(…) Mein Beispiel aus der Führerscheinprüfung zeigt nur, wie viel mehr Energie für den extra Fahrtwind und die ganzen anderen Faktoren wie Rollwiderstand, mechanische Reibung usw. verbraucht wird. Dafür war egal, ob es elektrisch ist oder nicht.
Ich bin Elektroingenieur und fahre täglich mit einem vollelektrischen Hundai Ioniq zur Arbeit und 2 mal die Woche 35km pro Weg Autobahn zum Training meiner alten Mannschaft. Komischerweise muss ich danach immer laden. Egal wie ich fahre. Selbst wenn ich im Windschatten von einem LKW fahre, sinkt die Ladeanzeige. Weil immer Energie verbraucht wird!!!
Wie du siehst geht die Geschwindigkeit (v) quadratisch in die Luftreibung (Flr) ein. Die wiederum erhöht die zu leistende Arbeit, weil sie um die Geschwindigkeit zu halten überwunden werden muss:
Die Energie/Arbeit, die für die Erhaltung der Geschwindigkeit investiert werden musste, ist weg. Die rekuperierbare kinetische Energie ist mit Ekin = 1/2 * m *v^2 zwar auch höher. Jedoch ist die nur einmal in der Masse und der Geschwindigkeit des Fahrzeugs „gespeichert“, die höhere verbrauchte Energie während der gefahrenen Strecke jedoch ist weg. Sie ist vom Elektromotor in Wärme und mechanische Arbeit zur Überwindung der verschiedenen auf das Auto wirkenden Kräfte umgesetzt und an die Umgebungsluft oder den Fahrzeuginnenraum abgegeben worden. Sie kann also physikalisch nicht zurück gewonnen werden. Langsamer zu fahren spart also auch bein E-Auto Energie.
Noch ein kleines Praxis-Beispiel. Ich fahre den Ioniq normalerweise mit 12,6 kw/h pro 100km im Mischbetrieb mit Stadtverkehr und den eben genannten Autobahnfahrten bei 100 bis 120. Gestern hatte ich Stress und habe ihn mit 140 für meine Verhältnisse ganz schön getreten. Dann hab ich mir die Leistungsanzeige angeguckt und über 40kw an Motorleistung gehabt. Lass das mal nur eine Spitze gewesen sein und km Schnitt warens eher 30kw. Alles fein. Um auf die 12,6 kw/h im Mischbetrieb zu kommen, werde ich in der Stadt wohl weniger benötigen, aber auf der Bahn bei sonst 100 bis 120km/h auch wohl höchstens 20kw/h, sonst geht der Mittelwert nicht auf. Das heist der Unterschied zwischen 100 bis 120 km/h und 140km/h beträgt fast 10kw pro Stunde die ich 140km/h fahre. Was 150% des Verbrauchs der langsameren Fahrt entspricht.
Das sind sicherlich auch keine wissenschaftlichen Zahlen und eher Beobachtungen, aber du siehst worauf es hinausläuft. Höhere Geschwindigkeit = expotentiell höherer Verbrauch. Ob Rekuperation hin oder her.
Die screenshots kommen von https://www.leifiphysik.de
Unabhängig von der Rekuperationsdebatte, zeigt dass doch nur das ein Tempolimit gar kein so großer Schritt wäre. Jedoch allen eine Erleichterung auf den bisher unbeschränkten Strecken und eine Steigerung des Verkehrsflusses auf allen anderen bringen würde.
Die Strafverfolgung wäre ja auch viel einfacher, wenn bei einem Limit von 120km/h alles über 130 km/h auf jeden Fall ein Verstoß ist. Wenn dann auch noch weniger Leute auf einen Stau hinter der nächsten Kurve auffahren weil der Bremsweg kürzer ist.