[LdN 455] Kommunikation des Kanzlers - Merz kann es einfach nicht

Passend zu eurer Berichterstattung über die peinlichen Aussagen von Merz in Brasilien, hat er sich nun in Angola gleich den nächsten Ausrutscher erlaubt:

„Was man am deutschen Brot hat, merkt man immer wieder, wenn man im Ausland ist. Gestern Morgen in Luanda am Frühstücksbuffet hab’ ich gesucht – wo ist ein ordentliches Stück Brot – und keins gefunden.“

Wie kann man als Bundeskanzler glauben, dass so etwas eine angemessene Aussage nach einem Auslandsbesuch ist? Einfach nur peinlich.

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Peinlich ja. Aber da hat er schon sehr viel Schlimmeres gesagt :wink:

Ich glaube, er vergisst immer, dass ihm nicht nur die Menschen im Raum zuhören :face_with_peeking_eye:

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Absolut, mir geht es hier auch eher um den internationalen Aspekt und nicht primär darum, wie „schlimm“ die Aussage für sich genommen ist.

Es gibt ja keinen Mangel an Aussagen von ihm, die sich rassistisch oder sexistisch interpretieren lassen (diplomatisch formuliert…).
Besonders an diesen Fällen ist aber der Kontext von Staatsbesuchen. Er witzelt ja direkt über (potentielle) Partner Deutschlands, mit denen eigentlich eine engere Zusammenarbeit angestrebt wird.

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Ernsthaft, man kann Dinge auch zu einem Problem hochpushen.

Mal ernsthaft, wenn ein Amerikaner nach einer Deutschlandreise bei der Metzgerinnung amerikanisches Fleisch preist, das er in Deutschland vermisst hat oder auf einem Kongress der AKW Betreiber über die deutschen WKA Anlagen jammert, dann ist mir das herzlich egal. Oder der Kongolese über zu wenig Orte an denen man Moambe Fish kaufen kann. Oder whoever.

Wer damit ein Problem hat, der hat möglicherweise ein Problem mit einem übersteigerten Nationalstolz bzw. Lokalpatriotismus.

Schwieriger ist natürlich die Aussage in Belem gewesen, die die Stadt abgewertet hat. Das war schlechter Stil und sollte man nicht tun. Andererseits, wenn jemand über meine Heimat lästert habe ich auch wenig Probleme mit. Berlin hat nun wahrlich seine hässlichen Aspekte und das kann ich absolut respektieren und sogar unterstützen. Und Belem gilt auch in Brasilien nicht gerade als glamourös, höflich ausgedrückt.

Insgesamt rate ich daher dazu nicht jede kleine Aussage zu problematisieren. In Deutschland neigt man manchmal dazu Dinge aus Rücksichtnahme weit kritischer zu sehen als der kritisierte sie sieht.

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Da gehe ich nicht mit.
Die Aussage zum Brot ist ebenso schwierig, weil er die ganze angolanische Küche / Kochkultur abwertet, wenn er sagt, dass es dort „kein ordentliches Brot“ gäbe. Er kann natürlich sagen: „Hey, ich hätte mir deutsches Brot gewünscht, da bin ich halt dran gewöhnt, das schmeckt mir besser, gab’s aber nicht“. Das wäre relativ unproblematisch, es würde ihn eben als Konservativ präsentieren, als jemand, der sich schwer mit Veränderung und dem Ausprobieren des Anderen tut. Aber in seiner Aussage steckt eben exakt „Angolanisches Brot ist kein ordentliches Brot. Nur deutsches Brot ist ordentliches Brot“ und das ist eine Aussage, die engstirnig und einfach nur dumm ist. Wie gesagt, wir sind alle Gewohnheitstiere und mögen natürlich das Brot lieber, mit dem wir aufgewachsen sind, aber in dem Moment, in dem ich damit „richtig“ / „ordentlich“ assoziiere und alles andere als „falsch“ / „nicht-ordentlich“ herabwürdige mache Ich mich zum Depp. Und das hat Merz hier gemacht. Wenn sich nun der Student im Auslandssemester zum Depp macht ist das okay, wenn es der Bundeskanzler beim Auslandsbesuch macht disqualifiziert es ihn.

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Für sich genommen sicher. Bei Merz ist sie aber Teil einer Lawine an Unzulänglichkeiten, unter denen die Innen- und Außenpolitik des Landes Stück für Stück begraben werden. Nicht diese eine Ungeschicklichkeit, quasi nur ein Schneeball, ist das Problem, die Lawine aber schon.

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Ich denke, er glaubt ganz fest daran, dass früher oder später alle seine Großartigkeit erkennen müssen und ist manchmal etwas ungeduldig, weil der Rest des Publikums seine Selbsterkenntnis noch nicht teilen mag.

Meine Erwartungen an Merz erfüllt er komplett. Er übertrifft sie sogar noch, weil sein Unvermögen sich auf noch mehr Teilaspekte seines Amtes erstreckt, als ich angenommen hatte.

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Ich stimme zu, dass wir zu lange und zu intensiv über die Fettnäpfe diskutieren in die unser Bundeskanzler mir ziemlicher Regelmäßigkeit tappt. Dann wird nicht mehr über die Politik diskutiert die er verantwortet. - Oh, vielleicht ist das Strategie?
Was mich grundsätzlich stört, ist die Tatsache, das eine positive Aussage immer mit einer Abwertung verknüpft werden muss. Die positive Aussage kann ja auch für sich stehen. (Deutschland ist ein schönes Land und deutsches Brot ist super.) Ich muss dann doch nicht sagen, dass es in Belem schrecklich ist und das Brot in Angola auch. Wieso immer vergleichen?

Ich vermisse eine sehr bürgerliche Tugend bei Friedrich Merz - Höflichkeit.

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Mit einem „übersteigerten Nationalstolz“ sollten wir mMn. alle ein Problem haben, aber darum geht es mir hier gar nicht.

Wie gesagt, mein Fokus ist nicht, wie schlimm oder nicht-schlimm diese spezifische einzelne Aussage ist. Mir geht es um die Unfähigkeit von Merz, nicht in kommunikative und/oder diplomatische Fettnäpfchen zu treten und um die Regelmäßigkeit, mit der solche komplett vermeidbaren Aussagen von ihm auftreten.

Und ja, so ein Satz, ein Tag nach der Rückkehr aus dem Land und eine Woche nach dem letzten internationalen Ausrutscher (Brasilien), ist dafür absolut symptomatisch.

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Man darf bitte aber auch nicht vergessen, wo diese Brotaussage gefallen ist. Er spricht in Hamburg bei der Meistermeile mit einem Bäcker. Da ist die Aussage ebenso zu werten wie ein Künstler, der in die Crowd ruft, es sei das beste Publikum, das er je hatte. Ich erinnere mich an etliche Gigs bei Rock am Ring bzw. Rock im Park, die bekanntlich in direkter zeitlicher Nähe stattfinden und oft zu leicht provozierenden Sprüchen gegen die jeweils andere Location genutzt wurden.

Das ist einfach ein Fall von zielgruppenorientierter Kommunikation. Ich brauch das nicht und finde es sogar affig. Aber viele unserer Mitbürger finden es leider total toll.

Ein Skandal ist aus meiner Sicht eher nicht die Brotaussage, sondern wie man wieder versucht daraus Kapital zu schlagen, statt tatsächlich Politik zu betreiben und bessere Ideen zu erarbeiten. Da ist Merz nämlich wirklich ziemlich blank.

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Und niemand hätte sich beklagt, wenn Merz einfach nur gesagt hätte, „Deutschland macht das beste Brot der Welt“. Wäre meines Erachtens auch affig und engstirnig, aber bitte. Das Problem wird dann daraus, wenn er sich direkt auf einen vorherigen Staatsbesuch bezieht und eine negative Verbindung dazu herstellt.

Gleiches gilt für die Belem-Sache: Niemand würde sich beklagen, wenn Merz sagen würde, dass „Deutschland das lebenswerteste Land der Welt“ sei. Auch das wäre zwar affig, aber unproblematisch. Aber wenn er eben sagt „Boah, ich war grad in Belem, das war ja so kacke, jetzt weiß ich wieder, wie geil Deutschland ist“, dann ist das einfach mehr als nur eine Kleinigkeit, sondern ein direktes Vor-den-Kopf-Stoßen, ein direkter Verstoß gegen alle diplomatischen Gepflogenheiten. Und das ist einfach unnötig. Wie schädlich und skandalös das wirklich ist können wir gerne diskutieren, aber wir sollten uns einig sein, dass ein Diplomat (und das ist der Bundeskanzler im Hinblick auf Auslandsbesuche) hier einfach ein Mindestmaß an Zurückhaltung üben muss - und diese komplett unnötigen negativen Vergleiche gefälligst zu unterlassen hat.

Man kann das eigene Land, das eigene Brot, die eigene Kultur - whatever - meinetwegen in den Himmel loben und aufwerten, aber sobald man im gleichen Atemzug ein spezifisches anderes Land, eine andere Kultur oder eben auch nur die Bäckerei-Kultur eines anderen spezifischen Landes explizit angreift, ist das Mist. Wenn man das als Bundeskanzler nach einer Reise in dieses Land tut ist es nicht nur Mist, sondern grobe Inkompetenz.

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Wenn man schaut was alles bei Merkel und Scholz kritisiert wurde, überrascht mich eher, dass man Merz nun in Schutz nimmt.
Erweckt in mir den Eindruck, dass man denen zutraute mit Kritik umzugehen oder sogar drüber zu stehen, man bei Merz aber seine Zweifel hat.
Und ja, das ist auch mein Eindruck.

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Ich kann nicht für andere sprechen. Aber ich für meinen Teil sehe sehr vieles was man an Merz kritisieren kann. Darum würde ich gern sehen, dass wir nicht auf solche Ablenkungsdebatten hereinfallen.

Nur für die Records, inhaltlich gibst du die Aussage sicher richtig wieder. Tatsächlich hat er es aber wesentlich höflicher ausgedrückt. Dennoch, dass man die Belem-Aussage kritisch war habe ich selbst oben geschrieben. Da sind wir uns einig.

Sind wir. Nur zur Sicherheit, galt das schon immer? Ich kann mich an einige diplomatische Unangemessenheiten der Vergangenheit aus dem Munde von Außenministerinnen und Botschaftern erinnern, die von den gleichen Leuten begrüßt wurden, die jetzt Merz kritisieren?

Mich haben die damals so angenervt, dass ich mir vielleicht ein zu dickes Fell gegen solchen Quatsch angewöhnt habe.

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Hast du ein Beispiel dafür?

Überrascht mich jetzt nicht wirklich, dass das Thema in dem Zusammenhang wieder herausgekramt wird.

Ungern, ich wollte nicht derailen. Aber ich wenn du fragst,

  • Baerbocks Aussagen über chinesische Politiker oder Präsidentschaftskandidat Trump
  • Melnyk und die gespielte Empörung gegen die nicht ausreichende deutsche Unterstützung, die sogar in Beleidigungen gipfelte

wären nur zwei Beispiele der jüngeren Vergangenheit, die betroffene Länder deutlich vor den Kopf geschlagen haben.

Und da reden wir noch gar nicht über die übliche deutsche Überheblichkeit, mit der wir regelmäßig alle Welt belehren.

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Ich habe mich gewundert, dass der Merz in Sendungen wie Bericht aus Berlin seine Agenda selbst verteidigt. Frau Merkel hat Parteisoldaten wie den Kanzleramtsminister oder den Fraktionschef vorgeschickt und ist selten und sehr spät ins Fernsehen gegangen, dann in Formate, die eine Stunde Zeit für sie reservierten. Machttechnisch halte ich das Verfahren von Merkel viel klüger, weil man sich im televisionären Nahkamp sehr verbeißén kann..

Ja, die Skandalisierung jeder Kleinigkeit (nichts anderes ist das) führt nur dazu, dass man nicht mehr ernst genommen wird.

In Deutschland wird im Übrigen ziemlich unstrittig herrschende Meinung sein, dass angolanisches Brot in keinster Weise mit deutschem Brot mithalten kann. Und das sage ich als jemand, der kein großer Brotesser ist, sondern asiatisches Frühstück bevorzugt (japanischer Reis ist deutschem UND angolanischem Brot überlegen). Deal with it!

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Da reden wir nun über komplett unterschiedliche Fälle.

Natürlich dürfen deutsche Politiker Menschenrechtsverletzungen und Demokratieabbau in Autokratien (China) oder Staaten auf dem Weg in die Autokratie (USA) ansprechen. Das ist sogar ihr Job.

Es ist aber nicht der Job des Bundeskanzlers, andere Kutluren zu beleidigen. Denn die Aussagen darüber, wie lebenswert es in Belem ist oder wie gut angolanische Brotwaren sind, sind eben keine Aussagen, die man unter dem Reiter „Vertretung des internationalen Rechts, der wertebasierten internationalen Ordnung und der Demokratie“ laufen lassen kann. Man kann die Richtung von Baerbock natürlich kritisieren, wenn man es inhaltlich anders sieht, aber sie wurde dafür gewählt, diese Positionen als Außenministerin zu vertreten (und dabei auch anderen Staaten vor den Kopf zu stoßen). Merz wurde hingegen nicht dafür gewählt, anderen Staaten die Überlegenheit der „deutschen Kultur“ auf’s Brot zu schmieren.

Und Melnyk ist nochmal ein ganz anderer Fall. Der wurde von der ukrainischen Regierung eingesetzt, um genau das zu tun, was er tat: Offensiv für die Interessen der Ukraine zu kämpfen. Man kann darüber streiten, ob Melnyks Ansatz der Richtige war - und er war ja auch durchaus umstritten, in allen politischen Lagern! - aber es ist ein ganz anderer Fall als der, über den wir hier diskutieren. Es sind gerade keine vergleichbaren Fälle.

Ein Diplomat darf - und muss! - hin und wieder auch mal Klartext sprechen. Es ist nicht die Aufgabe des Diplomaten, alles abzunicken und alles zu akzeptieren. Aber der Diplomat muss eben weise entscheiden, in welchen Angelegenheiten es sinnvoll ist, auf den Tisch zu hauen. Auf die Einhaltung von Menschenrechten zu pochen oder Waffenlieferungen gegen einen Angriffskrieg zu fordern sind Situationen, in denen Klartext akzeptabel ist, zweckt Betonung der eigenen Überlegenheit im Hinblick auf den Lebensstandard oder der Backwaren hingegen diplomatische Verstimmungen zu riskieren ist einfach nur dumm und unbedacht. Für ein paar billige Sympathiepunkte von einem Bäcker einer anderen Nation vor den Kopf zu stoßen ist einfach nur disqualifizierend für jeden Mitarbeiter im diplomatischen Dienst. Ernsthaft, wer das als Diplomat bringen würde, würde sofort aus dem diplomatischen Dienst fliegen, weil es so offenkundig dämlich ist. Als Bundeskanzler sollte man das wissen und die Selbstbeherrschung haben, solche Dinge zu vermeiden.

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Die Beispiele machen den Unterschied schön deutlich. In beiden Fällen war das eine bewusste Entscheidung. Man kann die richtig oder falsch finden, aber es waren keine unüberlegten Tölpeleien, nicht mal eben so daher gesagte Unachtsamkeiten.

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