dagegenhalten ist bei vielen Leuten, deren Ansichten sich schon verfestigt haben, aussichtsreicher als Aufklärung.
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