Liebe Leute, Naturwissenschaftler hier. Der Wirkungsgrad is definiert zwischen 0 und 100%. Wenn man wie in der heutigen Lage ca 60% als Referenzwert annimmt, kann eine andere Technologie nicht einen 4-5 mal höheren Wirkungsgrad haben (wären ja 300%, also Energie aus dem Nichts). Bitte sowas nicht mehr sagen, beschädigt die Glaubwürdigkeit bei wissenschaftlichen Themen.
Mag sein, dass das die Definition der Wikipedia nicht erfüllt, aber was wäre denn aus deiner Sicht die richtige Vokabel, um zu beschreiben, dass eine Wärmepumpe aus einer kWh Strom irgendwas zwischen 3 und 4 kWh Wärme macht?
Ich finde es sehr treffend, hier von einem Wirkungsgrad von 300 bis 400 Prozent zu sprechen, um den Vergleich zu den 70 oder 80 Prozent beim Gas deutlich zu machen.
Wärmepumpen erreichen Wirkungsgrade (Effizienz) von 300 % bis 500 %, indem sie aus 1 kWh Strom etwa 3 bis 5 kWh Wärmeenergie erzeugen. Sie nutzen Umweltwärme, weshalb der Wert über 100 % liegt. Wenn man diese Umweltwärme mit in die Rechnung einbeziehen würde wäre der Wirkungsgrad wieder <1. Da du nur für den Strom bezahlst und nicht für die Umweltwärme wird der Wirkungsgrad der Wärmepumpe halt aus dem Verhältnis Elektrischer Energie zur Nutzwärme berechnet.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist der entscheidende Effizienzwert für das gesamte Jahr…. Aber googeln, GPT oder andere Dienste befragen könnt ihr selbst.
Wärmepumpen wandeln elektrische Energie in Wärmeenergie und haben eine Leistungszahl – Wikipedia , Verbrenner wandeln Wärmeenergie in elektrische bzw. mechanische Energie und haben einen Carnot-Wirkungsgrad – Wikipedia
Ich hab es aber trotzdem verstanden was ihr gemeint habt.
Ihr werft Katharina Reiche das Operieren mit falschen Zahlen vor, redet aber schon wieder von einem Wirkungsgrad einer Gasheizung von nur “70-80% … die anderen 20-30% gehen durch den Schornstein…”. Das ist meiner Meinung nach deutlich zu gering, beim Heizen sind 90-92% realistisch. Den schlechten Wirkungsgrad fossiler Brennstoffe haben wir bei Verbrennungsmotoren.
Viele Grüße, Jörg
Leistungszahl ist nicht gleich Wirkungsgrad. Will kein Pedant sein, aber es ist schlichtweg thermodynamischer Unsinn von Wirkungsgraden über 100% zu reden. Lernt man in Jahr 1 im Physikstudium. Ich finde ja Wärmepumpen toll, und ja, sie nutzen die Umgebungswärme, daher die Werte. Aber die Wortwahl is wichtig.
Wenn man „Wirkungsgrad Wärmepumpe“ in die Suchmaschine eingibt kommt tatsächlich als Antwort 300-500% als Antwort. Für einen Politikpodcast mit einem Journalisten und Juristen finde ich die Wortwahl ok, da der Punkt gemacht wurde. Als Ingenieur sehe ich es aber auch so dass man einmal von einer COP und einmal über Wirkungsgrad sprechen müsste dann aber zwei unterschiedliche Begriffe direkt miteinander vergleichen möchte. Da kann ich verstehen, dass man diesen Fehler macht um die Nichttechniker im Publikum nicht zu verwirren.
Was hier im Thread aber auch stimmt ist, dass moderne Gasheizungen einen Wirkungsgrad von über 90% haben. Der Punkt bleibt dennoch dass die Wärmepumpe 3,3-5,5 mal effizienter ihre Primärenergie verwertet.
Hängt das nicht aber auch sehr vom Gebäudezustand ab? Viele Gebäude in Deutschland sind in der Nachkriegszeit gebaut wurden und die Sanierungsquote dümpelt seit ewigkeiten bei unter einem Prozent. Die realen Verluste dürften also sehr hoch sein (Gut, da hilft die Art der Heizung alleine auch nichts).
Es ist eine total verkürzte Darstellung, um auf populistische Art und Weise die eigene Überzeugung zu untermauern. Den CP von 3-4 schafft die WP nur unter ganz bestimmten Umständen und die klassischer Weise verbauten Luft-Wasser WP haben im Winter dann eher einen CP von 1 bis 1,5. Nähern sich also einem elektroheizstab an.
Daher sollte man auch die JAZ anstelle der COP betrachten.
JAZ = Jahres-Arbeitszahl, zeigt die Effizienz über das ganze Jahr.
Diese liegt bei Luft-Wärmepumpen typischerweise bei 2,5 - 4.
Erdwärmepumpen bei 3,5 - 5; Wasser-Wasser-Wärmepumpen bei 4 - 5.
Den unzutreffenden und anmaßenden Satz mit „populistisch“ hätte man sich sparen können.
Umgangssprachlich wird Wirkungsgrad oft als Quotient aus Nutzen und Aufwand verwendet. Das hat natürlich das Problem, dass die Definition des Aufwandes beliebig werden kann, was dann Argumentationen und Nachvollziehbarkeit erschwert.
Wenn man sagt, die Umgebungswärme ist geschenkt, wird daher nicht in den “Aufwand” eingerechnet, dann ist das nachvollziehbar. Andererseits würde niemand sagen: der Wirkungsgrad einer PV Anlage ist unendlich weil die Sonnenenergie geschenkt ist.
Halte daher auch eine klare Trennung von Wirkungsgrad zu COP bzw. JAZ sinnvoller.
Ich würde sagen, dass 70-80 % “Wirkungsgrad” bei Gasheizungen nicht unrealistisch sind, wenn man nicht den theoretischen Wirkungsgrad betrachtet sondern den Jahresnutzungsgrad. Natürlich liegen moderne und gut eingestellt Gasheizungen deutlich höher und erreichen durchaus 90-95 %.
Den Vorredner stimme ich teils zu, ich finde es nicht extrem schlimm, wenn man die Fachbegriffe nicht ganz perfekt verwendet, aber man macht sich unnötig angreifbar. Grundsätzlich wären Jahresnutzungsgrad und Jahresarbeitszahl Begriffe die man sehr einfach erklären kann und das wäre auch sehr wünschenswert. Die Aussage, dass Gasheizungen einen so geringen Wirkungsgrad haben ist in meinen Augen faktisch falsch und damit angreifbar, auch wenn eigentlich in diesem Kontext der Jahresnutzungsgrad gemeint war und somit die Zahlen für ältere Heizungen richtig sind. Im Durchschnitt über alle Heizungen könnte der Wert dennoch etwas zu niedrig sein.
Daher wären die >90% der fairere Vergleich. Es geht ja beim Ausbau vor allem um die Frage: neue Wärmepumpe oder neue Gasheizung? Bei einer Gasheizung mit 70-80% Jahresnutzungsgrad muss man sich dann auch fragen, welcher Anteil der Verluste im Gebäude verbleibt und welcher aus dem Schornstein raus geht.
Ändert aber im Endeffekt nichts an der Aussage. Wäre halt mit sauberen Zahlen und sauberen Begriffen etwas wasserdichter gewesen.
Edit: Rechtschreibung
Der von dir gepostete Link geht detailliert darauf ein, warum bei Wärmepumpen von einem Wirkungsgrad von über 100% gesprochen wird:
Wärmepumpen und Kälteanlagen – z. B. Klimaanlagen und Kühlschränke – funktionieren als umgekehrte Wärmekraftmaschine. In der Fachliteratur wird bei diesen Geräten neben dem Begriff „Wirkungsgrad“ die Leistungszahl (
ε
{\displaystyle \varepsilon }) als Maß für die Effizienz verwendet. Die Herstellerangaben bezeichnen die Leistungszahl für Kälteanlagen allerdings oft als „Wirkungsgrad“. Eine wichtige Kenngröße ist auch die Jahresarbeitszahl (JAZ).
Die Wärmepumpe fördert die Wärmeenergie aus der Umwelt und nutzt sie zur Änderung auf das gewünschte Temperaturniveau im Nutzraum. Die dabei insgesamt bereitgestellte Wärmeleistung ist größer als die beim Verdichtungsprozess entstehende Wärmeleistung. Daher werden für diesen Prozess „Wirkungsgrade“ von über 100 % erreicht. Typische Werte liegen zwischen 300 % und 800 %, was einer Effizienz (= Leistungszahl) von 3 bis 8 entspricht. Zur Vermeidung von Verwechslungen wird der thermische Wirkungsgrad von Wärmepumpen und Kältemaschinen als COP (engl. Coefficient Of Performance) bezeichnet, der kleiner ist als der reziproke Carnot-Wirkungsgrad.
Eigentlich kann der Aufwand nicht beliebig definiert werden. Klassisch müsste man um die Wärmepumpe eine Bilanzgrenze ziehen. Dann sieht man klar, dass dort Strom und Umweltwärme reingehen, während Wärme und Verluste den Bilanzraum wieder verlassen.
Der Wirkungsgrad ist dann klar definiert als Target Output / (Summe aller Inputs) und kann per Definition nur zwischen 0 und 1 liegen. Ein Physikstudent/Ingenieur im 1. Semester Thermodynamik, der einen Wirkungsgrad so umdefiniert, dass er bewusst eine Eingangsgröße ignoriert, fällt im Zweifel durch die Prüfung. Meiner Meinung nach zurecht.
Monatliche Leistungszahlen meiner LWWP Arotherm Plus diesen Winter.
November 2025: 3,7
Dezember 2025: 3,8
Januar 2026: 3,2
Februar 2026: 3,4
Also ich kann verstehen, dass man umgangssprachliche Begriffe nutzt. Mache ich auch.
Ich halte es aber auch für wichtig, die richtigen Begriffe zu etablieren und dem Zuhörer „zuzumuten“. Dann kann man nicht so leicht manipuliert werden wie von Katharina Reiche etc.
Es fehlt halt der Beweis, dass Wirkungsgrad nicht der richtige Begriff ist. Er ist etabliert für Wärmepumpen und seine Definition (Nutzen / Aufwand) trifft zu. Wärme aus der Ungebung ist kein Aufwand für den Heizenden.
Wenn ich sage „bergab brauchte ich auf dem Fahrrad keine Kraft“ oder „mein Segelboot brauchte keinen Sprit für die Tour“, dann muss ich mich auch nicht rechtfertigen, dass ich kein Perpetuum Mobile erfunden habe…
Selbst an Unis (hier die Uni Leipzig) [1] wird der Wirkungsgrad oft so definiert, wie in der Lage getan. Er ist eben nicht klar definiert, weil es kein geschützter Begriff ist. Das ist das Problem und daher macht es Sinn, auf eindeutig definierte Begriffe auszuweichen - wie hier bereits vorgeschlagen - um Verwirrung und Angreifbarkeit zu reduzieren.
[1]
Ich würde aber niemals sagen, dass mein Fahrrad oder das Segelboot einen Wirkungsgrad von > 1 hätten. Das wäre naturwissenschaftlicher Blödsinn.
Nein, er ist definiert als Nutzenergie / zugeführte Energie. Zugeführte Energie beinhaltet aber sowohl elektrische Energie, wie auch Umweltwärmeenergie.
Mein Haus hat eine Solaranlage. Dürfte ich sie einfach vernachlässigen, hätte mein Haushalt (würde man ihn als technischen Energiewandler verstehen) einen Wirkungsgrad > 1, denn ich nutze mehr Energie, als ich vom Versorger beziehe. Streng genommen wäre das sogar schon der Fall wenn ich mit dem Heimtrainer Strom für dessen Betrieb erzeuge. Ein Perpetuum Mobile ist das aber eher nicht.
Das Problem mit Wärmepumpen und dem Begriff Wirkungsgrad ist, dass dieser bei korrekter Anwendung relativ gering wäre. Eine JAZ von 4 führt lediglich zu einem Wirkungsgrad von 0,75. Gasheizungen liegen da weit höher. Aus Marketingsicht wäre das für Käufer fatal. Daher hat man sich überlegt, dass es toll wäre, die JAZ oder Leistungszahl als Wirkungsgrad zu deklarieren. Reines Marketing.
Und das ist der nicht belegte Teil.
Sprache entwickelt sich. Nicht nur aus bösem Interesse, weil irgendwer irgendwen täuschen will, sondern weil Menschen einfach über etwas reden und Begriffe dafür suchen. So kommt es dann auch, wie hier, dazu, dass ein Begriff unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Das ist völlig normal. Es gibt für die Bezeichnung „Wirkungsgrad“ ein Dutzend verschiedener Bedeutungen je nach Kontext. Die Wärmepumpe hat sich als eigener Kontext etabliert. Und wie so oft hat die Fachsprache da andere Terminologie gefunden (z.B. die JAZ). Natürlich wäre es wünschenswert, wenn auch in der Nicht-Fachsprache die „genauste“ Terminologie verwendet würde, aber das ist oft nicht der Fall. Insofern werden wir damit leben müssen, dass Leute, wenn sie über Wärmepumpen sprechen, nicht die zugeführte Umweltenergie hinzuzählen.
Der gesamte Sinn der Wärmepumpe ist es, die kostenlose „Umweltenergie“ zu nutzen, um wenig elektrische Energie zuzuführen. Diese Umweltenergie beim Reden über die Effizienz einer Wärmepumpe zu berücksichtigen und ihr damit einen ähnlich schlechten Wirkungsgrad zu attestieren, wie ihn eine Gasheizung hat, ist doch genau das, was du hier kritisierst: Reines Marketing, für Gasheizungen. Denn das würde doch gerade den falschen Eindruck erwecken, Gasheizungen wären ähnlich effektiv wie Wärmepumpen. Dieser Eindruck ist völlig falsch. Deshalb will man Gasheizungen und Wärmepumpen nur anhand der zugeführten elektrischen Energie bewerten und gerade nicht an der zugeführten, kostenlosen Umweltenergie. Wir reden hier eben über die ökonomische Seite, nicht über die physikalische Seite.
Insofern könnte man es auch zusammenfassen als:
Die physikalische Effizient der Wärmepumpe liegt bei 75%-80%, die ökonomische Effizienz bei 300-400%. Uns interessiert in den Debatten aber einzig die ökonomische Effizienz. Wenn das dann als „Wirkungsgrad“ beschrieben wird, mögen einige Physikstudenten erschaudern, aber ein Problem ist das nun wirklich nicht.