Ich bin mir nicht sicher, ob das hier schon genannt wurde, ich habe es jedenfalls nicht gelesen:
Im Beitrag wurde bei der Berechnung für die tatsächlich entstehenden Kosten bei der (vermutlich geplanten) Besteuerung von Unternehmen gesagt, dass ca. 1,25% des Unternehmenswerts pro Jahr in den 20 Jahren der Stundung anfallen. Diese wurden dann mit der Eigenkapitalrendite von ca. 6% in Relation gebracht. Das ist aber aus meiner Sicht ein falscher Vergleich. Die EK-Rendite berechnet sich ja wie der Name schon sagt, auf das eingesetzte Eigenkapital und hat nichts mit dem Unternehmenswert (wie auch immer der sich berechnet) zu tun. Eine EK-Rendite von unter 6% sollte für ein wirtschaftlich gut laufendes Unternehmen auch eine untere Grenze sein, da dafür das Risiko idR zu hoch ist. Daher sollten die Renditen schon höher sein.
Die Gewinnmarge in Bezug auf den Unternehmenswert muss aber nicht zwingend so hoch sein und da könnten die 1,25 % (oder weniger, wenn die Freibeträge entsprechend betrachtet werden) durchaus einen großen Anteil entsprechen…
Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass die Erbschaftssteuer reformiert werden sollte. Allerding stört mich bei so Diskussionen und Beiträgen immer wieder Aussagen wie “die können es sich ja schon leisten”… Das führt leider immer wieder dazu, dass die Gräber eher größer als kleiner werden und das finde ich schade. Ich bin gerade dabei, mir etwas Vermögen aufzubauen und überlege dabei auch immer, wie ich das meiner Tochter später vererben/übertragen kann. Da fühle ich mich bei so Diskussionen immer auf zwei unterschiedlichen Seiten gedrängt. Im Bericht wurde auch die Aussage getroffen wie “dann können ja ruhig mal ein paar Wohnungen verkauft werden” - das ist sicherlich auch in der Theorie möglich, aber auch das ist sicherlich nicht immer so einfach, wie das hier jetzt wirkt…
Ich finde den Begriff des “leistungsunabhängigen” Einkommen ziemlich passend und könnte mich damit auch durchaus anfreunden. Und auch wenn man jetzt argumentiert, dass bei einem Erbe der Erblasser nicht mehr lebt (was nicht in jedem Fall korrekt ist), hatte dieser ggf. auch Wünsche, was mit seinem Vermögen passiert. Ein Wunsch (der aus meiner Sicht auch durchaus valide ist) kann sein, dass seine Nachkommen von seinem Lebenswerk ein gesichertes Einkommen erhalten. Gerade bei der Diskussion über Familienunternehmen und deren ggf. notwendige Aufspaltung finde ich diesen Aspekt etwas zu kurz gesprochen. Allerdings ist hier natürlich auch die Freigrenze zu berücksichtigen - ob hier ein einmal festgelegter Absolutwert sinnvoll ist, ist jedoch auch fraglich…
Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber wenn du mit dem GG argumentierst, dann bitte auch die anderen Artikel und/oder Absätze, die das Recht auf Eigentum einschränken. Das wirkt sonst etwas unglaubwürdig/einseitig…
Auch diese Unternehmen profitieren von einem hohen Freibetrag und können, wenn überhaupt, so besteuert werden, dass die Substanz des Unternehmens unberührt bleibt. Keine staatliche Besteuerungsmaßnahme hat den Zweck, Unternehmen in die Insolvenz zu treiben oder Arbeitsplätze zu vernichten. Sowas kann immer gestundet werden, oft über Jahre.
Aber im GG steht eben auch, dass Eigentum verpflichtet und die Erbschaftssteuer steht ebenfalls im GG. In Zeiten knapper Kasse der Kommunen kann man erwarten, dass bessere Argumente gegen eine Erbschaftssteuer angeführt werden als die immer wiederkehrenden selben falschen Argumente.
Als Hörtipp empfehle ich den Beitrag von Philipp Klöckner aus dem Tech-Talk Podcast Doppelgänger. Ab Minute 01:58 zerlegt er hier die aktuellen Regelungen zur Erbschaft und arbeitet sehr gut heraus, warum es eben nicht unternehmerfeindlich ist. Eher im Gegenteil. Warum es keine Doppelbesteuerung ist etc..
Für mich bisher der beste, öffentliche Beitrag, der nicht aus der “linken” Ecke kommt.
Die wirtschaftsliberalste bzw. radikalste Form ist übrigens die 100% Erbschaftssteuer. Gutes Unternehmertum wird eben nicht genetisch vererbt.
Ich bin übrigens auch Unternehmer, habe aber keine Familie. Geerbtes Startkapital hatte ich auch keines. Alle deine Punkte treffen auf mich zu. Außer das ich noch nicht reich genug geworden bin, dass der von mir genannte Erbnehmer steuerfrei erben kann. Zusätzlich habe ich verpasst, steuertechnisch optimal meine Gene zu verteilen.
Die Erbschaftsregelung ausschließlich an die Gene und Familie zu binden, ist aus meiner Sicht sowas von überholt und fast schon mittelalterlich. Angesicht der diversen Lebensformen, die in unserer Gesellschaft vorherrschen, ist das alles nur noch albern. Ich denke dabei an Patchworkfamilien, homosexuelle Paare, kinderlose Paare usw. usw.
Für diese Heiligsprechung der Familienunternehmer hab ich null Verständnis.
Ich musste für alle meine Immobiliengeschäfte einen regulären Kredit aufnehmen und ein Geschäftsmodell vorweisen. Wenn ein Erbe, trotz enormen, leistungslosen Starktkapitals das nicht hinbekommt, zeugt das eben nicht von vererbten Unternehmertum.
Ein anderer Punkt, der mir so durch den Kopf geht:
Wenn jetzt das Bundesverfassungsgericht in einem der kommenden Urteile die Erbschaftsteuer für verfassungswidrig erklärt und die Union derart absurde Reformvorschläge macht, dass die SPD da gar nicht erst zum diskutieren anfangen möchte, besteht dann die Gefahr, dass sie wie die Vermögenssteuer ausläuft?
Da Schenkungssteuer und Erbschaftsteuer zusammen hängen, reicht ja ein Tag, um riesige Vermögen am Finanzamt vorbei an Freunde, Verwandte und Sonstige zu übertragen.
Betrachten wir das Ganze im Jahresvergleich, verändert sich das Eigenkapital bei vollständiger Gewinnausschüttung nicht. Es findet aber trotzdem ein Liquiditätsabfluss aus dem Unternehmen statt. Mir ist das wichtig zu unterscheiden, damit nicht der Eindruck entsteht, hier würde (vorher schon vorhanden) Substanz abgeschmolzen, dem ist nicht zwingend so.
Die Frage ist, ob dann nicht auch der Ausnahmetatbestand im EStG wegfallen wuerde, und Schenkung bzw. Erbe waeren dann auf einmal als Einkommen zu versteuern? Das wuerde interessant werden.
Seit wann sind Wünsche irgendwie steuerlich relevante Einflussgrößen? Ich wünsche mir auch, dass mein Grenzsteuersatz bei 25% endet, passiert auch nicht.
Ich würde mal unterstellen, dass das der Wunsch von 99% aller Eltern für ihre Kinder ist. Warum sollte der Wunsch des Unternehmers wichtiger sein als der Wunsch irgend eines anderen Bürgers?
Bin völlig bei dir. Viele Industrie Mittelständler in Deutschland haben ein Nachfolgerproblem.
Ich bin absolut der Meinung, das Unternehmen ist dein Eigentum und wem du es nach deinem Ableben überlassen willst, ist deine Entscheidung und der Staat sollte das nicht in eine Richtung bestrafen oder fördern. - das gehört übrigens auch zu meinem Punkt zum Schutz des Eigentums - eines der höchsten Pflichten des Staates.
Ich gönne jedem seinen Wohlstand, va wenn der Wohlstand mit den eigenen Händen, durch die Aufnahme von Risiko und durch die Schaffung von Werten, die andere Menschen nachfragen, entstanden ist. Unternehmer müssten in Deutschland gefeiert werden und nicht mit Füßen getreten
Ich weiß, Erben haben ja nix geleistet… die haben 30-35 Jahre Party gemacht und dann übernehmen sie ohne irgendwas getan oder gelernt zu haben die Firma deswegen haben auch so viele Mittelständler Probleme bei der Nachfolge, weil das alles so einfach ist
Sie können ja den auserkorenen Erben adoptieren, dann wäre er Teil der Familie und wird ähnlich wie ein leibliches Kind behandelt. Homosexuelle Paaren können durch die Ehe für alle heiraten, also dafür lassen sich Wege finden.
Moechtest du damit sage, dass große Konzerne gesellschaftlich irgendwie besser waeren als mehrere kleine Firmen? Wenn es die Schwarzgruppe nicht gaebe, wuerde jemand anderes den Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel machen, ich sehe nicht dass wir hier als Gesellschaft einen Vorteil durch die Existenz dieses Konzerns haben.
Im Gegenteil wuerde ich die Behauptung aufstellen, dass (zu) große Unternehmen gesellschaftlich moeglierweise mehr Schaden als Nutzen: Klumpenrisiko, Lobbyismus, Abhaengigkeiten, …
Und das ist Gesamtgesellschaftlich ein Problem weil?
Wo genau habe ich das gesagt? Ich habe doch gerade ein paar Optionen aufgezeigt, wie man eine solche Steuer begleichen kann ohne das man die Liquiditaet auf der Seite liegen hat.
Selbstverstaendlich darf jeder selber entscheiden an wen er etwas verschenken moechte, nichts anderes ist eine Erbschaft.
ABER, wenn mir jemand etwas schenkt, habe ich ein Einkommen.
Wir alle haben uns als Gesellschaft gemeinsam dazu entschlossen, dass wir unsere gemeinsamen Ausgaben insbesondere durch eine Steuer auf Einkommen finanzieren. Als Gesellschaft sind wir sogar so weit gegangen, dass wir gesagt haben, Schenkungen nehmen wir aus dem normalen Einkommensteuerrecht heraus, und schaffen eine Extraregelung, die guenstiger ist fuer den Beschenkten.
Die Erbschaftssteuer ist also sogar ein geringerer Eingriff ins das Eigentum als die Einkommensteuer!
Wenn ueberhaupt dann sollten sich alle die über die Erbschaftssteuer echauffieren, die ihr Einkommen ausschlieslich aus Erwerbsarbeit beziehen. Denn die werden im Vergleich mit Erben deutlich benachteiligt.
Schoenes Beispiel aus meinem eigenen Umfeld, Kommilitone von mir, gleicher Abschluss, vergleichbares Einkommen in den letzten Jahren, wohnt zur Miete, weil nicht genuegend Eigenkapital fuer eine Immobilie im Ballungsgebiet vorhanden ist. Ich habe (leider) zu frueh geerbt, musste darauf 0 EUR Steuern zahlen, und kann mir am Ende die DHH im Ballungsgebiet, zu wie ich finde ziemlich guten Finanzierungsbedingungen, leisten. Ist das fair?
Ja, ist so. Wer was geleistet hat, waren die Angestellten. Wo sind die in deiner Gleichung? Wenn du meinst, das ist mit dem Gehalt ausgeglichen: Da sind auch Steuern drauf. Und ob die persönliche Situation durch diese Steuern übermäßig belastet wird, interessiert niemanden. Ich finde, das sollte man nicht außer Acht lassen. Alle Angestellten der letzten X Jahre sollten einen Teil des Erbes erhalten. Denn die haben es erwirtschaftet.
Du kannst ihn gerne soviel feiern, wie du willst. Ich finde erfolgreiche Unternehmer auch faszinierend.
Aber der Unternehmer ist jetzt tot.
Der Erbnehmer hat unter Umständen nie im Unternehmen gearbeitet. Warum soll er nun von Steuern befreit werden? Diese Emotionalisierung ist doch völlig unangebracht.
Dem stimme ich absolut zu. Einzig solltest du dann auch zu der logischen Schlussfolgerung kommen:
Willst du Unternehmertum fördern, Menschen ermöglichen eigenes Kapital aufzubauen, Leistung honorieren?
Dann setze dich für eine Senkung von Unternehmensbesteuerung, den Abbau bürokratischer Hürden, die Förderung finanzieller Bildung etc. ein.
Willst du aber nur den Status Quo erhalten?
Dann blockiere eine funktionierende Erbschaftssteuer. Denn am Ende kann aus einer Wirtschaft, in der nur derjenige reich wird, dessen Opa mal ein Unternehmen gegründet hat, kein kreatives Unternehmertum entstehen.