Mir fehlt in der Debatte ein Aspekt:
Warum muss mein Steuergeld erneut die Kurzsichtigkeit anderer Mitbürger:innen subventionieren?
Dass wir aus fossilen Energieträgern aussteigen müssen, wurde in der LdN ja bereits mehrfach ausführlich diskutiert, etwa mit Blick auf Klimawandel, geopolitische Abhängigkeiten und die Finanzierung autokratischer Regime. Einer dieser Gründe fällt uns jetzt wieder direkt vor die Füße.
Preiswerte (chinesische) Elektroautos gibt es seit Längerem auf dem Markt und sie sind inklusive Montage einer Wallbox erschwinglich. Je nach Nutzung rechnet sich die Anschaffung im Vergleich zum Verbrenner oft schon nach überschaubarer Zeit, selbst bei eher geringer Fahrleistung. Wer tatsächlich auf ein Auto angewiesen ist, hatte also schon lange die Möglichkeit, umzusteigen. Dass viele das nicht getan haben, ist nicht automatisch ein soziales Problem, sondern oft schlicht eine politische und persönliche Verdrängungsleistung.
Mein Vorschlag zur Abfederung sozialer Härte:
Menschen mit einem zu versteuernden monatlichen Einkommen von z. B. unter 2.000 € könnte man für 3 bis 6 Monate ein Deutschlandticket zur Verfügung stellen. Über die genaue Grenze kann man selbstverständlich diskutieren. Die gern bemühte arme Krankenpfleger:in aus dem nicht urbanen Raum, wahlweise noch aus dem Osten, hätte dann zwar zunächst einen längeren oder umständlicheren Arbeitsweg und wäre vorübergehend möglicherweise auf Mischlösungen wie Park and Ride oder Fahrrad plus ÖPNV angewiesen, kommt aber nach wievor zur Arbeit. Und Mitbürger:innen in Städten sind in meinen Augen ohnehin nicht ernsthaft auf ein Auto angewiesen.
Das Ganze ist radikal. Aber die Vorstellung, man könne eine Mobilitätswende organisieren, ohne dass irgendjemand seinen Alltag ändern muss, ist eben auch bequemes Wunschdenken. Veränderung passiert in der Regel erst dann, wenn Menschen sie tatsächlich spüren. In diesem Fall wäre der Effekt vermutlich klar, schnell und überfällig.