Alle Unternehmen wurden entweder mit Direkthilfen oder über Steuererleichterungen belohnt. Das Bundesfinanzministerium bewirbt dies ganz groß:
Die Hilfen für Angestellte wie steuerfreie Boni oder die Senkung der Mehrwertsteuer haben nicht zu einem deutlichen Anwachsen der Vermögen geführt. Im Gegenteil sogar, wenn Kurzarbeit verordnet wurde. Dagegen wurden Betriebe, teilweise ohne Not, mit direkten oder indirekten Wirtschaftshilfen unterstützt. Große, bösennotierte Konzerne profitieren überdurchschnittlich davon, da Sie die Möglichkeit haben, hier das Optimum rauszuholen. Und diese Erleichterungen wurden nur selten an die Mitarbeiter weitergegeben (Stichwort: Kurzarbeit), gleichzeitig haben die Aktienkurse kaum nachgegeben und Dividenden wurden weiter ausgeschüttet. Da schließt sich wieder der Kreis, dass die, die große Aktienpakete bzw. große Vermögen haben, hier kaum Einbußen hinnehmen mussten. Oder übersehe ich hier was?
Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Aber wie passt das zusammen: der Akteinkurs der Lufthansa gibt seit etwa 2018 kontinuierlich nach. Der Trend änderte sich aber nicht durch die Pandemie und damit dem Wegfall des Geschäfts oder durch die massive Wirtschaftshilfe des Bundes. Die Firma ist nicht weniger Wert, obwohl sie seit einem Jahr mehr oder kein Geschäft hat.
Beispiel Tesla: die Firma hat, bevor sie Nennenswert Autos produziert oder Einnahmen generiert hat, Risikokapital eingesammelt. Geld, dass dazu dient, ein Geschäft aufzubauen, Ausgang ungewiss. Und das mehrfach. Landläufig sagt man auch Glücksspiel dazu 
Beispiel Wirecard: ein börsennotiertes Tech-Unternehmen, ohne dass wirklich klar war, was das Unternehmen macht. „Irgendwas mit Zahlungsdienstleistungen“ hat gereicht, um das Unternehmen zum Börsenschwergewicht zu machen. Gleichzeitig kann man eine Phantom-Buchung über 1,9 Mrd. Euro einfach so vornehmen (ich weiß, nicht einfach so, aber passiert ist es trotzdem) und weiter einfach Geschäfte machen.
Beispiel Gamestop: das Geschäft der Kette ist mehr oder weniger tot. Trotzdem gab es hier Bösenturbulenzen weil sich Kleinanleger mit Hedgefonds angelegt haben. Das Ende war, dass es massive Markteingriffe durch die Trading Apps gab, die den Handel einschränkten. Wohlgemerkt zu lasten der Kleinanleger.
Ganz zu schweigen, dass das Geld gar nicht existieren muss, um damit zu spekulieren, da ich das ja auf Pump machen kann.
Das ist nicht der Punkt. Ich arbeite für ein Unternehmen mit einem sehr erfolgreichen Gründer und Inhaber, der immer vorne steht. Ich kenne aber auch Privatiers, die Geld von irgendwo her bekommen haben, zum Beispiel aus Erbschaft, und nur von den Zinsen leben. Wo ist da die individuelle Leistung? Selbst bei Aktiengeschäften sehe ich nicht, dass das auf Mut und Kompetenz beruht, sondern viel mehr darauf, dass das System quasi selber füttert (siehe oben) und auf purem Glück, siehe Risikokapital. Dazu kommt, dass man das Geld auch erstmal haben muss, um da erfolgreich zu sein. Nicht umsonst heißt es, die erste Million ist das Schwerste - es sei denn man hat sie schon.
Gleichzeitig meinte ich mit Herkunft auch das soziale Umfeld. Es ist viel einfacher etwas zu schaffen, wenn das Elternhaus passt:
https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-10/chancengleichheit-bildung-studium-herkunft-oecd?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
Es ist ungleich wahrscheinlicher, den Aufstieg nicht zu schaffen, wenn man „falsch“ geboren wurde. Sei es, weil Schulbücher fehlen, die Gruppendynamik einen festhält oder man schnell für die Familie sorgen muss. Und DAS ist der eigentliche Punkt, dass es keine Chancengleichheit gibt. Einer der 100.000 Euro von daheim mitbekommt, durch die Eltern schon das Studium kennt und von dort unterstützt wird, wird es wahrscheinlich schaffen.
Und das kann jeder selber testen: wie war mein Elternhaus (meins war teilweise akademisch), wie war das soziale Umfeld (ländlich behütet im Eigenheim), welche Möglichkeiten hatte ich (sehr viele: Hobbies, Bücher, Urlaub)?
Ich hatte gute Voraussetzungen, meine Frau ebenso. Und damit unsere Tochter.
Ich kenne auch die echten Helden, die sich durchgebissen haben. Aber das sind vielleicht 10%.
Daher sehe ich, dass durchaus Handlungsbedarf gibt, um eben nicht in die Muster anderer Volkswirtschaften mit großer EInkommensschere zu geraten.