Mir sind beim Hören der Folge 465 die Tränen gekommen: einerseits aus Wut, weil ich den Frust, den Marco und so viele in diesem Land erleben, wenn sie mit der Verwaltung zu tun haben, sehr gut nachvollziehen kann; und andererseits aus Dank, weil durch das Öffentlichmachen dieser Fälle viele von uns aus unseren einsamen “Frustsilos” befreit werden und merken, es geht anderen genauso, und manchmal gewinnt man doch.
Mein letztes schlechtes Erlebnis mit der Verwaltung ist schon eine Woche her, und trotzdem bereitet es mir noch schlaflose Nächte. Vielleicht ist das ja ein interessanter Fall für die Lage, denn ihr seid ja Fans vom ePerso:
Als Deutscher im Ausland bin ich, um Bürgerdienste zu nutzen, vielfach auf den elektronischen Personalausweis angewiesen. Oft ist das die einzige zuverlässige Art, mich online auszuweisen um Zugang zu bekommen. Nun ist so ein Perso aber nicht unverwüstlich, und meiner hat vor kurzen einen kleinen Riss bekommen, der offenbar die darin enthaltene RFID-Antenne zertrennt hat. Folglich ist kein Auslesen des Perso und somit kein Zugang zu Bürgerdiensten mehr möglich.
Nun kann man in dem Land in dem ich leben beim deutschen Konsulat einen Personalausweis beantragen. Das ist aber erstens recht teuer und zweiten benötigt das Konsulat allerlei Unterlagen als Nachweis, dass man Deutscher ist. Diese Unterlagen hatte ich aber nicht vor Ort. Da bot es sich an, beim nächsten Berlinbesuch einen Termin beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), zu machen. Das ist eine Art Sonder-Bürgeramt für, Zitat, “in Berlin nicht gemeldete Personen, Touristen und Deutsche mit Wohnsitz im Ausland.”
Also bin ich brav hingedackelt, habe vorher ordentlich ein neues Foto (per QR-Code abrufbar!) machen lassen und pünktlich ins recht leere Bearbeitungszimmer gerufen worden. Dort fing das Drama an:
Die erste Beamtin schien mit meiner Konstellation nichts anfangen zu können. Obwohl augenscheinlich noch U30, konnte sie nicht verstehen wozu ich den RFID Chip brauche, der Perso sehe doch noch recht gut aus und sei weiterhin 5 Jahre gültig. Die hinzugerufene zweite Beamtin erklärte mir dann, das LABO sei nicht zuständig für meinen Fall, ich müsse im Ausland zum Konsulat. Auf meinen Hinweis, dass das LABO sehr wohl in Fällen wie meinen agieren kann und ich gerne bereit bin die dafür nötigen 70 Euro “Unzuständigkeitsgebühr” (ja, sowas gibt es) zu bezahlen, stellte man sich stur: nein, erst müsse Berlin vom zuständigen Konsulat im Ausland (das mich nicht kennt und dem ich erst eine Menge Unterlagen vorlegen müsste um deren Zuständigkeit und meine Identität zu belegen) die Erlaubnis bekommen, meinen Fall zu bearbeiten.
Wohlgemerkt: ich war bis letzten Sommer fast 15 Jahre in Berlin gemeldet, mein derzeitiger Perso stammt von dort, und die Verwaltung hat alle notwendigen Unterlagen über mich im System.
“Nein, hier liegt kein Notfall vor,” hiess es dann. Was ein Notfall sei, könne man mir nicht definieren. Nach weiteren 10 Minuten in denen zwei stehende Beamtinnen mich, sitzend, belehrten was alles nicht geht und warum sie jetzt keine “Ausnahme” machen würden, bin ich unverrichteter Dinge gegangen.
Fazit: Statt dem Bürger eine wichtige Dienstleistung anzubieten, die es ihm erlaubt weitere notwendige Bürgerdienste in Anspruch zu nehmen, wird auf eine strenge Auslegung der Zuständigkeiten gepocht. Es wurde unnötig Zeit verschwendet und Behördenfrust generiert, bei jemandem der eigentlich ein glühender Verfechter unseres Rechtsstaats ist. Der Vorgang wird jetzt Wochen, wenn nicht Monate dauern, denn es müssen weitere Termine gemacht und Unterlagen fürs Konsulat beschafft werden. Das wiederrum wird sicherlich keinen eigenen Perso ausstellen können, sondern ihn in Deutschland bestellen müssen.
Prozesse 1 : Selbstwirksamkeit (bei Beamten und Bürgern) 0