Liebes Lage-Team,
ich möchte mit einer sehr großen Bitte starten: BITTE, BITTE, BITTE ladet Ole Nymoen einmal zu euch ein. Ich glaube, ihr habt seine Position noch nicht wirklich richtig dargestellt. Gerne einfach zum Interview, aber am besten würde mir das in einer offenen Diskussions-Sonderfolge gefallen. In dieser könntet ihr eure Positionen gegeneinander halten und euch gegenseitig argumentativ stellen. Für mich klingt das nach einem potenziell sehr hörenswerten Beitrag, vor allem, wenn ihr Ole auch eine faire Chance gebt, seine Position ausführlich darzustellen (wäre ja zwei gegen einen), und ihr euch wirklich viel Zeit nehmt (ggf. eine Doppelfolge?). Vielleicht könnt ihr ja Anne Will als Moderatorin gewinnen 
Darüber hinaus möchte ich hier aber auch ein paar eigene Gedanken loswerden:
Zuerst sollte gesagt sein, dass sich mir immer mehr das Gefühl aufdrängt, dass Ole mit seinem Buch einen absoluten Nerv getroffen hat und dass es eine Mehrheit in Deutschland gibt, die es genau so sieht wie er. Das Thema hält sich schon sehr lange in der Öffentlichkeit, und immer mehr Menschen unterstützen seine Position.
Eure komplette Argumentation baut sich im Grunde auf folgendem Argument auf: „Man kann ja verweigern und dann zivilgesellschaftlich helfen.“ Und hier stellt sich mir leider die Frage: Wie naiv kann man sein? Ich meine das nicht böse, aber wenn sich nicht genug junge Männer (und es sind nun mal aktuell nur die) finden werden, bin ich mir schon nicht sicher, ob es nicht nach der Musterungspflicht ganz bald schon wieder die Wehrpflicht geben wird. Spätestens aber im Ernstfall - Deutschland (oder eigentlich sogar ein NATO-Staat) wird angegriffen - würde Deutschland, wenn sich nicht genug Freiwillige finden lassen, die bereit sind, für die BRD zu sterben, ganz schnell wieder eine Wehrpflicht einführen müssen. Dazu wäre die Bundesregierung ja geradezu verpflichtet, und ich könnte es sogar verstehen, wenn sie das machen, denn sie haben ja geschworen, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden. Ganz zu schweigen davon, dass es aus einem Selbsterhaltungstrieb ja nicht anders möglich wäre, zumindest, wenn man nicht direkt kapitulieren möchte. Und schon ab diesem Punkt würde eure gesamte Argumentation in sich zusammenfallen. Denn dann kann man nicht einfach mehr sagen: Ich verweigere. Mich würde interessieren, ob ihr beide (Ulf & Philip) dann wirklich bereit wäret zu kämpfen, wo ihr doch immer wieder betont, auch nicht kämpfen und, was dann potenziell nötig wäre, töten zu wollen?
Wenn man dieser Argumentation folgt, müsste man sich also, bevor dieser Fall eintritt, Gedanken darüber machen, ob man bereit wäre, für das aktuelle Deutschland zu kämpfen oder sich „verpisst“, denn eine andere Möglichkeit gibt es dann ja nicht. Und da habt ihr selbst in dem aktuellen Podcast und in so vielen davor gesagt, dass die Werte, die immer so im Raum stehen, im Grunde nicht mehr zu 100 % und vielleicht auch nicht zu 60 % der Realität entsprechen: Einfluss von Überreichen, Umgang mit Armut/sozial Schwachen/Flüchtlingen, ökonomische Ungleichheit, Zustand von vor allem sozialer Infrastruktur usw. Klar, da muss dann jeder selber gucken, ob es einem noch genug wäre, dafür zu kämpfen oder nicht. Mein Gefühl sagt aber, die Mehrheit sagt NEIN! Und ich glaube, an den Punkt müssen wir mal kommen, dass wir wirklich mal abprüfen, ob das so ist, und wenn ja, dann muss ja offensichtlich SEHR VIEL endlich mal angegangen werden. Und das ist dann wirklich das große Thema, über das wir alle mal wieder mehr sprechen müssen: Wie müsste sich Deutschland verändern, damit es sich wieder lohnen würde, dafür zu kämpfen?
Ich habe das Gefühl, diese Frage liegt tatsächlich hinter der ganzen Debatte verborgen, und es wäre zunächst schmerzhaft, sich das einzugestehen, aber sehr lohnenswert, dies mal wirklich auszudiskutieren und dann konkret anzugehen. Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mit eurer Reichweite versuchen würdet, dazu einen Anstoß zu geben! Vielleicht mit einer kleinen Diskussionsrunde mit Ole…
PS: Ihr habt in dieser Folge ein bisschen übergangen, dass es auch genug Beispiele für friedliche Revolutionen/Umstürze gibt. Als “aktuellste” kann man hier wohl die “Revolution” in einem ehemals russisch besetzten Land namens DDR anführen…