LdN 481: Einführung in die Wirtschaftspolitik

Ja, es gibt schon zwei Threads zu dem Kapitel, aber mir geht es um etwas anderes:

Danke, @vieuxrenard und @philipbanse für diesen Überblick. Und Chapeau für den Inhalt. Ja, als Volkswirt müsste ich Euch in dem einen oder anderen Detail widersprechen, aber im Großen und Ganzen war das ein sehr solides „Wirtschaftspolitik 101“. Ich habe die LdN immer in einem Punkt kritisiert: Wirtschaftskompetenz. Hier habt Ihr gezeigt, dass Ihr Euch in neue, differenzierte, komplexe Themen einarbeiten und diese dann verständlich ohne unvertretbare Simplifizierung darstellen und einordnen könnt. Ganz großes Kino! Ich bin schwer beeindruckt.

Insbesondere, weil Ihr zum richten Schluss kommt: angebots- und nachfrageorientiete Politik schließlich sich nicht aus, sondern müssen sich ergänzen! Man muss Standortfaktoren verbessern und die Binnennachfrage stärken!

Daher sind Union und Sozialdemokraten diejenigen, die „ideologisch“ argumentieren und handeln - was fälschlicherweise immer den GRÜNEN zum Vorwurf gemacht wird.

Wer Steuersenkungen mit der Kürzung von Sozialleistungen finanziert, schwächt die Binnennachfrage, ohne die Standortfaktoren zu verbessern. Wer Migration bekämpft, schwächt Standortfaktoren. Wer Arbeitszeitregelung „dereguliert“, mag vielleicht Standortfaktoren verbessern, schwächt aber die Binnennachfrage (weil noch weniger geleistete Arbeit entlohnt wird).

Wer Lebensarbeitszeit als heilige Kuh ansieht, erhöht die Kosten von Arbeit und verschlechtert damit Standortfaktoren. Wer Maßnahmen verhindert, die Sozialbeiträge senkt, verschlechtert Standortfaktoren und die Binnennachfrage. Wer Gewinnmöglichkeiten verschlechtert, verschlechtert Standortfaktoren.

Ganz schlimm: Wer über Streit und Blockade politische Ergebnisse verhindert und verzögert, erhöht die Umsicherheit aus Sicht von Unternehmer. Und wer in früheren Regierungen getroffene Entscheidung - aus ideologischen Gründen - zurück dreht, erhöht Unsicherheit. Und Unsicherheit bremst Investitionsbereitschaft.

Ach ja: Investitionen sind (neben Staatsausgaben und Verbraucher-Konsum) ein keineswegs unwichtiger Teil der Binnennachfrage!! An der gesamtwirtschaftlichen Binnennachfrage in Deutschland (inländische Verwendung ohne Außenbeitrag) entfielen 2025 grob rund 50–55 % auf privaten Konsum, etwa 20–25 % auf staatlichen Konsum und rund 20–25 % auf Investitionen (Bruttoanlageinvestitionen).

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Ich finde es auch wunderbar, dass das etwas größere Bild in Sachen Wirtschaftspolitik mal in den Blick genommen wurde. Für mich ist allerdings die wirklich spannende Frage an der Stelle tatsächlich weniger eine inhaltliche, sondern eine -wenn man so will- psychologische oder medientheoretische. Wie kann es sein, dass praktisch der gesamte politische Betrieb und 90% des politischen Journalismus komplett einseitig, faktenresistent und realitätsblind nach wie vor auf dem neoliberalen Wettbewerbstrip der 90er kleben geblieben sind?

In der CDU beleidigt man lieber eine Gruppe nach der anderen durch (jetzt neu: Studierende, oder solche die es sich nicht leisten können) auf der Suche nach ähnlichen Wahlergebnissen, wie die SPD, statt sich der wirtschaftlichen Realität der unteren 70% im Lande zu stellen.

Und diese Feststellung trifft ja nicht nur auf Deutschland, sondern im Grunde auf den gesamten Westen zu. Unabhängig von konkreter politischer Gestaltungsrealität der letzten 30 Jahre haben wir erodierende Mittelschichten, explodierende Vermögen an der Spitze und im Schlepptau den Erfolg von rechten Fringe-Spinnern, die die Unzufriedenheit aufsaugen.

Und trotzdem würden sich praktisch alle Spitzenpolitiker und Wirtschaftslenker eher beide Arme abhacken lassen, als Umverteilung zu fordern. Und werden dabei vom inneren journalistischen Mainstream noch frenetisch gefeiert (unbequeme Wahrheiten aussprechen, wenn man die Lebensrealität der ärmeren Hälfte verschlechtern will).

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass das, was all diese Menschen, die etwas zu sagen haben eint, schlicht Survivorship-Bias ist. Sie haben es geschafft. Und verklären dabei ihre Privilegien zu Leistung. In ihrer Realität sind sie ausschließlich von Menschen umgeben, denen es genauso geht. Ich glaube nicht, dass Friedrich Merz in den letzten 30 Jahren nur ein vertrauliches Gespräch mit jemandem hatte, der nicht Multimillionär war. Und diese Menschen erleben den Staat als Hindernis. Sie haben es TROTZ des Staates geschafft. Trotz Steuern und Bürokratie. Trotz Regulierung und Steuerprüfung. Und aus diesem Grund misstrauen sie dem Staat und allen, die sich auf ihn verlassen müssen. Jeder, mit dem Merz je gesprochen hat, weiß besser, was mit seinem Geld zu tun wäre, als es ins Steuersäckel zu werfen.

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Lustig, diese Frage haben wir uns auch gestellt. Perplexity warf dazu aus (keine Sorge, wir übernehmen natürlich nichts ungeprüft, aber lassen uns gerne Quellen suchen):

Die intellektuelle Dimension: Ordoliberalismus als Tiefenstruktur
Deutschland hat eine genuín eigene wirtschaftstheoretische Tradition, die sich von angelsächsischem Neoliberalismus unterscheidet, aber in der praktischen Politikempfehlung ähnliche Ergebnisse produziert: den Ordoliberalismus der Freiburger Schule. Dessen Kernidee ist nicht „Märkte sind immer richtig“, sondern „ein starker Staat setzt den Rahmen, innerhalb dessen Märkte frei funktionieren“ — mit stabilen Preisen, soliden Finanzen und Wettbewerbsordnung als obersten Zielen.
Das erklärt mehrere deutsche Eigenheiten gleichzeitig: die Fixierung auf Preisstabilität, die fast religiöse Bedeutung der Schwarzen Null, die Skepsis gegenüber Staatsschulden auch dann, wenn Zinsen negativ sind. Das sind keine irrationalen Positionen — sie haben eine intellektuelle Heimat. Aber sie sind für eine Nachfrageschwächerezession schlecht kalibriert, weil der Ordoliberalismus Konjunkturpolitik grundsätzlich misstraut.
Die Machtdimension: Wo sie real ist
Hier muss man präzise sein, weil „Medieneinfluss von Wirtschaftskreisen“ schnell verschwörungstheoretisch klingt — was der Realität nicht gerecht wird, die subtiler und deshalb schwerer angreifbar ist.
Was real existiert:
Erstens: Organisierte Interessen mit professioneller Kommunikation. BDI, DIHK, Arbeitgeberverbände haben Pressestellen, Volkswirte, Studienbudgets und etablierte Medienkontakte. Sie können innerhalb von Stunden auf ein Ereignis reagieren, eine Studie zitieren, einen Experten benennen. Das ist keine Korruption — es ist strukturelle Überlegenheit in der Kommunikationsinfrastruktur. Die Gewerkschaftsseite hat das auch, aber schwächer.
Zweitens: Verflechtung über Aufsichtsräte und Beiräte. Viele Chefredakteure und leitende Wirtschaftsjournalisten sitzen in Beiräten, werden zu Unternehmensveranstaltungen eingeladen, pflegen persönliche Kontakte zu Unternehmensführern. Das erzeugt keinen direkten Einfluss auf einzelne Artikel — aber es formt das soziale Milieu, in dem Journalisten denken. Man schreibt nicht über Menschen, mit denen man dinner hat, wie über Fremde.
Drittens: Anzeigenabhängigkeit. Bei Wirtschaftsmedien ist dieser Faktor real, auch wenn er selten direkt wirkt. Kein Anzeigenkunde ruft an und sagt „schreib das nicht“. Aber Redaktionen wissen, wer ihre Anzeigen schaltet — und das kann Selbstzensur auf einer unbewussten Ebene erzeugen, die schwer messbar, aber empirisch dokumentiert ist.
Was überschätzt wird:
Direkte Steuerung von Berichterstattung durch Wirtschaftsinteressen ist in Deutschland seltener als in manchen anderen Ländern. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der einen Großteil der Mediennutzung abdeckt, ist strukturell unabhängiger von Anzeigeninteressen. Springer ist politisch eindeutig positioniert, aber auch das ist Weltanschauung, nicht Auftragsberichterstattung.
Der unterschätzte dritte Faktor: Journalistische Ausbildung
Wirtschaftsjournalisten in Deutschland werden überwiegend an Journalistenschulen ausgebildet, nicht an volkswirtschaftlichen Instituten. Das bedeutet: Sie beherrschen das Handwerk der Recherche und des Schreibens, aber nicht die Fähigkeit, ein makroökonomisches Modell zu evaluieren. Sie sind strukturell darauf angewiesen, Experten zu zitieren — und welche Experten leicht erreichbar, medienerfahren und verständlich kommunizieren, wurde oben schon geklärt: die angebotsorientierte Seite.
Das erzeugt einen epistemischen Bias ohne böse Absicht: Journalisten reproduzieren die Positionen, die am besten kommuniziert werden — nicht zwingend die, die empirisch am besten belegt sind.
Der vierte Faktor: Das Publikum
Wirtschaftspolitik ist in Deutschland kein Massenthema mit hoher emotionaler Mobilisierungskraft — außer wenn es um konkrete Entlastungen geht („Steuern runter“ mobilisiert, „Fiskalmultiplikator“ nicht). Medien bedienen Publikumsinteressen.
Fazit: Wie die Faktoren zusammenwirken
Es ist kein Komplott und keine monokausale Erklärung. Es ist ein System, in dem sich mehrere Faktoren gegenseitig verstärken:
Ordoliberale Universitätstradition formt die verfügbaren Experten. Wirtschaftsverbände kommunizieren professioneller als ihre Gegenspieler. Journalisten sind für Expertenurteile strukturell empfänglich. Medien optimieren auf Reichweite, nicht auf analytische Tiefe. Politiker folgen dem Mediendiskurs.

Wir haben das nicht aufgenommen, weil wir der Ansicht waren, dass das einer vertieften Recherche bedarf. Aber ich würde das gerne noch mal aufgreifen, also freue ich mich über Input dazu!

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Ganz vielen Dank, dass ihr euch dem Thema widmet. Das frage ich mich nämlich schon lange, warum die Debatte hierzulande immer so einseitig läuft.

Marktwirtschaft ist Angebot und Nachfrage. Das lernt jeder. Trotzdem wird sich bei der Wirtschafts- und Fiskalpolitik fast ausschließlich auf die Angebotsseite konzentriert, als ob die Nachfrage ganz von alleine entsteht, besonders in der öffentlichen Debatte.

Öffentliche Ausgaben, Konsum, gute Löhne, usw. werden nicht als essenziell notwendig für eine rund laufende Wirtschaft betrachtet, sondern umgekehrt, als nice-to-haves, wenn die Wirtschaft rund läuft. Diese schiefe Sicht spiegelt sich schon in so beliebten Allgemeinsätzen wie „jeder Euro muss erst verdient werden, bevor er ausgegeben werden kann“ wieder. Dabei ist doch völlig klar, dass jeder Euro erst ausgegeben werden muss, bevor er verdient werden kann. Das ist eigentlich auch kein Henne-Ei Problem. Geld verdienen, ohne dass ein anderer Geld ausgibt, das geht nicht. Geliehenes Geld ausgeben, dass niemand verdient hat, dagegen schon.

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Ich habe einen Punkt bei dem Thema nicht verstanden. Ich würde mich freuen, wenn mir das jemand erklären könnte.

Im Podcast wird gesagt, dass öffentliche Ausgaben eine größere Hebelwirkung erzeugen als private Ausgaben. Warum ist das so? Wenn sich genug Leute Waschmaschinen kaufen, kann das doch auch zu Investitionen in der Industrie führen und nicht nur der Bau von Brücken durch den Staat, oder?

Ist das wirklich so? Wer TAZ, SZ, etc liest, erhält auch die andere Seite. Teilweise mit Argumenten von Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Sozialverbänden, die ebenso einen Teil der Realität ausblenden.

Und in der SPD beleidigt man lieber Unternehmer

Da bin ich ganz bei Dir. wenn gleichzeitig auf die Standortfaktoren geachtet wird.

Sorry, aber ich wette, nicht mal 5% der Unions-Bundestagsabgeordneten können erklären, was die Freiburger Schule ist und warum die gut sein soll

Das gilt genauso für Politiker und Politologem!

Helmut Schmitt war der letzte Bundeskanzler mit tiefem VWL-Wissen. In den letzten 30 Jahren gab es nur Werner Müller [an den sich vermutlich kaum jemand hier erinnert], der als Wirtschaftsminister einen wirtschaftswissenschaftlichen Background hat. Karl Schiller („Superminister“ der 1960er/70er, ordoliberale Prägung, gilt bis heute als Inbegriff eines volkswirtschaftlich versierten Wirtschaftsministers) - das ist > 50 Jahre her!

soooo!

Ich kann mich aus meinem VWL-Studium erinnern, dass das so ist, aber leider nicht warum. Ich habe Perplexity bemüht:

Öffentliche Ausgaben haben häufig eine größere „Hebelwirkung“ als privater Konsum, weil sie gezielt in Bereiche fließen, die Produktivität, Einkommen und Nachfrage dauerhaft erhöhen (Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Sicherheit) [ist das überhaupt noch so?] und damit mehrfach über die Zeit wirken, während privater Konsum oft einmalig Nachfrage erzeugt und dann verpufft.

Auf kritische Nachfrage:

Spontaner privater Konsum, der sich aus individuellen Präferenzen und Erwartungen ergibt, ist ohne fiskalische Impulse nur begrenzt „steuerbar“.
Sobald der Staat aber über Transfers, Steuern oder Lohnersatzleistungen in die Einkommensverteilung eingreift, kann er die Höhe und Struktur des Konsums sehr wohl beeinflussen – und sollte bei Konjunkturpolitik bewusst auf Gruppen mit hoher MPC zielen.

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Ich denke das Hauptproblem beim privaten Investieren ist, dass man das ja nicht zentral planen kann. Man versucht das zwar immer mal mit Boni beim Kauf von gewissen Gütern (E-Autos, Wärmepumpe), allerdings gibt es da dann eben auch nur Mitnahmeeffekte, sprich Menschen, die das Produkt ohnehin kaufen würden, greifen beim Bonus zu.

Gibt der Staat direkt aus, kann das zumindest theoretisch in Bereiche gehen, die generell Wachstum anregt (billige eigene Stromproduktion, schnelle Transportwege, gute Ausbildung, etc), was dann eben der hebel sein kann. Gibt der Staat nur Geld dahin, wo es hinterher nur auf Bankkonten landet, dann klappt das natürlich nicht.

Mein Eindruck ist auch, dass die Volkswirtschaftslehre an hiesigen Unis stark neoklassisch geprägt ist, was dann auch für Wirtschaftsjournalist:innen gilt, sofern sie das Fach überhaupt studiert haben, solange sie den Hauptteil ihres Studiums hierzulande verbracht haben.

Mir erscheint die intellektuelle Landschaft auf dem Fachgebiet an angelsächsischen Spitzenuniversitäten diverser.

Auch glaube ich, dass auf Seiten des jeweiligen Publikums oft ein reduktionistisches Verständnis von Wirtschaftspolitik im Sinne der BIP-Steigerung etc. pp. vorherrscht, was auch teilweise an journalistischen Vereinfachungen liegen mag.

Alles in allem hapert es an allen Ecken und Enden.

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Zum Bias der Journalisten ein Zitat von Anna Mayr (Zeit) (in anderem Zusammenhang) und aus der Erinnerung (evtl nicht wörtlich widergegeben)

Viele Journalisten sind mit Lehrern verheiratet. Journalisten kennen also viele Lehrer. Journalisten kennen aber nur selten Langzeitarbeitslose.
Nach Redaktionsschluss: Problemfall Einzelfall - wenn Beispiele die Berichterstattung verzerren

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Nun, es gab noch Rainer Brüderle der VWL studiert hat, ansonsten hatten die Wirtschaftsminister in den letzten 30 Jahren selten einen wirtschaftswissenschaftlichen background, das stimmt! Deshalb fand ich das einschiessen auf Habecks Philosophiestudium oder Kinderbuchautorentum (wie schwierig ist es bitte, Kindern komplexe Dinge gut beizubringen?! Dass das ein negativ/ lächerlich sein soll habe ich auch nie verstanden, zeigt aber das gesellschaftliche Verständnis gegenüber Kindern), auch immer schwachsinnig, gibt es nur einzelne Ausnahmen in der Politik was Ministeramt und Profession angeht.

Mal so ganz doof, als rein anekdotisches Fragment: ich Pendel aktuell die gleiche Strecke, die bereits mein Vater gependelt ist. Von einer Mittelstadt in die nächst größere. Über einen Fluss. Und seit 50 Jahre stehen dort morgens uns Abends 100.000e Menschen jeweils mindestens 30 Minuten unnötig im Stau. Aktuell eher 50 Minuten, weil die CDU es ja vorgezogen hat in 12 Jahren Merkel lieber keine Brücken zu sanieren und dafür die Schwarze Null zu feiern. Somit fallen alle Brücken über den Fluss hier so langsam auseinander und müssen, oh Wunder, neu gebaut werden über kurz oder lang.
Wenn die Infrastruktur hier besser wäre, könnte ich tun, was Friedrich Merz sich sooo sehnlich wünscht wie nix, nämlich mehr Arbeiten. Aktuell geht das aufgrund der Schulzeiten meiner Tochter nicht. Es ist einfach zeitlich unmöglich. Aber bessere Infrastruktur würde mir mindestens 4 Stunden pro Woche mehr ermöglichen. Und 100.000en anderen ebenfalls. Das muss dieser Hebel sein, von dem im Bezug auf Infrastrukturausgaben gesprochen wird, oder?

Habeck hat v.a. seine Ressortleiter mit exzellenten Fachleuten besetzt (in einem Fall weiß ich das aus erster Hand: Eine Ex-Komilitonin von mir), auf die gehört und hat selbst eine schnelle Auffassungsgabe. Hat trotzdem den einen oder anderen Blödsinn rausgehauen.

Ihr solltet euren Blick auch mal nach UK richten die scheinbar unter ähnlichen Problemem + Brexit leiden. Ich finde in dem Beitrag habt ihr zu wenig die Verschiedenen Wirtschaftsteile unterschieden. Jedes Unternehmen, das die Wahl hat in Deutschland oder im Ausland zu produzieren, und nicht mit Subventionen gelockt wird kommt nicht nach Deutschland. Die Unternehmen die wir haben würden vielleicht bleiben wenn es besser laufen würde aber da entsteht kein Wachstum mehr. Bleiben die mittleren und kleinen Unternehmen die sich mit Regeln drangsaliert fühlen und ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Wenn die wieder Interesse hätten, mit verringerten Dokumentationspflichten unter 300 Mitarbeiter. Steuersenkung an die Mitarbeiterzahl gekoppelt dann würde es schon leichter werden. Die Großen Unternehmen sind verloren, was wir brauchen sind die Gründer der zukünftigen KMUs die jetzt Lust bekommen müssen. Nach Neudgründung ist die erste entnommene Million steuerfrei etc. .Der zweite Strang der Rahmedetalbrücke solle jetzt aus Kostengründen doch langsamer gebaut werden aus Kostengründen. Auch die Rekordinstandsetzung der Riedbahn soll sich nicht wiederholen wegen Kosten. Alleine eine rechtsverbindliche Absicherung eines Sanierturbo auf 20 Jahre mit Ausnahme der Schuldenbremse würde sicher helfen und dann würde auch in neue Maschinen investiert werden aktuell treibt das zusätzliche Geld mangels Sicherheit nur die Preise.

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Würde ich nie bestreiten - aber die Assoziation mit seinem Studium war besonders auffällig; gleichzeitig mit der Behauptung er sei der „schlechteste Wirtschaftsminister“, in Presse (und durch Söder?) im Vergleich zu bspw. Glos oder Rösler einfach nur ideologisch und nicht sachlich begründet. Deshalb ging ich kurz drauf ein.

Wie du mit deinem interessanten Einblick gut beschrieben hast, ist Qualifikation nicht alles. Gefühlt schießen sich bei Politikern viele besonders drauf ein.

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… wenn diejenigen, die einen Arzt oder Müllermeister als Wirtschaftsminister entsandt haben, einen Wirtschaftsminister (seines Zeichens promovierter Philosoph) dissen, weil er Kinderbuchautor sei …

… das ist wie, wenn diejenigen, die unter Verweis auf ‚Omas Häuschen‘ gegen die Erbschaftssteuer sind, aber kein Problem damit haben, wenn Oma ihr Häuschen verkaufen muss, um die Zuzahlungen zu Pflege finanzieren zu können (ein paraphrasiertes Bonmot von @Marco_B291).

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Wenn man dem aktuellen Wirtschaftspodcast „Ist das eine Blase?“ von www.Zeit.de mit dem Makroökonom Tom Krebs glauben mag, dann brauchen wir eine generelle Strompreisbremse und eine Neuregelung der Stromnetze, da fließt zu viel Geld in die Kassen von Finanzinvestoren. Ich hätte nebenbei mehr über die Probleme beim Stromnetz, Ausbau, Kosten und unnötig hohe Renditen gehört, aber diese Fragen können ja die Lagemacher stellen, wenn sie sich mit unserem Strommarktdesign beschäftigen.

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Ich habe mir den Podcast heute angegört.

Da behauptet der „Makroökonom“ Krebs, die hohen Netzentgelte lägen daran, dass die Netze Private Equity Gesellschaften wie Blackrock gehörten, die zweistellige Renditen erwarten.

Auch wenn er in der Sache Recht hat: so was ärgert mich und macht ihn unglaubwürdig.

BlackRock - im Übrigen keine klassische Private Equity Gesellschaft - ist als Fonds zwar in DAX-Konzerne wie E.ON investiert, besitzt aber keine direkten Beteiligungen an den Übertragungs- oder Verteilnetzen. Der 2022 gehandelte Einstieg bei TransnetBW kam nicht zustande.

Die Anteilseigner der vier Übertragungsnetze sind überwiegend Versicherungen, Pensionsfonds und Staatsfonds – keine Leveraged-Buyout-Fonds mit 5–7-Jahres-Haltedauer und Renditezielen von 20+ %. Die regulierten Netzrenditen sind gedeckelt (BNetzA) und für echtes PE wenig attraktiv.

Das Problem überhöhter Renditen ist bei den Verteilnetzbetreibern real – der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) weist für 2023 eine durchschnittliche EK-Rendite von 20,2% bei VNB aus, einzelne wie EWE Netze sogar 50%. Diese VNB sind jedoch überwiegend Stadtwerke oder Töchter von Energiekonzernen (E.ON, EnBW), nicht PE-Gesellschaften.

Die These, dass die Finanzierungsstruktur der Netze die Kapitalkosten erhöht und öffentliches Eigentum günstiger wäre, ist wissenschaftlich gestützt.

Ich verstehe es einfach nicht: der Mann ist Physiker, also ein Naturwissenschaftler (der zu einem volkswirtschaftlichen Thema promoviert hat und seitdem als Volkswirt wissenschaftlich arbeitet). Warum muss so einer mit einem Trigger Begriff wie Blackstone oder private Equity arbeiten, wenn er doch inhaltlich eigentlich recht hat?

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Danke für die Einordnung. Ich halte das Thema Strommarktdesign für ein wichtiges, meinetwegen kann man da auch andere Experten befragen. Wie kann man durch ein geschicktes Design Kosten senken? Was sind die Beharrungskräfte im Markt, welche ihrer Argumente sind bedenkenswert, welche aufgebauscht?.

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Richtig, deswegen war das vor ein paar Wochen auch schon in der Lage Thema. Der zentrale Grund sind nicht die Renditeerwartungen, sondern die im Schnitt fast doppelt so hohen Finanzierungskosten privater Investoren: wenn ein Unternehmen eine Anleihe ausgibt, um Stromleitungen bauen zu können, muss es dafür einfach viel mehr Zinsen zahlen, als wenn der Staat einfach selber bauen würde.

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Eine Ergänzung hier: Viele angehende Wirtschaftsjournos studieren durchaus nebenher VWL - allerdings ist hier das Problem, dass die entsprechenden Institute stark neoklassisch geprägt sind (zB Uni Köln, wo alle von der Kölner Journalistenschule meist VWL studieren und sich so Fachwissen aneignen). Das habe ich 2021 in einer Studie für die Otto Brenner Stiftung untersucht:

Hier Forschung über neoliberale Netzwerke & Journalismus:

Die führenden Forscher zum Thema sind Stephan Pühringer & Hendrik Theine von der JK Uni Linz:

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