LdN 490 - Gedanken zur Pazifismus-Folge

dazu habe ich gerade erst verlinkt über die Kolumne https://klimareporter.de/gesellschaft/ueber-anpassung-an-die-krise-konsens-in-der-transformation-und-den-frieden-mit-mensch-und-natur von Michael Müller das Interview mit „Kreml-Politologe“ Trenin https://archive.ph/8sssP#/https://www.berliner-zeitung.de/article/kreml-politologe-ukraine-krieg-transformiert-sich-zum-vaterlaendischen-krieg-gegen-den-westen-10272199 gelesen. Demnach ist Russland mittlerweile davon überzeugt, dass es vom Westen zerschlagen werden soll, und zieht daher alle Register.
Im Vergleich zu einer drohenden Zerschlagung des eigenen Staates könnte ja sogar die zugesicherte Souveränität in bestehenden Grenzen ein besseres Ergebnis sein, aber dann hätte Putin diesen Krieg nicht beginnen und aufrecht erhalten brauchen. Putin denkt wohl in den Grenzen der ehemaligen UdSSR oder in früheren Zarenreich-Ausdehnungen. Und Ziel der militärischen Spezialoperation war, die Ukraine „heim ins Reich“ zu holen - also in ein totalitäres Russland.
Ich bin ziemlich ratlos, wie man dieses Schlamassel aufgelöst kriegt, und wie ein besserer Verlauf hätte passieren können. :cry:

Ein Befehlshaber hat die Möglichkeit, Einheiten, die nicht seine Ziele erreichen, auszutauschen, oder auch Befehlsverweigerer und Deserteure erschießen zu lassen.
Dazu kommt, dass sich die russische „Armee“ aus zum Dienst eingezogenen Truppen und (auch ausländischen) Söldnern, die teilweise eine Gefängnisstrafe durch ihren Dienst abwenden/beenden konnten, zusammensetzt. Von denen die einen teilweise ihre Familien eben gerade durch ihr Opfer aus einer prekären Lage befreien können, die anderen daran teilnehmen, weil sie Lust am Morden haben.
Daher denke ich, die vorgegebenen strategischen Ziele lassen sich nur temporär unterlaufen, dadurch dass Soldaten an der Front ihr Gegenüber nicht als Feind ansehen und behandeln wollen.

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[Edit:] Das stimmt.

Wichtiger als der Einsatz bestimmter Begrifflichkeit ist aber das Wiederkäuen der BSW-Kreml-Narration an dieser Stelle.

Auch wenn das von sehr wahrscheinlich niemandem intendiert war, ist es doch problematisch, wenn nicht auch mindestens so ausführlich auf Putins eleminatorischen Imperialismus (s.o.), der nur en passant mal angedeutet wurde, eingegangen wird.

Und ich sage ja nicht, dass lageseitig keine plausiblen Gegenargumente gekommen wären, ich sage nur, dass mir dieser m.E. sehr wichtige Punkt unterbelichtet blieb.

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Ein wörtliches Zitat nebst entsprechendem Timecode wäre als Beleg m. E. sehr viel hilfreicher. Ich finde, dass solcch pauschale und leichtfertig erhobenen Vorwürfe dem Gast und seiner Argumentation nicht gerecht werden - unabhängig davon, ob man ihr zustimmt oder nicht.

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Timecode: 1:10:28

Beim zweiten Nachhören konzediere ich, dass der konkrete Begriff „Sicherheitsgarantien“ doch einheitlich im von dir genannten Sinne als Garantien für die Ukraine verwendet wurde. An dem Punkt korrigiere ich mich ohne Wenn und Aber.

Sorry dafür.

Das BSW-Kreml-Narrativ kam allerdings trotzdem vor.

Zitat: „Es gibt da Indizien dafür, dass Putin sogar gesagt hat, es muss jetzt beschleunigt in diese Richtung laufen.“

Timecode: 1:11:42

Die Sprache ist da schon recht eigentümlich, ums mal so zu sagen.

Und, um das auch noch klarzustellen, ich habe hier gar nichts grundsätzlich gegen die von Olaf Müller geäußerte Meinung.

Und ich behaupte auch nicht, dass er irgendwie kremlnah wäre.

Im Gegenteil. Frappierend finde ich aber, dass ihm trotzdem sowas wie das Zitierte unterläuft. Von einem Philosophie-Prof hätte ich da schon eine quellenkritischere Haltung erwartet.

Geradezu ‚putzig‘ fand ich dann, als er auf die Überschrift des FA-Artikels abhob, so, als sei dessen Inhalt weniger wichtig.

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Ich sehe die negativen Auswirkungen sich nicht zu wehren weit schlimmer, als es Prof. Müller tut. Er vergleicht ja vier Jahre Krieg mir vier Jahren leben in Okkupation. Aber selbst wenn der Krieg jetzt nochmal vier Jahre dauert, irgendwann ist er vorbei. Wann eine Okkupation endet, kann halt keiner vorhersagen.

In der Russischen Föderation leben ja auch nicht nur Russen. Hier werden ganz viele Völker von Moskau aus und damit quasi von Russen regiert. Das sind jene Völker, aus denen allerdings der Großteil der Kämpfer in der Ukraine kommt. Weil deren alltägliche Lebensrealität so perspektivlos ist, dass ihnen die kleine Chance, an der Front ein wenig Geld zu verdienen, als die bessere Alternative erscheint, sterben diese für Russland. Die Lebenserwartung von Männern in Russland liegt bei 68 Jahren. In Deutschland sind es 79. Das sind ganz gravierende Auswirkungen von Misswirtschaft und Chauvinismus. Mal abgesehen von den 10.000 Menschen, die jedes Jahr in den Gefängnissen umkommen - das sind ja nicht nur bekannte Fälle wie Nawalny, oder von Menschen die ermordet werden, wie Politkowskaja. Russland ist eines der an Bodenschätzen reichsten Länder der Welt und Teile der Bevölkerung haben nicht mal ein richtiges Klo. Das bedeutet es in einer Diktatur zu leben.

Man ist ja dann nicht nur einfach besetzt, d.h. hat halt keine Macht über sein Territorium. Keine Meinungsfreiheit, Ende der Demokratie… das klingt immer so abstrakt. Sondern die Ressourcen des eigenen Landes stehen dann erst mal der Besatzungsmacht zur Verfügung. Wenn die Essen brauchen, bekommen die auch das Essen der Besetzten (siehe Holodomor) wenn die ein Medikament brauch, bekommen sie das Medikament, wenn denen Dein Haus gefällt, dann bekommen die Dein Haus und wenn die eine ärztliche Intervention brauchen, dann bekommen die eine ärztliche Intervention - egal ob da dann einer der Besetzten stirbt.

Die besetzten Menschen sind auf Arbeits- und Kampfkraft reduziert. Die Leute müssen nicht alle kaltblütig erschossen werden. Das machen Menschen tatsächlich eher nicht. Andere Menschen bis zum Tod ausbeuten? Das haben wir quasi die ganze Menschheitsgeschichte über getan, sei es durch Sklaverei, Fron- oder Strafarbeit und dies abzulehnen ist eine Errungenschaft der letzten 100 bis 200 Jahre. Diese Decke der Zivilisation ist in Russland noch ein bisserl dünner, als in vielen anderen Staaten Europas (looking at you AfD).

Das Beispiel, das Prof. Müller am Anfang bringt, ist super: Was denkt er denn, wie lange unter russischer Herrschaft die Leute dort noch gut bezahlte Arbeiter in einer modernen Stadt sind? Der russischen Führung sind die eigenen Leute schon egal, wie man ja an der Fortführung des Kriegs sieht, warum sollten sie die Ukrainer dann kümmern? Mal abgesehen davon, dass die Einnahme des Orts nicht so friedlich war, wie das hier von Prof. Müller behauptet wurde:

During the Russian invasion of Ukraine, due to the siege of Chernihiv by Russian forces, the city of Slavutych was completely isolated from most of Ukraine by late February, leading to shortages of food and medicine. On 26 March 2022, following days of shelling, the Russian troops entered the city, seized a hospital and detained the mayor Yuri Fomichev, while locals took to the streets to protest the occupation. Englische Wikipedia

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Was mir besonders unangenehm aufgefallen ist, ist dieses Othering der Nicht-Pazifisten. Hier die Pazifisten, dort die Gegner der Pazifisten. Wer soll denn das überhaupt sein? Klar gibt es ein paar Psychopathen, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als einen Krieg. Das wird allerdings die absolute Ausnahme sein. Die meisten Menschen wollen doch einfach nur in Frieden ihr eigenes Leben führen. Deswegen hat man sich ja in Istanbul zusammengesetzt, deswegen gab es ja die Minsker Verträge und das Budapester Memorandum. Sie sind halt alle an dem Verlangen Putins, so etwas wie die Sowjetunion wieder herzustellen, gescheitert. Nicht „der Pazifist hat mit dem Suchscheinwerfer gesucht, wo es solche Alternativen gegeben hätte“, sondern die Ukraine und Russland haben diese Alternativen gesucht. Vor allem, weil die Ukraine ihre Soldaten nicht in den Tod schicken wollte. Die Ukraine hätte in Istanbul weitreichende Eingeständnisse geben sollen, die von Russland diktiert wurden. Warum denkt denn Russland, dass es dies darf? Die Verhandlungen sind dort nicht an den fehlenden Bemühungen der Ukraine oder des Westens gescheitert, sondern am erklärten Ziel Putins, dass Russland wieder Weltmacht wird und seiner Einflusssphäre Vorschriften machen darf. Es hat sich nicht der West für den Krieg entschieden, sondern Putin. Dieser kann ihn auch jederzeit beenden.

Hier, wir Pazifisten, dort die kriegstreiberische Mehrheit - so funktioniert das doch nicht. Die Nato ist keine homogene Gruppe von Kriegstreibern und schon gar nicht „der Westen“. Das hat man sehr gut am amerikanischen Angriffskrieg auf den Iran gesehen, aber auch schon beim zweiten Irakkrieg, dem Balkankrieg oder dem libyschen Bürgerkrieg (hier gab es sogar eine UN-Resolution, von wegen umstritten und so). Da haben sich ja nicht alle westlichen Staaten mit Kriegsgebrüll in den Kampf gestürzt und ein paar wenige Pazifisten waren da dagegen. Das wurde gesellschaftlich breit diskutiert, 2003 gab es die größte Friedensdemodemo der deutschen Geschichte gegen Bush und den Angriff der USA auf den Irak. Wer sind „die Pazifisten“ die man da zu Rate ziehen sollte?

Die Kosovo Albaner wurden von „uns“ nicht frei gehauen, sondern die UÇK hat einen Befreiungskampf geführt. Da wurden nicht vom Westen irgendwelche Grenzen verschoben. Ganz nach „pazifistischer“ - ich würde ja sagen menschlicher - Gepflogenheit, wurden auch Verhandlungen geführt, um diese Kämpfe zu beenden, die eben scheiterten. Wenn das passiert, ist das tragisch. Es kam aber eben genau zu den Konsequenzen, die Prof. Müller ja auch fordert, dass eine Schutzmacht eingreift. Freiwillig. Den Kosovoalbanern hat einfach nie jemand versprochen, dass man den Kampf für sie führt. Warum sollten diese also enttäuscht sein vom Westen, weil dieser sie zumindest vor Angriffen aus der Luft beschützt hat? 800.000 wären die hochgerechneten Toten auf Deutschland. 800.000 Menschen sind in der Zeit zwischen 1945 und 1953 in russischen Gulags umgekommen - in acht Jahren. Zu Friedenszeiten.

Es ist Russland, das mit einem Atomkrieg droht, niemand anderer. Ob Putin Kernwaffen einsetzt, ist ganz alleine die Entscheidung Putins. Und es ist nicht die Nato, die Putin im Unklaren lässt, sondern es ist Putin, der aus einer militärischen Übung mit Belarus eine militärische Spezialoperation in der Ukraine macht. Wo ist die Furcht von Prof. Müller, dass sich hier der internationale Konflikt zwischen Atommächten entzünden hätte können? Die USA hätten ihre gegenüber der Ukraine gegebenen Versprechen ja auch einhalten können.

Was natürlich auch merkwürdig ist, ist seine Haltung, wann dann Gewalt doch zur Anwendung kommen darf. Also wenn man der Ukraine die territoriale Integrität in Budapest garantiert, dann ist nachher weder ein Eingreifen des Westens gerechtfertigt, noch die Lieferung von Waffen um sich selber verteidigen zu können, wenn die Russen angreifen. Aber wenn die Verhandlungen in Istanbul erfolgreich gewesen wären und die Ukraine wäre dann nochmal von Russland angegriffen worden, dann hätte es schon militärische Konsequenzen geben sollen. Wofür der Westen ja auch ein Waffenarsenal, sowohl konventionell als auch atomar, vorhalten müsste und wo es dann zu den gleichen „Missverständnissen“ kommen kann. Warum dann jetzt nicht?

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Ein Punkt der mir bei der Diskussion zu kurz kam ist die rechtliche Konsequenz des staatlichen Verteidigungsfalles im Falle einer Invasion vor allem im Kriegs- und internationalen Völkerrecht.

Sollte im Verteidigungsfalle die Verteidigung durch das Militär tatsächlich aus pazifistischen Gründen ausbleiben, würde ja das Territorium annektiert. Die rechtliche Konsequenz dieser Gebietsübertragung wird dann auch, dass der angegriffene Staat de jure der Annexion zustimmt, da er sich nicht verteidigt hat (und keinen direkten Schaden in form von Menschenleben) erlitten hat. In Folge verwirkt der Staat auch weiterhin jegliche zukünftigen rechtlichen Ansprüche auf das Annektierte Staatsgebiet.

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Ja, ganz genau! Das hat mich auch irritiert. Als würden „nicht-Pazifisten“ nicht genau die Gratwanderung unternehmen wie die „relativen“ Pazifisten: Man ringt um die richtige Entscheidung und den richtigen Zeitpunkt.

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Als ich die Folge gehört habe hatte ich eine Assoziation mit einem Schachspiel. Putin wirft seine Truppen in die Schlacht und opfert diese gnadenlos, irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Rekrut der an die Front geschickt wird da eine Rest-Lebenserwartung von 30 Minuten hat. Und er greift auch die Zivilbevölkerung an und nicht nur „militärische Ziele“.
Mir tun alle Menschen leid die auf diesem Schlachtfeld sterben oder verwundet werden, aber obwohl ich selbst damals (1984, kurze Zeit nach dem Abschuss von KAL 007 durch die Sowjetunion) den Wehrdienst verweigert habe bin ich doch der Ansicht, dass ein angegriffenes Land wie die Ukraine ein Selbstbestimmungsrecht hat. Wenn wir diese Grundsätze erodieren lassen, dann holt sich als nächstes China Taiwan und Trump verleibt sich Grönland und Kanada ein. Ich will in keiner Welt leben in der nur noch der aktuell „Stärkere“ regiert und tun und lassen kann was er will, denn das ist Barbarei.
Und zurück zur Schachspiel-Metapher. Ich würde befürworten, dass wie beim Schach das Primärziel nicht Landgewinn ist, sondern das Ausschalten des gegnerischen Oberbefehlshabers, in diesem Falle also Putin. Der zweite Weltkrieg in Europa war ja auch erst vorbei nachdem sich Hitler erschossen hatte, solange wurde die Illusion vom „Endsieg“ aufrecht erhalten. Putin muss fallen, dann wird es vielleicht besser.

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Philosophisch, d.h. begrifflich hätte mich die Definition des relativen Pazifismus noch mehr interessiert. Es könnte nämlich (mit Müllers Definition) sein, dass alle relative Pazifisten sind, und sich nur in der Einschätzung von Risiken und im Menschenbild und Weltbild unterscheiden. Wie trennscharf ist dieser Begriff also?

Müller sucht den Unterschied in der „ersten Ableitung“ des Verhaltens, also darin, wie Entscheidungen vorbereitet werden, nicht darin, wie Entscheidungen getroffen werden. Das scheint mir logisch ein korrekter Ausweg daraus zu sein, dass der Pazifismus erster Ordnung (der „absolute“) gescheitert ist. Es hat aber den Preis, dass man damit den Durchgriff auf das, was tatsächlich geschehen soll, preisgibt.

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Hm, haben wir dazu eine Quelle? De facto hat doch die BRD zwischen 1949 und 1990 den Anspruch auf ein geeintes Deutschland nie aufgeben, auch wenn man keine Anstrengung unternahm, die Rote Armee aus Ostdeutschland zu vertreiben.

Einer der Mechanismen mit denen ein Einfrieren eines Konflikts funktionieren kann, ist ja, dass sich beide Seiten auf eine Waffenstillstandslinie verständigen, ohne darin ein Präjudiz für eine Aufgabe der eigenen Ansprüche zu sehen.

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Wenn überhaupt, dann wird die Annexion de facto anerkannt, aber nicht de jure. Nach deiner Logik wäre ja halb Westeuropa nach 1945 ein Teil Deutschlands geblieben. Und genau darum - um eine Anerkennung da facto, aber eben nicht de jure - geht es ja auch im Falle der Ukraine.

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Was in einer philosopischen resp. spieltheoretischen Perspektive natürlich notwendig ausgespart bleibt, ohne dieser generell die Nützlichkeit abzusprechen, ist die Psychologie, die auch hier wieder bedeutsam ist, wenn man das Denken und Handeln der Akteure verstehen will.

Vermeintliche Verhandlungslogiken und angebliche Nutzenkalküle kann man - hart gesagt - in die Tonne treten, wenn man es mit bestimmten Persönlichkeitstypen zu tun hat.

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Hier mal etwas Psychologie:

Psychodiagnostisch relevante Daten über Putin wurden aus biografischen Quellen und Medienberichten zusammengetragen und mithilfe des „Millon Inventory of Diagnostic Criteria“ (MIDC) zu einem Persönlichkeitsprofil zusammengefasst, das 34 normale und maladaptive Persönlichkeitsklassifikationen liefert, die mit DSM-III-R, DSM-IV und DSM-5 übereinstimmen.

Das durch das MIDC erstellte Persönlichkeitsprofil wurde auf der Grundlage der Interpretationsrichtlinien analysiert, die in den Handbüchern zum MIDC und zum Millon Index of Personality Styles enthalten sind. Putins primäre Persönlichkeitsmuster erwiesen sich als dominant/aggressiv (sadistisch-feindselig) und ehrgeizig/ausbeuterisch (pathologisch narzisstisch), mit sekundären Mustern wie gewissenhaft/pflichtbewusst (zwanghaft) und zurückhaltend/distanziert (introvertiert), einer untergeordneten Tendenz zu Unerschrockenheit/Abenteuerlust (risikofreudig) sowie geringfügigen Merkmalen von Misstrauen/Argwohn. Die Mischung der primären Muster in Putins Profil ergibt einen zusammengesetzten Persönlichkeitstyp, der als der eines expansionistischen, feindseligen Durchsetzers charakterisiert werden kann.

Dominante Personen genießen die Macht, andere zu lenken und Gehorsam und Respekt zu erzwingen; sie sind hart und unsentimental und erweisen sich oft als effektive Führungskräfte. Sie sehen sich selbst als selbstständig, unnachgiebig und stark und neigen nicht dazu, Mitgefühl zu empfinden oder auszudrücken. Im pathologischen Bereich dieses Musters zeigen sie zwanghaftes Verhalten und eine Vorliebe dafür, Gegner zu demütigen; sie sind herrisch, einschüchternd, streitsüchtig und unüberlegt aggressiv; und sie sind geschickt darin, ihren Willen durchzusetzen, indem sie andere durch Einschüchterung zur Unterwerfung zwingen. Dieses Persönlichkeitsmuster verkörpert die „feindselige“ Komponente von Putins Persönlichkeitsprofil.

Putins wesentliche persönlichkeitsbezogene Stärken in einer politischen Rolle sind sein gebieterisches Auftreten und seine selbstbewusste Durchsetzungskraft. Seine wesentlichen persönlichkeitsbezogenen Schwächen sind seine kompromisslose Unnachgiebigkeit, sein Mangel an Empathie und Sympathie sowie seine kognitive Inflexibilität.

(Übers. m. DeepL)

Das sollte nun eigentlich niemanden überraschen, aber in Kombination mit faschistischer Ideologie ist das eine brisante Mischung.

In letzter Konsequenz würde es bedeuten, dass die Welt sich in 3-4 Teile aufteilt. Russland würde nicht bei der Ukraine aufhören, China hätte sich Taiwan längst gegönnt und Trump… ohne Gegenwehr gehörte Kanada längst USA und Grönland auch. Und auch er würde da nicht aufhören.

All diese Regime haben etwas gemeinsam, LGBTQ wird dort unterdrückt, weil das aber ja auch besser als Krieg ist, werden wir auch damit leben müssen.

Wo ist der Punkt an dem man sich nicht länger weg duckt? Und wenn der Punkt erreicht ist, wo endet er, wo hört dann der Widerstand wieder auf, an welcher Stelle ist es wieder gut genug, dass man wieder wegschauen kann?

Und wer leistet dann diesen Widerstand? In dieser pazifistischen Welt gäbe es ja keine Opposition mehr.

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Ich hab mir so viel versprochen von diesem Interview, mit einer differenzierten Sicht, neuen Aspekten, einem subtilen Diskurs.
Und dann sagt der Themengast: Wenn man von Anfang an lieb zu den Russen ist, egal was Putin sagt, dann wird es weniger schlimm. Sie besetzen dein Land, aber du wirst nicht so doll vergewaltigt, juhu. Dieses Ausmaß an Naivität kann man sich gar nicht ausdenken. Geht es nur um die Zahl der Toten? Zählt die Freiheit nichts? Fällt Fremdbestimmung bzw. deren Vermeidung nicht in die Waagschale?
Na klar, die romantischen Beispiele, wie es ganz lokal, im direkten Kontakt mit dem Aggressor, ablaufen kann, die sind total süß. Das trännennasse Auge direkten Blicks ins Kanonenrohr, das wurde oft genug verfilmt. Aber was immer man da tut, ändert eben nichts, absolut nichts daran, was im Kreml beschlossen und befohlen wird.
Schade, Chance verpasst. Ich bin heute nicht mehr zum Pazifisten geworden. Bereit war ich, aber nö.

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Also dein Kommentar liest sich jetzt nicht so, als wärst du um Haaresbreite zum Pazifisten geworden, wenn nur das Interview anders gelaufen wäre.:wink:

Inhaltlich glaube ich keine Sekunde, dass man mit Putins Russland als Nachbarn dauerhaft friedlich leben kann, wenn man keine nukleare und konventienelle Abschreckung hat. Trotzdem würde ich doch darum bitten, hier auf polemische Falschzitate zu verzichten und absolute Positionen zu unterstellen, die der Gast ausdrücklich nicht vertreten sondern denen er teils ausdrücklich widersprochen hat.

Ich freue mich allgemein, dass die abwägende Sachlichkeit des Interviews sich auch in der Kommentarspalte fortsetzt. Lasst uns doch das bitte fortsetzen.

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Merkwürdig fand ich auch das Tabu-Argument. Wenn Hiroshima und Nagasaki zu einer Tabuisierung geführt haben, woher nimmt er die Sicherheit, dass ein weiterer Atomschlag eine völlig andere Reaktion hervorrufen würde? – Ich will das überhaupt nicht ausschließen, aber argumentativ schlüssig finde ich es nicht.

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Ja, das ist auch keineswegs so eindeutig, wie Müller das annimmt. Aber trotzdem fand ich es gut, dass das nicht weiter verfolgt wurden, denn die dafür entscheidenden Fragen liegen außerhalb der Expertise aller drei Gesprächsteilnehmer. Wird wohl Gründe geben, warum die nuklearen Drohungen der Russen nach Gesprächen in Peking deutlich abgenommen haben, aber ohne beim Gespräch dabei gewesen zu sein, kann man die Gründe natürlich nur vermuten. Meine persönliche Vermutung: Alle Nuklearmächte sind im Grundsatz ganz froh, dass sie diese Waffen nicht einsetzen müssen und dafür ist das nukleare Tabu ein wichtiger Baustein. China mit den Nachbarn Pakistan und Indien dürfte wenig Begeisterung dafür entwickeln, den Einsatz von Nuklearwaffen zu normalisieren.

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Als Beispiel für eine andere Einschätzung der nuklearen Option hier ein aktueller Beitrag von Andreas Umland aus Foreign Policy. Eines seiner Kernargumente bleibt, dass die Drohung mit der Bombe für Putin eine viel wirksamere Waffe ist als die Bombe selbst. Denn die Kosten des erwähnten Tabubruchs hätte Russland zu tragen - und das sei für das Land sehr viel leichter, wenn Russland kurz davor ist, den Krieg zu gewinnen, als wenn es sich mit dem Rücken an der Wand sieht.
Fest steht allerdings, dass die Drohungen aus Moskau die Einschätzungen etwa in den USA wirksam geprägt haben und dass es vermutlich nach 2022 kaum noch einen Staat geben dürfte, der - wenn er dazu in der Lage ist - sich nicht um atomare Bewaffnung kümmert.

Alternativ: https://archive.is/i3QiR

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