LdN326 Kindergrundsicherung und die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland

Ja ganz genau, vor allem die Idee, dass der Betrag ausgezahlt wird ohne dass ein Antrag gestellt werden muss, sondern einfach weil man gerade ein Kind bekommen hat, sollte da ein Gamechanger sein. Habe selbst vor kurzem im weiten Bekanntenkreis erlebt, dass ein Elternpaar (nicht ungebildet o.ä., sondern einfach keine Beziehung zu Geld) einfach das Kindergeld nicht beantragt hat. Selten so viele Kinnladen gleichzeitig auf die Tischplatte krachen sehen.

Es ist halt in gewisser Weise ein Teufelskreis. Gerade Berufsgruppen mit niedrigen Löhnen sind oft nicht gut gewerkschaftlich organisiert oder setzen ihre Forderungen nicht adäquat um, oder kriegen nicht genug gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

Siehe Tarifverhandlungen im öD. Die schlecht verdienenden Erzieherinnen und Erzieher sind davon massiv betroffen, ich habe zumindest in der Lage noch nichts dazu gehört.

Noch so ein No-Brainer in der Hinsicht: Lohnersatzleistungen bei Krankheit des Kindes. Ich würde fast behaupten, ich bin da nur halb zufällig drauf gekommen, als mich das das erste Mal betroffen hat. Das sollte genauso einfach laufen, wie die neue eAU. Scheint mir auch eher peinlich, dass man das Thema nicht gleich mit aufgeräumt hat…

Ich finde auch, dass das Kindergeld in der Folge zur Kindergrundsicherung zu wenig besprochen wurde. Gerade weil der Anspruch der Lage an sich selbst ist, Themen ausführlich und vollständig zu erörtern. Dazu gehören beim Kinderfreibetrag das Kindergeld und die Anrechnung dessen auf das Bürgergeld/Hartz 4.

Weil vielleicht früher die Annahme rum ging, dass ‚gutverdienende‘ eher weniger Kinder bekommen und einen Anreiz brauchen? Die Annahme ist inzwischen so 100% nicht mehr haltbar: sehr gut verdienende bekommen wieder mehr Kinder.

Weil ich, wie geschrieben, davon ausgehe, dass der Kinderfreibetrag letztlich das Existenzminimum ist, das gar nicht besteuert werden darf. Wenn ich da falsch liege (was gut sein kann), spräche nichts gegen ein einheitliches Kindergeld.

Das Argument habe ich bereits beim ersten Mal nicht verstanden. Denn das würde bedeuten, dass Geringverdiener weniger als Existenzminimum zugestanden wird. Warum? Weil Rewe teurer ist als Aldi?

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Guten Tag,

wenn man davon ausgeht, dass besonders die Kinder aus Familien die SGB II Leistungen (Bürgergeld) beziehen von Kinderarmut betroffen sind, dann muss dringend aufgearbeitet werden, dass Leistungen wie Kindergeld oder Kindesunterhalt, Unterhaltsvorschuss zu 100 % auf das Bürgergeld angerechnet werden!!

Wenn Politiker wie Frau Esken damit werben das Kindergeld anzuheben oder angehoben zu haben, dann muss dazu gesagt werden, dass 0 Euro davon bei Kindern aus Familien die Bürgergeld beziehen ankommt!

Jetzt soll eine neue Leistung entstehen, die enorme Ressourcen verbraucht.

Ein einfacher, schneller, unkomplizierter und effektiver Weg wäre das SGB II anzupassen!
Welches mit der Einführung des Bürgergelds einfach möglich gewesen wäre!

Mein Vorschlag Kindergeld in die Liste des nicht anrechenbaren Einkommens nach 11a SGB II aufzunehmen.

Damit hätten (fast) alle Kinder die Bürgergeld beziehen mind. 250 Euro mehr im Monat!

Dieser Aspekt wir NIE erwähnt! Und es müsste rein gar nichts zusätzlich beantragt werden - es würde automatisch umgesetzt werden.

Schöne Grüße

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Finde den Fehler.

Also sollten wir die Abgaben gesamt und nicht nur die Steuern senken.

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Das Problem der Leistungsdschungels ist damit aber immer noch nicht gelöst. Denn nicht alle Kinder bekommen Bürgergeld sondern Kinderzuschlag oder Unterhaltsvorschuss. Und das Thema Bildung und Teilhabe ist dann auch weiterhin ein Bürokratiemonster.
Da ist die Kritik der FDP, die ich für verkürzt halte, berechtigt, dass erstmal bei den bestehenden Leistungen aufgeräumt werden muss, bevor einfach nur mehr Geld gezahlt wird. Außerdem ist damit auch noch nicht das Problem der zu geringen Inanspruchnahme von Leistungen nicht gelöst,

Das ist doch das Ziel der Grundsicherung. Den Dschungel vereinheitlichen und zusammenlegen.
Die FDP ist nur aus einem Grund dagegen. Ihre Klientel profitiert nicht davon. Im Gegenteil: gut situierten Familien sollen die Leistungen gekürzt werden.

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Ich hörte gerade etwas über die Kindergrundsicherung und habe etwas gerafft.

Lindner sagt:

  • Es gibt kein Geld für Kinder jetzt.
  • Die Bürger der Zukunft brauchen dieses Geld (oder das Fehlen von Schulden) viel mehr als diese Kinder.

Das ist natürlich Unsinn, aber ich war etwa schockiert wie dieser Gedankengang wortwörtlich der gleiche ist als die Philosophie der Effective Altruism/Longtermism.

Longtermists have proposed that the welfare of future individuals is just as important as the welfare of currently existing individuals

Was mich immer wieder wundert: was ist arm und was ist reich?
Wenn ich beruflich in Indien bin, sehe ich Armut. In Deutschland gar nicht.
Nur weil man sich nicht auch noch die dritte Spielkonsole leisten kann, ist man ja noch nicht arm.

Es ist klar und verständlich, was du meinst, aber Armut wird in der EU relativ zum Durchschnittseinkommen gemessen. https://www.diakonie.de/wissen-kompakt/armut#:~:text=Wer%20weniger%20als%2060%20Prozent,Armut%20oder%20sozialer%20Ausgrenzung%E2%80%9C%20betroffen.
Außerdem sind die Tafeln in Deutschland nicht so überlaufen, weil es so toll ist, dort Nahrungsmittel zu holen.

Deine Unterstellung, arme Menschen wären arm, weil sie nur unnötige Dinge kaufen, empfinde ich als diskriminierend, unfair und ehrlich gesagt unverschämt. Sie bewegt sich auf dem Niveau, dass gegen Kindergrundsicherung argumentiert wird, indem unterstellt wird, dass die Eltern das Geld versaufen oder rauchen. Woher kommt dieses schlechte Menschenbild? Warum plötzlich dieses Misstrauen? FDP &Co sind doch immer dafür, auf Eigenverantwortung zu setzen. Gilt das nur für Wohlhabende?
Wer Vater oder Mutter ist, dürfte wissen, dass man sich eher selbst einschränkt, als seinem Kind Teilhabe und Bildungschancen zu nehmen.

Übrigens kann jeder, der mit offenen Augen durch Deutschland geht, selbstverständlich Armut sehen.

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Was du in Indien siehst, ist noch teilweise absolute Armut - die gibt es in Deutschland nicht mehr. Von Chancen und Perspektiven ist man aber oft auch mit relativer Armut abgeschnitten.

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Mich wundert ob es noch eine Spur polemischer geht?

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Genau, wer weniger aus 60% des mittlere Einkommens hat, der gilt als armutsgefährdet / einkommensarm.

Heißt aber auch: Wenn wir die Einkommen aller Bürger verdoppeln, haben wir immer noch gleich viele Arme / armutsgefährdete Menschen.

Einerseits ja, andererseits löst diese Überlegung nicht das Armutsproblem.
Sicher gibt es auch Ausnahmen, aber ich glaube nicht, dass die Kinder aus armen Familien nicht benachteiligt sind. Ich kam selbst aus einer eher armen Familie und weiß, was das heißt.
Abgesehen davon würden vermutlich auch die Preise steigen, wenn alle doppelt so hohe Einkommen hätten.

Darum sind die Tarifabschlüsse, die momentan vielerorts gemacht werden gut um die Armut zu senken.
Indem nämlich nicht prozentual, sondern mit festen Beträgen gearbeitet wird.
Auch der Mindestlohn ist ein gutes Konzept gegen Armut.
Oder Top-Verdiener verzichten dauerhaft auf 10% ihres Gehalts und es gibt weniger Arme.
Hintergrund ist, dass weniger Verdienst zu sinkenden Preisen führt und steigender Verdienst zu steigenden Preisen.
Wenn aber ein Teil sich, dank guter Löhne, hohe Preise leisten kann und ein Teil nicht, wird dieser Teil ausgeschlossen.

Nicht polemisch, unwissend.

Z.B. geben ärmere Menschen laut Studien mehr Geld für unnötige Dinge wie Rauchen aus.
Könnte ja bei Konsolen dasselbe sein.

Auch das liegt an vielen Problemfaktoren, die „ärmere Menschen“ statistisch haben.

Deine Schlussfolgerung, die du daraus ziehst, ist hingegen nicht haltbar. Arme Menschen sind nicht weniger arm, weil sie dumme wirtschaftliche Entscheidungen treffen (z.B. Rauchen) oder unter anderen Multi-Problemlagen leiden (z.B. Drogensucht, psychische Probleme), die zu unwirtschaftlichem Verhalten führen.

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