ich fand beide Interviews (Folge 494 mit dem ZDF-Intendanten und Folge 495 mit Elif Eralp) inhaltlich sehr interessant. Trotzdem ist mir aufgefallen, dass die beiden Gespräche sehr unterschiedlich geführt wurden.
Das Interview mit dem ZDF-Intendanten empfand ich als sehr kritisch. Im Vergleich dazu wirkte das Gespräch mit Frau Eralp von der Linken deutlich weniger konfrontativ.
Mir ist bewusst, dass sich die eigene Haltung in einem Interview nie vollständig ausblenden lässt. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass beide Gespräche auf eine ähnliche Weise geführt werden.
Ein weiterer Unterschied fiel mir bei der Nachbereitung auf: Bei Folge 495 ordnet ihr das Gespräch im Anschluss ein, analysiert einzelne Punkte und macht Verbesserungsvorschläge. Bei der Folge mit dem ZDF-Intendanten wirkt es dagegen, als wärt ihr während des gesamten Interviews ablehnend und nicht überzeugt gewesen, ohne im Nachhinein eure eigene Position einzuordnen oder zu sagen, was ihr anders oder besser gemacht hättet. Natürlich liegt das auch am Format der Folgen, trotzdem gehe ich dadurch mit einem ganz anderen Gefühl aus beiden Interviews raus.
Im direkten Vergleich ist mir das sehr stark aufgefallen, und ich würde gerne auch andere Meinungen dazu hören.
Das die LdN ein Podcast ist, der eher links orientiert ist, ist m.E. kein Geheimnis. Ich hab es mir mittlerweile zum Spaß gemacht, die Unterschiede „herauszuhören“. Bspw. im Interview mit der Linken Spitzenkandidatin genügte ein Distanzierung, die Hosts haben sich artig dafür bedankt und damit war das Thema erledigt. Sven Schulze hat in Sachsen-Anhalt klar gesagt, aus seiner Fraktion wird es keine Überläufer geben, und es wird weiter darüber geraunt. Ist das ein Problem, nein. Es zeigt nur, jeder hat seine Brille auf.
Das ist mir natürlich auch klar, dass die Lage der Nation eher links-liberal orientiert ist – das ist ja auch kein Geheimnis. Trotzdem war es für mich in diesem direkten Vergleich sehr auffällig, und ich hätte mir gewünscht, dass auch die linke Kandidatin ähnlich kritische Fragen bekommt.
Das könnte doch sogar eine Chance sein: Wer auf kritische Fragen gut antwortet, kann damit auch Skeptiker überzeugen. Außerdem schließt eine kritischere Gesprächsführung ja nicht aus, dass man im Nachgang trotzdem seine Meinung dazu äußert – so wie es bei Frau Eralp der Fall war, wo man dann durch die positive Nachbereitung auch positiv gestimmt aus dem Gespräch herausging.
Könnte es sein, dass Intendant und Politikerin ohnehin schon schwer vergleichbare Interviewpartner mit komplett unterschiedlichen Rollen sind?
Und vielleicht waren auch einfach die Positionen des einen Gastes besser begründet.
Außerdem ist das oft auch sehr subjektiv. Ich fand, dass der Intendant an vielen Stellen relativ leicht vom Haken gelassen wurde und dass die Moderatoren im Interview mit Eralp deutlich besser in der Materie eingearbeitet waren.
Den Intendanten zu einem Programm zu befragen, das man offensichtlich eher aus der Ferne oder vom Hörensagen kennt, war nicht die glücklichste Entscheidung, fand ich. Das erklärt vielleicht auch den Mangel an konstruktiver Kritik, den ich auch wahrgenommen habe.
Das ist allerdings kein gleichrangiger Vergleich. Hätte man Schulze gefragt, ob er sich von Tendenzen in seiner Partei distanziert, wäre das vergleichbar. Schulze kann aber keine verlässliche Aussage zum Abstimmungs- oder sonstigen Verhalten freier Mandatsträger machen. Wie sollte er auch. Deswegen kann man ihn trotzdem nach seiner Einschätzung fragen, muss die aber ja nicht übernehmen. Umgekehrt wurde Eralp ja auch nicht gefragt, ob sie antisemitische Reden, Posts o.ä. durch Mitglieder der Linkspartei in Berlin künftig ausschließt. Da wäre ihre Antwort sicher interessant gewesen, aber nur begrenzt aussagekräftig für das tatsächliche Verhalten der Mitglieder.
Wenn man sich den „Spaß“ macht, lohnt es sich vielleicht, das entlang begründeter Kriterien und einer tatsächlichen Vergleichbarkeit zu machen.
Aber genau deswegen finde ich diese Diskussion so spannend, um andere Blickpunkte darauf zu verstehen und auch zu hören. In meiner WG hatten wir auch eine Meinungsverschiedenheit zu dem Inhalt, hatten aber trotzdem das gleiche Gefühl, dass die Fragen nicht gleich Kritisch waren.
Inhaltlich sind sie schwer vergleichbar, trotzdem kann man meines Erachtens nach generell dann einfach bei allen kritischer sein.
Ich sehe schon noch eine Reihe weiterer Unterschiede. Wenn es - wie im Nachbarthema - um die Frage geht, was hochwertige und weniger hochwertige Unterhaltung ist, ist das als vor allem ästhetische Geschmacksfrage ja was anderes, als eine klassische Politikfrage nach irgendwelchen Zahlen o.ä. Natürlich kann es in Politikerinterviews auch um solche Geschmacksfragen gehen, aber der Schwerpunkt in guten Interviews liegt doch eher woanders, würde ich sagen.
Außerdem findet die Arbeit von Politiker:innen zu einem nicht kleinen Teil in der Öffentlichkeit statt, da haben Interviewer es i.d.R. leichter, konkreter nachzufragen, weil es weniger „Herrschaftswissen“/Wissensvorsprung auf der anderen Seite gibt. Da kann man unzureichende, ausweichende Antworten teilweise dann auch eher subjektiv „spüren“, als konkret benennen.
Bei mir blieb an vielen Stellen der Eindruck, dass Fragen und Antworten sehr im Ungefähren waberten und auch nicht so einen stringenten roten Faden hatten. So ein bisschen „Pudding an die Wand nageln“-Gefühl. Das erklärte für mich auch eher die latent unzufriedene Stimmung, die ich auch im Interview wahrgenommen habe und zwar durchaus von beiden Seiten.
Im direkten Vergleich waren Fragen und Antworten im Gespräch mit Frau Eralp griffiger, konkreter. Vielleicht auch deswegen, weil beide Seiten sowohl mit der Interviewsituation an sich, als auch mit den Themen besser vertraut waren. Aber besonders unkritisch fand ich das nicht, da wirkt vielleicht auch eine Verzerrung, wenn drum herum grade ein Mahlstrom medialer und politischer Verzweifelung ob des ausbrechenden Kommunismus tobt. Dann wirkt ein eher sachliches Interview vielleicht auch unbewusst im Vergleich freundlicher, als es tatsächlich war. Gibts denn konkrete Stellen, an denen du dir eine kritischere Nachfrage bei Frau Eralp gewünscht hättest?
Eine schöne Nachfrage wäre gewesen, was sie so sicher macht, dass sie mit ihrem 5 Punkte Plan die Partei hinter sich hat? Soweit mir bekannt, stammt er aus ihrer Feder und wurde durch kein Gremium/Mitgliederversammlung bestätigt (kann mich da auch irren, so die Artikel im Netz).
Ich denke das ist ein subjektiver Eindruck. Wenn man auf die Inhalte schaut, dann waren beide Interviews durchgehend kritisch. Mit Frau Eralp haben wir beispielsweise alle heiklen Themen durchgesprochen, die derzeit diskutiert werden, sowohl die diversen Einwände gegen die Vergesellschaftung als auch die Antisemitismus- / „Clan“-Debatte.
Was allerdings einen Unterschied machen könnte: Aus meiner Sicht hat sie sich deutlich besser verkauft als Herr Himmler, indem sie eine klare Vision vorgestellt hat, während er sehr selbstbewusst, vielleicht hier und da gar abgehoben argumentiert und an einer Stelle pampig reagiert hat.
Vielleicht noch ein interessantes Detail am Rande: Das Interview mit Frau Eralp wurde zwar sehr breit rezipiert, aber von der Linkspartei kaum geteilt - soweit wir gesehen haben gab es nur eine einzige Insta-Story dazu. Offenbar hatte die Partei nicht das Gefühl, dass sie da besonders gut wegkommt.
Aber genau deshalb wollte ich es ansprechen, da es für mich so gewirkt hat und ich deshalb gerne auch andere Meinungen dazu hören wollte.
Es war mein erster Beitrag im Lageforum. Ich fand wirklich schön, dass man hier Sachen anmerken kann und diskutieren kann. Vor allem, da man hier auch Meinungen hört, die nicht aus der eigenen Bubble kommen und daher sehr wertvoll sind.
‚Aus meiner Sicht hat sie sich deutlich besser verkauft als Herr Himmler, indem sie eine klare Vision vorgestellt hat, während er sehr selbstbewusst, vielleicht hier und da gar abgehoben argumentiert und an einer Stelle pampig reagiert hat.‘
Das lag doch eher an den Hosts. Ich fande Herr Himmler überhaupt nicht abgehoben. Er hat keinerlei Ausreden gesucht, hat klar zugegeben dass Fehler gemacht wurden. Ich fande eher die Hosts sehr arrogant. Gerade im Bezug wieso dieses Lied nicht bei der Anstalt aufgeführt wurde. Herr Himmler hat seine Sicht dargestellt.
Und ich sage dies als jemand der kaum oder gar keine Berührungspunkte mit dem ZDF hat.
Es ist ja nicht nur eine andere (subjektive) Eigenbewertung, selbst der explizite Verweis auf die Wissenschaft erfolgt in der Episode nur wenn die Wissenschaftler mit dem Podcast einig sind.
In der selben Episode wurde betont dass die meisten Volkswirte gegen eine Tanksubvention sind, sogar mit O-Ton (wenn ich mich richtig erinnere). Bei dem Hauptthema, Enteignungen? Da gab es keine Stimmen der Wissenschaft, bis auf ein paar vage Gegenargumente die die linke Kandidatin problemlos zerpflücken konnte.
Hm, gibt es denn zu dem Thema ein vergleichbar klares Meinungsbild? Ich vermute nicht, allein, da die Frage einer möglichen Vergesellschaftung und wie die konkret aussehen könnte, noch relativ offen sind. Wie man mit an sich wenig markttauglichen Gütern wie bspw. Wohnraum als Staat regulativ umgehen sollte, oder auch nicht, ist zumindest in meiner Studienzeit (die allerdings auch schon in grauer Vergangenheit liegt) ein ziemlicher Streitpunkt unter Volkswirten gewesen. Hat sich das mittlerweile so grundlegend in eine Richtung geändert?
Es gibt in der VWL sehr klare Empirische Studien, die zeigen dass Mitpreisbremsen international zwar in wie gewuenscht die Mieten der getargeten Wohnungen reduzieren, dafuer allerdings die Mieten der anderen Wohnungen (ausserhalb. der Bremse) hochgehen, insgesamt langfristig weniger gebaut und renoviert wird, die Wohnungsqualitaet faellt, und Mieter weniger ausziehen (was i.d.R. bedeutet dass es mehr mismatch gibt zwischen Mietern und ihren Wohnungen (so grosse Wohnung, zu kleine Wohnung). Soweit die Empirie. In der Theore gibt es noch die Marktmacht der Vermieter – falls die großen Vermieter wirklich Marktmacht haben sollten, gaebe es Grund zum Eingriff nach Kartellamtlicher Logik, aber das bedeutet in der Regel Preisregulierung, und nicht Enteignung. Und Marktmacht zeigt sich i.d.R. dadurch aus, dass man das Gut bewusst knapp haelt (also Leerstaende langfristig toleriert um einen hoeheren Mitpreis durchzusetzen).
Insofern sind sich Volkswirte bereits bei der Mietpreisbremse sehr (!) einig, dass diese eine schlechte Idee ist (siehe auch die Surveys zitiert auf Rent control - Wikipedia ), da muss man mit Enteignung und ihren zusaetzlichen Katastrophalen Folgen gar nicht anfangen.
Interessant hier ist ja in dem Kontext, dass beides Preisbremsen sind: Mitpreisbremse, und Spritpreisbremse.
In beiden Faellen ist die volkswirtschaftliche Logik klar: Preis-subventionen verzerren den Markt. Wenn du den Betroffenen helfen willst, gib ihnen Transfers/Cash.
Die Argumentation ist ja, dass teurer Sprit ein knappes Gut charakterisiert und damit zum sparen aufruft und zum suchen nach Alternativen.
Inwiefern beim Wohnen Sparen (gerade in Anbetracht dessen, dass Familien oft sowieso schon in zu kleinen Wohnungen wohnen, getrennte Paare mangels Alternativen weiterhin die Wohnung manchmal sogar das Bett teilen) und Alternativen attraktiv gemacht werden sollen, musst Du meines Erachtens erklären.
Das ist praktizierte Meinungsfreiheit - es gibt auch podcasts, die eher auf der anderen Seite stehen. Gut so.
Das ist Vielfalt, wie sie sein soll - bunt und abwechselungsreich.
Im Interview ging es aber um Enteignungen - ein völlig anderes Instrument.
Was eine hohe Quote von Wohnungen in öffentlichem Eigentum angeht, liefert die Stadt Wien die beste Evidenz, dass das Kalkül der Linkspartei durchaus aufgehen könnte: Dort genügt eine Quote von 40% günstiger öffentlicher Wohnungen, um die Mieten für alle Wohnungen signifikant zu senken - und zwar ohne dass man für die 60% Wohnungen auf dem freien Markt überhaupt noch eine Regulierung der Miethöhe bräuchte.
Die natürlichste Analogie zum Sprit sparen durch Verkehrsmittelwechsel wäre die Verdrängung von Menschen aus dem beliebten Viertel oder der beliebten Stadt in unbeliebtere Orte. Da damit der beliebten Stadt früher oder später die Arbeitskräfte ausgehen sinkt dort die Lebensqualität. Die Stadt wird damit unbeliebter und die unbeliebten Regionen werden relativ attraktiver. Dieser Weg ist natürlich nicht wirklich einer, den wir gehen wollen, aber er steht ebenso offen wie von jmd. zu erwarten 90 Minuten Fahrzeit mit den Öffis zu verbringen, statt 30 Minuten mit dem PKW (oft Benziner).
Was die Stimmung unter Wissenschaftlern zur Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen angeht (@JohanneSAC), so scheint das Bild einigermaßen divers zu sein. Die großen deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institute wie IW (wirtschaftsnah), DIW (relativ unabhängig, da Teil der Leibniz-Gesellschaft) sehen sie eher kritisch. Die Hans-Böckler-Stiftung (gewerkschaftsnah) steht dem Gedanken naturgemäß wesentlich aufgeschlossener gegenüber. Vereinzelt gibt es außerdem noch aktivistische Thinktanks, die pro Vergesellschaftung tendieren, aber auch befangen sind.
Allen Einschätzungen gemein ist allerdings, dass die Vergesellschaftung die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht lösen wird. Stattdessen fordern sie eine deutliche Ausweitung des Wohnungsbaus. Ob man daran glaubt, dass eine Stadt, nachdem sie dutzende Milliarden aufgewendet an Krediten aufgenommen hat und weitere Mrd. in den absehbar entstehenden Sanierungsstau stecken muss, ist vermutlich sehr subjektiv.
Und damit wird das Argument hinfällig.
Es geht auch gar nicht um die zukünftigen Pendler, sondern um die Unternehmen dort, denen man das dann auch so kommunizieren müsste.
Denn die sind, sobald das passiert, am gleichen Tag im Rathaus, am nächsten Tag mit dem Bürgermeister bei ihrem Abgeordneten und am dritten Tag bei der Presse.