Ja, es gibt schon zwei Threads zu dem Kapitel, aber mir geht es um etwas anderes:
Danke, @vieuxrenard und @philipbanse für diesen Überblick. Und Chapeau für den Inhalt. Ja, als Volkswirt müsste ich Euch in dem einen oder anderen Detail widersprechen, aber im Großen und Ganzen war das ein sehr solides „Wirtschaftspolitik 101“. Ich habe die LdN immer in einem Punkt kritisiert: Wirtschaftskompetenz. Hier habt Ihr gezeigt, dass Ihr Euch in neue, differenzierte, komplexe Themen einarbeiten und diese dann verständlich ohne unvertretbare Simplifizierung darstellen und einordnen könnt. Ganz großes Kino! Ich bin schwer beeindruckt.
Insbesondere, weil Ihr zum richten Schluss kommt: angebots- und nachfrageorientiete Politik schließlich sich nicht aus, sondern müssen sich ergänzen! Man muss Standortfaktoren verbessern und die Binnennachfrage stärken!
Daher sind Union und Sozialdemokraten diejenigen, die „ideologisch“ argumentieren und handeln - was fälschlicherweise immer den GRÜNEN zum Vorwurf gemacht wird.
Wer Steuersenkungen mit der Kürzung von Sozialleistungen finanziert, schwächt die Binnennachfrage, ohne die Standortfaktoren zu verbessern. Wer Migration bekämpft, schwächt Standortfaktoren. Wer Arbeitszeitregelung „dereguliert“, mag vielleicht Standortfaktoren verbessern, schwächt aber die Binnennachfrage (weil noch weniger geleistete Arbeit entlohnt wird).
Wer Lebensarbeitszeit als heilige Kuh ansieht, erhöht die Kosten von Arbeit und verschlechtert damit Standortfaktoren. Wer Maßnahmen verhindert, die Sozialbeiträge senkt, verschlechtert Standortfaktoren und die Binnennachfrage. Wer Gewinnmöglichkeiten verschlechtert, verschlechtert Standortfaktoren.
Ganz schlimm: Wer über Streit und Blockade politische Ergebnisse verhindert und verzögert, erhöht die Umsicherheit aus Sicht von Unternehmer. Und wer in früheren Regierungen getroffene Entscheidung - aus ideologischen Gründen - zurück dreht, erhöht Unsicherheit. Und Unsicherheit bremst Investitionsbereitschaft.
Ach ja: Investitionen sind (neben Staatsausgaben und Verbraucher-Konsum) ein keineswegs unwichtiger Teil der Binnennachfrage!! An der gesamtwirtschaftlichen Binnennachfrage in Deutschland (inländische Verwendung ohne Außenbeitrag) entfielen 2025 grob rund 50–55 % auf privaten Konsum, etwa 20–25 % auf staatlichen Konsum und rund 20–25 % auf Investitionen (Bruttoanlageinvestitionen).
