LdN 475 - "Timmy/Hope", Wal-Fanatik und Wunsch nach Selbstwirksamkeit

Ich möchte hier noch eine weitere Ebene hinzufügen: In dem Einspieler war nichts zu hören, was eine Herabwürdigung rechtfertigen würde. Dass die Frau keine Angst vor der Regierung oder vor Geld hat, ist vielleicht eigenwillig, aber kein Angriff.

Hier stellt sich mir eine ganz praktische Frage: Würdest Du dieser Frau tatsächlich von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten und sie direkt fragen, wann sie ‚geistig auf Grund gelaufen‘ sei? Wenn man eine solche Konfrontation im echten Leben als ungebührlich empfindet, warum ist es dann legitim, sie vor einem Millionenpublikum :wink: so zu framen? In der Praxis scheint dieser Anspruch gegenüber Menschen, die Du als ‚unten‘ oder ‚irrig‘ wahrnimmst, plötzlich nicht mehr zu gelten.

Das ist inkonsistent. Respekt ist kein Privileg für Gleichgesinnte, sondern eine Grundhaltung.

Damit schlage ich den Bogen zu meinem eigentlichen Anliegen und dem Thema Selbstwirksamkeit: Mein Wunsch war es schlicht, dass sich ‚mein‘ Podcast an die eigene Netiquette hält und ohne Herabwürdigung auskommt – also einfach ein bisschen netter bleibt. Eigentlich ein No-Brainer, sollte man meinen. Turns out: Nicht mal bei so einer einfachen Sache ist Selbstwirksamkeit wirklich einfach.

2 „Gefällt mir“

Das heißt, da ich es genau so auch von Angesicht zu Angesicht machen würde ist es okay? Damit wäre der Punkt denke ich geklärt :sweat_smile:

Ich fand in dem Beitrag einige Sachen schwierig.

Eine Frau aufgrund eines wirren, emotional aufgeladenen Statements eine psychische Krankheit zuzuschreiben, ist absolut nicht in Ordnung, weder hier im Forum noch im Beitrag mit den “Wal-Sinn”-Wortwitzen. Das LdN-Team hat sich absolut über sie lustig gemacht. Kann man zusammenfassen als Ableismus.

Die Dame, die dem Wal und den Kühen menschliche Gefühle und Ausdrucksweisen zuschreibt, hat auch problematische Sichtweisen. Für mich ist das reines virtue signalling und hat nichts mit dem eigentlichen Tierwohl zu tun, um das es hier gehen sollte. Ihre Aussagen waren schwurbelig und wirr und haben mMn wirklich keine Relevanz, um das große Thema Selbstwirksamkeit daran zu knüpfen. Dafür hätten die Demonstrationen alleine auch gereicht.

Weiterhin wird berichtet, dass eine Demonstrantin ungefragt einem Politiker um den Hals fällt und küsst, ohne ein Wort dazu, wie übergriffig das ist. Wäre das Geschlechterverhältnis anders herum, wäre dieser Vorfall hoffentlich zurecht kritisiert worden, warum also nicht auch, wenn die Frau sexuell übergriffig ist? Da ist es nur eine lustige Anekdote? Das verharmlost solche Verhaltensweisen.

2 „Gefällt mir“

Ich finde den Vergleich der verwirrten Wal-Fans mit Corona-Leugnern ziemlich problematisch. Ja, die Wal-Fans waren teilweise wirr und cringe. Ja, viele davon sind auch heuchlerisch, wenn sie hier ein einzelnes Tier um jeden Preis retten wollen, während sie an anderer Stelle Fisch/Fleisch essen. Ja, hätte man das Geld und die Energie, die man in die (mögliche) Rettung eines einzigen Wals investiert hat, in allgemeine Naturschutzprojekte investiert, hätte man wahrscheinlich tausende Tiere retten können.

Aber all dieser berechtigten Kritik zum trotz, ging von den Forderungen der Wal-Retter, im Gegensatz zu den COVID-Leugnern nie eine Gefahr für das Leben Unbeteiligter aus. COVID-Leugner waren eine Gefahr für die Allgemeinheit und mussten bekämpft werden und wenn man sie dazu verächtlich machen musste, gut. Bei den selbsternannten Wal-Rettern ist dies nicht der Fall. Klar ich habe auch über das ein oder andere Wal-Meme auf Social Media gelacht, aber für einen Politkpotcast war das eigentlich unnötig.

Was mir bei der ganzen Debatte in den Medien völlig gefehlt hat, war eine Verbindung des Themas mit Walschutz/Umweltschutz im allgemeinen. Wenn offensichtlich so viele Menschen mit diesem einen Wal mitfühlen, dann sollte es doch ein leichtes sein, diese Energie auch für sinvolle Tierschutzprojekte zu mobilisieren.
Warum hat man nicht mal jemand aus Meeresbiologie/Umweltschutz eingeladen und gefragt „Was könnte man mit Geld, dass für die Rettung von Timmy ausgegeben wurden, alles an nachhaltigen Meeresschutzprojekten finanzieren? (am besten gleich mit einem konkreten Spendenaufruhf für solche Projekte)“…

1 „Gefällt mir“

Ich sehe in der Ablehnung jeglicher Wissenschaft durchaus eine Gefahr für die Allgemeinheit. Genau auf dieser Denkweise basieren auch Ablehnung von Impfung und Leugnung oder Relativierung von Corona, aber auch die Leugnung des Klimawandels.

Es mag Symptome dieser Haltung geben, die wie die Einstellung zum Wal eher harmlos sind, aber dahinter steht ein weitreichendes Problem.

5 „Gefällt mir“

Mir gings darum, dass die gleichen Leute bei diesen Geschichten immer dabei sind. Nicht, dass alles, was die an Quatsch machen gleichermaßen problematisch wäre.

3 „Gefällt mir“

Ich halte es für angebracht, diese „Wal-Fans“ als Querdenker zu beschreiben.

Genau wie in der Coronazeit handelt es sich hier um verwirrte/verirrte und ignorante Menschen, die Experten die Expertise aberkennen und gleichzeitig beschuldigen unmoralisch oder böswillig zu handeln.
Genau wie in der Coronazeit entstehen dabei unheimliche Bündnisse aus Rechtsextremen, Esoterikern und vermeintlich normalen Bürgern, die geeint gegen das „Establishment“ und die Wissenschaft hetzen.

Nicht zu übersehen ist die schnelle Eskalation des Themas: PolitikerInnen und EinsatzleiterInnen vor Ort bekamen Morddrohungen zugeschickt.

Abgesehen von dieser angedrohten Gewalt stimme ich auch @pbf85 zu. Auch die Anti-Wissenschaft Haltung der Leute stellt eine Gefahr dar. Wenn auch keine physikalische.

Ansonsten stimme ich aber voll zu: Die „Medien“ und ihre Berichterstattung zu dem Thema sind maßgeblich für das Entgleisen der Debatte verantwortlich.

5 „Gefällt mir“

Nein, das glaube ich nicht. Als die zu berichten begonnen hatten, hielten andere schon längst Mahnwachen.
Das wird von Influencern getrieben und russische Trollfabriken springen dann auf den Zug auf.
Medien sind dann mit dem Problem konfrontiert, dass sie es gerne ignorieren würden, es dafür aber möglicherweise schon zu groß ist, gerade im Wahlkampf.

2 „Gefällt mir“

Eigentlich total spannend wie sehr gesellschaftlich die Chance verpasst wurde, aus dieser Aufmerksamkeit für den Wal ein bisschen herauszoomen und über Wal- und Meeresschutz aufzuklären. Den Leuten ist Tier-und Umweltschutz ja offenbar wichtig, wenn er wirklich erlebbar wird.

Beispiel: Man las immer wieder, dass der Wal wohl Netz-Überreste im Maul hatte, da hätte man prima den Bogen zum Thema Schleppnetze, Überfischung und Meeresverschmutzung (30% - 50% des Plastikmülls im Meer sind alte Netze, laut WWF).

Ja, es ist doppelmoralig wenn den Leuten Überfischung, Umweltzerstörung und co. unwichtig sind, sie sich aber dann über den Wal so echauffieren. So funktionieren Menschen aber nun mal, “der Tod eines Einzelnen eine Tragödie, der Tod von Tausenden eine Statistik.”

Gerade deshalb wäre hier die Chance gewesen, Leute am Beispiel dieses Einzelschicksals zu verdeutlichen, wie real und konkret Umweltzerstörung ist, dass das nicht irgendwo irgendwie Lebensraum zerstört, sondern ganz fassbare Individuen wie den armen geschundenen Timmy.

Da wären nun auch die GPS Daten spannend. Der Wal wird ja wahrscheinlich sterben, das würde dann nochmal ne Medienmeldung wert sein bei der man nochmal transportieren kann dass das an mangelnder Nahrung, Netz im Maul oder Lautstärkebelastung im Meer liegt.

2 „Gefällt mir“

Kurz nochmal zu diesem Statement. In der Häufigkeit ist es nicht natürlich und hat durch die Gründe die du nennst massiv zugenommen. Übrigens nur der Bau von Offshore Windparks. Der Betrieb stört die Tiere weniger und fällt unter der Schifffahrt und deren Motoren kaum auf. Die Wartung ist dahingehend natürlich ein anderes Thema - man fährt ja mit dem Schiff hin.

Mich hats insgesamt sich irritiert, wie emotional da ganze war, bzw. In was für Welten manche Menschen und er Gesellschaft leben. Und da ist es egal in Leute von Fähren springen um eine spirituelle Verbindung zum Wal aufzubauen oder genüsslich ins Fischbrötchen beißen.

Eins fand ich allerdings auch noch lokalpolitisch interessant und das ist einfach das krass misslungene Krisenmanagement.

Das ist wirklich interessant, denn der einzige, der neben ein paar Statements genau das gemacht hat, ist der in diesem Forum als „Selbstdarsteller“ bezeichnete Robert Marc Lehmann.

Ich glaube nicht, dass diesen Menschen nachhaltiger Tier- und Umweltschutz wichtig ist. Dass diese Klientel stark aus dem rechtsesoterischen und -populistischen Umfeld kommt, spricht für mich eher für eine Aufregungsdynamik, bei der der konkrete Inhalt (Tierschutz) Mittel zum Zweck (rechte Elitenkritik, Verbreiten von Verschwörungsideologien) ist. Wer Videos mit dem Titel „Öko-Industrie will den Wal schlachten!“ (das rechtsextreme Magazin Compact auf YouTube) postet, hält sicher nichts von echtem Umwelt- oder Tierschutz.

Ergänzend zu den bereits oben von mir zu dem Thema verlinkten Artikeln, kann ich diesen empfehlen:

Ich hatte explizit den Bau von Offshore Windparks genannt, da sind wir uns also einig.

Und das ein Wal/Delfin in der Ostsee standet ist nun wirklich nicht häufig (abgesehen von Schweinswalen). Ich sehe einen solchen Aufschrei aber keineswegs jedes Mal wenn an der Nordseeküste ein Wahl standet.