LdN 475 - "Timmy/Hope", Wal-Fanatik und Wunsch nach Selbstwirksamkeit

Hallo liebes Lage-Team,

ich habe schon länger gewartet ob ihr über „Timmy“ reden werdet und eure Ausführungen zur Wal-Situation in der Ostsee fand ich sehr interessant. Aber ich bin mir nicht sicher ob ich euch da zustimmen kann. Ich habe die Entwicklung in den letzten Wochen ebenfalls verfolgt, meine Einschätzung:

Der größte Fiebertraum der letzten Jahre.

Mich überrascht wirklich, wie stark sich die Debatte um den gestrandeten Buckelwal emotional aufgeladen hat. Die Gedanken und die Motivation der „Wal-Supporter“ kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Auch ich finde es traurig, dass sich ein so majestätisches Tier verirrt hat und nun in dieser Lage ist. Ich hoffe ebenfalls, dass es gerettet werden kann. Auch wenn ich selbst nicht daran glaube, dass das noch gelingt.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass im Fall „Timmy“ echte Trauer und Verzweiflung, Sensationslust, Esoterik/Verschwörungsdenken, Ablehnung von Autoritäten und eine gewisse Ignoranz aufeinanderprallen. Ihr habt das im Podcast schon sehr gut gesagt: „Wo sind diese Menschen mental auf Grund gelaufen?“. Es ist schockierend, mit welcher Energie und teilweise auch mit Wut, sich Menschen dazu hinreißen lassen, zu demonstrieren, Politiker anzugreifen oder sogar Morddrohungen zu verschicken. Das wirkt absurd: Wenn Deutschland spielt, gibt es plötzlich 80 Millionen Fußballtrainer. Und im Internet sowie entlang der Wismarbucht wimmelt es nun nur so vor WalexpertInnen und NaturschützerInnen.

Aber die Fakten sind nun einmal folgende: Wale verirren sich, Wale stranden, Wale verhungern, Wale sterben. Das ist zunächst ein natürlicher Prozess, auch in einer weitgehend unberührten Natur. Gleichzeitig steht außer Frage, dass der Mensch diesen Tieren das Leben erschwert: durch Meeresverschmutzung, Ölbohrungen, den Bau von Offshore-Windparks (Zu viel Lärm im Meer - Offshore-Windparks - NABU), zunehmenden Schiffsverkehr (Does Shipping Threaten Whale Conservation? — Mammal Society) und Überfischung. Weltweit verenden jährlich etwa 300.000 Wale und Delfine allein durch Geisternetze und andere Fischereiausrüstung (Buckelwal in der Ostsee: Meeresbiologin beantwortet Fragen | WDC Deutschland). Wenn einem der Schutz der Meeressäuger wirklich am Herzen liegt, gibt es also zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu werden. Sea Shepherd (https://sea-shepherd.de/) und andere Verbände würden sich freuen, wenn auch nur ein kleiner Teil dieser neuen „Wal-Retter“ sich langfristig engagiert.

Warum also dieser enorme Aufschrei bei einem tragischen, aber keineswegs einzigartigen Ereignis?
Werden diese Menschen sich auch nach der Rettung oder dem Tod von „Timmy“ für den Schutz von Meeressäugern und ihren Ökosystemen einsetzen?
Und werden sie auch in anderen Kontexten darauf achten, Tierleid zu vermeiden?

Diese Fragen stelle ich mir seit Wochen. Und meine Antwort zu den meisten dieser Fragen ist am Schluss leider: „Nein, ich denke nicht“.

Dabei wäre es so einfach, echte Selbstwirksamkeit zu erfahren. Demonstriert für Natur- und Klimaschutz. Tretet Naturschutzverbänden bei (NABU, BUND, Greenpeace, Sea Shepherd). Werdet Vegetarier oder legt einen Naturgarten an.

Am Ende bleibt für mich vor allem der Eindruck, dass die Leute hier kurzfristige Empörung mit echtem Engagement verwechseln. Laut, emotional bis hass-erfüllt aber selten nachhaltig.

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Ich finde es ziemlich irritierend, wie extrem in den Medien über den Wal berichtet wird. Nicht in der Lage. Da wird der Schwerpunkt anders gesetzt. Mehr in anderen Medien.
So wird über kein Flüchtlingsboot berichtet.
Und auch über keine Schweinezucht für deutsche Fleischliebe.
Kopfschütteln.

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Absolut, die springen halt auf den Zug mit auf. Wieder auch ein Fall von: Medien berichten überdramatisiert, Menschen reagieren emotional, Medien rechtfertigen Ihre Berichterstattung weil si ja nur die Meinung abbilden.

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Die Geschichte ist eben emotional, das gab es auch schon früher, dann meistens im Sommer in der nachrichtenarmen Zeit, wikipedia listet Sommerlochtiere wie den Brillenkaiman Sammy, Killerwels Kuno, Problembär Bruno und Trauerschwan Petra auf.

Ich glaube, die Welt braucht mehr Glück, beispielsweise: Putin stirbt, das Regime im Iran stürzt, Trump und Vance werden impeacht.

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Du hast absolut Recht, aber darum geht es den meisten ja gar nicht. Es hat schon einen Grund, warum es zu großen Teilen mal wieder die üblichen Verdächtigen aus Esoterik- und Querdenkerszene und dem AfD-Vorfeld sind. (Robert Marc Lehmann tanzt da natürlich auch überall rum. Den würde ich da jetzt nicht zuzählen, der ist einfach Selbstdarsteller)

Es wird einfach jede Chance genutzt, um Misstrauen gegen Wissenschaft und Politik zu schüren und genug Leute sind dumm genug darauf hereinzufallen und ernsthaft in einem gestrandeten Wal die nächste große Verschwörung zu sehen.

Youtuber Vincent spricht mir aus der Seele:

Für diesen Scheißwal wurde jetzt schon hunderttausendmal mehr gemacht als für jeden Einzelnen der Tausenden von Menschen, die im letzten Jahr jämmerlich ersoffen sind im Mittelmeer. Aber es juckt die Leute nicht. Es juckt die Leute auch nicht, dass deutsche Steuergelder effektiv für Pushbacks ausgegeben werden, die Leute in den Tod treiben. […] Es juckt die Leute auch nicht, dass jedes Jahr 300.000 Wale sterben als Beifang in Fischernetzen. Es juckt die Leute auch einfach nicht, dass der Lebensraum systematisch durch Raubbau und Überfischerei vernichtet wird. Es juckt die Leute auch nicht, dass der Klimawandel und seine Konsequenzen die größte Bedrohung sind für jedes verfickte kleine Scheißtier, was im Meer lebt und unseren Arsch auch irgendwann auseinandernimmt. Es juckt sie nicht. Lieber wählt man irgend so eine Scheißpartei, die absolut überhaupt nichts ändern wird, sondern ganz im Gegenteil genau an den Sachen festhält, die dazu führen, dass jetzt dieser Hope auf dieser Sandbank rumliegt und da in den kommenden Tagen sein Ende finden wird.

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Ich würde hinzufügen: kandidiert für den örtlichen Gemeinderat oder arbeitet als “Sachverständige Bürger” in den Ausschüssen mit. Unglaublich viel Politik, die den Alltag der Menschen bestimmt, wird vor Ort gemacht.

Ich stimme der Analyse von @vieuxrenard und @philipbanse grundsätzlich zu, dass viele Menschen verzweifelt auf der Suche nach Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit sind. Aber als vielfältig ehrenamtlich und lokalpolitisch engagierter Mensch verbringe ich einen wesentlichen Teil meines Alltags damit, den Menschen im meinem Umkreis Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit anzubieten. Davon gibt es nämlich unglaublich viele, die auch sehr direkte positive Auswirkungen auf das Umfeld dieser Menschen haben würden.

Die Erwartungshaltung bei vielen ist allerdings, dass diese Selbstwirksamkeit ohne nennenswerten Aufwand und ohne Anstrengung erreicht werden soll. Viele (nicht alle) wollen meinem Eindruck nach eher “Fremdwirksamkeit”: Jemand anders soll bitte das machen, was man selbst für richtig hält.

Auch das hat natürlich wieder Gründe, nicht zuletzt die Überforderung vieler Menschen mit der gefühlten Komplexität ihres Lebens, der man nicht noch eine weitere Dimension hinzufügen möchte. Aber wer wirklich einfach nur Selbstwirksamkeit spüren will, der findet zu 100% eine örtliche Tafel, einen Bürgerverein, den Ortsverein einer politischen Partei, eine lokale Umweltschutzgruppe, einen Sportverein oder ein Jugendzentrum, die sehr glücklich über ein paar Stunden zuverlässige ehrenamtliche Arbeit in der Woche wären.

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Ich sehe hier vor allem das Problem, dass Politiker es doch gar nicht hätten richtig machen können.

Schnelle ambitionierte Rettung wäre von all den Walexperten die da protestieren als Profilierung auf Kosten des Wals gesehen worden. Man hätte dem Wal viel mehr Zeit geben müssen und hat das Tier nur unnötig gestresst. Eine Rettung wäre viel schonender möglich gewesen. Wäre es gar in die Hose gegangen, dann wäre aber was los gewesen.

Langsame Rettung: zu viel Zeit verstreicht, so kann das nichts werden.

Private Rettung: es klappt dann hatten alle recht, es klappt nicht, dann war man einfach zu spät dran oder es gab zu viel Bürokratie.

Ich denke bei solchen Themen darf die Politik nie versuchen Lösungen zu suchen die diese Gruppen zufrieden stellen, sondern man sollte sich die bestmögliche Hilfe durch anerkannte Experten holen und das dann konsequent durchziehen.

Bei Corona hat man ja gut gesehen wie Gruppen wie die AfD erst Grenzen schließen und Maßnahmen gefordert haben und als diese dann kamen quasi direkt umgeschwenkt sind.

Hier geht es dann nicht mehr um rationales Handeln sondern nur mehr darum seinem Misstrauen der Politik gegenüber Ausdruck zu verleihen.

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Wer will, findet Lösungen. Wer nicht will, findet Gründe.

Was wäre das für ein politisches Signal gewesen, wenn man eine Logistik aufgestellt hätte, bei der Politik, Verwaltung, Polizei, Tierschützer, Unternehmer, … Hand in Hand zusammengearbeitet und diesen Wal in den Atlantik gebracht hätten, innerhalb weniger Tage?
Man hätte zeigen können, dass es möglich ist gemeinsam das Richtige zu tun, wenn es drauf ankommt. Was wäre das für ein Signal gewesen in unserer Zeit der Hilflosigkeit und Ohmacht?

Stattdessen wird Bürokratie als Waffe gegen die Retter eingesetzt, es werden unzählige Gutachten erstellt und Gründe aufgezeigt, warum es alternativlos ist, den Wal dort qualvoll verenden zu lassen. Jede kleinste Bewegung muss formal beantragt werden, es muss im Voraus ein Gesamtkonzept erstellt werden, von dem keine Abweichungen möglich sind, man lässt sich unglaublich viel Zeit, betreibt Mikromanagement, sabotiert die Rettungsaktionen mehrfach durch Fehlverhalten. Experten und erfahrene Helfer werden beschimpft und weg gejagt. Man wird nicht müde zu betonen, dass man eh nicht an ein gutes Ende glaubt. Es ist ja alles gut dokumentiert. Ich empfehle auf YT: „Die Wahrheit über Wal „Timmy“ und warum er wahrscheinlich sterben muss“.
Ich habe ein großes Störgefühl und man muss im besten Fall schon mit einer guten Portion Naivität gesegnet sein um zu glauben, dass hier wie behauptet im Sinne des Tierwohls gehandelt wird. Zumal für eine wirtschaftliche Verwertung des toten Wals ja schon sehr früh umfassende Konzepte bereitstanden. Noch bevor jemand mit Expertise überhaupt am Tier war.

Unabhängig davon, dass es mich als Tierfreund schmerzt, sehe ich diese Situation als symptomatisch für die Politik unserer Zeit. Und das hat weniger mit Selbstwirkung zu tun als mit Ohnmacht.

Als die Wal-Freundin erzählt, dass die Kühe Mitleid hätten, musste ich böse Lachen. Die wissen, was aus Tieren wird, wenn die Menschen kommen. In dem Fall halt Sushi.

Klar. Irgendwer hätte immer gemeckert. Deswegen ist es wichtig, als Politiker einen guten eigenen Kompass zu haben und einfach so zu regieren, wie man es für richtig hält. Sollen halt die einen mosern und die anderen nicht. Hier wäre in meinen Augen richtig machen gewesen: Sich um wichtige Regierungsgeschäfte kümmern und diese Nebengeschichte ignorieren. “Ich hoffe, dass die Bemühungen um die Rettung Erfolg haben, aber wenn nicht, ist auch das der Lauf der Natur.” fertig. Klar wird es Leute geben, die einen deswegen nicht wählen, aber dann muss man schauen, dass man seine Zeit in was anderes investiert, das mehr bringt. Fürs Land und fürs Stimmenkonto.

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Für mich zeigt dieser Wal vor allem , das Medien Themen bestimmen !
Seit Wochen füllen emotionale, rationale, wissenschaftliche und hoffnungsgetriebene Nachrichten nun verschiedenste Kanäle.
Nur die Wenigsten von uns sind vor Ort, erleben irgendwas live oder springen vom Schiff um bei Timmy zu sein . Die These mit der Selbstwirksamkeit und dem Erleben der eigenen Wirkmacht hinkt deshalb für mich . Aber die ständige Berichterstattung bindet unsere Aufmerksamkeit , zwingt uns fast in eine Haltung zur Rettung oder Tötung …
Ich würde mir eine solche intensive Berichterstattung wirklich mal mit einem Flüchtlingschiff oder Viehtransport oder einem sterbenden Wald wünschen - vielleicht könnte man auch da mal Empathie wecken und Aufmerksamkeit binden …
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Ich war etwas irritiert, dass die Wal-Versteherin „ich habe keine Angst mehr“ als Symptom einer Gesellschaft herangezogen wird, die verzweifelt nach Selbstwirksamkeit sucht. Es gibt ein Sample von Michael Wendler aus der Corona-Zeit, der fast exakt das gleiche gesagt hat. Zu Recht wurde der als Corona-Schwurbler abgestempelt und keine Energie auf ihn verschwendet. Warum ist es bei ihr anders?

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Mich irritiert das Segment auch etwas. Andererseits ist es für mich schon auffällig, dass es zwischen Covidioten, Putin-Verstehern, Wal-Rettern etc. eine erhebliche Schnittmenge zu geben scheint und da liegt zumindest die Vermutung gemeinsamer Ursachen nahe, oder? Ich hatte bei manchen Passagen, die von der Wal-Flüsterin eingespielt wurden auch so “Jana aus Kassel”- O-Töne im Ohr.

Und so ein Zusammenhang/ so ein übergreifendes Lebensgefühl war zu Covid-Zeiten vielleicht noch weniger deutlich, als heute. Ob der Zusammenhang, den die LdN hier sehen so zutreffend ist, da bin ich jetzt auch nicht so sicher.

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Wenn mich die reale Welt nervt oder nichts los ist, stürze ich mich auf irgendein armes Tier. War das nicht immer so? Ich verstehe die ganze Aufregung nicht und geht mir auch am Arsch vorbei.
Nur eines möchte ich noch beitragen, da ich das seit dem Extra3-Beitrag zum Thema nicht mehr aus dem Kopf bekomme:
Nur die die, die mit dem Wal Geld verdienen wollen, nennen ihn Timmy. Wer ein Herz hat, nennt ihn Hope. :heart:
Und noch etwas: daran werden wir uns gewöhnen müssen, dass wenn durch SocialMedia (SM=Sadistisch-masochistische Netzwerke) eine Sau getrieben wird, genug Idioten das in unsere reale Welt tragen wollen. Lassen wir sie, sie lassen es sich eh nicht ausreden. Und dass die Medien das gerne ausschlachten? BigBrother hat auch keiner geguckt, trotzdem hatte es gute Quoten und einige der Teilnehmer haben danach mehr oder weniger Karriere gemacht.

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Was für eine peinliche Shitshow. Ist tatsächlich exemplarisch für Deutschland aber auf ne ganz andere Weise als dieses komische Selbstwirksamkeitsgeschwurbel.

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Liebes LdN-Team,

ihr hattet danach gefragt, wann ich das letzte Mal das Gefühl hatte, dass ich Einfluss auf einen Politikerin hatte. Ich habe vor ein paar Jahren ein Praktikum im Berliner Abgeordnetenhaus (nicht AfD!) absolviert. Ich saß mit in Bürgersprechstunden, Beteiligungsrunden, Ausschüssen, Lobby-Gesprächen etc. . Eine bittere Erfahrung… Das Gefühl, fehlender Selbstwirksamkeit betrifft Bürger*innen und Politikerinnen gleichermaßen, denn Politik unterliegt den Zwängen des Parlaments, der Fraktion, der Opposition oder Koalition, des Regionalverbandes und der Bundespartei - und dem Ergebnis der kommenden Wahlen. Nebenbei gibt es gesetzliche Vorgaben auf diversen Ebenen, begrenzte finanzielle Möglichkeiten sowie behördliche Strukturen und Hürden. Ich habe lernen müssen, was für ein Knochenjob das sein kann (wenn man etwas verändern möchte) und wie wenig man selbst als Politikerin bewegen kann - und mich im Anschluss gegen ein direktes Engagement entschieden.

Das Problem mit dem Wal ist daher aus meiner Sicht kein rein politisches, sondern ein gesellschaftliches. Herr Backhaus und alle Beteiligten betonten ja immer wieder ihre Machtlosigkeit mit verzweifelten Blicken und mehrere Beteiligte haben sich bereits die Zähne ausgebissen - es liegt am Wal, am Gutachten, am Team, am Wetter, am Sand, an der Wissenschaft, am Konzept, am Tierschutz, an der Behörde, am Bagger, an der Firma, am Material,… einer gewünschten Entschlossenheit stehen nun über 30 Tage Nichts gegenüber.

„Situation und Konstellation“ von Hartmut Rosa (Suhrkamp) trifft es ziemlich gut:

„(…) wenn Ermessensspielräume verschwinden und die Kreativität menschlichen Handelns aus den alltäglichen Praxisvollzügen eliminiert wird, wächst das Gefühl der Ohnmacht. Und mit der Urteilskraft verkümmert die Handlungsenergie als solche.“

Liebe Grüße und danke für eure tolle Arbeit!

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Was denn für nen Wal?

Vielleicht wurde im Schnitt der Plus Version etwas per Unglück rausgeschnitten aber der Sprung von „Merz versteht die Menschen nicht“ zu „Namenlose Frau redet darüber wie sie zu einem Wal schwimmt um ihm ihre Liebe zu beteuern“ war etwas … verwirrend :grinning_face_with_smiling_eyes:

Liebes Lage-Team, ich höre euch seit Jahren und schätze eure Analysen sehr. In letzter Zeit nehme ich jedoch eine Veränderung wahr, die mich zunehmend entfremdet. Ich möchte das mal an einem Beispiel an eurem Beitrag über den Wal Timmy zeigen. Nach dem Einspieler sagt ihr (sinngemäß), dass ihr euch jetzt nicht darüber lustig machen wollt, macht es dann aber doch. Mir tat die Frau leid und ich hoffe, dass sie nicht davon erfährt. Ähnliche Beiträge sind mir schon hin und wieder aufgefallen. Ich würde mich freue wenn Ihr meine Kritik überdenkt.

Markus

Mir tat die Frau leid und ich hoffe, dass sie davon erfährt. Denn Menschen wie diese Frau müssen gespiegelt bekommen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt. Diese Frau braucht Hilfe, gar keine Frage, aber damit Bereitschaft entsteht, Hilfe zu suchen, muss sie erstmal einsehen, dass sie ein Problem hat. „Lass die arme Irre doch einfach machen“ hilft der Frau beim besten Willen auch nicht weiter.

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Ich teile die Ansicht nicht, dass öffentlicher Spott in einem reichweitenstarken Podcast ein geeignetes Mittel ist, um betroffenen Personen zur ‚Einsicht‘ zu verhelfen. Journalistische Verantwortung bedeutet für mich auch, die Schutzbedürftigkeit von Einzelpersonen zu wahren, selbst wenn deren Verhalten irritiert. Die Grenze zwischen ‚Spiegeln‘ und Bloßstellen ist schmal, und in diesem Fall empfand ich Letzteres als unnötig herablassend.“

„Die Aussage ‚Wann ist XY geistig auf Grund gelaufen?‘ ist mindestens an der Grenze zu einer Beleidigung. In vielen Folgen dieses Podcasts wird zurecht ein respektvoller Umgang im Netz gefordert. Gilt das nicht auch für verwirrte Menschen?“

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Es ist in der Tat ein schmaler Grat, wie man mit psychisch etwas angeschlagenen Esoterik-Gläubigen umgehen soll. Deine Position ähnelt dabei einer Position, die ich letztens auch in einem Podcast gehört habe, in dem es hieß, man solle Schwurbler nicht so abfällig als solche bezeichnen. Kann ich einerseits nachvollziehen (wie gesagt, diese Leute brauchen in der Tat Hilfe), aber andererseits finde ich es auch wichtig, diese Strömungen gerade nicht ernst zu nehmen, sondern ganz klar zu machen, dass es sich um unwissenschaftlichen Unfug handelt, der in die Grenze zur Sektiererei geht.

Insofern habe ich wenig Probleme damit, irrational agierende Menschen mit einer Lächerlichkeit zu framen, die ihren Taten angemessen ist. Finde ich in diesem Fall sinnvoller als Straf- oder Ordnungsrecht. Dennoch: Idealerweise würde man diesen Personen natürlich die Hilfe zukommen lassen, die sie offensichtlich brauchen. Da man sie dazu aber nicht zwingen kann, bleibt nur die Frage, ob man sie ernst nehmen möchte oder nicht.

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