LdN 478 - Direktzahlungen / Tankrabatt

Hi,

in der Folge werden Direktzahlungen als bessere Alternative zum Tankrabatt genannt (sehe ich genauso). Allerdings nennen die Hosts beispielhaft 500€ als Summe, die mir völlig unrealistisch erscheint, denn sie entsprächen wenn für 82 Mio. Deutsche ausgezahlt 41 Milliarden Euro Kosten.

Die ca. 3 Milliarden Euro Tankrabatt wären als Sofortzahlung nur einmal 37€ pro Person. Da besteht die Gefahr, dass die Leute einen solchen Betrag nicht ernst nehmen würden. Das Argument kam von den Hosts übrigens auch bereits vor ein paar Jahren, als gesagt wurde, dass nicht nur Lindner das Klimageld aufhält, sondern inzwischen auch Habeck selbst, weil die verbleibende Summe im KTF nur für zweistellige Auszahlungsbeträge ausreichen würde.

Und jetzt kann man sagen, dass der Effekt ja auch beim Tankrabatt dann sehr gering ist - und das ist absolut korrekt.

Einer Person, die jeden Werktag 60 Kilometer pendelt und 7l/100km verbraucht, spart der Tankrabatt durchschnittlich 15€ pro Monat, wenn er voll weitergegeben wird und 7,50€, wenn die Hälfte beim Konsumenten ankommen.

Warum entscheidet sich die Politik dafür?

Meine Hypothese ist, dass Tanken so stark emotionalisiert ist und die Preise nicht rational betrachtet werden. Die Mehrkosten bei einer Erhöhung der Preise werden schnell überschätzt, aber dann eine eigentlich kleine Reduktion der Kosten vermeintlich ebenso. Und darauf spekulieren die Politiker fälschlicherweise.

Gerne meine Annahmen und Vermutungen kritisch hinterfragen.

6 „Gefällt mir“

Für die Privatleute mag der Tankrabatt eher eine psychologische Wirkung haben.

Für kleinere und mittlere Handwerksbetriebe spürt man das wohl eher
Und in der Logistik sicher

Nö, weil der zu fast 100% bei den Konzernen landet :wink: aber die Regierung kann behaupten, sie hätte ja irgendwie geholfen.

1 „Gefällt mir“

Angeblich sei der Tankrabatt zumindest in den ersten Tagen zu einem Grossteil weitergegeben worden. Hieß es jetzt die Tage….

Muss mal die Quelle suchen.

Die SPD ist nicht überzeugt:

Da war es:

Klar. Wurde im Podcast ja auch erklärt, wie da “weitergegeben” wird: kurz vor Inkrafttreten wird der Preis ein par Tage lang soweit hochgezogen, dass man nach der “Weitergabe” netto den “Rabatt” in die Tasche steckt.

2 „Gefällt mir“

Nur noch böse Menschen überall :wink:

Nö, diese Art von Subventionen führt praktisch immer zum gleichen/ähnlichen Ergebnis. Das war schon bei Bauernsubventionen vor 200 Jahren so, dass die am Ende einfach auf die Pacht aufgeschlagen wurden und dann beim Verpächter landeten.

1 „Gefällt mir“

Die Frage wäre, lässt man alle staatliche Unterstützung weg, und die Menschen müssen eigenverantwortlich auf diese Art der „Krise“ reagieren?
Auch Unternehmen?

Inkaufnahmen, das dabei auch einige auf der Strecke bleiben?

Warum mache ich einen Tankrabatt und prüfe nicht zielgerichtete Maßnahmen? Aber da kommt man vermutlich mit 3 Milliarden aus. Also macht man lieber Symbolpolitik.
Ansonsten ja: das sind nun mal Dinge, die passieren können. Das ist das Risiko, mit dem man als Unternehmer und Verbraucher leben und umgehen muss. Ein Nannystaat führt vor allem dazu, dass die belohnt werden, die bei Innovationen zu den Letzten gehören und nicht zu den Ersten. Denn während die Early-Adopter eine Minderheit darstellen, bei denen die Bevölkerung ein „selbst schuld, hätte ja noch nicht umsteigen müssen“ gerne akzeptiert, ist das bei der großen Masse ein Unterfangen bei dem man als Politiker bereit sein muss, einzustecken und sich gegen den Wind zu stellen.

2 „Gefällt mir“

Nö. Man kann auch abfedern/subventionieren mit weniger Risiko für solche Fehlsteuerungen. Einmalzahlung führt bspw. dazu, dass eine einzelne Branche nicht so leicht das Geld für sich verbuchen kann und der Umstieg auf weniger schädliche Mobilität stärker angereizt wird. Oder man erzwingt deutlich mehr Transparenz in der Preisgestaltung. Es gäbe eine Reihe anderer Möglichkeiten.

2 „Gefällt mir“

Die Schwierigkeit in Deutschland ist ja, das wir absolute Gerechtigkeit erwarten. Also das niemand auch nur einen Cent Zuviel oder Zuwenig bekommt.

Dann stellt man fest, das sowas bürokratisch und praktisch kaum zu bewältigen ist, und schüttet mit der Gieskanne.
Eigentlich ziemlich kurios.

Eine Einmalzahlung von wieviel wäre als Entlastung wahrgenommen worden? 50€? 300€? 1000€?

Ich finde da die passende Lösung zu finden, nicht wirklich trivial.

Ob Normalbürger, Kleinunternehmer oder Großkonzern, wie staffelt man da?

Wo senkt man Steuern, wie kompensiert man das bei knappen Kassen?
Wo erhöht man Steuern?

Immer vor dem Hintergrund, das irgendwo immer gewählt wird.

2 „Gefällt mir“

Naja, Early-Adopter muss man sich leisten können und oft auch erstmal die Rahmenbedingungen haben.
Breit getretenes Thema, aber immer noch relevant.

Also ich erwarte das nicht. Mitnahmeeffekte und Härtefälle gehören immer zu allen Regeln dazu. Ich erwarte allerdings schon, dass man ein Instrument das sich wenige Jahre vorher schon als fast vollständig unwirksam bis schädlich erwiesen hat, nicht einfach nochmal benutzt, allein um sagen zu können, man habe ja irgendwas getan.

Und die meisten, die utopische Erwartungen äußern, machen das sehr oft eher selektiv. Bei. Steuerbetrug ist alles egal, aber beim Bürgergeld wird man plötzlich sehr pingelig, bspw.

Find ich irgendwie süß…ob ihm wohl schon aufgefallen ist, dass Ende Juni die Sommerferien beginnen? Wer will denn den Menschen in Deutschland erklären, dass ausgerechnet dann der Sprit wieder 16 cent teurer wird? :rofl:

Ich gehe davon aus, dass der sogenannte Tankrabatt auf unbestimmte Zeit verlängert werden wird. Es sind bald Wahlen…

2 „Gefällt mir“

ich vermute, das wesentliche Argument seitens der Regierung ist, dass von dieser Maßnahme auch wesentlich Unternehmen profitieren (Lkw, Fuhrpark, Firmenwagen, die all-inclusive überlassen werden, d.h. auch der Sprit geht voll auf Rechnung des Unternehmens). Konkret natürlich die, die noch nicht elektrifiziert haben. Somit passt das voll in die Prioritäten der Union: Fossile stärken, Unternehmen und nicht primär Verbraucher begünstigen.

Eine Direktzahlung würde dagegen nur natürlichen Personen zugute kommen, also Unternehmen gar nicht. Ein Horror für Leute wie Merz.

1 „Gefällt mir“

Eine Direktzahlung würde dagegen nur natürlichen Personen zugute kommen, also Unternehmen gar nicht. Ein Horror für Leute wie Merz.

So einfach ist es ja nicht. Wenn Unternehmen geringere Energiekosten haben, kommt das auch den natürlichen Personen zugute, da ansonsten die Preise für Waren steigen würden.

1 „Gefällt mir“

Man kann als Staat solche Krisen auch nutzen um den betroffenen Unternehmen Anreize und Unterstützung zu geben, damit sie für die Gründe der Krise weniger anfällig werden.

Die hohen Benzinpreise sind für viele Unternehmen ein Problem, weil sie viel Benzin verbrauchen. Technologisch sind wir aber längst so weit, dass diese Unternehmen einen Großteil ihres Benzinverbrauchs durch Strom ersetzen könnten und das vermutlich auch außerhalb der Krise sogar billiger wäre. Was fehlt ist ein Anreiz zur Umstellung und vielleicht das nötige Kapital.

Anstatt des Tankrabatts hätte die Koalition (wie im Podcast besprochen) etwa die Stromsteuer senken können. Das würde praktisch alle Unternehmen sofort finanziell entlasten und Anreize zur Verlagerung des Konsums von Benzin hin zu Strom geben.

Oder, wenn die Regierung intensiver intervenieren will, könnte sie über die KfW sehr günstige Kredite oder sogar rückzahlungsfreie Zuschüsse für Investitionen anbieten, mit denen Unternehmen unabhängiger von Benzin werden. Oder man verbessert die steuerliche Absetzbarkeit von E-Autos. Oder was anderes. Die Möglichkeiten sind da schier endlos.

Am Ende gehen natürlich trotzdem einige Betriebe pleite. Das kann man nicht verhindern. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist eine gewisse “Auslese” in einer Krise sogar hilfreich, wenn das anderen Unternehmen (mit zukunftsfähigeren Geschäftsprozessen) Möglichkeiten zum Wachstum gibt. Zumal ja ständig irgendwelche Unternehmen aus allen möglichen Gründe ihr Geschäft aufgeben, das versucht die Regierung ja auch nicht zu verhindern. Es geht da eher ums “große Ganze”.

2 „Gefällt mir“

Gehen Firmen pleite, bedeutet das ja in der Regel auch Arbeitslosigkeit. Man kann ja nicht alle sofort vermitteln. Das hat auch Auswirkungen auf die lokalen Gegebenheiten und Stimmungen. Grade bei kommenden Wahlen.

Will sagen, was erstmal einfach klingt („das große Ganze“), hat ja sehr konkrete Auswirkungen im Kleinen.

Auf jeden Fall gibt es da auch langfristige Lösungen („Transformation“) , die man aber in vier- bis fünfjährige Legislaturperioden packen und innerhalb dieser umsetzen muss. Siehe Ampel…

Womit wir wieder bei der Frage sind, wenn es um „das große Ganze“ geht, sind so tiefgreifende Umwälzungen, wie vielfach gefordert, mit unserer Demokratie umsetzbar?

Eine Demokratie kann man ja von zwei Seiten aushöhlen….

Sieht man ja am Umgang mit dem Tankrabatt, wie da die Preisentwicklung ist…

Und wenn nicht: Liegt das am System oder sitzt das Problem davor? Weil einfach zu viele nicht einsehen wollen, was an Veränderung nötig ist.