Ich finde das berühmte „China-Argument“ mit dem Stempel „Klimaskeptiker-Standardargument“ zu versehen zu einfach. Denn das Argument ist m.E. nur zum Teil falsch.
Richtig ist: die Tatsache, dass Deutschlands Anteil an den Gesamtemissionen verhältnismäßig gering ist, entbindet uns trivialerweise nicht von der Verantwortung Emissionen einzusparen. Ich kann jede Gruppe beliebig in Teilgruppen aufspalten, die dann so klein sind, dass ihr Anteil kaum mehr ins Gewicht fällt.
Richtig ist auch: die Tatsache, dass andere nicht einsparen, ist für uns keine Rechtfertigung das auch nichts zu tun. Es braucht Vorreiter und das müssen, wie richtigerweise angemerkt, idealerweise diejenigen Nationen sein, die in der historischen Verantwortung bzgl. der Verursachung der Klimakrise stehen.
Der Erde ist allerdings die historische Verantwortung ihrer Bewohner relativ egal. Sie wird sich erwärmen, wenn egal wer, weiter CO2 emittiert. Konkret: wenn wir eine Chance haben wollen, effektiven Klimaschutz zu betreiben, dann geht das nur, indem z.B. auch China schnell seine Emissionen signifikant reduziert.
Das, was wir für den Klimaschutz in den nächsten Jahren tun werden, wird allerdings keinen Spaß machen. Es wird die Gesellschaft vor eine Zerreißprobe stellen und es wird vmtl. Jahrzenhnte dauern, bis dieses Modell „exportfähig“ in dem Sinne ist, dass aufstrebende Länder es als attraktiver als das „fossile Modell“ ansehen.
Damit ist es für mich ein illusorischer Plan, darauf zu „hoffen“, dass andere Länder zeitnah Klimaschutz machen werden, weil wir es ihnen gut vorleben. China betreibt Klimaschutz nicht, weil es einem westlichen Vorbild nachstrebt, sondern, weil es muss. Das kann zum einen aus eigener Einsicht passieren (siehe z.B. Elektromobilität). Zum anderen kann es passieren, weil von außen Druck ausgeübt wird.
Genau diese Druck-Komponente vermissen viele Anhänger des „China-Argumentes“ und aus meiner Sicht tun sie das trotz historischer Verantwortung zu Recht. Einfach weil ohne Druck – das sehen wir in unserer eigenen Gesellschaft – der Wandel nicht schnell genug passieren wird. Solcher Druck kann z.B. durch Klima-Allianzen aufgebaut werden, die groß genug sind, um global ökonomische oder politische Maßnahmen zu ergreifen, um das fossile Modell gezielt unattraktiv zu machen.
Es ist durchaus denkbar, dass bestimmte Länder finanzielle Unterstützung erhalten, um die dadurch entstehenden (auch historischen) Ungerechtigkeiten auszugleichen (ist ja ein ständiges Thema bei Klimakonferenzen) aber es führt kein Weg daran vorbei, dass ein großer Emittent wie China seine Emissionen zeitnah reduziert. Eine Klimapolitik, die das nicht auch prominent auf der Agenda hat, darf man durchaus kritisieren.