LdN 458 "Dann verpisse ich mich"

Es geht aber nicht um ein vage-neutrales “wenn Krieg ist”, sondern darum, dass ein Land (in diesem Fall Deutschland oder auch ein europäisches Land, das Mitglied der NATO ist) durch ein anderes angegriffen wird, sprich: um den Verteidigungsfall. Dann heißt die Frage: Kann ich wollen, dass sich alle verteidigungsfähigen Menschen in dem Land, das angegriffen wird oder das einem anderen angegriffenen Land gegenüber beistandspflichtig ist, aus dem Staub machen? Und genau das war die Frage, die Ulf und Philipp sich gestellt haben.

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Herr Ostermeier und Ole Nymoen gehören sicher nicht zu den Menschen, die sich gegen Geflüchtete positionieren.

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Ole Nymoen habe ich jetzt nur in einigen Talkrunden und Interviews erlebt, sein Buch nicht gelesen.
Da habe ich ihn als eher egozentrisch argumentierend empfunden, mit teils eher naiven Vorstellungen, die ich seiner Jugend zuschreiben würde.

Natürlich wäre es interessant, ihn mal in einem Lage-Gespräch zu hören. Besonders, wenn man auch mal konsequent nachhakt, wie denn manche seiner Ansichten zuende gedacht aussehen.

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Aber genau das ist doch der Fall, wenn ein anderes Land versucht unser Land anzugreifen… schau dir an, wie das Leben in der russischen Besatzung aussieht. Wenn das keine konkrete Bedrohung ist…

Danke Franziska, ich kann dir in Vielem zustimmen. Das schreibt übrigens auch Ole Nymoen: wenn es wirklich Krieg gäbe, dann wäre es sehr schnell vorbei mit dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Sieht man ja auch in der Ukraine: Grenzen zu, Leute ab an die Front Und dann werden auch die bisher so friedliebenden Menschen - umgewandelt zu Soldat.innen - ganz schnell zu den Mördern, die bereits Tucholsky als solche bezeichnen durfte. Genau das, was den Russen zu Recht vorgeworfen wird. Wir dürfen mal gespannt darauf sein, welche Kriegsverbrechen welcher Seite des Krieges hinterher zugeordnet werden müssen…Ich war heute zum ersten Mal mit einem Zitat aus der Welt am Sonntag einverstanden: Der Kommentar wirft unseren europäischen Politikern der Willigen vor, nichts dafür getan zu haben eine Strategie, ein Ausstiegsszenario entwickelt zu haben. Sie hätten - schreibt die WAS - weder ein Gefühl, noch eine Ahnung, wie dieser Konflikt enden kann, von geopolitischer Weitsichtganz zu schweigen. “Es liegt im Wesen des moralischen Anspruchs, dass bei ihm kein Kompromiss möglich ist.” Ganz genau. Und im Übrigen: Russland kratzt schon seit Längerem Soldaten aus allen möglichen Ländern zusammen, weil er keine mehr hat. Aus Nordkorea 15.000, aus Kuba, Südafrika usw.. Womit soll er also NATO-Länder angreifen? Woher stammt dieses immer wieder verbreitete Narrativ? Es wird von vielen Leuten aus der Friedensbewegung, kritischen Sozialdemokrat.innen, ktritischen Wisdsenschaftlern (Johannes Varwick, Erich Vad ….) als völlig unrealistisch abgelehnt und dient dazu, Angst und Schrecken zu verbreiten. Es öffnet Tür und Tor für eine maßlose Aufrüstung auf Geheiss von Donald Trump (5%!). Mit welchem Sinn und Verstand folgt man dieser unverschämten Maxime eines halbfaschistischen Tyrannen und seiner Gefolgschaft? Und wie groß ist heute schon das Missverhältnis zwischen dem Waffenarsenal der NATO (ohne USA) und Russland?

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Ich habe Ole Nymoen schon oft gehört und ordne ihn als umfassend gebildet, belesen und reflektiert ein. Mag sein, dass man nicht seiner Meinung ist, aber er ist sicher weder egozentrisch noch verweigert er sich Diskussionen. Er gehört übrigens sicher auch nicht zur „Jugend“.
Seine Ansichten über die „Kriegstüchtigkeit“, Aufrüstung und Wehrpflicht muss man im größeren Kontext seiner Positionierungen sehen.
Ich teile seine Meinungen sicher nicht immer und vielleicht auch nicht bzgl. Verteidigungsfähigkeit (bin da bisher nicht so sicher). Aber auch ich sehe diese enorme Aufrüstung und das Verfügen über die junge Generation, ohne sie überhaupt mal nach ihrer Meinung gefragt zu haben, sehr, sehr kritisch. Sehr zu empfehlen ist dazu die Jugendpolitik-Beraterin Dr. Anna Grebe und die Podcasts 22 Millionen und Berufsjugendlich.

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Ich muss seine Meinung ja nicht teilen, respektieren aber auf jeden Fall.

Wie gesagt, war mein subjektiver Eindruck in den wenigen Gesprächsrunden, die ich gesehen hatte. In diesen Runden bleibt man ja leider immer sehr an der Oberfläche; daher wäre mehr Tiefe sicher interessant.

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Nein, ist es nicht. Beachte den Unterschied Staat vs Mensch.
Zunächst: „Land“ ist ein geographischer Begriff, ein Land greift niemanden an.

Staaten sind Abstracta, repräsentiert von Regierungen, die mich nicht persönlich angreifen, sondern angreifen lassen. Dazu bedienen sie sich ganz konkreter Menschen und daraus kann eine Notwehrsituation erwachsen. Ob ich bereit und willens wäre, diese Menschen dann zu töten, möchte ich gerne selbst entscheiden und nicht deshalb dazu gezwungen werden, weil ich zufällig auf der anderen Seite der Grenze geboren wurde.
Die Entscheidung, ob jemand für mich eine derartige persönliche Bedrohung darstellt, dass ich in Erwägung ziehen muss, diesen Menschen (!) ggf umzubringen, mache ich auch nicht davon abhängig, ob der Staat, dem sich dieser Mensch nolens volens zugehörig rechnen muss, ein “böser” oder ein “guter” Staat ist.

Wie schnell übrigens aus einem “guten” Staat ein “böser” werden kann, sieht man am Beispiel USA. Und ich habe meine Zweifel, ob in ein paar Jahren der deutsche Staat noch ein “guter” - also ein liberaler, sozialer Staat ist (bzw das, was z.Zt. noch davon übrig ist). Aber die Unterscheidung, welcher Staat es nun wert sei, dass ich mein Leben opfere und am besten noch andere Menschen morde - das mache ich mir in der Tat einfach: keiner!

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„Kann ich wollen, dass sich alle Menschen aus dem Staub machen, wenn Krieg ist?“

Antwort: Ja! Alle meint eben wirklich alle und damit wäre das Problem gelöst.

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Hat er denn dazu eine Meinung? Er lehnt den Staat als grundsätzliches Gebilde ab. Für ihn ist ein Staat kein Gebilde von Menschen für Menschen, sondern ein Herrschaftsinstrument der Unterdrückung.
In seinen Augen braucht es mit Sicherheit keine „Kriegstüchtigkeit“, da die Menschen sich jederzeit gegen den nach Krieg lechzenden Staat stellen können und damit seiner Macht berauben.
Das sind urlinke Positionen, sicher wert, darüber nachzudenken, aber mit unserem Verständnis eines Staates und dem, was wir unter Heimat, Gesellschaft und Land verstehen, nicht vereinbar.

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Fragt ihn am besten selbst. Aber vielleicht besser unvoreingenommen.

Aber eine Anmerkung: Menschen wie Friedrich Merz, Katharina Reiche & Co sind viel weniger solidarisch. Wer sich bei der Herz-Für-Kinder-Gala heuchelnd ins Fernsehen setzt, gleichzeitig aber überhaupt nichts für arme Kinder tut, ist nicht solidarisch. Ganz im Gegenteil.
Wer keinen AfD-Verbotsantrag stellt, ist unsolidarisch mit den Minderheiten in diesem Land.
Und ich glaube auch nicht, dass diese Menschen ihre eigenen Kinder oder Verwandten in den Krieg schicken würden. Ich vermute eher, dass sie alle Aktien der Rüstungsindustrie halten. Was nicht heißen soll, dass sie handeln, wie sie handeln, weil sie noch reicher werden wollen. Aber trotzdem werden sie sicher zu profitieren wissen.
Wenn die Rede davon ist, dass VW demnächst Panzer bauen soll (statt E-Autos und Straßenbahnen), finde ich das wirklich schwierig.

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Einige Punkte eines früheren Pazifisten, der sich auf das Gebot der Nächsten - und Feindesliebe berufen hat.

Das Dilemma: liebt man seine Feinde, verrät man oft seine Freunde.

In Russland u vielen anderen Ländern wird gewaltloser Widerstand gnadenlos niedergeknüppelt ( der Tod von Nawalny war für Russen bis jetzt ohne Effekt, ebenso in Belarus, wo der Widerstand nur zu härterer Unterdrückung geführt hat)

unser Land hat immer noch eine der besten Demokratien in der Welt, natürlich verbesserungsbedürftig. Die AFDler: innen würden unser Land gegen Russland nicht verteidigen, Linke wie Ole nicht, weil schon zuviel AFD drinsteckt.

warum sollen andere Länder abgehauenes Deutsche aufnehmen , wenn sie selbst mit angegriffen werden ?

Alternative: Sich ducken, anpassen, Schnauze halten und sein privates Leben führen, wie die Menschen in der DDR bis auf die Minderheit der Aufständischen ( Bündnis 90 etc) gelebt haben ohne die Zumutungen der Freiheit), oder die Menschen in Belarus, Petersburg, Moskau, Russland. Vielleicht sind ja auch viele Menschen in den besetzten Gebieten der Ukraine zufrieden: keine Bomben u Drohnen, keine nächtlichen Alarme, ganz unpolitisch brav. Es wird auch in der Westukraine genug Menschen geben, die um der Ruhe willen eine Ukraine wie vor dem Maidan akzeptieren würden. ( PS: haben die jungen Männer aus der Uk, die sich zu uns verpisst haben, eine Gewissensentscheidung getroffen ?

Genau dieser Eindruck, das das Ultima Ratio-Prinzip kaum Beachtung findet und fast komplett aus dem Diskurs verschwunden ist, bereitet mir zunehmend Sorge. Frieden schaffen mit Waffen, dachte da wären wir drüber weg. Wann ist es denn genug? Und wenn alle Arsenale voll sind, wie kurz ist dann die Lunte (Unfälle, unberechenbare Entscheider)? Und wie viel Mrd. Euro wollen wir für Waffen ausgehen, anstatt für Frieden stiftende Lösungen?

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Gibt es Frieden stiftende Lösungen, die der Ukraine grad weiterhelfen könnten, und bei denen sie als souveräner Staat überlebt? Das scheint grade schwierig zu sein

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Noch mal: Es “ist” nicht einfach “Krieg”, Krieg wird gemacht. Im Falle der Ukraine “war” auch nicht einfach Krieg, der aus einem Konflikt zwischen zwei Ländern resultierte, sondern Russland hat die Ukraine brutal überfallen und schwerste Menschenrechtsverletzungen begangen. Können UkrainerInnen dann wirklich wollen, dass sich alle anderen UkrainerInnen aus dem Staub machen? Die russischen Soldaten können und werden das nämlich nicht. “Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin” ist vor dem Hintergrund der heutigen geopolitischen Lage nichts als ein schöner, aber in meinen Augen leider auch sehr naiver Traum. Den hatte ich auch mal.

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Ich habe von Ole Nymoen in einem Interview mal den Satz gehört, das er lieber unter Besatzung leben würde als zu kämpfen. Völlig legitime individuelle Entscheidung.

Mir fiel ein Gespräch mit einem Kameraden während meiner Kosovo-Einsatzausbildung in Hammelburg ein in den 90ern.

Der Mann war dreifacher Familienvater, und bei EOD, also der Truppe der Bundeswehr die u.a.für die Entschärfung von Sprengsätzen und Minen zuständig sind.
Er hatte schon zwei Einsätze in Ex-Jugoslawien absolviert und beschrieb seine Aufgabe dort.

Er und sein Team wurden gerufen, wenn ein neues Massengrab entdeckt wurde. Dann mussten diese Männer vorsichtig das Massengrab auf Sprengfallen untersuchen. Also zwischen den Leichen von Mänbern, Frauen und Kindern nach Drähten und Zündern suchen. Die „Mörder“ dieser Opfer hatten also diese im Nachhinein vermint, um später Helfer noch zu töten.

Er sagte, das habe er zweimal gemacht, dann war er durch. Und er könne heute noch nicht seine Kinder normal in den Arm nehmen.

Wenn man sowas hört und erkennt, zu was Menschen in Machtpositionen mit Waffen fähig sind, wenn der Hass groß genug ist, dann zweifelt man ob Besatzung immer die bessere und sichere Alternative zum Überleben ist.

Mal anekdotisch…

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Mir sind die vielen Waffen in den Händen der AfD allerdings auch unheimlich. Ja, soweit muss man denken…
Ich plädiere eher für bessere Organisation mit den anderen EU-Staaten. Es macht keinen Sinn, dass jeder einzelne Staat sich bis zum Abwinken hochrüstet. Es macht Sinn, zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Verteidigungsfähigkeit zu erreichen. Und richtige Sanktionen. Warum braucht es 17,18,19 Sanktionspakete? Warum wurde nicht sofort alles gemacht, was möglich war?

Herr Fleischhauer wusste auf Anfrage übrigens noch nicht mal, wo welcher baltische Staat liegt. Und diesem Mann will man z.B. glauben, dass er bereit wäre, das Baltikum zu verteidigen? Das sind große Worte, weiter nichts. Solche Leute wollen nicht verteidigen. Sie wollen verteidigt werden. Solche Leute sind noch nicht mal bereit, für andere etwas langsamer zu fahren…

Und wenn ein Gabor Steingart (bei Ronzheimer) und im Prinzip sogar Ferdinand von Schirach von einer Art neuem Führer sprechen, wird mir ganz anders. Wenn unser Innenminister sich über Gesetze hinwegsetzt, ebenso. Oder wenn die AfD-Annäherungsorganisation Republik21 Millionen Subventionen bekommt, während Gelder für Demokratieprojekte gestrichen werden…
Und Herr Döpfner mit der verabscheuungswürdigen Zeitung braucht mir auch nichts zu erzählen: Er ist noch nicht mal bereit, die korrekten Steuern zu zahlen und zerstört unsere Demokratie (ergänzt).
Die Gefahr im Innern ist aktuell viel größer als die von außen. Zumindest für manche Menschen.

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Der Ukraine-Russland Krieg ist für mich das beste Beispiel nicht geübter Prävention und das darf nicht wieder passieren. Zu lange weg geschaut, keine klaren Positionen, kein (jedenfalls nicht für mich erkennbar) echter Wille andere Wege (Sanktionen) wirklich konsequent umzusetzen. Nur ein „wenn Putin eben nicht will, kann man nichts machen“ reicht als fades Gegenargument

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Ja durchaus, wenn man mit vereinten Kräften an den Sicherheitsmaßnahmen arbeitet - evtl. unter Einbezieheung der UNO (gibt’s die noch??) und den Chinesen, Brasilianer.innen, Südafrikaner.innen - statt so eine sinnfreie Idee, NATO-Soldaten an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland stationieren zu wollen……!

Nicht realistisch. Die Chinesen stützen Russland.

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