LDN 463 Freiwillig Teilzeit + GKV: unsolidarisch / ungerecht?

Natürlich kann man dagegen argumentieren. die GKV ist ein Solidarsystem. Jede zivilisierte Gesellschaft sollte eine qualitativ gute Krankenversorgung für alle Bürger garantieren, völlig unabhängig davon, ob eine irgendwie subjektiv definierte “Leistung” erbracht wird. Wir sind immer noch eine der reichsten Gesellschaften der Menschheitsgeschichte, da sollte das drin sein.

Von der offensichtlichen moralischen Problematik, bestimmte Lebensentwürfe als “Freiwillig” oder “Lifestyle” zu entwerten mal abgesehen, würde man zur Kategorisierung zudem ein neues Bürokratiemonster schaffen. Die Sozialgerichte und alle Anwälte freuen sich schon auf die mehreren Leitz-Ordner Gesetze, Definitionen und Durchführungsverordnungen, mit denen dann “freiwillige” von “unfreiwilliger” Teilzeit unterschieden wird. Das entlastet Beitragszahler und die Steuerkasse bestimmt gewaltig.

Der höhere Lohn zählt nicht als “Vorteil”?

Das ist eine Milchmädchenrechnung. Die Summe aller Beitragszahlungen zur GKV wird durch die Summe aller Kosten des GKV-Gesundheitssystems bestimmt. Diese Kosten sinken nicht, nur weil ein paar Leute mehr in Vollzeit arbeiten. Die Kosten bleiben gleich, also bleibt auch die Summe der Beiträge gleich.

Wenn du “Lifestyle-Teilzeitlern” die Beiträge erhöhst (Kopfpauschale oder annähernd), dann mag das bei ein paar dazu führen, dass diese in Vollzeit wechseln. Bei vielen anderen wird die Folge sein, dass sie lieber gar nicht mehr arbeiten (weil es sich nicht mehr lohnt). Mit dem Ergebnis, dass die immer noch gleich hohen Kosten des Gesundheitssystems dann von weniger Menschen getragen werden müssen. Die Beitragssätze steigen dann entsprechend auch für die verbleibenden Vollzeitarbeitenden.

Wenn man die GKV “solidarischer” machen und gleichzeitig die Beitragssätze senken will, dann eher in die entgegengesetzte Richtung: Berücksichtigung aller Einkommensarten und deutlich höhere/abgeschaffte Beitragsbemessungsgrenze. Hatte ich hier mal vorgeschlagen und grob durchgerechnet: Drastische Senkung der Lohnnebenkosten durch Reform der Beitragsfplicht

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